mini|hochkant=1.25|Luftaufnahme von Frankfurt (Oder) und Słubice von Süden Frankfurt (Oder) ist eine kreisfreie Stadt mit Einwohnern () im Land Brandenburg. Die Mittelstadt liegt am Westufer der Oder und ist Grenzort zur Republik Polen. Die polnische Nachbarstadt Słubice entstand 1945 aus dem Frankfurter Stadtteil Dammvorstadt. Seit 1999 führt Frankfurt die Zusatzbezeichnung „Kleiststadt“ nach ihrem berühmtesten Sohn Heinrich von Kleist.Die Zusatzbezeichnung ist nicht Teil des amtlichen Stadtnamens. Daher war bis 2013 ihre Verwendung z. B. auf Ortseingangsschildern nicht erlaubt (siehe ); trotzdem wurde bereits vorher der bald unterbundene Versuch unternommen, solche Schilder anzubringen (siehe ) Mit der Neugründung der Europa-Universität Viadrina 1991 ist Frankfurt (Oder) wieder eine Universitätsstadt.

Name Frankfurt (Oder) erhielt 1253 unter dem Namen Vrankenforde das Stadtrecht. Weitere frühere Namensformen waren Frankenforde und Francfurd bzw. Franckfurde. Der Ursprung dieses Namens ist nicht sicher. Deutsche Kaufleute wurden in dieser Zeit gemeinhin „Franken“ genannt. Das könnte die Erklärung für den ersten Teil des Namens der Marktsiedlung sein. Eine Furt bezeichnet eine Untiefe im Fluss, an der man das Gewässer zu Fuß, zu Pferd oder mit Fahrzeugen durchqueren kann. Eine flache Stelle in der Oder gab und gibt es bei Frankfurt jedoch nicht. Bei der späteren Bezeichnung Franckfurt an der Oder (1706) wird eine Namensübertragung von Frankfurt am Main angenommen. Heutzutage existieren neben der amtlichen Bezeichnung inoffizielle Namensformen wie Frankfurt/Oder oder Frankfurt/O. Als Abkürzungen sind Ffo oder FFO gebräuchlich. Die historische Bezeichnung Frankfurt an der Oder ist in der Region heute eher ungebräuchlich.

Die Stadt heißt im Frankforter Platt, dem typischen Dialekt der brandenburgischen Gegend Südmark und eng verwandt mit dem Berliner Dialekt, Frankfort an de Oder. Im Sorbischen, dessen Sprachgebiet unweit der Stadt beginnt, heißt der Ort und .

Geographie mini|Pegelmarke an der Oderpromenade

Frankfurt liegt im Osten Deutschlands, im Süden der Landschaft Lebus. Im Norden grenzt es an den Landkreis Märkisch-Oderland, im Süden und Westen an den Landkreis Oder-Spree.

Die Oder bildet die östliche Stadtgrenze und zugleich die deutsche Staatsgrenze zu Polen. Auf dem anderen Ufer des Flusses befindet sich Słubice, das aus dem ehemaligen Frankfurter Stadtteil Dammvorstadt hervorgegangen ist.

Die Stadt liegt in der brandenburgischen Auen-, Wald- und Seenlandschaft auf 22 bis ; die Stadtmitte liegt auf etwa . Höchste Erhebung sind die Hirschberge mit . Der 250 Hektar große und 56,63 MeterMessung 2001 durch Institut für angewandte Gewässerökologie GmbH Seddin im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg tiefe Helenesee liegt inmitten von märkischen Kiefernwäldern und ist ein beliebtes Freizeitgebiet. Wegen der interessanten Bodenbeschaffenheit ist dieser See bei den Tauchern sehr beliebt. Der Helenesee entstand aus einem früheren Braunkohletagebau, dem sogenannten Helene-Schacht. Ihm angrenzend befand sich der Katja-Schacht. Beide Schächte wurden in den 1960er Jahren geflutet und sind heute durch einen Kanal verbunden.

Die Stadt hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 14 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von 10,5 Kilometern. Der Umfang des Stadtgebietes beträgt 66,8 Kilometer.

Schutzgebiete Im Stadtgebiet befinden sich sieben ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).

Geomorphologie Frankfurt liegt im Grundmoränengebiet des Warschau-Berliner-Urstromtals.

Stadtgliederung mini|1: Stadtmitte, 2: Gubener Vorstadt, 3: Obere Stadt, 4: Altberesinchen, 5: Neuberesinchen, 6: Güldendorf, 7: Lossow, 8: Lebuser Vorstadt, 9: Hansaviertel, 10: Klingetal, 11: Kliestow, 12: Booßen, 13: Nuhnenvorstadt, 14: Rosengarten/Pagram, 15: Lichtenberg, 16: Süd, 17: Markendorf, 18: Markendorf-Siedlung, 19: HohenwaldeI: Stadtmitte, II: Beresinchen, III: Nord, IV: West, V: Süd

Das Gebiet der Stadt Frankfurt (Oder) wird in fünf Teile gegliedert; Zentrum mit den Stadtteilen Stadtmitte, Gubener Vorstadt und Obere Stadt; Beresinchen mit den Stadtteilen Altberesinchen und Neuberesinchen und den Ortsteilen Güldendorf und Lossow; Nord mit den Stadtteilen Lebuser Vorstadt, Hansaviertel und Klingetal und den Ortsteilen Kliestow und Booßen; West mit dem Stadtteil Nuhnenvorstadt und den Ortsteilen Rosengarten/Pagram und Lichtenberg und Süd mit dem Stadtteil Süd und den Ortsteilen Markendorf, Markendorf-Siedlung und Hohenwalde.

Nachbargemeinden Frankfurt (Oder) grenzt (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend) an Treplin, Lebus (beide im Landkreis Märkisch-Oderland), Słubice (Polen), Brieskow-Finkenheerd, Groß Lindow, Müllrose, Briesen (Mark) und Jacobsdorf (alle im Landkreis Oder-Spree).

Klima Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt im langjährigen Mittel 10,6 °C bei einer Sonnenscheindauer von 1.860 Stunden.

Die durchschnittliche Temperatur beträgt im Januar 1,3 °C. Im Juli beträgt die Temperatur im langjährigen Mittel 19,7 °C. Im August beträgt die Temperatur im langjährigen Mittel 20 °C und die Niederschlagsmenge 37 mm. Die Sonnenscheindauer beträgt hier knapp 245 Stunden.Märkische Oderzeitung/Frankfurter Stadtbote. 2. August 2005, S. 18. Im September liegt die mittlere durchschnittliche Temperatur bei 15,3 °C bei einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 34 mm. Im Oktober beträgt die mittlere durchschnittliche Temperatur 10,1 °C bei einer mittleren Niederschlagsmenge von 47 mm. Durchschnittlich scheint die Sonne 110–120 Stunden. Im Oktober 2005 schien sie allerdings 180 Stunden.Märkische Oderzeitung/Frankfurter Stadtbote. 2./3. Oktober 2006, S. 20. Frankfurt (Oder) war gemäß der Wetterbilanz des Deutschen Wetterdienstes im Jahr 2009 mit einer Niederschlagsmenge von 100 Millimeter innerhalb 24 Stunden (gemessen am 4. Juli 2009) der Ort in Deutschland mit den heftigsten Niederschlägen.Mechthild Henneke: Wetterextreme in Deutschland 2009. In: Südkurier. 28. April 2010.

Der November bringt eine Durchschnittstemperatur von 5,6 °C. In zehn bis zwölf Nächten kommt es zu Frost. Mitte November ist erster Schneefall möglich, die Niederschlagsmenge liegt für den Monat im Durchschnitt bei 39 mm. Die Sonnenscheindauer beträgt 50–55 Stunden, an sechs bis acht Novembertagen muss mit Nebel gerechnet werden.

Gewässer

Frankfurt (Oder) liegt am Fluss Oder. Die Alte Oder und der Winterhafen entstammen dem ehemaligen Verlauf des Flusses und bilden dessen Seitenarme. Die Stadt Frankfurt (Oder) hat eine Wasserfläche von 577 ha und es gibt 98 Seen und Teiche sowie 178 Fließgewässer und Gräben.

Der niedrigste jemals gemessene Pegelstand der Oder waren 86 cm am 8. August 1950. Seit Beginn der Aufzeichnungen am 7. Oktober 1910 wurde der höchste Pegelstand beim Oderhochwasser 1997 mit 657 cm gemessen. Bis dahin waren 635 cm vom 7. November 1930 der Höchststand.

Naturdenkmale

Auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt (Oder) und seiner Ortsteile wurden am 21. Juli 1999 per Verordnung 84 Bäume und Baumgruppen der Arten Silber-Ahorn, Rotbuche, Europäische Eibe, Stieleiche (auch als Säuleneiche), Sumpf-Eiche, Wintergrüne Eiche (Quercus × turneri, Kreuzung aus Stieleiche und Steineiche), Schwarz-Erle, Ginkgo, Schwarzer Holunder, Edelkastanie, Gewöhnliche Rosskastanie, Sommerlinde, Weiße Maulbeere, Rote Maulbeere, Schwarze Maulbeere, Schwarz-Pappel, Silber-Pappel, Ahornblättrige Platane, Japanischer Schnurbaum, Flatterulme, Chinesische Weide (in Kulturform Korkenzieher-Weide), Silber-Weide (in Zuchtform Trauerweide), Eingriffeliger Weißdorn (in Form Rotdorn) und Europäischer Zürgelbaum, einer Hickory- und einer Kirschbaumart zu Naturdenkmalen erklärt.

Geschichte

Mittelalter mini|Die Marienkirche mit dem Brunnenplatz, 2013

Nach 1200 entwickelte sich auf einer Talsandinsel an einer schmalen Stelle der Oder eine Kaufmannssiedlung. Sie lag an der Kreuzung mehrerer Fernhandelsstraßen. Herzog Heinrich I. von Schlesien verlieh ihr 1225 das Markt- und Niederlagsrecht. Der Zuzug reicher Fernhändler aus Nordwestdeutschland und Flandern verstärkte sich.

Der Schultheiß Gottfried von Herzberg verhandelte mit Markgraf Johann I. auf der Burg Spandau über die Verleihung des Stadtrechts. Markgraf Johann I. stellte am Samstag, den 12. Juli 1253, die Urkunde zur Stadtgründung aus. Es sollte das Berliner Stadtrecht gelten, das vom Magdeburger Stadtrecht abgeleitet war. Am 14. Juli 1253, dem Montag darauf, wurde eine ergänzende Urkunde ausgefertigt. Diese Urkunde sicherte der zukünftigen Stadt „Vrankenvorde“ das alleinige Niederlagsrecht in ihrem Umkreis und mehr Land rechts der Oder zu.

Frankfurt wurde in den Akten der Lübecker Tagfahrt von 1430 als Teilnehmer genannt. Nur Mitglieder der Hanse durften an den Tagfahrten teilnehmen – folglich war Frankfurt spätestens seit diesem Jahr Mitglied der Hanse.

Hussiten brannten am 6. April 1432 die Gubener Vorstadt ab. Auch das Kartäuserkloster wurde an diesem Tag in Schutt und Asche gelegt. Ein Angriff auf die Stadt selbst am 13. April 1432 misslang.

Auf das Jahr 1454 ist der Fisch über dem südlichen Schmuckgiebel des Rathauses datiert, der wohl das Recht der „Höhung“ in den Heringsfässern symbolisiert.

Frühe Neuzeit mini|Stadtansicht von Sebastian Münster, 1548 mini|Matthäus Merian: Francofurtum ad Viadrum / Franckfurt an der Oder (1652) mini|Frankfurt an der Oder vom Uferrand der Haakwiesen gesehen. Anonym (wohl Johann Friedrich Nagel), um 1792

Ende Januar 1506 begann mit der humanistischen Vorlesung des ersten „berufenen“ Lehrers Axungia der Lehrbetrieb an der Brandenburgischen Universität Frankfurt. Am 26. April fand in Anwesenheit des Kurfürsten Joachim I. und dessen Bruder Albrecht die feierliche Eröffnung statt. 950 Akademiker, unter ihnen der junge Ulrich von Hutten, fanden sich im ersten Jahr ein, mehr als an jeder anderen deutschen Universität bis dahin. Erster Rektor wurde der Leipziger Theologe Konrad Wimpina.

Martin Luther veröffentlichte 1517 in Wittenberg seine Thesen, die sich auch gegen Albrecht von Brandenburg, inzwischen Erzbischof von Magdeburg und Mainz, richteten. Die brandenburgische Universität reagierte mit einer Disputation am 20. Januar 1518 vor 300 Ordensbrüdern. Die dafür von dem Dominikaner und späteren Ablassprediger Johannes Tetzel eingereichten Antwortthesen hatte jedoch Konrad Wimpina geschrieben. Sie wurden von der Versammlung gebilligt und Luther galt damit als widerlegt. Im Folgenden wandten sich viele Studenten von Frankfurt ab und zogen nach Wittenberg. Im gleichen Jahr schied auf Wunsch des Kurfürsten Joachim I. Frankfurt förmlich aus der Hanse aus.

1535 wurde in Frankfurt die erste bürgerliche Musiziergemeinschaft Deutschlands convivium musicum durch Jodocus Willich gegründet. In ihr beschäftigten sich zwölf Personen mit weltlicher Musik und diskutierten dabei musikalische Fragen.

Im Oktober 1536 hielten die Hohenzollern in Frankfurt einen Familientag ab, auf dem Pläne konkretisiert wurden, verwandtschaftliche Verbindungen mit der schlesischen Linie der Piasten herzustellen.Colmar Grünhagen: Die Erbverbrüderung zwischen Hohenzollern und Piasten vom Jahre 1537. In: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde. Band 5, Berlin 1868, S. 337–366 (books.google.de).

1548 erschien die älteste Stadtansicht von Frankfurt (Oder) in Sebastian Münsters „Cosmographia“.

Der Dreißigjährige Krieg erreichte die Stadt erstmals im April 1626, als das von Albrecht von Wallenstein bei Dessau geschlagene Heer Peter Ernsts II. von Mansfeld durch die Stadt in Richtung Osten flüchtete. Daraufhin forderte Kurfürst Georg Wilhelm die märkischen Stände auf, ein stehendes Heer aufzustellen. Mit der Aufstellung von 3.000 Mann Fußvolk wurde Oberst Hillebrand von Kracht beauftragt. Am 1. Mai wurden hierfür „an den Vogelstangen nahe dem Carthaus“ (dem heutigen Anger) neun Kompanien zu Fuß gemustert. Dieses Ereignis galt als Gründung der 4. Grenadiere und wird als Gründung des preußischen Heeres überhaupt angesehen.