mini|300px|Stadtansicht Brandenburgs mit Katharinenkirche, 2015

Brandenburg an der Havel (kurz Brandenburg, sorbisch Bramborska nad Habolu) ist eine kreisfreie Stadt im Land Brandenburg. Sie ist gemessen an den Einwohnern () die drittgrößte Stadt und gemessen an der Fläche die größte kreisfreie Stadt des Landes. Die an der Havel gelegene Stadt ist eines der vier Oberzentren des Landes.

Die slawische Festungsanlage Brandenburg wurde 929 durch König Heinrich I. erobert, die Gründungsurkunde des gleichnamigen Bistums (durch Otto I.) ist auf das Jahr 948 datiert. Im 12. Jahrhundert wurde die Altstadt zur Stadt deutschen Rechts.

Seit 1992 ist Brandenburg Hochschul- und seit 2014 Universitätsstadt, mit einer Technischen und einer Medizinischen Hochschule. Die Stadt ist insbesondere für ihr baukulturelles Erbe bekannt. Wegen ihrer langen Geschichte und aufgrund ihrer namensgebenden Rolle für das Land Brandenburg wird sie auch als „Wiege der Mark“ bezeichnet.

Geographie Lage Brandenburg an der Havel liegt im Westen des Landes Brandenburg, etwa 70 Kilometer von Berlin entfernt, und gehört zur Metropolregion Berlin-Brandenburg. Gemessen an der Fläche von 229,71 Quadratkilometern ist es die größte kreisfreie Stadt des Landes, jedoch nach neun flächengrößeren kreisangehörigen Städten.

Die Stadt liegt am für die Binnenschifffahrt wichtigen Fluss Havel zwischen Potsdam und der Einmündung in die Elbe bei Havelberg. Im Stadtgebiet verzweigt sich die Havel in mehrere Seitenarme und Kanäle, die einige Inseln bilden, die das Stadtbild prägen. Daneben gibt es zehn natürliche Seen, die meist von der Havel durchflossen werden oder mit ihr verbunden sind. Einzig die in der glazialen Bohnenland-Görden-Rinne liegenden Gördensee und Bohnenländer See sowie der Heilige See besitzen keinen natürlichen Zu- und Abfluss zur Havel. Diese werden über künstliche Gräben, der Bohnenländer See über den Eisengraben aus der Butter Laake, der Gördensee über den Quenzgraben, drainiert. Größte Seen im Stadtgebiet sind der Plauer See mit einer Fläche von etwa 640 Hektar und der Beetzsee, der auf der Landkarte als nordöstlicher Zipfel des Stadtgebiets erkennbar ist. In den Seen gibt es mehrere Inseln wie beispielsweise Buhnenwerder zwischen Plauer, Breitling- und Möserschem See. Ebenfalls Buhnenwerder ist der Name einer Insel im Beetzsee. Der Riewendsee, nordöstlich des Beetzsees, stellt eine Exklave der Stadt dar. Er gehört zwar zu Brandenburg, ist jedoch vollständig von anderen Gemeinde- beziehungsweise Stadtgebieten umgeben. Umgekehrt trennt der schmale Gebietskorridor von Beetz- und Riewendsee die Gemeinde Beetzsee fast vollständig vom Rest des Landkreises Potsdam-Mittelmark ab. Die Havel wiederum trennt die historischen Landschaften Havelland im Norden und Zauche im Süden. Die Stadt besitzt Anteile an beiden Landschaften. Weitere natürliche Fließgewässer neben der Havel sind die im Fläming entspringenden Flüsse Plane und ihr Nebenfluss Temnitz beziehungsweise Sandfurthgraben und die Buckau und ihr Nebenfluss Verlorenwasser. Plane und Buckau münden jeweils in den Breitlingsee. Der zwischen den Ortsteilen Wust und Gollwitz in die Havel einmündende Fluss Emster wurde im 19. Jahrhundert kanalartig ausgebaut und verbreitert. Daneben gibt es einige Kanäle, wie den Jakobsgraben, den Brandenburger Stadtkanal und den Silokanal, die zu unterschiedlichen Zeiten als Wasserwege angelegt wurden.

Die höchste Erhebung im Stadtgebiet mit über 70 Metern liegt am Südende der Stadtfläche südlich der Autobahn. In der Stadtmitte erreicht der Marienberg eine Höhe von fast 68 Metern. Er war bis zur Eingemeindung von Schmerzke 1993 die höchste Erhebung und gehört zu einer eiszeitlichen Hügelkette in der Eisrandlage 1 c der Brandenburg-Phase der Weichsel-Kaltzeit. In der Randlage 2 entstand der später für den Weinbau genutzte und etwa 63 Meter hohe Weinberg bei Klein Kreutz. Im Südosten des Stadtgebietes hat Brandenburg zwischen Kirchmöser und Mahlenzien Anteil an der in der Haupteisrandlage gebildeten Hochfläche der Karower Platte. Auf dieser liegt beispielsweise der Mühlenberg, der wie der Marienberg historisch als Telegrafenberg genutzt worden war.

Die Böden sind gemeinhin eher sandig und zum Teil wenig fruchtbar. Etwa 75 Prozent des Stadtgebiets sind landwirtschaftliche Nutzfläche, Sumpfgebiete oder Wasserfläche. Zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Stadt gehören auch die Forste Gördenwald, Neustädter Heide und Neu-Plauer Forst, die mit kleineren Waldgebieten etwa 20 Prozent der kommunalen Fläche ausmachen. Bestimmende Bepflanzung in diesen Gebieten ist monokulturell die Kiefer, wobei in letzter Zeit verstärkt davon abgerückt und zum Pflanzen einer Mischvegetation übergegangen wird.

Stadtgliederung mini|Plauer See, eingemeindet 1952 Die Stadt Brandenburg an der Havel hat eine Fläche von 229,71 km² und ist in acht Stadtteile gegliedert:

Die drei mittelalterlichen Stadtkerne bilden heute die Stadtteile Altstadt, Neustadt und Dom. Im Norden der historischen Gemarkung der Altstadt wurden im 20. Jahrhundert drei neue Stadtteile planmäßig angelegt: in den 1920er Jahren Görden, ab 1959 der Stadtteil Nord und ab 1972 das Plattenbaugebiet Hohenstücken. 1952 wurden die Stadt Plaue und die Gemeinde Kirchmöser eingemeindet, die heute die beiden westlichen Stadtteile sind.

Innerhalb der Stadtteile gibt es acht Ortsteile, die historisch gesehen vom Stadtgebiet losgelöste Siedlungen sind und jeweils durch einen eigenen Ortsvorsteher in der Stadt vertreten werden:

Zu Neustadt gehören seit 1993 die südöstlichen Ortsteile Göttin und Schmerzke. Zu Dom gehören im Osten seit 1993 der Ortsteil Klein Kreutz/Saaringen und seit 2003 die Ortsteile Gollwitz und Wust. Plaue und Kirchmöser werden sowohl als Stadtteile als auch als Ortsteile geführt. Zu Kirchmöser hat seit 1993 außerdem den südlichen Ortsteil Mahlenzien.

Einige Gebiete sind weiter in Ortslagen und Wohnplätze unterteilt. An der nördlichen Grenze zur Gemeinde Beetzsee liegt der Wohnplatz Brielower Ausbau, westlich von diesem Butterlake und davon nördlich Bohnenland.

Eingemeindungen

Die Gemeinden Dom Brandenburg und Neuendorf wurden 1929 nach Brandenburg eingemeindet.Stadtarchiv Brandenburg an der Havel, Verwaltungs- und Archivgeschichte Der Ort Wilhelmsdorf folgte 1937.

In der DDR wurden am 1. Juli 1950 zunächst die Orte Göttin, Klein Kreutz, Mötzow und Schmerzke Ortsteile Brandenburgs, ehe sie nur zwei Jahre später, am 25. Juli 1952, wieder selbständige Gemeinden wurden. Zum selben Datum wurden die Gemeinde Kirchmöser und die Stadt Plaue Orts- und Stadtteile. Der Ort Saaringen wurde am 1. Januar 1957 nach Klein Kreutz eingemeindet.

Am 6. Dezember 1993 wurden Klein Kreutz mit Saaringen und erneut Schmerzke und Göttin in die Stadt Brandenburg an der Havel eingegliedert.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Am 26. Oktober 2003 wurden die Dörfer Gollwitz und Wust in die Stadt eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003

Nachbarkreise, -städte und -gemeinden Die kreisfreie Stadt Brandenburg an der Havel ist fast vollständig vom Landkreis Potsdam-Mittelmark umgeben. Über wenige Kilometer im äußersten Nordwesten und Nordosten grenzt daneben auch der Landkreis Havelland an das Stadtgebiet. Die Nachbarstädte und -gemeinden sind im Uhrzeigersinn: im Nordwesten die Gemeinde Milower Land im Landkreis Havelland, im Norden die Stadt Havelsee und die Gemeinden Beetzsee und Roskow in Potsdam-Mittelmark. An den Ufern der zur Stadt gehörenden Seen Beetzsee und Riewendsee liegen im Norden beziehungsweise Nordosten Beetzseeheide, Päwesin in Potsdam-Mittelmark und die havelländische Stadt Nauen. Im Osten grenzt die Gemeinde Groß Kreutz an Brandenburg, im Süden liegen Kloster Lehnin, Wollin und Wenzlow und im Westen Rosenau, Wusterwitz und Bensdorf. Sie alle liegen wiederum im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Naturschutzgebiete In den 1990er Jahren wurden die Niederungen des Fiener Bruchs und angrenzende Bereiche im Rahmen des Natura-2000-Netzes als EU-Vogelschutzgebiet Fiener Bruch ausgewiesen. Im äußersten Südwesten hat Brandenburg an der Havel einen kleinen Anteil an diesem Vogelschutzgebiet. mini|links|Möweninsel Buhnenwerder Die Insel Buhnenwerder im Beetzsee ist als Möweninsel Buhnenwerder als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Sie wurde bereits am 1. April 1930 mit einer Verordnung des Regierungspräsidenten zum Naturschutzgebiet erklärt. Sie ist damit das älteste Naturschutzgebiet der Stadt Brandenburg. Auf der Insel befand sich eine große Brutkolonie Lachmöwen, die Ziel der Unterschutzstellung war. Bereits 1929 hatte der Volksbund Naturschutz Buhnenwerder gepachtet und eine Beobachtungsstation aufgebaut. In der Zeit der Eiablage wurde die Brutkolonie überwacht und vor Plünderungen der Gelege geschützt. Auch war Buhnenwerder frühzeitig Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten über Lachmöwen. So wurden Jungtiere und Zugverhalten dokumentiert.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden die Gelege auf der Insel massiv geplündert und Buhnenwerder als Truppenübungsgelände genutzt, was zu einem Verschwinden der Brutkolonie führte. Nachdem nach Ende des Krieges das Gebiet jedoch erneut unter Schutz gestellt worden war, kam es rasch zur Wiederansiedlung der Vögel. Seit Ende der 1950er Jahre sind die Bestände jedoch rückläufig. Weitere Tierarten auf der Insel sind Fluss-Seeschwalbe, Drosselrohrsänger, Rohrammer, RohrdommelNaturschutz zwischen 1918 und 1945 (PDF; 440 kB) bsn-kiosk.de; abgerufen am 14. September 2014.Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 246. und Europäische Sumpfschildkröte.

Landschaftswandel

Seit etwa 1180 wurde die Havel durch Dämme bei der Brandenburger Dominsel gestaut, um Wassermühlen zu betreiben,Winfried Schich: Die Havel als Wasserstraße im Mittelalter. (PDF; 299 kB) (S. 7): Landweg Magdeburg – Köpenick – Lebus – Posen (S. 22): Datierung des Mühlenstaus anhand des Wasseranstiegs in Spandau südlich der Mühlendamm zwischen Dominsel und Neustadt, nördlich drei Dämme im Verlauf der Krakauer Straße. Wegen des geringen Gefälles des Flusses ließ der Brandenburger Mühlenstau den Wasserspiegel noch 64 km flussaufwärts in Spandau um mehr als einen Meter ansteigen. Dadurch entstanden an der mittleren Havel Feuchtgebiete von Menschenhand, während der hochmittelalterliche Landesausbau sich anderswo durch die Trockenlegung von Marschländern auszeichnete.

Im Norden des Stadtgebietes, im Altstädtischen Forst liegen der Gördensee und der Bohnenländer See, die sich in einer glazialen Rinne, der Bohnenland-Görden-Rinne bildeten. Die Seen sind ohne natürlichen Abfluss. Seit Anlage von Abflussgräben, des Eisengrabens vom Bohnenländer und des Quenzgrabens vom Gördensee, verlieren beide deutlich an Volumen und Fläche, sind die Seen von einem ausgeprägten und unnatürlichen Verlandungsprozess betroffen. So hatte beispielsweise der Gördensee noch im späten 18. Jahrhundert eine etwa doppelt so lange Nord-Süd-Ausdehnung und eine etwa um 50 Prozent größere Wasserfläche als zu Beginn des 21. Jahrhunderts.Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau: Schmettausches Kartenwerk. Zweite Hälfte 18. Jahrhundert. Die verlorenen Wasserflächen werden von moorig-sumpfigen Böden und einem ausgedehnten Schilfgürtel bedeckt. Aufgrund der voranschreitenden Verlandung werden beide Seen als sterbende Seen beschrieben.Geiseler/Heß; Stichwort „Gördensee“, S. 132

Klima