Seelow [] ist die Kreisstadt des brandenburgischen Landkreises Märkisch-Oderland.
Geographie Seelow liegt am Westrand des Oderbruchs an der Bundesstraße 1, der ehemaligen Reichsstraße 1 von Aachen nach Königsberg. Die Entfernung zum Zentrum Berlins beträgt etwa 70 Kilometer, die Entfernung zur Grenze nach Polen etwa 20 Kilometer.
Stadtgliederung Zur Stadt Seelow gehört der Ortsteil Werbig mit den bewohnten Gemeindeteilen Alt Langsow, Neulangsow und Werbig. Daneben gibt es die Wohnplätze Altlangsower Loose, Neu Werbig, Schweizerhaus, Seelower Loose, Vorwerk, Werbiger Loose und Zernickow.
Geschichte Im Jahr 1252 wurde das Dorf „(Villa) Zelou (Zelov)“ erstmals als Besitz des Domstifts Lebus erwähnt, 1308 und 1311 als „Städtchen“ (oppidum).Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichte des ehemaligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Band 3. Berlin 1832, S. 136–137; . Bis zur Auflösung des Bistums 1556 blieb es in dessen Besitz.
In den Jahren 1630, 1788 und 1809 gab es große Stadtbrände.
Vor den Seelower Höhen fand vom 16. bis zum 19. April 1945 die letzte große Feldschlacht des Zweiten Weltkrieges und eine der insgesamt größten Schlachten zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht statt – die Schlacht um die Seelower Höhen. Nach hohen Verlusten auf beiden Seiten konnten sich die sowjetischen Streitkräfte den Weg nach Berlin freikämpfen und die damalige Reichshauptstadt schließlich einnehmen. Seelow wurde bei den Kämpfen stark zerstört, vor allem durch einen Luftangriff am 17. April 1945, danach auch durch Brände bei Plünderungen.
Seelow gehörte seit 1816 zum Landkreis Lebus im Regierungsbezirk Frankfurt in der preußischen Provinz Brandenburg. Das Landratsamt befand sich seit 1863 in Seelow. 1950 wurde der Landkreis Lebus in Landkreis Seelow umbenannt. Von 1952 bis 1993 war Seelow Kreisstadt des Kreises Seelow (bis 1990 im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder), ab 1990 im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform Brandenburg 1993 gehören die Stadt und der frühere Kreis Seelow zum Landkreis Märkisch-Oderland. Seelow ist seither dessen Kreisstadt.
Ab 1849 war das königliche Kreisgericht Crossen das zuständige Kreisgericht. In Seelow war eine Zweigstelle (Gerichtsdeputation) eingerichtet. 1879 wurden diese Gerichte aufgehoben und das Amtsgericht Seelow eingerichtet. 1952 wurde dies in der DDR durch das Kreisgericht Seelow ersetzt, das 1990 in das Amtsgericht Seelow umgewandelt und 1993 durch das Amtsgericht Frankfurt (Oder) abgelöst wurde.
Eingemeindungen
Am 26. Oktober 2003 wurde die Gemeinde Werbig in die Stadt Seelow eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3.618 1890 3.334 1910 2.961 1925 3.066 1933 3.165 1939 3.082 Jahr Einwohner 1946 2.757 1950 3.253 1964 4.500 1971 4.740 1981 5.441 1985 5.669 Jahr Einwohner 1990 5.487 1995 5.167 2000 5.412 2005 5.776 2010 5.540 2015 5.387 Jahr Einwohner 2020 5.394 2021 5.363 2022 5.467 2023 5.516 2024 5.541 2025 5.421
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland (PDF) S. 34–37Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion Evangelische Kirche
Seelow war Sitz des Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Oderbruch, der am 1. Juli 1998 durch den Zusammenschluss der früheren Kirchenkreise Seelow und Bad Freienwalde (Oder) gegründet wurde. Seit 2014 ist der Kirchenkreis mit zwei Nachbarkirchenkreisen zum Kirchenkreis Oderland-Spree fusioniert. Dort bildet die Kirchengemeinde Seelow zusammen mit der Gemeinde Friedersdorf einen Pfarrsprengel.
Katholische Kirche 1946 ließ sich der aus Küstrin kommende Pfarrer Alois Pech in Seelow nieder und richtete eine katholische Notkapelle ein. 1962 wurde die bisher angemietete Kapelle von der Kirchengemeinde gekauft, ausgebaut und geweiht. Sie erhielt als Patrozinium den heiligen Klemens Maria Hofbauer.Die römisch-katholische Gemeinde, abgerufen am 14. Mai 2017. Ende 2003 wurde die Kapelle geschlossen und zum Verkauf angeboten. Heute gehören die Katholiken in Seelow zur Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Frankfurt (Oder), zu der auch die nähergelegene Kirche in Golzow gehört.
Politik Die Stadtverordnetenversammlung von Seelow besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2014Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD – – 19,2 % 3 31,4 % 6 SPD 30,3 % 5 27,2 % 5 16,8 % 3 Die Linke 31,9 % 6 26,2 % 5 16,7 % 3 Wählergruppe Heimat-Kultur-Sport (W-HKS) 10,1 % 2 18,9 % 3 15,9 % 3 CDU 11,6 % 2 5,5 % 1 5,4 % 1 Einzelbewerber Karsten Handrick – – – – 4,9 % 1 Einzelbewerber Wolfgang Kadler – – – – 4,7 % 1 BVB/Freie Wähler – – – – 2,6 % – FDP 1,3 % – 3,0 % 1 1,7 % – Freiheit, Arbeit, Werte – Mut zur Wahrheit 8,6 % 2 – – – Freie Wählergemeinschaft für Seelow 6,2 % 1 – – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18 100 % 18
Bürgermeister 1989–1990: Bodo Fechner 1990–1994: Helga Seiler (SPD) 1994–2010: Udo Schulz (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 26 2010–2023: Jörg Schröder (parteilos) seit 2023: Robert Nitz (parteilos)
Schröder war am 27. September 2009 mit 50,7 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister der Stadt gewählt wordenSPD-Erfolge bei Bürgermeisterwahlen. In: Der Tagesspiegel, 29. September 2009. Er wurde am 24. September 2017 mit 65,7 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Er starb überraschend am 15. April 2023. Bei der Wahl am 27. August 2023 setzte sich der vormalige stellvertretende Bürgermeister Robert Nitz, der von allen Parteien (abgesehen von der AfD) unterstützt wurde, gegen deren Kandidaten Falk Janke mit 68,5 % der gültigen Stimmen durch.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 27. August 2023 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74
Wappen
Flagge „Die Flagge ist Blau - Weiß - Blau (1:3:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.“
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .
Städtepartnerschaften Moers (Nordrhein-Westfalen) Nangis (Frankreich) Kostrzyn nad Odrą (Polen) Międzychód (Polen)
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Gedenkstätte Seelower Höhen mini|hochkant|Stadtkirche mini|Bryceson-Orgel der Stadtpfarrkirche Seelow mini|Rathaus mini|Kulturhaus Bauwerke In der Liste der Baudenkmale in Seelow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.
Stadtkirche, klassizistischer Bau von Karl Friedrich Schinkel, errichtet 1830–1832, restauriert und 1997/98 durch den Wiederaufbau ihres Turmes komplettiert. In der Kirche steht seit 2010 eine Orgel der englischen Orgelbaufirma Bryceson, die um das Jahr 1880 gebaut wurde. Schweizerhaus, früher im Besitz des Bankiers Hugo Simon, 2010 von der Stadt gekauft und saniert
Geschichtsdenkmale Gedenkstätte Seelower Höhen (Sturm der Roten Armee auf Berlin über die Seelower Höhen, 1945) mit Monumentalplastiken von Lew Kerbel Friedenswald, 1991 auf Initiative des Bürgermeisters Gernot Schmidt, des Schriftstellers Martin Stade, des Journalisten Eberhard Grashoff sowie des Aktionskünstlers Ben Wargin zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges und der Vertriebenen auf dem Krugberg in der Nähe der Straße nach Werbig gepflanzt. Dort befinden sich auch 13 Skulpturen als Ergebnis eines Bildhauersymposiums als „Zeichen für den Aufbau eines gemeinsamen Hauses Europa“. Mahnmal von 1968 (nach anderen Angaben 1972) für die Opfer des Faschismus im Park vor der Grundschule an der Straße der Jugend Zwölf Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, wurden 2011 verlegt.
Regelmäßige Veranstaltungen Jedes Jahr gibt es drei große Veranstaltungen in Seelow. Den Auftakt bildet seit dem Jahr 2011 das Maifest zum 1. Mai, welches das ursprüngliche „Sport- und Spielfest“ des SV Victoria Seelow nach seinem 20-jährigen Bestehen abgelöst hat. Inhalte des Festes, welches auf dem Gelände der Sparkassen-Arena stattfindet, sind das traditionelle Aufstellen des Maibaumes zum Abend des 30. April mit anschließendem Fackel- und Fanfarenumzug sowie Auftritte von Bands. Des Weiteren finden der jährliche Nachtpokallauf der Feuerwehren als auch Fußball-Freundschaftsspiele des örtlichen Fußballvereins statt.
Am ersten Septemberwochenende findet das Seelower Stadtfest statt. Neben Bühnenprogramm und zahlreichen Bierausschänken sollen Fahrgeschäfte wie Autoscooter u. ä. viele Besucher anlocken.
Der historische Weihnachtsmarkt am Wochenende zum dritten Advent bietet neben Ausstellungen und weihnachtlichen Programmen in der Stadtkirche auch das Anschneiden eines möglichst großen Weihnachtsgebäckes, etwa eines Weihnachtsstollens oder Dominosteins.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Im Gebiet von Seelow sind 41 Windkraftanlagen mit einer Leistung von ca. 2 Megawatt installiert.
Verkehr In Seelow kreuzen sich die Bundesstraßen B 1 Berlin–Küstrin und B 167 Eberswalde–Lebus.
Der Bahnhof Seelow (Mark) befindet sich an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder). Er wird im Stundentakt von der Regionalbahnlinie RB 60 Eberswalde–Frankfurt (Oder) bedient.
Der Bahnhof Seelow-Gusow liegt im Nachbarort Gusow-Platkow an der Bahnstrecke Berlin–Küstrin. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 26 Berlin-Ostkreuz–Kostrzyn angefahren. Der Haltepunkt Werbig an der Kreuzung der zwei Strecken wird von den Zügen beider Linien, betrieben von der Niederbarnimer Eisenbahn, bedient.
Der 1969 außer Betrieb genommene Bahnhof Seelow (Mark) Stadt lag an der Bahnstrecke Fürstenwalde–Wriezen.
Öffentliche Einrichtungen Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des Amtes Seelow-Land sowie der Hauptsitz der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland. Stadtbibliothek „Ulrich Plenzdorf“ Seelow
Bildung Grundschule: Grundschule Seelow Oberschule: Oberschule „Bertolt Brecht“ Seelow Gymnasium: Gymnasium auf den Seelower Höhen Förderschule: Kleeblatt-Schule Oberstufenzentrum: Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland Volkshochschule: Volkshochschule Standort Seelow
Sport Seelow besitzt eine Rennstrecke am Stadtrand, auf der jährlich ein Lauf der FIA Autocross Europameisterschaften ausgetragen wird. Der Veranstalter ist der örtliche Motorsportclub MC Seelow.
Seelow hat zwei Fußballplätze, einer davon befindet sich in der Sparkassenarena, dem früheren Oderbruchstadion Seelow. Die Anlagen werden vom SV Victoria Seelow sowie für den Schulsport genutzt. Direkt am Stadion befindet sich auch eine Kegelhalle mit vier Classic-Kegelbahnen, welche vom Kegelverein 1. KSC 1959 Seelow genutzt werden.
Der Tennisclub Seelow e. V. betreibt drei Sandplätze in der Nähe des Seelower Gymnasiums.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Werner Otto (1909–2011), Gründer des Otto-Versands Werner Stötzer (1931–2010), Bildhauer
Söhne und Töchter der Stadt Johann Samuel Patzke (1727–1787), Pfarrer und Schriftsteller Albert Tschautsch (1843–1912), Genremaler Hermann Guth (1851–1924), Architekt, Architekturhistoriker und Regierungsbaumeister Leonhard Haskel (1872–1923), Schauspieler, Oberregisseur und Dramaturg Hellmuth Ulrici (1874–1950), Arzt und Klinikdirektor Franz E. Rosenthal (1885–1973), Hautarzt Gerhard Kleiner (1908–1978), Klassischer Archäologe Werner Otto (1909–2011), Gründer des Otto-Versands Dietrich Eichner (1922–2015), Anatom und Lehrstuhlinhaber in Münster