Das 11. Jahrhundert begann am 1. Januar 1001 und endete am 31. Dezember 1100. Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 250 bis 350 Millionen Menschen geschätzt.United States Census Bureau: Schätzungen der historischen Weltbevölkerung (englisch). In Europa führte eine religiöse Reformbewegung zur Stärkung des Papsttums, dessen Herrschaftsansprüche mit denen des Kaisers im Investiturstreit kollidierten. Am Ende des Jahrhunderts wurden sowohl die Eroberung muslimisch beherrschter Territorien auf der iberischen Halbinsel (Reconquista) als auch die Einnahme Jerusalems durch den ersten Kreuzzug religiös legitimiert. Im Gegensatz dazu begründeten die Normannen ihre Eroberungen Englands und Süditaliens vor allem machtpolitisch.

Von Zentralasien eroberten die muslimischen Seldschuken ein Gebiet bis nach Anatolien. Die Gebietsverluste in Anatolien schwächten das byzantinische Reich dauerhaft. Auf dem indischen Subkontinent stieg das Reich der Chola zu einer mächtigen Regional- und Seemacht auf. China erreichte unter der Song-Dynastie große technische und wirtschaftliche Fortschritte.

Europa mini|Europa um 1190 Im 11. Jahrhundert waren die Veränderungen in Europa so weitreichend, dass Historiker in der Mitte dieses Jahrhunderts den Übergang vom Frühmittelalter zum Hochmittelalter sehen.

Die europäischen Herrschaftsgebiete können nach der dominierenden religiösen Ausrichtung gruppiert werden. Nord-, West und Mitteleuropa waren durch das römisch-katholische Christentum geprägt. Das größte und mächtigste Reich dieser auch Abendland genannten Region war das römisch-deutsche Reich im Zentrum Europas. Ost- und Südosteuropa prägten orthodox-christliche Reiche, von denen das Byzantinische Reich die Region politisch und kulturell dominierte. Auf der iberischen Halbinsel und Sizilien gab es muslimische Reiche, während in einigen Gebieten Nordosteuropas noch ethnische Religionen dominierten.

Religiöse Reformbewegungen des abendländischen Europa Die Gesellschaft des 11. Jahrhunderts war sehr religiös. Im abendländischen Europa waren christliche Klöster und kirchliche Amtsträger stark in die politische Ordnung eingebunden. In allen Reichen, insbesondere im Heiligen Römischen Reich, übten weltliche Herrscher maßgeblichen Einfluss auf die Besetzung der kirchlichen Ämter aus. Auch mehrere Päpste kamen in der ersten Jahrhunderthälfte auf Initiative der Kaiser, die sich als Stellvertreter Gottes auf Erden verstanden, in ihr Amt.

mini|Mathilde von Canossa und Hugo von Cluny als Fürsprecher Heinrichs IV. (Vita Mathildis des Donizio, um 1115. Vatikanstadt, Bibliotheca Apostolica Vaticana, Ms. Vat. lat. 4922, fol. 49v) Anderseits förderten einige Adelige schon seit dem 10. Jahrhundert eine Bewegung zur Klosterreform, die von der Abtei Cluny ausgegangen war. Diese setzte der Vernachlässigung der religiösen Praxis in den Klöstern die strenge Befolgung der Benediktregel entgegen. Ferner wurde die Unabhängigkeit der Klöster von weltlichen Autoritäten gefordert. Einige Klosterreformer waren auch wichtige Förderer der Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts, die die Präzisierung der Glaubensinhalte, die Vereinheitlichung der Glaubenspraxis und die Unabhängigkeit der kirchlichen Institutionen von der weltlichen Gewalt zum Inhalt hatten. Diesen Zielen folgend setzten die Reformer die Verpflichtung der Kleriker zu einem ehelosen Leben durch und ächteten den Kauf kirchlicher Ämter, der Simonie genannt wird.

In der zweiten Jahrhunderthälfte erstritt sich das Papsttum in schnellen Schritten die Unabhängigkeit von Kaisern und Stadtrömern. Ein wichtiger Schritt war die Festlegung im Papstwahldekret, dass die Päpste zukünftig nur von Kardinälen zu wählen seien. Die katholische Kirche entwickelte sich zu einer europaweit hierarchisch gegliederten Organisation mit dem Papst an der Spitze. Papst Gregor VII. dokumentierte im Dictatus Papae den Führungsanspruch des Papstes nicht nur über die Kirche, sondern auch über die gesamte christliche Welt. Diese Forderung führte zu Konflikten mit verschiedenen Herrschern Europas, der auch Investiturstreit genannt wird. Der Konflikt mit Heinrich IV., dem König des Heiligen Römischen Reiches, eskalierte am stärksten. König und Papst erklärten sich gegenseitig für abgesetzt. Darüber hinaus exkommunizierte der Papst Heinrich, der damit der erste exkommunizierte römisch-deutsche König war. Der Konflikt wurde in diesem Jahrhundert trotz des Ganges nach Canossa nicht endgültig gelöst. Auch wenn das Problem der Einsetzung der Bischöfe mit dem Wormser Konkordat im Jahr 1122 geregelt wurde, prägten die machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Päpsten und Kaisern auch die folgenden Jahrhunderte. Insgesamt setzte die Kirchenreformbewegung des 11. Jahrhunderts einen jahrhundertelangen Prozess in Gang, der die christlichen Kirchen Europas zu vom Staat getrennten Institutionen werden ließ.

Der vehement postulierte Vorranganspruch der Päpste verstärkte die Trennung zwischen römisch-katholischer und griechisch-orthodoxer Kirche, die mit der orthodoxen Missionierung Russlands und des Balkans an Selbstbewusstsein gewonnen hatte. Das sogenannte Morgenländische Schisma von 1054 war ein Meilenstein im jahrhundertelangen Trennungsprozess der beiden christlichen Kirchen.

Eine mächtigere und viel stärker zentralisierte christliche Kirche begann, Kriege gegen Menschen anderen Glaubens religiös zu rechtfertigen. Dem Aufruf des Papstes zum Kreuzzug am Ende des Jahrhunderts folgten die Kreuzfahrer jedoch sowohl aus geistlichen als auch aus weltlichen Motiven. Bevor im ersten Kreuzzug vorwiegend französische Ritter mit ihrem Gefolge auszogen und Jerusalem eroberten, bildete sich ein nicht von der Amtskirche autorisierter Volkskreuzzug aus der armen Landbevölkerung Nordfrankreichs und Lothringens. Im Laufe dieses gescheiterten Kreuzzuges kam es zu den ersten Judenpogromen des Mittelalters.

Das Heilige Römische Reich mini|Das Reich der Ottonen und Salier In der ersten Jahrhunderthälfte wurde das Heilige Römische Reich von drei mächtigen Kaisern regiert. Nach dem letzten ottonischen Kaiser Heinrich II. wurde Konrad II. durch den Adel zum ersten König der Salier-Dynastie erhoben. Er erweiterte das Reich durch Erbgang um das Königreich Burgund.

Im Selbstverständnis und der Herrschaftsausübung Heinrichs III., dem Sohn und Nachfolger Konrads, fanden Entwicklungen ihren Höhepunkt, deren Anfänge bei den Ottonen des vorherigen Jahrhunderts lagen. Sie prägten, wenn auch mit unterschiedlichem Schwerpunkt, schon deutlich die Herrschaft seiner zwei Amtsvorgänger. Heinrich III. sah sich nicht nur als höchster weltlicher Herrscher, sondern auch als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Bei der Durchsetzung seiner Herrschaft nahm er wenig Rücksicht auf einen Ausgleich mit dem Adel, wie es noch sein Vater Konrad II. tat und es dem Gerechtigkeitsempfinden der Adelsschicht entsprach. Wie auch seine Vorgänger besetzte er fast alle Bischofsämter des Reiches mit seinen Getreuen, steigerte den Besitz der Bistümer und stützte sein Regierungshandeln vornehmlich auf die Bischöfe und ihre Ressourcen. In diesem Zusammenhang sprechen Historiker vom Ottonisch-Salischen Reichskirchensystem. Sein autoritärer Herrschaftsstil fand in den letzten Lebensjahren vor seinem Tod im Jahre 1056 sowohl bei weltlichen Adeligen als auch bei Kirchenvertretern zunehmend Widerspruch.

Doch erst sein Sohn Heinrich IV. geriet in einen weitreichenden Konflikt sowohl mit dem Papst als auch einer Adelsopposition, die ihn einer tyrannischen Machtpolitik beschuldigte. Seine Exkommunikation konnte Heinrich zwar mit dem Gang nach Canossa revidieren, die erstmalige Ernennung eines römisch-deutschen Gegenkönigs konnte er jedoch nicht verhindern. Erst durch dessen Tod in der Schlacht bei Hohenmölsen erlangte Heinrich seine Macht zurück. Der Konflikt hatte weitreichende Folgen für die Herrschaftsstruktur des Reiches. Den nachfolgenden Königen stand ein selbstbewusster Adel oft auch in Opposition gegenüber. Auch auf die Bischöfe und Äbte im Reich konnten sie sich viel weniger verlassen. Ihre Herrschaft legitimierten sie zunehmend mit weltlichen Argumenten.

West- und Nordeuropa Westlich des Heiligen Römischen Reiches erstreckte sich das französische Königreich. Im 10. und 11. Jahrhundert waren die französischen Könige auf ihren Kernraum in der Île-de-France beschränkt. Diese Krondomäne betrug ungefähr ein Zehntel des Königreiches. Die restlichen Teile wurden von rund einem Dutzend großer Kronvasallen beherrscht, über die der König nur die nominelle Oberhoheit hatte. Wie der Monarch in seiner Krondomäne so konnten auch die anderen Kronvasallen eine zentrale Herrschaftsposition innerhalb ihrer Territorien aufbauen. Im 11. Jahrhundert nahmen die Kontakte zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, die beide aus dem Frankenreich hervorgegangen waren, stark ab.

mini|Schlacht von Hastings (Abbildung auf dem Teppich von Bayeux) Im Jahr 1016 eroberte der dänische König Knut der Große England. Er regierte England in Personalunion mit großen Teilen Skandinaviens. Dieses Nordseereich brach jedoch kurz nach seinem Tod im Jahr 1035 unter seinen Nachfolgern zusammen. Mit der normannischen Eroberung durch Wilhelm den Eroberer erlebte England einen grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Umbruch. Seinem Sieg in der Schlacht bei Hastings im Jahre 1066 folgte ein weitgehender Austausch der weltlichen und kirchlichen Führungsschicht. Ein hierarchisches Lehnssystem wurde etabliert und zahlreiche Burgen im Land gebaut. Die Normannen übernahmen ein im Vergleich zum übrigen Europa gut ausgebautes Verwaltungs- und Steuersystem von ihren Vorgängern. Zur Steigerung der Steuereinnahmen führte der König mit der Erstellung des sogenannten Domesday Books eine für diese Zeit beispiellose statistische Erhebung des Besitzes seiner Untertanen durch. Zwar gerieten auch die englischen und französischen Monarchen in Konflikt mit den Reformpäpsten, dieser eskalierte jedoch weniger stark als der mit dem römisch-deutschen König.

Die italienische und die iberische Halbinsel Eine andere normannische Gruppe eroberte im 11. Jahrhundert das muslimisch regierte Sizilien und das christliche Süditalien. Die normannische Eroberung Süditaliens war ein Prozess, der sich fast über das ganze Jahrhundert hinzog und an dessen Ende die Herrschaft der Brüder Roger I. und Robert Guiskard stand. Bei der Eroberung Süditaliens sahen sich die Normannen den verschiedenen Interessen der Päpste sowie der byzantinischen und römisch-deutschen Kaiser in dieser Region ausgesetzt. Außer dem Austausch der obersten Eliten ergaben sich keine großen Änderungen für die Bevölkerung, die in Sizilien zur Hälfte muslimischen Glaubens war.

Im 11. Jahrhundert waren vier italienische Städte, Venedig, Genua, Pisa und Amalfi mächtige Seemächte. Auf Basis ihrer wirtschaftlichen Erfolge setzten sie auch ihre politischen Interessen mit ihren mächtigen militärischen Flotten durch.

mini|Taifa-Königreiche 1080