Rheinsberg (plattdeutsch: Rhinsbarg) ist eine Kleinstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg, gelegen am Rhin, einem Nebenfluss der Havel. Die Kernstadt mit den Ortsteilen Kleinzerlang und Flecken Zechlin ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Rheinsberg gehört zu den nach Fläche größten Gemeinden Deutschlands.

Die Geschichte des Ortes hängt vor allem mit dem Schloss Rheinsberg zusammen. Bekannt wurde Rheinsberg durch das Buch Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte von Kurt Tucholsky und durch die Erwähnung in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg von Theodor Fontane. Es liegt im Urlaubsgebiet Neustrelitzer Kleinseenland der Mecklenburgischen Seenplatte.

Geographie

Rheinsberg gehört zum Ruppiner Land. Es liegt im Rheinsberger Seengebiet, dem südwestlichen Teil des Neustrelitzer Kleinseenlandes, zwischen vielen großen und kleinen Seen (der Hauptort am Grienericksee) und in einer abwechslungsreichen, hügeligen Waldlandschaft. Südlich von Rheinsberg schließt sich die Ruppiner Schweiz an, im Westen erstreckt sich die Wittstock-Ruppiner Heide, die teilweise als Truppenübungsplatz Wittstock militärisch genutzt wurde.

Stadtgliederung mini|Schloss Rheinsberg mini|Evangelische Kirche St. Laurentius in Rheinsberg, im Vordergrund der Marktplatz mit dem Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Die Stadt Rheinsberg besteht aus 17 Ortsteilen, dazu kommt eine Reihe weiterer Gemeindeteile und Wohnplätze:Kommunalverzeichnis des Landes Brandenburg; abgerufen am 1. Mai 2026

Ortsteile Basdorf, Braunsberg, Dierberg, Dorf Zechlin, Flecken Zechlin, Großzerlang, Heinrichsdorf, Kagar, Kleinzerlang, Linow, Luhme, Rheinsberg, Schwanow, Wallitz, Zechlinerhütte, Zechow, Zühlen

Bewohnte Gemeindeteile Adamswalde, Alt Lutterow, Beckersmühle, Beerenbusch, Charlottenau, Feldgrieben, Heimland, Heinrichsfelde, Hohenelse, Kolonie, Köpernitz, Köpernitzer Mühle, Linowsee, Lotharhof, Möckern, Neu Lutterow, Neuköpernitz, Neumühl, Paulshorst, Prebelow, Repente, Rheinshagen, Schlaborn, Uhlenberge, Warenthin, Wittwien

Wohnplätze Berkholzofen, Boberow, Grüne Hütte, Pariser Eiche, Possluch, Schleuse Wolfsbruch

Wüstungen Zu Rheinsberg gehören die Wüstungen Briesen, Raderang, Zootzen und Gollinsofen. Zahlreiche im 15. Jahrhundert wüst gewordene Siedlungen wurden im 18. Jahrhundert neu besiedelt (Lutterow, Basdorf, Braunsberg, Schwanow, Linow u. a.).

Geschichte Rheinsberg erhielt nach verbreiteter Meinung seinen Namen von Siedlern aus dem Niederrheingebiet im Zuge der Ostkolonisation im 12. Jahrhundert. Eine eigenständige germanische Bildung vom selben Wortstamm für „rinnen, fließen“ kann aber nicht ausgeschlossen werden. Obwohl die Umgebung des Flusses einige Jahrhunderte lang von Slawen besiedelt war, ist ein slawischer Name nicht überliefert.

Die Gegend um Rheinsberg war schon sehr früh besiedelt. Siedlungsreste wurden auf der Insel Remus im Rheinsberger See gefunden. Rheinsberg kam 1524 mit der Herrschaft Ruppin an die Mark Brandenburg. Die Stadt ist untrennbar mit dem Schloss Rheinsberg und dem Herrschergeschlecht der Hohenzollern verbunden. Seit dem Erwerb Rheinsbergs durch den preußischen König Friedrich Wilhelm I. und nach dem Brand der Stadt im Jahr 1740 wurden Stadt und Schloss (ursprünglich ein Renaissancebau von 1566) von den Baumeistern Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff wieder aufgebaut. Das Residenzschloss Friedrichs des Großen gilt als Musterbau des friderizianischen Rokokos und diente als Vorlage für Potsdam-Sanssouci. In der hiesigen kronprinzlichen Kapelle wirkte Carl Philipp Emanuel Bach als Kammer-Cembalist Friedrichs II. Durch den Um- und Ausbau des Schlosses entwickelte sich Rheinsberg zu einer kleinen barocken Residenzstadt.

Im Jahr 1762 wurde eine Manufaktur für Steingut gegründet, die bald zu den größten in Preußen gehörte. Die Steingutfertigung wurde in Manufakturen wechselnder Besitzer bis 2022 industriell fortgesetzt.

Nachdem Friedrich II. König geworden war, trat er das Anwesen an seinen Bruder Heinrich ab, der das Schloss bis zu seinem Tode (1802) bewohnte und weiter erweitern und umbauen ließ.

1904 nahm die Rehaklinik Hohenelse ihren Betrieb als Genesungsheim Hohenelse auf, die heute über insgesamt über 196 Betten verfügt. Von 1919 bis 1925 wurde die Gartenstadt, Werkssiedlung Rhinhöhe für die Belegschaft der Keramikfabrik Christian Carstens KG an der Lindenallee gebaut. Die Gartenstadt umfasste ursprünglich 29 Einfamilienhäuser, 13 Doppelhäuser und ein Ledigenwohnheim. Besondere Dachformen zeichnen die Bauform der Siedlung aus. Das Großunternehmen Carstens besaß mehrere Keramikwerke und 14 Porzellanfabriken, es war nach Villeroy & Boch der zweitgrößte Keramikproduzent in Deutschland. Der Vertrieb hatte Überseehandel.

Nahe Rheinsberg wurde 1966 am Großen Stechlinsee das Kernkraftwerk Rheinsberg in Betrieb genommen. Es prägte bis zu seiner Abschaltung 1990 die Stadt als größter Arbeitgeber.

Die Gemeinden Basdorf, Braunsberg, Dierberg, Dorf Zechlin, Flecken Zechlin, Großzerlang, Heinrichsdorf, Kagar, Kleinzerlang, Linow, Luhme (mit dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Ort Repente),Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Herausgeber: Statistisches Bundesamt. Schwanow, Wallitz, Zechlinerhütte, Zechow und Zühlen wurden am 26. Oktober 2003 eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003

Rheinsberg ist seit 1968 staatlich anerkannter Erholungsort. Später wurden Kleinzerlang (seit 2004) und Flecken Zechlin (seit 2011) in dieses Prädikat eingeschlossen, ohne dass die Ortsteile aneinandergrenzen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2 251 1890 2 437 1910 2 991 1925 3 269 1933 3 343 1939 3 722 Jahr Einwohner 1946 4 215 1950 4 125 1964 5 271 1971 5 572 1981 5 366 1985 5 373 Jahr Einwohner 1990 5 514 1995 5 274 2000 5 153 2005 9 005 2010 8 466 2015 8 153 Jahr Einwohner 2020 7 948 2021 7 871 2022 7 742 2023 7 760 2024 7 699 2025 7 663

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin, S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Rheinsberg besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 BVB/Freie Wähler Rheinsberg 45,1 % 8 44,6 % 8 CDU 13,6 % 3 28,1 % 5 SPD 21,5 % 4 10,3 % 2 Die Linke 11,3 % 2 9,8 % 2 FDP 6,0 % 1 4,1 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 3,2 % – Piraten 1,5 % – – – Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin 1,0 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

Bürgermeister (ohne kommissarische):, abgerufen am 15. August 2014.

Schwochow wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 mit 50,5 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 15. Oktober 2017 Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 mit 65,2 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Rheinsberg unterhält Partnerschaften zu Ascheberg in Nordrhein-Westfalen seit 1991, Fangasso in Mali seit 1994, Huber Heights in den USA seit 1995, Mariefred in Schweden seit 1994 und Toftlund in Dänemark seit 1995.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke

Schloss Rheinsberg Evangelische Kirche St. Laurentius aus dem 13. Jahrhundert mit Renaissance-Ausstattung Ehemaliges Kavalierhaus, seit 1991 ist hier die Bundes- und Landesmusikakademie untergebracht, welche das Schlosstheater betreibt Alfred-Wegener-Gedenkstätte (Polarforschung) in Zechlinerhütte, 5 km nördlich von Rheinsberg. Postmeilensäule aus dem 18. Jahrhundert Wartturm aus dem 18. Jahrhundert; erbaut zur Zeit Prinz Heinrichs Werkssiedlung Rhinhöhe in Rheinsberg, Gartenstadt Häuserensemble der 1920er Jahre, Bauzeit 1919 bis 1925, 1930 Weiterführung Todesmarsch-Tafel von 1976 im Ortszentrum von Flecken Zechlin zur Erinnerung an die im April 1945 umgekommenen Häftlinge des KZ Sachsenhausen Gedenkstein für sieben Todesopfer von KZ-Häftlingen auf dem Friedhof des Ortsteils Flecken Zechlin an der Hugo-von Graevenitz-Straße Grabstein am Südrand des Friedhofes im Ortsteil Linow zum Gedenken an die 15 KZ-Häftlinge, die den Todesmarsch im April 1945 nicht überlebten Ehrengrabanlage auf dem Städtischen Friedhof Rheinsberg an der Schlossstraße für umgekommene Häftlinge des Todesmarsches Gedenkstein für die Toten der Kriege auf dem Städtischen Friedhof Rheinsberg Bahnhof Rheinsberg (Mark) und Bahnanlagen Holländer Windmühle einen Kilometer südlich vom Stadtkern, 1897 bis 1900 erbaut, 1999 wurde die Haube mit den vier Flügeln rekonstruiert

Museen mini|Tucholskys Schreibtisch aus der Villa Nedsjölund in Hindås (Schweden) im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum mini|hochkant|Denkmal des Kronprinzen Friedrich vor dem Schloss Rheinsberg von Gottlieb Elster (1903) mini|hochkant|Grabpyramide des Heinrich von Preußen im Schlosspark von Rheinsberg Schloss Rheinsberg, von 1734 bis 1739 umgebaut von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, von 1736 bis 1740 Wohnsitz von Kronprinz Friedrich (dem späteren König Friedrich II. von Preußen) sowie dessen Bruder Heinrich Prinz von Preußen (1726–1802), in der DDR-Zeit Diabetiker-Klinik, jetzt Museum und Kurt Tucholsky Literaturmuseum Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum, dokumentiert das literarische Schaffen des Schriftstellers Kurt Tucholsky. Das Archiv wird durch ständig wechselnde Ausstellungen, Vorträge und Lesungen ergänzt. Das Kurt Tucholsky Literaturmuseum wurde in das „Blaubuch“ der Bundesregierung als ein „kultureller Gedächtnisort“ mit nationaler Bedeutung aufgenommen. Keramikmuseum Rheinsberg, zeigt die geschichtliche Entwicklung von Dekor und Form der Rheinsberger Keramik seit 1762 Eisenbahnmuseum im ehemaligen Lokschuppen des Bahnhofs, von der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof betrieben Das Haus der Stadtgeschichte des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg widmet sich der bürgerlichen Historie der Stadt, die im Gegensatz zur höfischen Geschichte des Schlosses lange Zeit kaum dokumentiert war. Es werden wechselnde Sonderausstellungen sowie Vorträge und Lesungen angeboten.

mini|Konzerthaus Rheinsberg

Musik und Theater Rheinsberg hat eine lange kulturelle Tradition. Sie geht schon auf den damaligen Kronprinzen Friedrich zurück, der um sich bildende Künstler und Musiker versammelte. Rheinsberger Musiktage, seit 1948 – mit einigen Jahren Unterbrechung – jährlich zu Pfingsten veranstaltet Kammeroper Schloss Rheinsberg, vom Komponisten Siegfried Matthus initiiertes und bis 2014 geleitetes internationales Opernfestival, in dem jungen aufstrebenden Künstlern im Ergebnis eines Vorsingewettbewerbes die Möglichkeit gegeben wird, unter Anleitung bedeutender Mentoren Opernpartien einzustudieren und diese auch aufzuführen. Das Festival findet seit 1991 jährlich im Juli und August statt. Open-Air Aufführungsorte sind das Heckentheater im Schlosspark und der Schlosshof.