mini|Schwimmweltmeisterschaften 2005 mini|Kehrmarke beim Langstrecken-Schwimmwettkampf über 10 Kilometer; Olympische Spiele 2012 in London Schwimmsport ist die Ausübung des Schwimmens als sportliche Disziplin. In seiner Grundform wird Schwimmsport als Wettkampf mehrerer Teilnehmer um die Bewältigung einer vorgegebenen Schwimmstrecke in kürzestmöglicher Zeit ausgetragen. Schwimmsport kann aber auch ohne Zeitdruck zur Verbesserung der eigenen Schwimmtechnik oder als Freizeitbetätigung und zur Gesundheitsförderung betrieben werden.

Geschichte des Schwimmsports mini|Schwimmer um 1815 Zahlreiche Forscher haben sich in der Vergangenheit mit der Frage nach der Entwicklung der modernen Schwimmtechniken auseinandergesetzt. Bereits 1587 wurde von Everard Digby das Buch De arte natandi verfasstDe arte natandi libri duo: quorum prior regulas ipsius artis, posterior vero praxin demonstrationemque continet. Authore Euerardo Dygbeio Anglo in artibus Magistro. Londini: Excudebat Thomas Dawson 1587., 1696 erschien in Paris L’Art de nager („Die Kunst des Schwimmens“) von Melchisédech Thévenot. Aufgrund dieses Buches wurde in Frankreich (und Europa) lange Zeit die Technik des Brustschwimmens bevorzugt.

1798 brachte Johann Christoph Friedrich GutsMuths sein Schwimmkunst-Buch heraus, das als wegweisend für die späteren Versuche der Hallenser Halloren (Salzwirker) angesehen werden kann, das Schwimmenlernen zu methodisieren. Da die Halloren festgestellt hatten, dass man in der stark salzhaltigen Sole leichter schwimmen kann, war der Weg zur technisch umsetzbaren Motorik der im Schwimmbuch sehr schematisch beschriebenen Bewegungen geebnet. Die gliederpuppenhaften Bewegungen, die GutsMuths darstellte, waren ihrer Ausprägung nach jedoch kaum geeignet, eine brauchbare Schwimmtechnik zu entwickeln.

Das moderne Wettkampfschwimmen entwickelte sich um 1837 in den Hallenbädern Londons. Geschwommen wurde entweder als Brust- oder als Seitenschwimmen. Im Jahr 1895 schwamm der Engländer Joseph Henry Thayer in Seitentechnik die 100 Yards in 1:02,50 Minuten (entspricht 5,26 km/h). Bis in die 1950er Jahre war das Brustschwimmen, das meistens als erste Technik erlernt wird, die einzige Schwimmart, für die genaue Regeln festgelegt waren.

Sir John Arthur Trudgen entwickelte 1873 in England das Hand-über-Hand-Schwimmen, das daraufhin „trudgen“ genannt wurde. Die Arme wurden aus dem Wasser nach vorne geführt, ähnlich wie beim Seitenschwimmen, nur wechselte man stets von einer auf die andere Seite und führte zusätzliche Scherenbeinschläge aus. Der australische Schwimmer Frederick Lane „trudgte“ im Jahr 1901 die 100 Yards in 1:00,0 Minuten. abgerufen am 6. September 2015.

Statt des unharmonischen „Trudgens“ wandte der Australier Richard Cavill die flüssigere Technik der indigenen Bevölkerung der Salomonen an. Diese kombinierten den Kraulbeinschlag mit dem beidseitig abwechselnden Überwasserarmzug. Cavill erreichte mit dieser „Australischer Crawl“ genannten Technik 1902 über 100 Yards eine Weltrekord-Zeit von 58,4 Sekunden. Australian National Film and Sound Archive, Videoclip von 1952, abgerufen am 18. Oktober 2015.

1934 fand David Armbruster, Trainer an der University of Iowa, heraus, dass beide Arme beim Brustschwimmen auch über Wasser nach vorne zurückgeführt werden konnten. Dieses „Schmettern“ erhöhte die Schwimmgeschwindigkeit, kostete aber mehr Trainingsaufwand und Kondition. 1935 schwamm Jack Sieg, ebenfalls von der University of Iowa, auf der Seite, mit den Beinen wie mit einem Fischschwanz schlagend. Er konnte das schließlich auch auf dem Bauch. Armbruster und Sieg kombinierten das Schmettern der Arme und den Beinschlag und schufen damit die anfangs „Butterfly“ (Schmetterling) genannte Schwimmtechnik. Mit zwei Beinschlägen bei jedem Armzug schwamm Sieg damals die 100 Yards in 1:00,2 min. Anderen Angaben zufolge war es 1935 ein Amerikaner namens Brydenthal, der diese Technik erstmals schwamm. Das zunächst als regelwidrig betrachtete „Schmetterlings-Brustschwimmen“ wurde erst im Jahre 1953 als eigene Wettkampfschwimmart legalisiert.

Schwimmwettkämpfe Schwimmen gehört seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit (1896 in Athen) zum olympischen Programm. Bei den zweiten Olympischen Spielen 1900 in Paris wurden ein Hindernisschwimmen, ein Unterwasserausdauerschwimmen und ein 4000-Meter-Schwimmen veranstaltet. Bis auf das letztere (Langstreckenschwimmen) wurden diese Wettkampfformen später nicht mehr durchgeführt. Bei den Olympischen Spielen 1912 durften erstmals Frauen an den Wettkämpfen teilnehmen. Seit 1973 finden offizielle Schwimmweltmeisterschaften statt. Gemeinhin werden Schwimmwettkämpfe nach dem Regelwerk des internationalen Schwimmverbands World Aquatics ausgetragen. Dabei können nationale Schwimmverbände basierend auf den Regeln der World Aquatics auch eigene Regelwerke für Veranstaltungen in ihrem Zuständigkeitsbereich vorgeben, in Deutschland beispielsweise die Wettkampfbestimmungen (WB) des Deutschen Schwimm-Verbandes.

Austragungsort mini|Schwimmhalle bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta Austragungsort sind für Strecken bis 1.500 Meter Schwimmbecken, die die verschiedenen Anforderungen erfüllen hinsichtlich der Anzahl der Bahnen (zum Beispiel 10 Bahnen bei Weltmeisterschaften, 8 bei Olympischen Spielen), der Bahnenlänge (25 oder 50 m), Bahnenbreite (2,50 m), Wassertiefe (mindestens 1,60 m, bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften mindestens 2 m (englisch).) sowie Wassertemperatur (normalerweise 25–28 °C). Die Bahnen werden durch Trennleinen, die in erster Linie die von den Schwimmern erzeugten Wellen von den benachbarten Bahnen abhalten sollen, sogenannte Wellenbrecher, voneinander getrennt. Die Leinen haben verschiedene Markierungen: Im 5-Meter-Bereich vor jeder stirnseitigen Beckenwand sind die Leinen verpflichtend durchgängig rot; in der Mitte und jeweils bei 15 Metern gibt es weitere Markierungen. Auf dem Boden befindet sich in der Mitte einer jeden Bahn ein etwa 25 cm breiter schwarzer Strich, der 2 Meter vor dem Beckenende ein T ausbildet und dem Schwimmer hilft, sich zu orientieren. Des Weiteren hängen über dem Becken noch weitere Leinen: 5 Meter vor jeder Beckenwand befindet sich (in mindestens 1,80 m Höhe) eine Fähnchenleine, um den Rückenschwimmern anzuzeigen, dass sie sich dem Beckenrand nähern. Zusätzlich gibt es noch die Fehlstartleine, die (in mindestens 1,20 m Höhe) 15 Meter vom Start entfernt hängt. Diese wird ins Wasser gelassen, wenn Schiedsrichter oder Starter einen Fehlstart erkennen. Für Wettkämpfe werden sowohl Hallen- als auch Freibäder genutzt.

Strecken mini|Wettkampfbecken mit 8 Bahnen Geschwommen werden Strecken gemäß den Regularien, die meist ein Vielfaches von 100-Meter-Abschnitten sind: 100, 200, 400, 800, 1500 und 5000 Meter sowie die 50-Meter-Distanz als Sprintstrecke. Beim Langstreckenschwimmen kommen Strecken zwischen 5 und 25 km hinzu, die meist in offenen Gewässern ausgetragen werden. Neben Einzelwettkämpfen finden auch Staffelwettkämpfe statt, wobei hier ausschließlich Viererstaffeln geschwommen werden. International gibt es Staffelwettbewerbe über 4-mal 50, 4-mal 100 und 4-mal 200 Meter. Während bei den Einzelstrecken die Geschlechtern getrennt werden, erlaubt das Regelwerk Wettkämpfe für „gemischte“ oder „Mixed“-Staffeln. Dann müssen Männer und Frauen zu gleichen Anteilen in der Staffel vertreten sein (World Aquatics-Regeln SW 10.10, oder DSV WB-FT-SW § 138).

Bahnen

Es wird unterschieden zwischen der 25-Meter-Kurzbahn und der 50-Meter-Langbahn, wofür jeweils unterschiedliche Weltrekordlisten geführt werden. In Wettkämpfen stehen sich maximal so viele Schwimmer gegenüber, wie Bahnen im Schwimmbecken vorhanden sind. Ausnahmen gibt es über 1500, 800 und 400 Meter Freistil, wo in kleineren Wettkämpfen zwei Schwimmer pro Bahn antreten können. Für ein Wettkampfbecken sind oft acht oder zehn Bahnen vorgesehen. Nach den Beckenanforderungen der World Aquatics gibt es bei Weltmeisterschaften in der Regel zehn Bahnen und bei Olympischen Spielen acht Bahnen. Es sind jedoch Wettkämpfe auf weniger Bahnen möglich. Die Bahnen werden durchnummeriert; von der Startseite aus gesehen rechts beginnend mit 0 (bei zehn Bahnen) oder 1 (bei weniger Bahnen).

Da üblicherweise mehr Schwimmer als Bahnen bei Ausscheidungswettkämpfen antreten, werden daher mehrere Läufe ausgetragen, in denen die Schwimmer jeweils an der nächsten Ausscheidungsstufe teilnehmen dürfen, wenn sie die nach dem Reglement erforderten Platzierungen erreicht haben. Der schnellste gemeldete oder qualifizierte Schwimmer startet auf der mittleren Bahn, bei einer geraden Anzahl auf der Mittelbahn mit der geraden Bahnnummer, der zweitschnellste Schwimmer auf der nächsten Bahn links (schnellste Bahnnummer + 1), die weiteren Schwimmer werden dann alternierend rechts und links gesetzt. In einem Becken mit acht Bahnen schwimmt der schnellste Schwimmer also immer auf Bahn 4, der zweitschnellste Schwimmer auf der Bahn 5, in dieser Weise geht es weiter über die Bahnen 3, 6, 2, 7, 1 bis zur Bahn 8, auf der der langsamste Schwimmer des Laufes startet.

Insbesondere bei Meisterschaften oder internationalen Wettkämpfen sind die Bahnen 4 und 5 oft von gelben Leinen eingefasst, um die beiden stärksten Schwimmer zu kennzeichnen, die restlichen Bahnen werden dann durch blaue Leinen voneinander getrennt und die äußeren Bahn haben nach außen hin grüne Leinen.

Start mini|Start im Schwimmen 1904 in St. Louis (Olympische Spiele) Die Schwimmer starten nach dem Startsignal von den erhöhten Startblöcken ihrer Schwimmbahn am Beckenkopf durch einen Startsprung in das Wasser hinein außer beim Rückenschwimmen und bei der Lagenstaffel, wo der Rückenschwimmer im Wasser startet. Bei einem Fehlstart zeigen Sensoren in den Startblöcken die eventuell zu früh gestarteten Teilnehmer und helfen hier den Schiedsrichtern, es werden nach dem Rennen diejenigen Schwimmer disqualifiziert, die den Fehlstart ausgelöst (provoziert) haben oder zu früh abgesprungen sind (ein Wackeln auf dem Startblock reicht bereits).

Bei Staffeln spricht man außer beim ersten Schwimmer von „fliegenden Wechseln“ der Schwimmer einer Mannschaft. Der Folgeschwimmer darf maximal drei Hundertstelsekunden vor dem tatsächlichen Anschlag des ankommenden Mannschaftskameraden starten. Da bei fliegenden Wechseln die Reaktionszeit wegfällt, sind Staffelschwimmer oft ein wenig schneller unterwegs als in einem Einzelwettkampf. Die so geschwommenen Zeiten werden mit Ausnahme der Zeit des Startschwimmers nicht als Einzelrekorde anerkannt. Staffelrekorde gelten für ab dem Start gerechnete Strecken, sofern die Staffel den Wettkampf ordnungsgemäß beendet. So können die ersten vier Schwimmer einer 10-mal-100-Meter-Freistilstaffel auch einen Staffelrekord über die 4-mal 100 Meter erzielen.

Schwimmen mini|Schwimmer bei einer Wende Die Technik der Fortbewegung ist durch die Benennung der Wettkampfschwimmart vorgegeben und unterliegt differenzierten Definitionen der Regelwerke. Es werden so viele Bahnen geschwommen, wie die vorgegebene Strecke es erfordert. Hierbei vollführt der Schwimmer an jedem Bahnende eine Wende im Wasser und schwimmt in der Gegenrichtung wieder zurück. Bei den Strecken 800 und 1500 Meter Freistil werden die Bahnen für jeden Schwimmer gezählt und angezeigt, teilweise sogar mit Displays unter Wasser. Zusätzlich muss der Wenderichter ab Freistilstrecken über 800 Meter durch akustische Signale (Pfeife, Hupe etc.) dem Schwimmer deutlich machen, wenn noch zwei Bahnen und fünf Meter zu schwimmen sind. Damit wird diese Praxis auf Kurz- und Langbahnen vereinheitlicht.

Anschlag Die Zeit wird in dem Moment gestoppt, in dem der Schwimmer die Wand (beim Freistil- und Rückenschwimmen mit einem beliebigen Teil seines Körpers, beim Brust- und Schmetterlingsschwimmen mit beiden Händen gleichzeitig an, über oder unter der Wasseroberfläche und nicht übereinanderliegend) berührt..