Strausberg ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.
Geografie Strausberg liegt 35 Kilometer nordöstlich von Berlin auf der Hochfläche des Barnims, inmitten einer seen- und waldreichen Landschaft, die durch die Weichsel-Eiszeit geprägt wurde. Besonders landschaftsprägend sind dabei zwei westlich der Stadt befindliche eiszeitliche Rinnen, die heute von Süd nach Nord verlaufende Seenketten bilden. Der Stadtkern liegt am Ostufer des Straussees, des größten der umliegenden Seen, zu denen noch der Bötz-, der Ihland- und der Fängersee zählen. Teilflächen des Ortsteils Hohenstein sind Bestandteil des Naturparks Märkische Schweiz.
Nachbargemeinden Die Stadt Strausberg grenzt im Westen und Norden an die Stadt Altlandsberg im Nordosten an die Gemeinde Oberbarnim im Osten an die Stadt Buckow (Märkische Schweiz) und die Gemeinde Garzau-Garzin im Südosten an die Gemeinde Rehfelde im Süden an die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin im Südwesten an die Gemeinde Petershagen/Eggersdorf
Stadtgliederung Die Stadt Strausberg besteht aus den Gemarkungen Strausberg, Hohenstein und Ruhlsdorf.
Zur Stadt gehört der Ortsteil Hohenstein mit den Wohnplätzen Gladowshöhe und Ruhlsdorf. Darüber hinaus existieren die folgenden 14 Wohnplätze: Alte Walkmühle, Fasanenpark, Friedrich-Schiller-Höhe, Gartenstadt, Jenseits des Sees, Neue Mühle, Postbruch, Provinzialsiedlung, Roter Hof, Spitzmühle, Steuerhaus, Torfhaus, Treuenhof und Wilhelmshof. Hohensteiner Mühle und Johanneshof sind ehemalige Wohnplätze von Strausberg.
Das Stadtgebiet von Strausberg unterteilt sich in neun Gebiete: Gartenstadt, Schillerhöhe, Fasanenpark, Strausberg Nord, Strausberg Stadt, Hegermühle, Vorstadt, Postbruch und Neue Mühle. Neben dem östlich des Straussees gelegenen historischen Stadtzentrum gehören zur eigentlichen Stadt Strausberg folgende Teile: die mit dem Bau der Bahnlinie Berlin–Küstrin um den Bahnhof herum entstandene Vorstadt die nördlich des Straussees gelegenen Siedlungen Gartenstadt und Friedrich-Schiller-Höhe der an der südlichen Stadtgrenze zum Ortsteil Hennickendorf der Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin befindliche Stadtteil Torfhaus die Wohnplätze Jenseits des Sees (westlich des Straussees) und Spitzmühle (zwischen Bötzsee und Fängersee).
Damit erreicht die Stadt eine Süd-Nord-Ausdehnung von fast 15 Kilometern, während die Ost-West-Ausdehnung nur etwa drei Kilometer beträgt.
Geschichte mini|Stadtansicht Strausberg mit Müncheberg (Mitte 16. des Jahrhunderts – „UB Würzburg, Delin.VI,7,50“) Ur- und Frühgeschichte
In der Umgebung von Strausberg gab es Siedlungen aus der Steinzeit, der Bronzezeit (1200–700 v. Chr.) und der Eisenzeit / römischen Kaiserzeit.
Dagegen sind keine slawischen Siedlungsspuren im Stadtgebiet bekannt, nur zwischen dem Bötzsee und dem Fängersee gab es eine leicht befestigte Siedlung.
Etymologie Die ältesten bekannten Namensformen Struceberch (1247), Struzbergh (13. Jahrhundert), und weitere enthalten Struc- als ersten Namensbestandteil.Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 5. Die Ortsnamen des Barnim. 1984. S. 243; vgl. auch S. 449; zur Geschichte des Namens Dieser leitete sich wahrscheinlich vom naheliegenden See Struz ab. Dieser könnte sich vom slawischen Wort für Bohne oder Schote herleiten und sich auf die längliche Form des Sees beziehen.Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Barnim. 1984, S. 244, 410; zur Überlieferungsgeschichte des Seenamens.
Die deutschen Bewohner deuteten dieses Wort dann zu strus, mittelhochdeutsch für Strauß um. Dieses wurde bald Bestandteil des offiziellen Kanzleinamens, während sich in der Bevölkerung daneben auch eine umgangssprachliche Form Strutzberg bis in das 19. Jahrhundert hielt.Geschichte Stadt Strausberg, mit namenkundlichen Erläuterungen
Entstehung von Burg und Marktsiedlung mini|Lindenplatz Spätestens um 1220 wurde eine Burg an der höchsten Stelle am Straussee gebaut, wahrscheinlich durch einen wettinischen Markgrafen.Rolf Barthel: Strausberg – Struzeberg. Von der Markgrafenburg zum Garnisonsquartier, 2015; auch in Geschichte Stadt Strausberg; möglich sind die wettinischen Markgrafen Konrad II. oder Dietrich der Bedrängte; oder bereits ein pommerscher Herrscher um 1180 (?); diese Entstehungsgeschichte ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich, vgl. Besiedlungsgeschichte des Barnim Daneben entstand eine Marktsiedlung mit der Kirche St. Nikolai am heutigen Lindenplatz. Die ältesten Dendrodaten von diesem Gebiet sind von etwa 1225 bekannt.Strausbergs Geschichte Akanthus; mit Stadtmodell von 1550 und Chronologie der Geschichte von Strausberg
Um 1237 eroberten die Markgrafen von Brandenburg den Ort. Zum Jahr 1240 ist die älteste Erwähnung von Struzbergh erhalten, als die wettinischen Truppen bei einem Gegenfeldzug die Umgebung bis zur Stadt verwüsteten.Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium. In: Monumenta Germaniae Historica (MGH), Scriptorum Tomus XIV, 1883, S. 422 Zeile 11; eine Chronik aus etwas späterer Zeit, die nicht als zeitnahe Urkunde angesehen werden kann.
Stadtentstehung mini|St. Marien, erbaut im 13. Jahrhundert
Ab etwa 1245 baute der brandenburgische Markgraf Otto III. den Ort aus. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich die Marienkirche gegründet, die heute zu den größten erhaltenen Feldsteinkirchen in Brandenburg gehört. Von 1247 ist die älteste Erwähnung als Struceberch in einer zeitgenössischen Urkunde erhalten.
Etwa in dieser Zeit verlieh der Markgraf Otto III. dem Ort das Stadtrecht der Altstadt Brandenburg. Um 1252 wurde das Dominikanerkloster gegründet, was auf eine bestehende Stadt mit ausreichendem wirtschaftlichem Potential hinweist. Ab 1254 wurde eine neue umfangreichere Stadtbefestigung errichtet. In diese wurde auch das Dorf Buchhorst einbezogen.
14. und 15. Jahrhundert
mini|hochkant|Fresken in der Marienkirche von 1448
Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 geriet auch Strausberg unter wechselnde Landesherren. Um 1320 wurde ein Georgenhospital vor dem Landsberger Tor für Kranke gegründet. 1339 wurde das erste Rathaus der Stadt erbaut. 1348 kam der Schwarze Tod (Pest) nach Strausberg. 1349 besetzten der falsche Waldemar und pommersche Truppen die Stadt. Herzog Ludwig der Ältere versuchte in den nächsten Jahren vergeblich, Strausberg wiederzugewinnen. Mit der Besetzung verlor Strausberg seine Rechtsbestätigung (Strausbergisches Recht). Erst 1354 erhielt Strausberg von Ludwig dem Römer alle seine Rechte und Güter zurück.
In den Jahren 1393 bis 1399 schloss Strausberg mit anderen Städten ein Schutz- und Trutzbündnis, um sich vor den Raubrittern zu schützen. Am 21. September 1402 wurde die Stadt von den Raubrittern von Quitzow und den Pommernherzögen eingenommen. 1432 wurde die Stadt von den Hussiten gestürmt und teilweise zerstört.
16. und 17. Jahrhundert mini|hochkant=1.2|Strausberg, 1652
Von 1536 ist die älteste Stadtansicht von Stravsperg bekannt.Die Reise des Pfalzgrafen Ottheinrich 1536/37 Universitätsbibliothek Würzburg, linke Leiste Reiseroute öffnen, dann Strausberg suchen; mit BildausschnittenReise des Pfalzgrafen Ottheinrich 1536/37. Deutsche Digitale Bibliothek. 1541 wurde in der Stadt die Reformation eingeführt, was unter anderem zur Aufhebung des Dominikanerklosters führte. Seine Kostbarkeiten wurden durch den Landesherrn geplündert und die Grundstücke einem kurfürstlichen Rat überschrieben. Zwischen 1549 und 1598 wütete die Pest mehrmals in Strausberg. Hunderte Bürger der Stadt, darunter auch der Pfarrer und märkische Chronist Andreas Engel, starben.
1626 und 1627 war der kaiserliche Heerführer Albrecht von Wallenstein mehrmals in Strausberg. 1631 machten die Schweden Strausberg zum Musterungsplatz, und viele Bürger folgten der Werbetrommel. Am 12. November 1633 wurde die Stadt von Kaiserlichen überfallen und geplündert, sodass 1638 nur noch 32 Bürgerfamilien in Strausberg lebten. 1643 forderte der Große Kurfürst die anderen Städte auf, sie mögen Strausberg vor dem Untergang schützen.
18. Jahrhundert mini|Plan der Gebäude der Klosteranlage (um 1747) 1714 begann die bis heute andauernde Militärgeschichte mit der Stationierung einer Kompanie, später von bis zu drei Kompanien des 23. Infanterieregimentes in Strausberg.
1772 wurde das Kloster zu einer Stadtschule umgestaltet. 1787 begann auf den Grundmauern des Klosters der Aufbau der Landarmenanstalt, die 1792 eröffnet wurde.
19. Jahrhundert mini|Strausberg, um 1839, von Carl Daniel Freydanck mini|Altes Rathaus am Markt, 1819–1825 erbaut mini|Markt mit Blick auf das Alte Rathaus
1805 wurde an der Südseite des Marktes das Rathaus bis auf die Fundamente und den Keller abgerissen. Der Beginn des Neubaus des Rathauses verzögerte sich auf Grund des Krieges gegen Napoleon. Ein Strausberger Bataillon rückte 1806 zum Krieg gegen Napoleon aus. Erst 1825 wurde das neue Rathaus im Stil des Klassizismus fertiggestellt.
1808 wurde die Stadtordnung in Strausberg eingeführt. Daraufhin durften die Bürger 1809 zum ersten Mal Stadtverordnete wählen. Diese gewählten Stadtverordneten wählten ihrerseits den Bürgermeister und die Magistratsmitglieder.
1817 erbaute die jüdische Gemeinde, deren Vorläufer bereits seit dem 14. Jahrhundert in der Stadt ansässig waren, ihre Synagoge.
1867 hielt auf dem Strausberger Bahnhof der erste Personenzug auf der Strecke Berlin–Küstrin. Am 1. Oktober wurde der Verkehr der Ostbahn dorthin eröffnet. Zwischen der Stadt und dem Bahnhof wurde die Verbindung durch private Fuhrunternehmer und die königliche Post hergestellt.
Im Jahre 1885 wurde das Amtsgerichtsgebäude, 1890 das Postamt erbaut. 1893 wurde die Strausberger Eisenbahn (damals noch Strausberger Kleinbahn) eröffnet. Seit 1894 gibt es auf dem Straussee die Strausseefähre, die seit 1914 mit elektrischer Niederspannung aus einer freigespannten Oberleitung betrieben wird.
1900 bis 1945 mini|Strausberg, um 1900, kolorierte Ansichtskarte
1901 wurde das Schulhaus für die höhere Knabenschule erbaut, 1902 wurde die Volksbibliothek errichtet. 1904 wurde das Volksschulhaus in der Hegermühlenstraße erbaut, welches heute die Hegermühlen-Grundschule beherbergt. Das Heimatmuseum der Stadt Strausberg wurde 1908 gegründet.
1921 begann der elektrische Betrieb der heutigen Strausberger Eisenbahn GmbH. Am 27. Juni 1922 gab es in Strausberg einen Generalstreik wegen des Mordes an Außenminister Walther Rathenau.
Durch Zuwanderung hatte sich die Zahl der Katholiken in den 1920er Jahren auf ca. 1100 erhöht, so dass ein Kirchenbau dringlich wurde. In der Weinbergstraße wurde die St.-Josef-Kirche vom Diözesanbaumeister Carl Kühn erbaut und am 21. Oktober 1928 durch Weihbischof Josef Deitmer geweiht.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Synagoge in der Jungfernstraße nahe dem Müncheberger Tor von den Nationalsozialisten während der Novemberpogrome 1938 sowie der jüdische Friedhof an der Uferpromenade am Straussee in Verlängerung der Wallstraße zerstört. 1935 wurde eine Munitionsfabrik in der Hegermühlenstraße unter dem Namen Märkisches Walzwerk errichtet. Ein Jahr später begann der Bau eines Militärflugplatzes und einer Kaserne der Luftwaffe. Ab 1940 arbeiteten Zwangsarbeiter aus ganz Europa im Märkischen Walzwerk. Um 1944 waren es etwa 1500 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Ab 1941 verwaltete das Außenkommando KZ Sachsenhausen die Munitionsfabrik.
1945 bis 1990 Am 19. und 20. April 1945 flohen die meisten Bewohner aus Strausberg vor der herannahenden Roten Armee. Einen Tag später rückte das 32. Schützenkorps der Roten Armee in Strausberg ein. Bis Juli 1945 kehrten die meisten der geflohenen Bürger zurück.
Am 31. Oktober 1948 wurde die Berliner S-Bahn bis zum Bahnhof Strausberg verlängert. 1955 wurde eine neu gebaute Strecke nach Strausberg Nord in Betrieb genommen, ab 3. Juni 1956 elektrisch als S-Bahn betrieben.
Durch die Verwaltungsreform von 1952 wurde Strausberg bis 1993 Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises.