mini|hochkant=1.2|Gerolstein, Luftaufnahme (2015)
Gerolstein an der Kyll ist eine Stadt in der Eifel im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde und bevölkerungsmäßig knapp hinter der Kreisstadt Daun die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises, flächenmäßig jedoch die größte. Im Ort befindet sich die Getränkefirma Gerolsteiner Brunnen. Gerolstein ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Stadtgliederung Die Stadt Gerolstein gliedert sich in zehn Ortsbezirke bzw. Stadtteile: Stadtteil zugehörende Wohnplätze Einwohner (2006) Bewingen Im Wiesental 135 Büscheich In der rauhen Wiese, Niedereich 534 Gees Forsthaus Gees, Standortschießanlage Gees 315 Kernstadt Buchenhof, Feriendorf Felsenhof, Fischzucht-Anstalt, Fuchsbau, Haus Waldfrieden, Immenhof, Im Schleifmühlchen, Meerfelder Hof, Nollenborn, Reginenhof, Sandborn, Schauerbach, Tannenhof, Waldhof, Wiesenhof 5.547 Hinterhausen - 102 Lissingen Denkelseifen, Eifel-Kaserne, Hof Schwammert 668 Michelbach Forsthaus Grindelborn 130 Müllenborn Haus Weitblick, Lenzenhof, Schäferhof, Schullandheim 571 Oos Sonnenhof 242 Roth Haus am Busch 189 Summe 8.433
Geschichte Kernstadt Gerolstein Aus der Region unmittelbar um Gerolstein sind mit dem Buchenloch und der Magdalenahöhle Fundstellen der Altsteinzeit bekannt, die sowohl die Anwesenheit des Neanderthalers als auch der ersten modernen Menschen belegen. In der Bronzezeit wurde die Dietzenley von den Kelten als Fliehburg benutzt. Aus römischen Zeiten sind Tempel und Behausungen bekannt und in Resten erhalten.
mini|Gerolstein auf einer Landkarte aus dem 16. Jahrhundert (Gitternetzlinen 20–50) Eine Namensform von Gerolstein trat erstmals in Verbindung mit der Erbauung der Löwenburg im Jahre 1115 als Burg Gerhardstein in Erscheinung. Die Stadtrechte wurden Gerolstein 1336 verliehen. Bis 1406 war die Stadt Residenz der Grafen von Blankenheim-Gerolstein und ab 1524 kontinuierlich Residenzstadt der Grafen von Manderscheid-Gerolstein bis 1697.Vgl. Daniel Schneider: Artikel Gerolstein, in: Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800), Band I/2: Der Nordwesten des Alten Reiches, S. 238–242. 1691 wurde die Stadt bei der Befreiung von französischer Besetzung durch jülichsche Truppen fast vollkommen zerstört. Nach dem Wiederaufbau vernichteten Brände 1708 und 1784 die Stadt wiederum fast vollständig. Im Frieden von Lunéville 1801 fiel das linksrheinische Gerolstein an Frankreich. Graf Sternberg-Manderscheid als Landesherr erhielt im Reichsdeputationshauptschluss 1803 für den Verlust von Blankenheim, Jünkerath, Gerolstein und Dollendorf als Entschädigung unter anderem die Güter der vormaligen Klöster Weissenau und Schussenried in Oberschwaben zugesprochen. Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses kam Gerolstein 1815 zum Königreich Preußen.
mini|Mineralwasserbrunnen im Park An der bereits von den Kelten und Römern genutzten Mineralquelle wurde nachweislich seit 1724 Wasser abgefüllt und verkauft. Diese bildet bis heute die Basis für die Gerolsteiner Mineralwasserindustrie. Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1944/45) wurde Gerolstein auf Grund seines Eisenbahnknotenpunktes durch Bombardierung zu 80 Prozent zerstört. Die Wiederverleihung der Stadtrechte erfolgte 1953.
Eingemeindungen Am 7. Juni 1969 wurden die Gemeinden Bewingen, Hinterhausen und Lissingen nach Gerolstein eingemeindet, die Eingemeindung von Büscheich, Gees, Michelbach, Müllenborn, Oos und Roth erfolgte am 1. Dezember 1973.
Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Gerolstein, bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Konfessionsstatistik Anfang 2019 waren 55,3 % der Einwohner katholisch und 15,6 % evangelisch. Die übrige 29,1 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Stand: 31. Januar 2019 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken, während der Anteil der Einwohner mit sonstiger Konfession oder ohne Konfession zugenommen hat. Mit Stand Februar 2026 sind 42,6 % der Einwohner katholisch und 12,8 % evangelisch. Die übrige 44,7 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Gerolstein, abgerufen am 9. März 2026
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Gerolstein besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Sitzverteilung: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG BUV UWG Gesamt 2024 5 11 3 1 – – 4 24 Sitze 2019 6 9 4 1 – – 4 24 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 6 10 3 1 3 1 – 24 Sitze 2009 6 11 2 1 – 4 – 24 Sitze 2004 5 13 – 1 2 3 – 24 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Landkreis Vulkaneifel e. V. BUV = BürgerUnion Vulkaneifel e. V. UWG = Unabhängige Wählergemeinschaft Vulkaneifel e. V. (bis Ende 2019 UWG Kylltal e. V.)
Bürgermeister Der ehrenamtliche Stadtbürgermeister wird grundsätzlich alle fünf Jahre direkt gewählt. Winfried Wülferath (CDU) wurde am 22. April 2026 Stadtbürgermeister von Gerolstein. Bei der parallel zur Landtagswahl am 22. März 2026 durchgeführten Direktwahl setzte sich der bisherige Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat mit 75,8 % der Stimmen gegen einen parteilosen Mitbewerber durch und wurde damit für den Rest der bis 2029 laufenden Wahlperiode gewählt.
Wülferaths Vorgängerin Stefanie Lorisch (CDU) hatte das Amt am 17. Juli 2024 übernommen. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte sie sich mit 51,0 % der Stimmen gegen den Amtsinhaber durchgesetzt. Im August 2025 kündigte Lorisch an, ihr Amt vorzeitig niederzulegen, wodurch eine Neuwahl in der laufenden Wahlperiode notwendig wurde. Lorischs Vorgänger Uwe Schneider (SPD) hatte im Juni 2019 die Stichwahl gegen den bisherigen Amtsinhaber Friedhelm Bongartz (CDU) gewonnen.
Wappen
Städtepartnerschaften Mit Digoin in Frankreich (seit 1987) und Gilze-Rijen in den Niederlanden bestehen Städtepartnerschaften. Letztere existiert bereits seit 1981 und wurde durch die NL-Partnergemeinde aufgekündigt, was jedoch von Gerolstein nicht akzeptiert wird.Gilze-Rijen auf Gerolstein.de Abgerufen am 23. Dezember 2020
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=1.2|Gerolstein mit Munterley, Auberg und Rother Hecke
Neben den nachstehenden Sehenswürdigkeiten befinden sich in und um Gerolstein das Trockenmaar Papenkaule, das schon von Steinzeit-Menschen bewohnte Buchenloch (eine 36 Meter lange Karsthöhle), die Mühlsteinhöhlen/Eishöhlen bei Roth, ein Naturkundemuseum und ein Kreisheimatmuseum. Ein Spaziergang führt zu den aus der Gerolsteiner Kalkmulde 100 Meter über der Kyll aufragenden Gerolsteiner Dolomiten, einem devonischen Kalkriff, das von den ausgestorbenen Rugosen, Tabulaten und Stromatoporen gebildet wurde, mit der Hustley, der Munterley und dem Auberg. Sie dominieren 100 Meter über dem Talniveau das Ortsbild von Gerolstein. Beim südöstlichen Ortsteil Gees liegen in Richtung von Salm die Trilobitenfelder von Gees, einem bekannten, heute unter Naturschutz stehenden Fundgebiet von außergewöhnlich gut erhaltenen devonischen Trilobiten.
Löwenburg Die Löwenburg wird erstmals 1115 urkundlich erwähnt, siehe Burg Gerolstein.
Burg Lissingen
mini|Burg Lissingen (Niederburg)
Am Rande des Stadtteils Lissingen liegt die ehemalige Wasserburg Lissingen unweit der Kyll. Die ältesten Gebäudeteile stammen aus dem Jahr 1280, obwohl die Burg schon 1212 urkundlich erwähnt wurde. Sie wurde, anders als die meisten Eifler Burgen, nicht zerstört. 1559 wurde sie in eine Nieder- und eine Oberburg geteilt. Die Unterburg wird als Veranstaltungs- und Kultureinrichtung genutzt.
Erlöserkirche
mini|Gerolstein: Erlöserkirche mit Munterley
Die evangelische Erlöserkirche wurde zwischen 1907 und 1913 von Franz Schwechten erbaut und am 15. Oktober 1913 eingeweiht. Die Innenausstattung erscheint mit großflächigen Goldmosaiken, Rundbögen und einer dominierenden Kuppel für eine Kirche in der Diaspora geradezu verschwenderisch.
Villa Sarabodis Als Villa Sarabodis werden die Reste eines römischen Herrensitzes (Villa rustica) bezeichnet. Sie wurden 1907 bei Vorarbeiten zum Bau der Erlöserkirche gefunden. Die Überreste werden auf das 1. Jahrhundert nach Christus datiert. Der Kirchenbauverein Berlin, der auch die Erlöserkirche errichtete, legte die Funde frei: Fundamente und ein Hypokaustum (eine antike Fußbodenheizung) sind heute in einem Schutzbau zu besichtigen.
Juddekirchhof Der Juddekirchhof, wie er im Volksmund genannt wird, ist eine keltisch-römische Kultstätte. Sie liegt oberhalb von Gerolstein auf der Hustley, einem Teil der Gerolsteiner Dolomiten.
Der Römer Marcus Victorius Pellentius ließ diesen Tempelbezirk im Jahre 124 nach Christus errichten. Die Mauerreste der Kultstätte haben eine Größe von ca. 63 mal 46 Metern. Innerhalb dieser Ringmauer sind die Fundamente mehrerer Gebäude erhalten, zu denen auch zwei Tempel gehörten, von denen der eine Herkules, der andere der keltischen Göttin Caiva geweiht war. 1927/28 wurden Überreste des Tempelbezirks ausgegraben.
Ehemaliges Bahnbetriebswerk Gerolstein Vom ehemals bedeutenden Bahnbetriebswerk GerolsteinHistorie des Bahnbetriebswerkes Gerolstein auf der Website der Bahnbetriebswerk Gerolstein GmbH (Lokschuppen Gerolstein), aufgerufen am 29. August 2026 sind u. a. Ringlokschuppen und Drehscheibe betriebsfertig erhalten. mini|Bahnbetriebswerk Gerolstein, Luftaufnahme (2016)
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Gerolstein Liste der Naturdenkmale in Gerolstein
Wirtschaft und Infrastruktur Schulwesen Eine der Schulen in Gerolstein ist das St. Matthias-Gymnasium (SMG). Es wurde am 26. April 1911 unter der Leitung von Studienrat Lipowicz als Privatschule in der Hauptstraße 89 eröffnet. Sie hatte den Namen Höhere Knabenschule Gerolstein. Nach chaotischen Zuständen während des Ersten Weltkrieges kommt die Schule in kommunale Trägerschaft, ist jedoch der Höheren Schule Prüm unterstellt. 1920 wird Hubert Rahm für die folgenden 34 Jahre Schulleiter. Während der Inflation wird das Schulgeld so hoch, dass sich viele Familien den Schulbesuch nicht mehr leisten können und die Schule geschlossen wird. 1924 folgt bereits die Wiedereröffnung und 1927 besucht das erste Mädchen die Höhere Knabenschule Gerolstein. Da die männlichen Lehrer und älteren Schüler im Zweiten Weltkrieg als Soldaten rekrutiert wurden, findet 1944 eine erneute Schließung der Schule statt. Bevor das Gebäude von einem Bombenangriff zerstört wurde, diente es als Lazarett und Soldatenunterkunft.
1946 wird die Schule schließlich erneut eröffnet und zum ersten Mal kann in Gerolstein auch die mittlere Reife erworben werden. Es folgt die Umbenennung zum Progymnasium Gerolstein. Das erste Gebäude am heutigen Standort in der Digoinstraße wurde 1953 eingeweiht und fünf Jahre später geht der erste Abiturjahrgang ab. In den darauffolgenden 10 Jahren verdoppeln sich die Schülerzahlen, so dass immer mehr angebaut wird. Im Jahre 1974 besuchen 1200 Schüler das Gerolsteiner Gymnasium. 1975 findet der Wechsel unter die Trägerschaft des Landkreises Daun und die Umbenennung zum St. Matthias-Gymnasium Gerolstein statt, diesen Namen trägt die Schule bis heute. Hermann-Josef Molitor ging 1992 nach 25 Jahren als Schulleiter in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Heribert Steinmetz, der diese Stelle bis Sommer 2014 innehielt. Nachfolgerin dessen wurde Jutta Schmitz. Zwischen 1996 und 2006 wird eine umfassende Sanierung durchgeführt. Im Jahre 2011 feiert das SMG sein 100-jähriges Jubiläum mit einem großen Festakt, einer Projektwoche und einer Jubiläumschronik.
Die Entwicklung der Schülerzahlen des SMG:Förderverein des St. Matthias-Gymnasiums Gerolstein (Hrsg.): 100 Jahre St. Matthias-Gymnasium Gerolstein 1911–2011. Druckerei Heyer, Gerolstein 2011, S. 14–20.