mini|Anteil der isiZulusprecher in Südafrika (2011) mini|Dichte der isiZulusprecher in Südafrika (2011) isiZulu, vereinfachend Zulu genannt, ist eine Bantusprache und wird von etwa 30 Millionen Menschen gesprochen, die vornehmlich (zu 95 Prozent) in Südafrika leben, vor allem Angehörige der Zulu. Sie wird von 22,7 Prozent bzw. 14 Millionen Menschen (Zensus 2022) als Erstsprache und von weiteren 15,7 Millionen Menschen (Stand 2002) als Zweitsprache gesprochen und ist somit die meistgesprochene Sprache und eine Lingua franca Südafrikas. Zudem ist sie, neben Swahili und Lingala, eine der meistgesprochenen Bantusprachen.

Seit dem Ende der Apartheid ist sie eine der zwölf offiziellen Sprachen Südafrikas. Sie findet zudem Verwendung in Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik und Eswatini. Die Schriftform der Sprache wird vom Pan South African Language Board festgelegt.

isiZulu ist eine agglutinierende Sprache mit Nominalklassensystem und wird in die Untergruppe der Nguni-Sprachfamilie innerhalb der Bantusprachen eingeordnet. Charakteristisch sind u. a. die Schnalzlaute; ein Teil des Vokabulars kommt zudem aus den Khoisansprachen. isiZulu ist eng verwandt mit isiXhosa.

Zur Geschichte der Sprache ist nur wenig bekannt; es gibt Anzeichen, dass isiZulu als Sprache seit dem 16. Jahrhundert besteht. Die ersten schriftlichen Zeugnisse der Sprache stammen aus dem 19. Jahrhundert, vorher wurde das isiZulu ausschließlich mündlich gebraucht.

Aussprache Im isiZulu wird in der Regel die vorletzte Silbe verlängert und betont. Ausnahmen sind die Kurzform des Perfekts (Betonung der letzten Silbe) und das Präteritum (Betonung der ersten Silbe).

Das Substantivpräfix isi- wird zu is- verkürzt, wenn der Wortstamm mehrsilbig ist. Beispiel: isikhathi („Zeit“) wird iskhathi gesprochen, isitha („Feind“) dagegen wie geschrieben.

Die Bedeutung mancher Wörter ist vom Ton abhängig, also von der Wahl der Tonhöhen der einzelnen Silben. Zum Beispiel bedeutet sisonke entweder „zusammen“ oder „wir sind zusammen“, je nachdem, ob die erste Silbe hoch oder tief gesprochen wird.

Vokale Vokal IPA-Zeichen Aussprache Beispiel Deutsch a a wie im Deutschen amanga „(die) Lügen“ e e wie in Fee, wenn die folgende Silbe ein i oder u enthält, sonst wie ä leli shesha „dieses“ „beeil Dich“ i i wie im Deutschen nini „wann?“ o o wie in Ofen, wenn die folgende Silbe ein i oder u enthält, sonst wie in offen inkosi inkosana „König“ „Prinz“ u u wie im Deutschen uju „Honig“

Konsonanten Konsonant IPA-Zeichen Aussprache Beispiel Deutsch b sehr weiches, implosives b ubaba „Vater“ bh b aspiriertes b ibhabha „Draufgänger“ p p ejektives p ipaki „Park“ ph aspiriertes p uPhapha Papst d, f, g, h, l, m, n d, f, g, h, l, m, n wie im Deutschen – – hh stimmhaftes h ihhashi „Pferd“ hl ch wie in ich, bei dem jedoch der Luftstrom an den Seiten der Zunge vorbeigeht. Wahlweise kann man versuchen, ein ch und ein l gleichzeitig stimmlos zu sprechen. Im Gegensatz zum wird das l im Zulu nicht separat gesprochen. isihlahla „Baum“ dl stimmhaftes hl ukudla „Essen“ j wie dsch in Dschungel uju „Honig“ k am Wortstammanfang oder nach n ejektives k, sonst sehr weiches implosives g ikati ukufaka „Katze“ „hineintun“ kh aspiriertes k amakha „Parfüm“ kl k je nach Sprecher verbunden mit gutturalem ch (wie im deutschen ach) oder mit hl (siehe dort) oder mit l (wie im Deutschen) klebhula „zerreißen“ ng , je nach Region wie in singen oder wie in Languste ingozi „Gefahr“ nk wie in danke, aber ejektiv inkosi „König“ ny wie gn in Champagner inyosi „Biene“ s scharfes, stimmloses s wie in Tasse isisu „Bauch“ t ejektives t utate „Liebling“ th aspiriertes t uthathe „Nimm!“ v wie deutsches w iva „Dorne“ w wie englisches w woza „Komm!“ y wie deutsches j yima „Stop!“ z stimmhaftes s wie in Sahne izulu „Himmel“, „Wetter“

Klicklaute Je nach Studie beinhalten 22 % bzw. 14,3 % aller Wörter im isiZulu mindestens einen Klicklaut, sowie 26,8 % bzw. 16,7 % aller Wörter im isiXhosa.Pakendorf et al. (2017): Prehistoric Bantu-Khoisan language contact, S. 10 Klick IPA-Zeichen Aussprache Beispiel Deutsch c Zungenspitze an die Rückseite der oberen Schneidezähne legen und unter Bildung eines Unterdrucks schnell zurückziehen. So als wolle man jemanden ermahnen oder tadeln. icici „Ohrring“ q Zunge an den Gaumen legen und nach unten schnellen lassen, ohne auf dem Boden aufzusetzen. Klingt wie ein knallender Sektkorken. iqaqa „Iltis“ x Zunge an den Gaumen legen und eine Seite nach unten ziehen. Als wolle man ein Pferd antreiben. ixoxo „Frosch“ ch aspiriertes c cha „nein“ qh aspiriertes q isiqhoqho „Steinhaufen“ xh aspiriertes x ixha „Bündel“ gc ein g vor den Klicklauten wirkt sich in der Aussprache des folgenden Vokals aus, der rau und aspiriert gesprochen wird. isigcino „Ende“ gq siehe unter gc umgqibelo „Samstag“ gx siehe unter gc ugxa „Himmel-und-Hölle-Spiel“ ngc ng () und c gleichzeitig. ingcosi „ein wenig“ ngq ng () und q gleichzeitig. ingqondo „Intelligenz“ ngx ng () und x gleichzeitig. ingxenye „Hälfte“

Grammatik

Abkürzungen OP Objektpräfix R Verbwurzel SP Subjektpräfix SP− nicht führendes Subjektpräfix SPP Subjektpräfix der Partizipialform SPS Subjektpräfix des Subjunktivs

Nominalklassen Wie alle Bantusprachen teilt das isiZulu alle Nomen in Nominalklassen ein. Das ursprüngliche System hatte 22 Klassen (wobei Klassen für Nomen im Singular und Plural jeweils als eigene Klasse gezählt werden), von denen jede Bantusprache mindestens zehn verwendet. Im isiZulu gibt es, wie auch im Swahili, fünfzehn Nominalklassen.

Das Substantiv Das Substantiv im isiZulu besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen, nämlich dem Präfix und dem Stamm (das Präfix kann noch weiter zerlegt werden). Anhand des Präfixes teilt man die Substantive in Substantivklassen ein. Die Substantivklassen wiederum werden durchnummeriert, um Vergleiche innerhalb der Sprachfamilie zu erleichtern. So gehören z. B. die Substantive abafana (Jungen) und abangane (Freunde) aufgrund des Präfixes aba- zur Substantivklasse 2, während die Substantive isibongo (Nachname) und isihlahla (Baum) aufgrund des Präfixes isi- zur Substantivklasse 7 zählen.

Jede Substantivklasse hat sowohl eine klar definierte grammatikalische als auch eine weniger fest umrissene semantische Bedeutung. Grammatikalisch gesehen wird durch das Präfix festgelegt, ob das Substantiv im Singular oder im Plural steht. Daher treten Substantivklassen im Allgemeinen in Paaren auf. So haben z. B. Substantive der Singularklasse 7 (Präfix isi-) ihren Plural in Klasse 8 (Präfix izi-).

Beispiele Singular Plural umuntu (Mensch) abantu (Menschen) ugogo (Großmutter) ogogo (Großmütter) igama (Name) amagama (Namen) inhlanzi (Fisch) izinhlanzi (Fische)

Ausnahmen hiervon bilden die Klassen 14 (Präfix ubu-) und 15 (Präfix uku-), für die es in der Regel keine Pluralform gibt (falls nötig, wird im Falle der Klasse 14 der Plural über die Klasse 6 gebildet; Substantive der Klasse 15 haben nie eine Pluralform).

Weiterhin bestimmt die Substantivklasse die Form anderer auf das Substantiv bezogener Satzteile wie Verben, Adjektive usw. Diese werden über entsprechende von der Substantivklasse abhängige und davon abgeleitete Präfixe in Übereinstimmung (Konkordanz) mit dem Substantiv gebracht.

Beispiele umfana omkhulu (großer Junge) isihlahla esikhulu (großer Baum)

Semantisch gesehen gibt es eine Häufung bestimmter Arten von Substantiven in bestimmten Klassen. Beispielsweise finden sich Vor- und Nachnamen immer in Klasse 1a, Personenbezeichnungen, die von Verben abgeleitet sind (z. B. spielen → Spieler) sehr häufig in Klasse 1, abstrakte Begriffe (z. B. Schönheit) in Klasse 14, Leihwörter z. B. aus dem Englischen je nach Assimilierungsgrad in Klasse 9 oder 5 und von der Infinitivform von Verben abgeleitete Substantive (essen → Essen) in Klasse 15.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Substantivklassen im isiZulu. Sie sind der Übersichtlichkeit halber in Singular/Plural-Paaren zusammengefasst.

KlasseSingularPlural1/2um(u)-1aba-2, abe-31a/2bu-o-3/4um(u)-1imi-25/6i-ama-, ame-47/8is(i)-5iz(i)-59/10iN-iziN-611/10u-iziN-614ubu-(ama-)715uku-

1 um- wird zu umu- vor einsilbigen Stämmen, z. B. umuntu (Mensch).

2 aba- und imi- werden zu ab- bzw. im- vor Stämmen, die mit einem Vokal beginnen, z. B. abongameli (Präsidenten).

3 abe- kommt nur in einigen wenigen Fällen vor, z. B. in abeSuthu (die Sotho) oder abeLungu (die Weißen).

4 ame- kommt nur in zwei Fällen vor, nämlich dem Plural amehlo (Augen) von iso (Auge; ursprünglich: ihlo) und dem Plural ameva (Dornen) von iva (Dorn).

5 isi- und izi- werden zu is- bzw. iz- vor Stämmen, die mit einem Vokal beginnen, z. B. isandla/izandla (Hand/Hände).

6 Der Platzhalter N in den Präfixen iN- und iziN- steht für ein m, ein n oder gar keinen Buchstaben, d. h. in den Klassen 9 und 10 kommen jeweils drei Präfixe vor (aber nur genau eins pro Wortstamm). Beispiele:

iN- = i-: imali (Geld) iN- = im-: impela (Wahrheit) iN- = in-: inhlanzi (Fisch)

7 Selten, siehe oben.

Das Verb Ein Verb im isiZulu besteht im Gegensatz zum Substantiv aus einer variablen Anzahl von Teilen, die nach bestimmten Regeln in einer bestimmten Reihenfolge zusammengesetzt werden. Diese Teile sind z. B.

ein Subjektpräfix, das sich auf das Subjekt des Satzes bezieht ein Tempusformativ, das die Zeitform des Verbs bestimmt ein Objektpräfix, das sich auf das Objekt des Satzes bezieht die Verbwurzel, die die eigentliche Bedeutung des Verbs trägt ein Suffix, das verschiedene Aspekte des Verbs anzeigen kann (z. B. Zeitform, Modus)

Ein Verb besteht immer mindestens aus einer Verbwurzel und einem Suffix. Die anderen Teile sind optional, d. h. ihr Einsatz hängt von der Funktion des Verbs im Satz ab.

Einfache Verbwurzeln Einfache Verbwurzeln sind solche, die keine erweiternden Suffixe enthalten, die die Bedeutung des Verbs verändern. Dazu zählen z. B.:

-w-fallen-dl-essen-enz-machen, tun-nqamul-etw. zerbrechen-os-grillen, rösten-siz-helfen

Erweiterte Verbwurzeln Erweiterte Verbwurzeln gehen aus einfachen Verbwurzeln hervor, indem man erweiternde Suffixe anhängt, die die Bedeutung verändern. Dies sei anhand der Verbwurzel -enz- (machen, tun) und der am häufigsten anzutreffenden Erweiterungen beispielhaft verdeutlicht:

-enz-machen, tun -enzan-etw. gemeinsam tun -enzek-machbar sein -enzel-etw. für jemanden tun -enzis-jemanden dazu bringen, etw. zu tun -enziw-gemacht werden, getan werden

Subjektpräfixe Ein Subjektpräfix (SP) im isiZulu entspricht im Deutschen einem Personalpronomen im Nominativ. Im Gegensatz zu Personalpronomen können Subjektpräfixe im isiZulu nicht für sich selbst stehen, sondern werden z. B. einem Verb vorangestellt. isiZulu kennt zwar auch eigenständige Personalpronomen, diese werden jedoch nur verwendet, um die Betonung auf die referenzierte Person zu legen.

Beispiel mit SP si- und Personalpronomen thina (jeweils wir):

Sihamba manje.Wir gehen jetzt.Thina sihamba manje.Wir gehen jetzt.

Es gibt für jede Substantivklasse und jede Person ein eigenes Subjektpräfix.

führendes SPPersonSingularPlural1.ngi-si-2.u-ni-KlasseSingularPlural1/2u-ba-1a/2bu-ba-3/4u-i-5/6li-a-7/8si-zi-9/10i-zi-11/10lu-zi-14 bu-15 ku- nicht führendes SP−PersonSingularPlural1. -ngi- -si-2. -wu- -ni-KlasseSingularPlural1/2 -ka- -ba-1a/2b -ka- -ba-3/4 -wu- -yi-5/6 -li- -wa-7/8 -si- -zi-9/10 -yi- -zi-11/10 -lu- -zi-14 -bu-15 -ku-

Die nicht führenden Subjektpräfixe (SP−) benutzt man, wenn dem SP noch ein Präfix vorangestellt wird, wie z. B. im Negativ verschiedener Zeitformen.

Objektpräfixe Ein Objektpräfix (OP) im isiZulu entspricht im Deutschen einem Personalpronomen im Akkusativ oder Dativ (isiZulu unterscheidet formal nicht zwischen diesen beiden Fällen). Genau wie Subjektpräfixe können Objektpräfixe im Gegensatz zu Personalpronomen nicht für sich selbst stehen, sondern werden der Verbwurzel vorangestellt. Eigenständige Personalpronomen werden auch hier nur verwendet, um die Betonung auf die referenzierte Person zu legen.