miniatur|Spider-Man-Figur miniatur|Logo der Comicserie

Spider-Man (Englisch für „Spinnenmann“) (im Original: The Amazing Spider-Man, zu deutsch früher: Die Spinne) ist eine Comicfigur in einer Reihe von Marvel Comics. Spider-Man wurde von Stan Lee und Steve Ditko geschaffen. Sein erster Auftritt war in Amazing Fantasy Nr. 15 im August 1962.Library of Congress Receives Original Drawings for the First Spider-Man Story, "Amazing Fantasy #15", Library of Congress, April 30th, 2008

Spider-Man ist eine der zentralen Comicfiguren des Marvel Verlags. Im deutschsprachigen Raum war Spider-Man seit seiner Einführung die meiste Zeit der erfolgreichste Marvel-Charakter.

Auf der einen Seite ist er ein Superheld mit speziellen Fähigkeiten, andererseits hat er mit den Mühen und Problemen des Alltags zu kämpfen. Peter Benjamin Parker alias Die Spinne wird als Waisenkind von seinem Onkel Ben und seiner Tante May aufgenommen.

Geschichte 1960er-Jahre mini|hochkant|John Romita senior gilt als einer der wichtigsten Spider-Man-Zeichner Die Figur des Spider-Man stammt aus der Zeit, in der Marvel Comics sich auf das Superhelden-Genre zu konzentrieren begann. Nachdem Marvel-Autoren Stan Lee und Jack Kirby bereits Figuren erschaffen hatten, die jeweils Astronauten (Die Fantastischen Vier, Debüt im November 1961) bzw. Wissenschaftler (Hulk, Mai 1962) gewesen waren, wollte Lee nun einen „ganz normalen Teenager“ nehmen. Da die Fantastischen Vier bereits über Elementarkräfte und der Hulk über Superstärke verfügten, entschied man, der neuen Figur Tierkräfte zu geben. Er wählte die Spinne aus, etablierte, dass der neue Held in seiner Zivilidentität unbeliebt sei, und nannte ihn Spider-Man. Marvel-Chef Martin Goodman war skeptisch, da Spider-Man gegen drei ungeschriebene Gesetze verstieß: Erstens waren jugendliche Superhelden damals meist Sidekicks von erwachsenen Mentoren (z. B. Robin für Batman), zweitens hatte Spider-Man keine glamouröse Superkraft (Goodman war besorgt, dass die Leser mit Angst vor Spinnen den Comic meiden würden), und drittens war der Verleger davon überzeugt, dass die Leser niemals einen Comic mit einem „Verlierertypen“ kaufen würden. Lee überzeugte Goodman, Spider-Man in der Reihe Amazing Fantasy debütieren zu lassen, die sowieso kurz vor dem Aus stand.Stan Lee explains how he created Spider-Man, The Week Ursprünglich plante Lee, dass Jack Kirby die neue Figur zeichnen sollte. Doch nachdem Kirby sechs Probeseiten abgeliefert hatte, in denen Spider-Man „zu heroisch“ dargestellt wurde, entschied er sich, den eher zurückhaltender zeichnenden Steve Ditko mit dieser Aufgabe zu betrauen.Steve Ditko Writes About His Role In Spider-Man’s Creation Welchen Anteil Lee, Kirby und Ditko jeweils an der Erschaffung von Spider-Man hatten, ist bis heute Gegenstand von Kontroversen.IT’S STAN LEE’S UNIVERSE, vulture.com

Spider-Man debütierte in Amazing Fantasy #15 (August 1962). In diesem Comic wird Peter Parker als schmaler, Brillen tragender Waise dargestellt, der von seiner betagten Tante May und ihrem Mann Ben aufgezogen wird. Peter gilt an seiner Midtown High School trotz (oder wegen) seines Wissenschaftstalents als Nerd, der sowohl vom Klassenbully Flash Thompson als auch von seinem Schwarm Liz Allen als „Bücherwurm“ verhöhnt wird. Beim Besuch eines Forschungslabors wird Peter von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen und erlangt Spinnenkräfte (d. h. Haftung an Wänden, übermenschliche Körperkräfte, Koordination, Sinnesschärfe). Er entwirft Netzsprüher, die er an seinen Handgelenken trägt, ein blau-rotes Spinnenkostüm, und nennt sich Spider-Man. Nachdem er als Wrestler Geld verdient, lässt er einen flüchtenden Dieb laufen, da ihn „das nichts angeht“. Wenig später wird Onkel Ben erschossen, und als Peter den Mörder sieht, ist er erschüttert zu bemerken, dass es sich genau um jenen Dieb handelte, den er davonlaufen ließ. Von Gewissensbissen geplagt, verschreibt er sich dem lebenslangen Kampf gegen das Unrecht, denn „aus großer Kraft folgt große Verantwortung“. Dieser Satz, der in Amazing Fantasy #15 aus dem Off kommt, wurde später innerhalb der Marvel-Welt Onkel Ben zugeschrieben.

Amazing Fantasy #15 war ein unerwarteter Verkaufserfolg und trug dazu bei, dass Spider-Man in Amazing Spider-Man #1 (März 1963) in seiner eigenen Reihe debütierte. In den frühen Abenteuern besiegt Spider-Man genretypisch den „Schurken des Monats“, wobei bereits in den ersten Ausgaben beliebte Superschurken wie Chamäleon (Debüt in Amazing Spider-Man #1), Geier (#2), Doktor Oktopus (#3), Sandman (#4), Echse (#6), Electro (#9), Mysterio (#11), Grüner Goblin (#14) oder Kraven (#15) erfunden wurden, die Spider-Man oft in den nächsten Jahrzehnten bekämpfte. Ditko und Lee bauten als immer wiederkehrende Problematiken ein, dass Spider-Man nie die Anerkennung für seine Taten bekommt, und sich als Peter Parker stets mit Schulproblemen, Liebeskummer und der Sorge um seine verwitwete, herzkranke Tante May auseinandersetzen muss. Diese damals ungewöhnlichen Themen trugen zur wachsenden Beliebtheit und zu einem hohen Identifikationsfaktor unter der Leserschaft bei. Ein weiterer Faktor war das Lokalkolorit, da Spider-Mans Abenteuer meist in New York City spielten, im Gegensatz zu z. B. Batman sowie Superman, die in den fiktiven Städten Gotham City bzw. Metropolis gelagert sind.Why Spider-Man Is Popular, ABC News

mini|Cosplayer als Gwen Stacy (l.), Spider-Man (m.) und Mary Jane Watson (r.) Als Nebenfiguren wurden der Spider-Man hassende Zeitungsboss J. Jonah Jameson eingeführt, seine besonnene rechte Hand Robbie Robertson (eine der ersten afroamerikanischen Figuren bei Marvel) und die Sekretärin Betty Brant, die Peters erste Liebe wurde. Bald kam die selbstbewusste Nachwuchsschauspielerin Mary Jane Watson hinzu, deren erster Satz „face it tiger, you just hit the jackpot“ (Gib es zu, Tiger, du hast gerade den Jackpot geknackt) eines der bekanntesten Spider-Man-Zitate ist. In dieser Periode etablierten Ditko und Lee mehrere Gegensätze im Verhältnis zwischen Peter Parker und Spider-Man. Erstens war Peter in seiner Zivilidentität schüchtern und zurückhaltend, aber als Spider-Man ein Sprüche klopfender Heißsporn. Zweitens verhöhnte Flash Peter als Nerd, war aber Spider-Mans größter Fan. Drittens hasste J.J. Jameson Spider-Man, zahlte aber Peter Geld, um an Fotos von ihm zu kommen. Viertens hatte Spider-Man großartige Superkräfte, beugte sich aber zu Hause bedingungslos seiner gebrechlichen Tante May.

Als Ditko und Lee Peter Parker 1965 seine High School abschließen ließen und als Student zur fiktiven Empire State University schickten, führten sie weitere Figuren ein, u. a. seinen Zimmergenossen Harry Osborn, dessen zwielichtigen Milliardärsvater Norman Osborn (der insgeheim der Superschurke Grüner Goblin ist), sowie die kluge, schöne Mitstudentin Gwen Stacy, Tochter des Polizeioffiziers George Stacy. Kurz darauf beendete Ditko nach persönlichen Differenzen die Zusammenarbeit mit Lee.So Much More Than Spider-Man: A Birthday Tribute to Steve Ditko, Comics Alliance Als Ersatz verpflichtete Lee den neuen Zeichner John Romita senior. In einer Zeit, in der Peter Parker in den Comics einen neuen Lebensabschnitt begann, zeichnete ihn Romita nicht mehr länger als blassen Strebertypen, sondern als attraktiven jungen Mann, und Spider-Man mit der physischen Präsenz eines gestandenen Superhelden. Romitas Interpretationen gelten bis heute als die „ultimativen“ Versionen der Figur.50 Greatest Spider-Man Creators: Artists #3-1, Comic Book Resources

1970er-Jahre Im Jahre 1971 wurde die Spider-Man-Story Green Goblin Reborn! (Storyline Amazing Spider-Man #96–98) veröffentlicht, in der zum ersten Mal die negativen Folgen von Drogenkonsum dargestellt wurden. Dies stand im Gegensatz zum damals geltenden Comics Code, aber Autor Stan Lee bestand auf dieser sozialkritischen Story und nahm in Kauf, dass der Comic als „jugendgefährdend“ bezeichnet werden konnte. Die Story war sowohl bei Fans als auch Kritik ein Erfolg und trug dazu bei, dass der Comics Code später abgeschafft wurde."Stan the Man & Roy the Boy: A Conversation Between Stan Lee and Roy Thomas", Comic Book Artist  #2 (Summer 1998).

1972 übergab Lee die Autorenschaft von Spider-Man an den damals gerade erst 20 Jahre alten Gerry Conway. Eine von Conways ersten Handlungen war es, Peter Parkers Freundin Gwen Stacy zu töten. Hintergrund war, dass sich Zeichner John Romita, Editor Roy Thomas und er einig waren, dass ihre Charakterentwicklung nach damaligen Maßstäben ausgereizt war. Hätte ihr Peter seine Geheimidentität offenbart und sie geheiratet, fürchteten sie, keine glaubwürdigen Abenteuer mit Spider-Man mehr machen zu können. Somit verfassten sie Amazing Spider-Man #121 (Juni 1973), in denen der Grüne Goblin Gwen eine Brücke herunterwirft, und Spider-Man beim Versuch, sie mit einem Spinnennetz zu retten, ihr aus Versehen das Genick bricht. Die Story etablierte den Grünen Goblin als Spider-Mans Erzfeind, verschlimmerte Peters Schuldgefühle (nach Onkel Bens Tod gab er sich nun auch an Gwens Ableben die Schuld), und gilt bis heute als einer der schockierendsten Momente der US-Comicgeschichte.The Top 25 Spider-Man Stories Of All Time, complex.com

In den 1970er-Jahren wurden in Spider-Man verstärkt sozialkritische Themen verarbeitet. Neben den Risiken von Drogenkonsum waren es Studentenproteste, die Bürgerrechtsbewegung und der Vietnamkrieg. Dies spiegelte sich u. a. in der Wandlung von Flash Thompson wider, der in die U.S. Army eintrat und nach Vietnam ging. Ebenfalls änderte sich die Rolle von Mary Jane Watson, die zuvor mit Harry Osborn zusammen gewesen war, und nun (trotz harter Konkurrenz durch Spider-Mans Superheldenkollegin Black Cat) Peters Freundin wurde. Zudem wurde die erste Spin-off-Serie eröffnet, Spectacular Spider-Man (1976). Während die Flaggschiffserie Amazing Spider-Man den Kampf gegen Superschurken fokussierte, konzentrierten sich die Geschichten in Spectacular auf sozialkritische Themen wie Straßenkriminalität, Drogenhandel und Korruption.

1980er-Jahre In den 1980er-Jahren wurde Spider-Man optisch verändert. Hatte er seit 1962 an immer ein rot-blaues Kostüm getragen, so verschmolz er 1984 in der Marvel-Crossover-Serie Secret Wars mit einer außerirdischen schwarzen „Symbiontenmasse“, so dass er mehrere Jahre lang ein schwarzes Kostüm trug. Zudem kam Mary Jane hinter seine Geheimidentität, was ihre Beziehung erheblich belastete. In diesem Jahrzehnt wurden mehrere von Fans und Kritikern gelobte Geschichten verfasst: in The Death of Jean DeWolff (1985) von Autor Peter David ermordet ein Psychopath eine von Peters Vertrauten, worauf nur Daredevil verhindern kann, dass Spider-Man den Superschurken umbringt, in Kravens Last Hunt (1987) von Jean Marc DeMatteis begräbt Kraven Spider-Man lebendig, massakriert jeden Kriminellen, der Spider-Man nicht besiegen konnte, und richtet sich am Ende selbst, und in The Wedding (1987) heiraten Mary Jane und Peter schließlich. Zudem wurde etabliert, dass Spider-Mans Symbiontenmasse ein Parasit war, der ihn langsam auffraß. Nachdem Spider-Man sein eigenes Kostüm nach hartem Kampf besiegt hatte, trug er nach längerer Zeit wieder rot-blau anstelle von schwarz. Die Masse suchte sich einen neuen Wirt namens Eddie Brock, der der Superschurke Venom wurde (1988).

1990er-Jahre mini|hochkant|Todd McFarlane zeichnete mit Spider-Man #1 (1992) eines der verkaufsstärksten Comics der 1990er-Jahre.