Der Game Boy (jap. , Hepburn: Gēmu Bōi) ist eine Handheld-Konsole, die von Gunpei Yokoi entwickelt und von Nintendo ab dem 21. April 1989 in Japan zu einem Preis von 12500 Yen angeboten wurde. In Europa war die Konsole etwa ein Jahr später erhältlich. In Deutschland kostete sie zu diesem Zeitpunkt 169 DM. Der Game Boy ist mit fast 120 Millionen verkauften Exemplaren eine der meistverkauften Spielkonsolen und war lange Zeit die meistverkaufte Handheld-Konsole der Welt. Dieser Verkaufsrekord wurde erst vom Nintendo DS mit seinen rund 150 Millionen abgesetzten Geräten gebrochen.
Zunächst war dem Game Boy das Spiel Tetris beigelegt, das vermutlich durch den Erfolg des Game Boy dann zu einem der meistverkauften Computerspiele der Geschichte wurde.
Geschichte 1980 wurden die Grundlagen des Game Boys in der ebenfalls von Nintendo vermarkteten „Game-&-Watch“-Reihe geschaffen. 1989 erschien der erste Game Boy auf dem Markt, im Laufe der darauf folgenden Jahre wurden hunderte verschiedene Spiele hergestellt. Beliebte Spiele waren Tetris, die Donkey-Kong-, Zelda-, Pokémon-, Metroid- und Super-Mario-Spiele. 1994 brachte Nintendo den sogenannten Super Game Boy auf den Markt, einen Adapter, der es ermöglicht, Game-Boy-Spiele auch auf der bedeutend leistungsfähigeren Super-Nintendo-Konsole an TV-Geräten in Farbe zu spielen. 1995 sorgte die Kampagne „Play It Loud!“ für den Game Boy für Verwirrung, aber laut Nintendo war „Play It Loud!“ lediglich ein Werbeslogan und hatte nichts mit einer angeblich höheren Lautstärke zu tun. 1996 erschien der Game Boy Pocket, eine nur halb so tiefe und etwas kleinere Version des Game Boy mit einem etwas größeren Schwarz-Weiß-Display (der Ur-Game-Boy verfügte über ein grünliches Display). In Japan erschien 1997 der Game Boy Light, eine modifizierte Variante des Game Boy Pocket mit integrierter Hintergrundbeleuchtung.
1998 wurde der Game Boy durch den Game Boy Color abgelöst, der knapp neun Jahre nach Erscheinen des Atari Lynx erstmals auch bei einem Handheld von Nintendo der Darstellung von Spielen in Farbe ermöglichte. 2001 erschien der Game Boy Advance mit erstmals wieder runderneuerter Hardware und einem weiter verbesserten Farbbildschirm. 2003 wurde die zusammenklappbare Variante des Game Boy Advance, der Game Boy Advance SP mit zusätzlicher Frontbeleuchtung und integriertem Lithium-Ionen-Akku eingeführt. 2004 erschien zunächst nur in Japan und den USA – 2005 auch in Europa – der Nintendo DS. Obwohl das Gerät abwärtskompatibel zu Game-Boy-Advance-Modulen ist, stellt er keinen direkten Game-Boy-Nachfolger mehr dar, sondern sollte gemäß Nintendo parallel zur Game-Boy-Linie existieren. 2005 kam mit dem Game Boy Micro eine sehr kleine Version des Game Boy Advance auf den Markt. Noch im selben Jahr erschien in Nordamerika der Game Boy Advance SP mit einer verbesserten Hintergrundbeleuchtung, welche der Beleuchtung des Game Boy Micro entspricht. 2006 erschien der Nintendo DS Lite, eine etwas kleinere Version des Nintendo DS mit verbessertem Display.
Modelle zentriert|mini|600x600px| + Die verschiedenen Game-Boy-Modelle: Game Boy Game Boy Pocket Game Boy Color Game Boy Advance Game Boy Advance SP Game Boy Micro (ohne Abbildung: Game Boy Special Edition, Game Boy Light)
Game Boy mini|hochkant=0.5|Game Boy von 1989 mini|Rundum-Ansicht eines Game Boy von 1989 Der Urahn der Reihe namens Game Boy (umgangssprachlich auch Game Boy Classic genannt) erschien 1989 und war zu Verkaufsbeginn nur zusammen mit dem Spiel Tetris erhältlich. Vor allem wegen des vergleichsweise schwachen Prozessors und des schon damals veralteten Schwarzweiß-Bildschirms sah er sich anfangs vielen Skeptikern gegenüber. Eine für diese Zeit geringe Größe, geringe Kosten und sparsamer Batterieverbrauch erwiesen sich jedoch als entscheidende Vorteile gegenüber den Konkurrenzkonsolen wie dem Sega Game Gear und dem Atari Lynx. Außerdem konnte man einen wiederaufladbaren Akku erwerben.
Super Game Boy
mini|hochkant=0.5|Super Game Boy Modul Einen Sonderfall stellt der 1994 vorgestellte Super Game Boy dar. Es handelt sich dabei um einen Adapter, mit dem es möglich ist, Game-Boy-Spiele mit Hilfe des Super Nintendo Entertainment System (SNES) auf einem Fernsehgerät zu spielen. Die Game-Boy-Spiele werden allerdings nicht durch die Hardware der SNES-Konsole ausgeführt. Im SNES-Modul ist im Wesentlichen die Hardware eines Game Boys verbaut. Lediglich die Bild- und Tonausgabe werden an die SNES-Konsole durchgereicht. Ausschließlich in Japan erschien ein Nachfolger, der Super Game Boy 2. Dieser bietet neben verbessertem Timing auch eine Schnittstelle für ein Linkkabel zur Unterstützung von Mehrspieler-Spielen.
Game Boy Special Edition mini|hochkant=0.5|Transparenter Game Boy (Special Edition) 1995 wurde der ursprüngliche Game Boy unter der Bezeichnung Special Edition neu aufgelegt. Er war zwar technisch mit dem Game Boy Classic identisch, aber in zunächst sechs unterschiedlichen Gehäusen (Rot, Gelb, Grün, Schwarz, Weiß, transparent), später auch in Blau, erhältlich und wurde mit einer Transportbox ausgeliefert, in die das Gerät und bis zu sechs Spiele in Hüllen passten.
Game Boy Pocket mini|hochkant=0.5|Game Boy Pocket von 1996 Der Game Boy Pocket aus dem Jahr 1996 erfüllt unverändert die Leistungsmerkmale des klassischen Game Boys. Jedoch ist er deutlich kleiner und wird standardmäßig in silbriger Farbe und mit zwei AAA-Batterien angeboten. Das LC-Display ist außerdem kontrastreicher als das Display des bisherigen Game Boys und hat eine silbergraue anstelle der vom Vorgänger bekannten grünen Grundfarbe. Erreicht wurde dies, indem anstelle eines einfachen STN-Displays auf ein FSTN- bzw. TSTN-Display gesetzt wurde. Der Linkkabel-Anschluss wurde verkleinert, um der Größe des neuen Gehäuses Rechnung tragen zu können. Mit einem Linkkabel, dem ein Adapter beilag, war das Spielen zwischen alten Game-Boy-Geräten und dem neueren Game Boy Pocket weiterhin möglich. Die ersten Exemplare des Game Boy Pocket verfügten noch über keine Batteriestandanzeige; diese kam erst später hinzu.
Das Wort „pocket“ (englisch für Tasche) weist auf das kompakte Design hin.
Game Boy Light mini|hochkant=0.5|Game Boy Light von 1997 Der Game Boy Light basiert auf dem Game Boy Pocket und wurde 1997 ausschließlich in Japan vertrieben. Er ist etwas größer als der Game Boy Pocket und verfügt über eine zuschaltbare grüne Hintergrundbeleuchtung. Er hat das schärfste Display aller Monochrom-Game-Boy-Geräte. Der Game Boy Light benötigt zum Betrieb zwei AA-Batterien, mit denen er trotz eingeschalteter Hintergrundbeleuchtung eine gleich lange Betriebsdauer wie der Game Boy Pocket erreichen kann. Die Standardversion des Game Boy Light erschien in den Farben Gold und Silber. Später wurde mit der Linie Skeleton noch eine auf 5000 Stück limitierte, transparente Version angeboten. Nach Beginn der sogenannten Pokémon-Euphorie veröffentlichte Nintendo den Game Boy Light auch in einer gelben Pikachu-Sonderedition.
Game Boy Color mini|hochkant=0.5|Game Boy Color in Gelb von 1998 Der Game Boy Color erschien 1998 als indirekter Nachfolger des Game Boy sowie des Game Boy Pocket. Er basiert technisch auf der ersten Game-Boy-Linie (Z80-Generation). Der Game Boy Color verfügte als erste tragbare Nintendo-Spielkonsole einen Farbbildschirm und konnte aus einer Palette von 32.768 Farben in Game-Boy-Color-Spielen 56 gleichzeitig darstellen. Die Vorgänger hatten noch eine Anzeige mit vier Grautönen. Wenn ein Spiel, das für den klassischen Game Boy konzipiert wurde, eingelegt wird, werden bei dessen Abspielen maximal 10 Farben verwendet. Diese Anzahl ergibt sich aus vier Farben für Hintergrundgrafiken und je drei Farben (vier Farben minus eine Farbe für transparent) für die beiden Kategorien von Objekten („Sprites“). Für 93 originale Game-Boy-Spiele hat der Game Boy Color eine separate Palette von 10 Farben eingespeichert, unter anderem für Donkey Kong (1994), Kirby’s Dream Land, Pokémon Rot/Blau, Super Mario Land, Tetris und Wario Land: Super Mario Land 3. Zudem kann der Spieler bei allen Spielen (auch den vorgenannten) eine von zwölf Paletten auswählen, indem er beim Start eine Richtungstaste und ggf. A oder B drückt.
Spiele, die für den Game Boy Color entwickelt wurden, können für Hintergründe und Objekte jeweils acht Paletten mit je vier (Hintergrund) bzw. drei (Objekte) Farben frei definieren, in der Summe also 56 Farben. Für jede 8×8-Pixel-Kachelgrafik („Tile“) kann dann eine der acht für deren Verwendung (Hintergrund oder Objekt) anwendbaren Paletten ausgewählt werden. Einige Spiele nutzen ein der Scanline-Grafik ähnliches Farbschaltverfahren zur Erzeugung von bis zu 2.000 gleichzeitig verfügbaren Farben, indem sie die Hintergrundpaletten jede zweite Zeile wechseln, wie z. B. Alone in the Dark zur Darstellung vorab gerenderter 3D-Hintergründe oder Cannon Fodder für Vollbild-Video.
Die Gehäuseform wurde nur geringfügig verändert und liegt in der Dicke zwischen dem Game Boy und dem Game Boy Pocket. Neu war eine Infrarot-Schnittstelle, mit der man einige Spiele auch ohne Linkkabel gegen andere Spieler spielen kann. Mit dem passenden Modul (z. B. Mission: Impossible) ist es möglich, den Game Boy Color dank der Infrarotschnittstelle in eine Fernbedienung für andere elektronische Geräte zu verwandeln. Oft wurde sie jedoch nur zur Übertragung von kleineren Spieldatenmengen, etwa Highscores, verwendet.
Die Soundfähigkeiten der Konsole blieben weitestgehend unverändert; die beiden Pulswellen-Generatoren wurden gegen zwei Rechtecksignalgeneratoren getauscht. Der Audio Input-Kanal am Modul, welcher dem Spiel ermöglichte, im Spielmodul durch eigene Hardware selbst Sound zu generieren und direkt an die Konsole zur Ausgabe weiterzugeben, wurde gestrichen, da beim Vorgängermodell kein Spiel diese Möglichkeit nutzte. Die Klangcharakteristik des Geräts änderte sich nur geringfügig.
Den Game Boy Color gibt es in den Gehäuse-Designs Blau, Rot, Grün, Gelb, Hellgrün, Türkis, Lila, transparentem Lila, transparentem Weiß sowie in einer limitierten gelben Pokémon-Auflage.
Game Boy Advance
mini|hochkant=0.5|Game Boy Advance (1st Gen von 2001) Der Game Boy Advance, Arbeitstitel „Project Atlantis“, war das erste Modell der Game-Boy-Linie, das nicht auf der Technik des ursprünglichen Game Boy basierte. Als Nachfolger des Game Boy Color besaß diese Konsole eine Breitbildversion seines Farbdisplays sowie einen 32-Bit-ARM-RISC-Prozessor, welcher Skalierung und Rotation seiner vier Hintergrundebenen hardwareseitig unterstützte. Der Game Boy Advance konnte jedoch in drei seiner fünf Grafikmodi erstmals alle unterstützten Farben gleichzeitig darstellen. Wegen seiner Leistungsfähigkeit und der Ähnlichkeit der vom Super Nintendo „portierten“ Spiele, die für das Handheld neu herausgebracht wurden, wurde der Game Boy Advance auch als Super Nintendo Entertainment System im Taschenformat bezeichnet, hat jedoch mit der 16-Bit-Heimkonsole technisch nichts gemeinsam und ist ihr in einigen Punkten sogar überlegen. Grafisch für auf Spritegrafik basierende Konsolen eigentlich anspruchsvolle Spiele wie Doom erschienen für den Game Boy Advance. Mit zwei separat erhältlichen AA-Batterien wird eine Betriebsdauer von etwa 15 Stunden erreicht. Auf den Markt kam der Game Boy Advance in Japan am 21. März 2001, in Nordamerika am 11. Juni und in Europa und Australien am 22. Juni desselben Jahres. In der Volksrepublik China (außer Hongkong) erschien das Gerät wenige Jahre später, und zwar am 8. Juni 2004. Aufgrund des unerwarteten Erfolges des Spiels Pokémon und des wahrscheinlich hohen Einführungspreises der Konsole entschied man sich dafür, mit dem Game Boy Advance zuerst die Farbversion des Game Boy Pocket zu veröffentlichen.
Game Boy Player
mini|hochkant=0.5|GameCube-Game-Boy-Player