mini|Blick auf Bad Sachsa vom Aussichtspunkt Philippsgruß mini|Blick auf die Stadt

Bad Sachsa (bis 1905 Sachsa) [] ist eine Kleinstadt in Niedersachsen am Südrand des Harzes im Landkreis Göttingen, etwa 50 km östlich von Göttingen und 20 km nordwestlich von Nordhausen. Der Ort ist ein staatlich anerkannter heilklimatischer Kurort und Wintersportplatz.

Geographie Lage mini|Die Uffe in Bad Sachsa Der Ort wird von der Uffe durchflossen; in der Nähe des Ortskerns liegt der künstlich angelegte Schmelzteich. Die höchste Erhebung im näheren Umfeld ist der Ravensberg mit etwa 5,5 km nordwestlich des Stadtzentrums.

Stadtgliederung Die Stadt Bad Sachsa besteht aus den folgenden vier Ortsteilen:

Ortsteil Einwohner Bad Sachsa (mit dem Ortsteil Nüxei) 5.783 Steina 595 Neuhof 585 Tettenborn (mit dem Ortsteil Tettenborn-Kolonie) 556 Stadt Bad Sachsa 7.519 (Stand: 31. Dezember 2025)

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind in Niedersachsen Bad Lauterberg im Harz, Walkenried und in Thüringen Hohenstein.

Geschichte Mittelalter bis Neuzeit mini|Bad Sachsa um 1900 mini|Eine weitere Ortsansicht um 1900 Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1219. Unzutreffend ist der Verweis auf eine Urkunde, die von dem Kloster Walkenried als Kaufvertrag für einen See bei der damaligen Siedlung Saxa – heute Bad Sachsa – ausgestellt wurde, aus der Zeit um 810, in der der Ort erstmals erwähnt worden sein soll. Da 1229 von einem Pfarrer Siegfried aus Sachsa die Rede ist, ist anzunehmen, dass Sachsa damals schon bestand. Das älteste erhaltene Bauwerk ist der Turm der (heute evangelischen) St.-Nikolai-Kirche. Sein Bau wird auf die Jahre zwischen 1180 und 1200 datiert. Auf dem Sachsenstein, an der Bahnstrecke Bad Sachsa–Walkenried bei Neuhof, befindet sich die Ruine der Sachsenburg, die der deutsche König Heinrich IV. um das Jahr 1070 erbauen ließ. Als Folge der Sachsenkriege von 1073 bis 1075 musste sie bereits im Jahr 1074, noch unfertig, nach dem Frieden von Gerstungen wieder abgebrochen werden.

Spätestens seit 1238 gehörte Sachsa zur Grafschaft Honstein, zuvor gehörte es zur Grafschaft Klettenberg. Zwischen 1516 und 1525 (vermutlich 1525) erwarb Sachsa Stadtrechte. Nachdem die Grafen von Honstein 1593 ausgestorben waren (Ernst VII. hinterließ keinen männlichen Erben), beanspruchten die Grafen von Schwarzburg und die Grafen zu Stolberg die Grafschaft. Aber der Administrator des Bistums Halberstadt ergriff Besitz von der Grafschaft, die er als erledigtes Lehen einzog und an den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel weiterverlehnte (das Besondere daran ist, dass der Administrator des Bistums Halberstadt und der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel ein und dieselbe Person waren; es handelte sich um Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel). Obwohl die von den Grafen von Schwarzburg und von Stolberg angestrengte Klage vor dem Reichskammergericht zu einem sie begünstigenden Urteil führte, weigerten sich Heinrich Julius und seine Nachfolger, die Grafschaft zu veräußern. Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wechselte dann mehrfach die Herrschaft, bis die Grafschaft 1648 schwedisch besetzt war.

Im Westfälischen Frieden wurde das Fürstentum Halberstadt samt der Grafschaft Hohenstein an den Kurfürsten von Brandenburg gegeben. Seither war Sachsa brandenburgisch-preußisch, ausgenommen die Franzosenzeit 1807 bis 1813. Nachdem Preußen im Wiener Kongress erhebliche Territorien hinzu gewann, gliederte das Königreich sich 1816 in zehn Provinzen. Eine davon war die neu geschaffene Provinz Sachsen. Sachsa lag in dieser Provinz im Regierungsbezirk Erfurt und im Kreis Nordhausen, der ab 1888 den Namen Landkreis Grafschaft Hohenstein trug. Diese Zugehörigkeit blieb bis Juli 1945 bestehen.

Der Tourismus in Bad Sachsa begann etwa ab 1860, und der Kurbetrieb setzte 1874 ein.Josef Walz: Der Harz. Köln 1995, S. 295. 1884 wird auf dem 376 Meter hohen Katzenstein ein Gasthaus mit Fremdenzimmern errichtet. Ein weiteres Berghotel wurde 1890 auf der Eulingswiese eröffnet.Ralph Boehm, Michael Reinboth: Bad Sachsa. Bauwerke erzählen Geschichte. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2015, ISBN 978-3-86948-464-8, S. 117–121.Artikel Eulingswiese auf Marjorie-Wiki Im Jahr 1900 zählte man 4051 Kurgäste und 2123 Einwohner.W. Keil: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon. Bd. 2. Leipzig 1905, S. 930. Seit 1905 heißt die Stadt offiziell Bad Sachsa. Mitte der 1920er Jahre wurden 3195 Einwohner gezählt.Adolf Genius: Habbels Konversationslexikon. Bd. 4. Regensburg 1926, S. 227. 1892 wird im Salztal das erste Freibad der Stadt eröffnet, 1929 wird es durch einen Neubau ersetzt. Auf dem Höhenzug zwischen Katzen- und Kuckhanstal mit dem Namen „Schweinerücken“ befand sich von 1908 bis zum Abriss 1946 ein „Luft- und Sonnenbad“ für Kurgäste.

Von 1911 bis 1961 gab es jedes Jahr im Januar oder Februar einen weit über die Stadtgrenzen bekannten Rodelkorso durch die Innenstadt, in Verbindung mit einem Festball im Hotel Schützenhaus (heute, Göbel's Vital Hotel). Zum Rodelkorso wurden im Ort zahlreiche Skulpturen aus Schnee erbaut.

Bad Sachsa weist bis heute einen außergewöhnlich großen Bestand an prächtigen Villen bzw. Häusern aus der Zeit zwischen 1880 und 1914 auf.Ralph Boehm, Michael Reinboth: Bad Sachsa – Bauwerke erzählen Geschichte. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld, 2015, ISBN 978-3-86948-464-8.

Nationalsozialismus mini|Gedenkstein für vier Opfer des Nationalsozialismus in Bad Sachsa Während der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich der Ort zu einem Schwerpunkt der NSDAP im Parteikreis Nordhausen-Südharz (das Kreisschulungszentrum Fritz-Sauckel-Haus wurde hier errichtet) und war schwer bewacht. Aus diesem Grunde wurden die Kinder aus den Familien der Attentäter vom 20. Juli 1944 in Sippenhaft genommen und im Kinderheim im Borntal interniert.Dauerausstellung "Kinder des 20. Juli 1944" In: Webseite Stadt Bad Sachsa. Abgerufen am 3. März 2019.Karl-Heinz Heinemann: 1945: Vater war Verräter. In: der Freitag digital. Abgerufen am 7. August 2019.

Im Herbst 1944 wurden das Archiv und die Bildstelle der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA) unter dem Tarnnamen „Ostverlag“ nach Bad Sachsa verlegt. Wegen der britischen Bombenangriffe auf Peenemünde zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ab 17. Februar 1945 der Arbeitsstab Dornberger mit 450 Raketentechnikern der HVA, darunter Walter Dornberger, Wernher von Braun und Helmut Gröttrup, am Pfaffenberg in Bad Sachsa und in Orten der näheren Umgebung untergebracht. Wegen schwerer Bombenangriffe auf Nordhausen am 3. und 4. April 1945 und des raschen Vormarsches der alliierten Truppen wurde dieser Arbeitsstab am 6. April 1945 unter Bewachung durch die SS mit einem Zug nach Oberammergau abtransportiert.

Die Produktion der V1- und V2-Raketen wurde ab Januar 1944 von der Mittelwerk GmbH unter Leitung des Rüstungsministeriums und der SS durch Gefangene des nahe gelegenen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora in einem unterirdischen Stollen des Kohnstein bei Nordhausen organisiert.

Für vier Opfer der Zeit des Nationalsozialismus in Bad Sachsa wurden 1956 auf dem Friedhof ein Gedenkstein errichtet und im Jahr 2022 Stolpersteine verlegt.

Besatzungszonen 1945 mini|Gebietstausch vom 23. Juli 1945 im Harz (Gelb Zonengrenze) Am 12. April 1945 wurde Bad Sachsa nach kurzen Kämpfen von Einheiten der US-Armee besetzt. Die US-Armee zog sich ab Anfang Juli in die ihnen mit dem Londoner Protokoll vom 12. September 1944 zugewiesene Amerikanische Besatzungszone zurück. Die ihnen folgenden Einheiten der Roten Armee ließen Bad Sachsa, das nun in der Sowjetischen Besatzungszone lag, allerdings unbesetzt, bis am 23. Juli britische Truppen die Stadt besetzten. Vorausgegangen war ein Gebietstausch zwischen dem britischen und dem sowjetischen Oberkommando, bei dem Bad Sachsa und Umgebung (auch der Nachbarort Tettenborn war betroffen) an die britische Besatzungszone fiel und der Ostteil des braunschweigischen Landkreises Blankenburg zur sowjetischen Besatzungszone kam.

Dem Landkreis Osterode am Harz, dem Bad Sachsa seit dem 23. Juli 1945 de facto angehörte, wurde es zum 1. September 1945 auch de jure eingegliedert.

Nach 1945 Von 1960 bis 1961 wurde die Jugendherberge nach Plänen des Architekten Hans Jaeckel errichtet. Auch der Kursaal Bad Sachsa entstand in den Jahren von 1962 bis 1963 nach Jaeckels Entwürfen.Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität. 2., überarbeitete Auflage, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2001, ISBN 3-87706-607-0, passim. (eingeschränkte Vorschau über Google-Bücher)

Am 13. Juli 1973 wurde die Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Castelnau-de-Médoc unterzeichnet und im Oktober desselben Jahres die Deutsch-Französische-Gesellschaft (DFG) gegründet. Schon ein Jahr später, im Juli 1974, erfolgte die erste Jugendfahrt der DFG von Bad Sachsa nach Castelnau, viele weitere folgten jährlich.Stadtspiegel Bad Sachsa (), Nr. 8 vom 1. August 2023, S. 6 f.

1975 wurde am Freibad das Hallenbad mit Sauna und Restaurant erbaut. Von 1980 bis 2025 erschien jeden Monat der Stadtspiegel Bad Sachsa, eine kostenlose Stadt-, Gäste- und Kurzeitung. Auf dem alten Freibadgelände wurde 1987 das heutige Salztal Paradies eröffnet, ein Erlebnisbad mit Wellenbecken, Reifenrutsche, Saunalandschaft und Eislaufhalle.Salztal Paradies 1989 kam über dem Parkplatz noch eine Tennishalle dazu, die heute als Regenbogenland mit Bowling und Indoorspielplatz genutzt wird.Regenbogenland

Zum 30. Dezember 1987 wurde das 1932 eröffnete „Capitol“-Kino geschlossen. Gezeigt wurde der Monumentalfilm Der letzte Kaiser. 1988 zogen die Zeugen Jehovas in das ehemalige Kino ein. 2020 verkaufte die Glaubensgemeinschaft die Immobilie an eine Privatperson.Von der Leinwand zur Luxuswohnung. Ex-Kino in Bad Sachsa steht zum Verkauf. In: Harz Kurier vom 21. Juli 2025.

Auf einer Skiwiese hinter dem Salztal Paradies wurde nach der Jahrtausendwende der erste Ferienpark in Bad Sachsa gebaut, der Ferienpark Salztal Paradies.Ferienpark Salztal Paradies

Seit dem Zusammenschluss der Landkreise Osterode am Harz und Göttingen am 1. November 2016 gehört Bad Sachsa zum Landkreis Göttingen.

Zum 31. Dezember 2020 wurde die Jugendherberge Bad Sachsa geschlossen.Aus wegen Corona. Jugendherberge Bad Sachsa wird geschlossen. In: Harz Kurier vom 8. Juli 2020, abgerufen am 8. Mai 2021. 2025 sind in das Gebäude der ehemaligen Jugendherberge das Active Inn HarzActive Inn Harz, das einzige Sporthostel Deutschlands mit Selbstverpflegung, sowie das Tropic Fitnesscenter mit Sauna und Sonnenstudio eingezogen.Fitnesscenter Tropic

Im September 2021 erfolgte der Spatenstich zum Bau eines zweiten Ferienparks in Bad Sachsa. Auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheim im Borntal entstanden 83 Ferienhäuser. Der neue Ferienpark Borntal Eco LodgesPark Borntal, abgerufen am 3. Mai 2023. sollte im Dezember 2022 eröffnet werden.Spatenstich im Borntal: Im Südharz entstehen 83 neue Ferienhäuser. In: Harz Kurier. 10. September 2021, S. 7. Dieser Termin konnte aber wegen Finanzierungsfragen und Baugenehmigungen nicht gehalten werden, erst im Januar 2024 war das Erste von insgesamt 83 Ferienhäusern aufgebaut. Alle Häuser werden in Modulbauweise in Polen von einem deutschen Unternehmen vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt.Neuer Ferienpark im Harz. Das erste Haus steht, so geht es weiter. auf harzkurier.de, 12. Januar 2024, abgerufen am 12. Januar 2024 (Printausgabe vom 13. Februar 2024, S. 24).

Mitte Juli 2023 wurde der Neubau der Rettungswache Bad Sachsa des Arbeiter-Samariter-Bunds in Betrieb genommen. Stationiert sind am neuen Standort zwei Rettungswagen (RTW) und deren Besatzungen. Insgesamt wurden etwa 1,5 Millionen Euro in den Neubau der Wache investiert. ASB ist in die neue Rettungswache in Bad Sachsa umgezogen. auf harzkurier.de vom 21. Juli 2023.