Raumschiff Enterprise (Original: Star Trek; später auch Star Trek: The Original Series, Abkürzung TOS) ist eine Science-Fiction-Fernsehserie aus den 1960er-Jahren von Gene Roddenberry und Basis des Star-Trek-Franchise. Unter dem Kommando von Captain James T. Kirk erkundet das Raumschiff Enterprise unbekannte Bereiche des Universums. Dabei wird seine multi-ethnische Besatzung mit unbekannten Phänomenen, Lebensformen und Feinden konfrontiert. Wegen schwacher Einschaltquoten stellte der US-Fernsehsender NBC die Serie 1969 nach drei Staffeln mit insgesamt 79 Folgen ein. Erst in den folgenden Jahren entwickelte sie sich aufgrund zahlreicher Wiederholungen zu einem popkulturellen Phänomen.
Konzept
Vorspann Der im Vorspann der deutschen Synchronfassung gesprochene Text lautet:
Der Text unterscheidet sich in einigen Punkten vom englischen Original, zudem wird in der Serie keine derart genaue Jahresangabe gemacht:
Allgemeine Handlung Im 23. Jahrhundert haben die Menschen auf der Erde soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten überwunden. Aus nachfolgenden Star-Trek-Serien lässt sich erschließen, dass Raumschiff Enterprise im Jahr 2265 beginnt. Die Erkundung des Weltraums hat zu Allianzen mit außerirdischen Lebensformen geführt. Die Besatzung des Raumschiffs Enterprise von der Föderation der Vereinigten Planeten widmet sich der Entdeckung bislang unbekannter Lebensformen. Die Konfrontationen mit unerforschten Phänomenen und Feinden stellen Captain James T. Kirk und seine Offiziere immer wieder vor schwierige Aufgaben.
An Kirks Seite stehen Mr. Spock – Erster Offizier sowie Wissenschaftsoffizier – und Schiffsarzt Dr. Leonard McCoy. Der Halbvulkanier Spock gilt nicht nur wegen der spitzen Ohren und Augenbrauen als Exot auf dem sonst von Menschen bevölkerten Raumschiff: Das wesentliche Merkmal der vulkanischen Kultur ist die Abkehr von Emotionalität zugunsten einer streng logischen Denkweise. Im Gegensatz dazu vertritt der manchmal mürrische, aber herzliche Dr. McCoy ein humanistisches Weltbild. Wegen ihrer sich ergänzenden Eigenschaften etablierten sich Kirk, Spock und McCoy als Triumvirat: Die meist offen ausgetragenen Konflikte zwischen dem rationalen Spock und dem impulsiven McCoy helfen Kirk als Handlungsträger, seine Entscheidungen zu treffen.mini|hochkant=1.2|Modell des Raumschiffs in Las Vegas
Die weiteren wichtigen Besatzungsmitglieder spiegeln die Bandbreite verschiedener Nationalitäten der Erde wider: Der schrullige, aber kompetente Chefingenieur Montgomery Scott ist Schotte, am Navigationspult kommen sowohl der dynamische Japaner Hikaru Sulu als auch – ab der zweiten Staffel – der junge Russe Pavel Chekov zum Einsatz. Als Kommunikationsoffizier ist mit Lt. Uhura nicht nur eine Frau, sondern auch eine Schwarze in leitender Position tätig, was zum Zeitpunkt der Entstehung der Serie als besonders fortschrittlich galt.
Zu den technischen Rahmenbedingungen zählt der Warp-Antrieb des Raumschiffs, der quasi-überlichtschnelle interstellare Reisen möglich macht. Zwar stehen den Besatzungsmitgliedern auch kleinere Shuttles zur Verfügung, doch durch das Beamen können nahegelegene Reiseziele, etwa ein Planet oder ein anderes Raumschiff, bedeutend schneller erreicht werden; dazu werden Lebewesen und Objekte in ihre Moleküle zerlegt und unverzüglich am Bestimmungsort wieder zusammengesetzt. Hauptgrund für die Einführung des Beamens war, dass sich dadurch das aufwendige Drehen von Raumschiff- oder Shuttlelandungen vermeiden ließ.Beamen auf www.star-voyager.de Zu den Ausrüstungsgegenständen bei Außenmissionen zählen Sprechgeräte für die Kommunikation, Tricorder für die Datenaufzeichnung, -speicherung und -analyse sowie Phaser als Waffen, deren Wirkung auf Tötung oder Betäubung eingestellt werden kann.
Der Originaltitel Star Trek (in etwa „Zug zu den Sternen“) ist an die strapaziösen Reisen der amerikanischen Pioniere angelehnt, die mit ihren Planwagen den noch unbekannten Kontinent erschlossen („Siedlertrecks“). Gene Roddenberry ging bei der Konzeption der Serie von vielen erdähnlichen Planeten aus, die erst noch entdeckt werden müssten. Auch aus Kostengründen ähneln die meisten von der Enterprise aufgesuchten Planeten der Erde. Extraterrestrische Völker sind meist humanoid; sie unterscheiden sich von Menschen oft nur durch exotische körperliche Details (etwa durch die Hautfarbe) oder werden durch hervorstechende Charaktereigenschaften definiert: Vulkanier sind logisch, Klingonen kriegerisch. Der vernunftbetonte Umgang mit außerirdischen Lebensformen und Phänomenen war ein Markenzeichen der Serie, um sich von den Invasionsszenarien klassischer Science-Fiction-Produktionen abzuheben und eine glaubwürdige Atmosphäre zu schaffen. Gene Roddenberry bestritt energisch die Ansicht, die Sternenflotte sei eine militärische Organisation, und betonte, die Missionen dienten dazu, Frieden zu stiften und Leben zu schützen, auch wenn die Mannschaftsmitglieder Uniformen tragen und sich mit Dienstgraden ansprechen. Obwohl die Friedensmission im Vordergrund steht, kommt es im Laufe der Folgen auch zu mit Waffen ausgetragenen Konflikten.
Entstehungsgeschichte
Die Anfänge Am 11. März 1964 stellte Gene Roddenberry seinen Entwurf für Star Trek bei CBS vor. Er plante eine Action-Abenteuer-Science-Fiction-Serie aus einstündigen Episoden mit zentralen Hauptfiguren und weiteren regelmäßig wiederkehrenden Figuren. Die Serie sollte von einem Raumschiff namens SS Yorktown handeln, das von Robert M. April kommandiert wird, benannt nach einem Gefängnisseelsorger aus der Westernserie Have Gun – Will Travel, für die Roddenberry zahlreiche Drehbücher geschrieben hatte. CBS lehnte ab; dafür nahm NBC im selben Jahr das Projekt an. Daraufhin wurde der Name des Captains in Christopher Pike und der Name des Raumschiffs in USS Enterprise geändert.
Für den US-amerikanischen Fernsehsender NBC entstand 1964/65 der Pilotfilm Der Käfig (The Cage) mit Jeffrey Hunter in der Hauptrolle des Captain Pike. Die Verantwortlichen lehnten es jedoch ab, die Serie Star Trek in dieser Form zu realisieren, da ihnen der Pilotfilm „zu kopflastig“ erschien.„Too cerebral“, Allan Asherman: The Star Trek Interview Book, S. 154. Das Produktionsteam um Gene Roddenberry erhielt eine zweite Chance, musste allerdings einige Änderungen akzeptieren: Neben einer stärkeren Gewichtung auf Action sollten auch keine Frauen mehr in leitender Position zu sehen sein. Zwar verschwand somit der als Nummer 1 angesprochene weibliche Erste Offizier (gespielt von Majel Barrett), doch in einem anderen Punkt setzte sich Roddenberry gegenüber dem Sender durch: Mr. Spock, dessen spitze Ohren und Augenbrauen einen satanischen Eindruck machten, blieb trotz der Einwände der Senderverantwortlichen Teil der überarbeiteten Serie.
Der zweite, 1965 gedrehte Pilot Die Spitze des Eisberges (Where No Man Has Gone Before), in dem nun William Shatner als Captain Kirk den anderweitig verpflichteten Jeffrey Hunter ersetzte, fand Zustimmung. Nach weiteren Änderungen am Produktionsdesign, speziell an den Kostümen, sowie an den Figuren (besonders auffällig: der Zugang des Schiffsarztes McCoy und von Lieutenant Uhura, die den Kommunikationsoffizier Alden, gespielt von Lloyd Haynes, ablöste) ging die erste Staffel von Star Trek in Produktion, wobei die durchschnittliche Drehzeit bei sechs Tagen pro Folge lag.Allan Asherman: The Star Trek Interview Book, S. 164.
Erste Staffel
Mit der Folge The Man Trap (dt. Titel Das Letzte seiner Art) startete Star Trek am 8. September 1966 im US-amerikanischen Fernsehen. Die Geschichte um ein extraterrestrisches Lebewesen, das Salz zum Überleben braucht, in der Gestalt von McCoys Jugendliebe erscheint und schließlich in seiner Verzweiflung mehrere Mannschaftsmitglieder ermordet, ehe es selbst getötet wird, wurde vom Sender NBC als Pilotfolge ausgewählt. Die Autoren um Gene Roddenberry hätten lieber einer Folge den Vorzug gegeben, die das angestrebte Niveau der neuen Serie besser repräsentierte: etwa der vierten Folge The Naked Time (Implosion in der Spirale), in der sich Besatzungsmitglieder der Enterprise mit einem Virus infizieren, das ihre verborgenen Emotionen freisetzt und schließlich zu Wahnsinn und Tod führt.
Die Produktion kämpfte nicht nur mit einem stark begrenzten Budget, das für eine Science-Fiction-Serie besonders knapp schien: Die Entwicklung und Realisation der Drehbücher geriet in der ersten Staffel stark in Verzug. Um einerseits keinen der wöchentlichen Sendetermine ausfallen zu lassen und andererseits den teuren Pilotfilm mit Jeffrey Hunter nicht zu vergeuden, wurde The Cage mittels Rahmenhandlung in die laufende Serie eingearbeitet: Während einer Gerichtsverhandlung gegen Spock, der die Enterprise entführt hat, um den mittlerweile entstellten und gelähmten Captain Pike zum Planeten Talos IV zu bringen, erscheint das Filmmaterial des ersten Pilotfilms als visuelle Logbuchaufzeichnung auf der Leinwand. The Menagerie (Talos IV – Tabu, Teil I und Teil II) blieb der einzige Zweiteiler der Serie und wurde 1966 mit dem International Hugo Award for Best Science Fiction Dramatic Presentation ausgezeichnet.Ralph Sander: Das Star Trek Universum, Band 1, 1994, S. 63.
Zu weiteren Höhepunkten der 29 Folgen umfassenden ersten Staffel zählen unter anderem The Enemy Within (Kirk : 2 = ?), in der Kirk durch eine Fehlfunktion des Transporters in seine guten und bösen Charaktereigenschaften aufgeteilt wird, Space Seed (Der schlafende Tiger) mit Ricardo Montalbán, der seine Rolle als charismatischer Gegenspieler Khan im zweiten Kinofilm wieder aufnehmen sollte, und The Devil in the Dark (Horta rettet ihre Kinder), die das Konzept von Star Trek auf den Punkt brachte, indem ein unbekanntes und gefährliches Wesen sich als eine um ihre Kinder besorgte, intelligente Lebensform erweist. Die als 28. Folge ausgestrahlte Geschichte The City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte) zählt zu den gefeiertsten der klassischen Star-Trek-Serie: Durch ein Zeittor folgen Kirk und Spock dem von Wahnvorstellungen geplagten McCoy ins New York der 1930er Jahre. Dort verliebt sich Kirk in die engagierte Edith Keeler (Joan Collins). Um die Zeitlinie aufrechtzuerhalten, muss Spock Kirk und den eben wiedergefundenen McCoy daran hindern, Edith das Leben zu retten. The City on the Edge of Forever basiert auf dem Drehbuch des renommierten Science-Fiction-Autors Harlan Ellison, das allerdings vor den Dreharbeiten stark überarbeitet wurde: Dass Drogenmissbrauch zu den Wahnvorstellungen führte, passte nicht in das von Roddenberry gestaltete Konzept von Star Trek. Stattdessen injiziert sich McCoy beim Verabreichen eines Medikaments versehentlich eine Überdosis. Die Folge erhielt 1967 den Hugo Award for Best Science Fiction Dramatic Presentation, das Originaldrehbuch von Ellison wurde von der Screen Writers Guild ausgezeichnet.Ralph Sander: Das Star Trek Universum, Band 1, 1994, S. 92.
Wegen enttäuschender Quoten drohte bald die Einstellung der Serie. Engagierte Science-Fiction-Fans und -Autoren protestierten daraufhin massiv: „The Committee“, bestehend aus namhaften Autoren wie Robert Bloch, Harlan Ellison, Poul Anderson, Theodore Sturgeon, A. E. van Vogt und anderen, rief zu einer groß angelegten Briefaktion auf.Ralph Sander: Das Star Trek Universum, Band 1, 1994, S. 95. Herbert Solow, der damals für die Produktion der Serie verantwortlich war, geht allerdings davon aus, dass nicht die Briefkampagne allein die Serie rettete, sondern der Umstand, dass Star Trek eine der beliebtesten Serien war, die in Farbe gedreht wurden. Da NBC großes Interesse an der Verbreitung des Farbfernsehens hatte, war man trotz geringer Gesamtzuschauerzahlen an der Fortsetzung interessiert.Herbert Solow, Robert Justman: STAR TREK – Die Wahre Geschichte, 1996, S. 327 ff. NBC genehmigte letztlich die Produktion einer zweiten Staffel. Die Serie erhielt aber einen neuen Sendeplatz und wanderte 1967 von Donnerstag- auf Freitagabend, was noch schlechtere Einschaltquoten erwarten ließ.