mini|277px|Territoriale, politische Situation im 12. Jahrhundert. Das 12. Jahrhundert begann am 1. Januar 1101 und endete am 31. Dezember 1200. Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 360 bis 450 Millionen Menschen geschätzt.United States Census Bureau: Schätzungen der historischen Weltbevölkerung (englisch). Im abendländischen Europa übernahm das Papsttum eine Führungsrolle. Die Päpste rivalisierten mit den Kaisern, die sich zunehmend mit Vorformen der Bildung europäischer Nationen auseinandersetzen mussten. Das Rittertum erreichte eine erste Blüte. Handel und Geldwirtschaft weiteten sich aus, die Urbanisierung nahm stark zu, und die Wissenschaften begannen ihren Aufschwung. Europa griff über seine Grenzen hinaus, auch wenn die Kreuzfahrerstaaten im Jahr 1187 eine entscheidende Niederlage erlitten. Die siegreichen Ayyubiden wurden hingegen zur neuen Regionalmacht des Nahen Ostens.
Im Osten des asiatischen Kontinents begann mit der Machtübernahme der Shōgune das japanische Mittelalter. Auf der anderen Seite des Ostchinesischen Meeres zwang der Siegeszug der Jurchen die Song-Dynastie, ihre Herrschaft auf den Süden Chinas zu konzentrieren. Dennoch blieb das Song-China wirtschaftlich und kulturell die einflussreichste Macht Ostasiens. Teile der von den Jurchen bezwungenen Kitai zogen weiter westlich und errichteten als Kara Kitai ihre Oberherrschaft über große Gebiete im Zentrum Asiens. Im Südosten des Kontinents erlebten die Khmer den Höhepunkt ihres Reiches.
Europa mini|Europa um 1190 Im europäischen Kontext wird das 12. Jahrhundert der Epoche des Hochmittelalters zugerechnet. Ähnlich dem Zeitraum des Hochmittelalters (1050–1250) sehen mehrere angloamerikanische Historiker die Zeitspanne vom Ende des 11. bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts als Periode zusammenhängender Entwicklungen und sprechen deshalb von einem langen 12. Jahrhundert. Der Begriff der Renaissance des 12. Jahrhunderts beschreibt die Veränderungen in den Wissenschaften und Künsten als grundlegend und wegweisend. Ferner weist er auf eine verstärkte Rezeption der Antike in diesem Jahrhundert hin. Für viele Historiker bewertet er jedoch zahlreiche Entwicklungen über und klammert andere Aspekte des Jahrhunderts zu Unrecht aus.
Im 12. Jahrhundert war Europa in zahlreiche Herrschaftsgebiete gegliedert, wobei die Meisten durch das Bekenntnis der Bevölkerung zum römisch-katholischen Christentum miteinander verbunden waren. Von ihnen wird auch als Abendland gesprochen. In den europäischen Randgebieten Ost- und Südosteuropas herrschte die christlich-orthodoxe Glaubensrichtung vor, während der Süden der Iberischen Halbinsel muslimisch geprägt war. Das Heilige Römische Reich in der Mitte Europas hatte im Kampf mit dem Papsttum einen großen Teil seiner beanspruchten Hegemonialstellung verloren. In Westeuropa etablierten sich mit England und Frankreich zwei starke eigenständige Reiche.
Mitteleuropa mini|Das Heilige Römische Reich zur Zeit der Staufer Im Zentrum Europas lag das Heilige Römische Reich. Die Machtelite des Reiches bildete eine adelige Oberschicht, die einen König an ihre Spitze wählte. Zu Beginn des Jahrhunderts stand der letzte Salier-König Heinrich V. im Konflikt mit den Päpsten und einer meist sächsischen Reichsfürstenopposition. Durch seine Niederlage in der Schlacht am Welfesholz verlor er einen großen Teil seiner Macht in Sachsen. Ferner büßte er bei der Lösung des Investiturstreites mit dem Papsttum durch das Wormser Konkordat des Jahres 1122 auch einen Teil seines Einflusses auf die Einsetzung der Bischöfe, einer weiteren wichtigen Gruppe der Reichsfürsten, ein. Mit der Kinderlosigkeit Heinrichs bei seinem Tod im Jahr 1125 gewann die Königswahl durch die Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches gegenüber erbrechtlichen Überlegungen stark an Bedeutung. So konnten die mit den Saliern verwandten Staufer erst nach der Regentschaft des Sachsen Lothars III. die Mehrheit der Reichsfürsten davon überzeugen, sie als römisch-deutsche Könige zu wählen. Dem Staufer Konrad III. folgte nicht sein unmündiger Sohn, sondern sein Neffe Friedrich, genannt Barbarossa, auf den Thron. Es wird angenommen, dass er für seinen Wahlerfolg zahlreiche Zugeständnisse an die Fürsten machen musste. Die römisch-deutschen Könige des 12. Jahrhunderts strebten durch ihre Königslandpolitik den Aufbau einer eigenen Machtbasis gegenüber den Adeligen an. Dazu fassten sie Territorien im Königsbesitz zu größeren Gebieten zusammen, die sie durch ergebene Ministeriale verwalten ließen. Ihre Territorien sicherten die Könige durch den Bau zahlreicher Burgen. Ein großes einheitliches Territorium mit einem zentralen Sitz konnten die römisch-deutschen Monarchen jedoch nicht errichten.
Ein weiterer Machtfaktor innerhalb des Kaiserreiches waren die norditalienischen Städte, die insbesondere in der ersten Jahrhunderthälfte immer größere Autonomie gewinnen konnten. Handel und Handwerk brachten ihnen großen Reichtum. Kaiser Barbarossa versuchte ihnen gegenüber seine Königsmacht durchzusetzen. Zahlreiche Regalien, die die Städte aufgrund der Schwäche des Kaisertums in der ersten Jahrhunderthälfte für sich reklamiert hatten, sah er als kaiserliches Eigentum, das er gewinnbringend als Lehen vergeben wollte. Seine Sicht versuchte er gewaltsam durchzusetzen und damit die kaiserliche Zentralmacht in Reichsitalien zu festigen. Zunächst gelang es Friedrich, die Städte gegeneinander auszuspielen und insbesondere Mailand zu besiegen. Mit seiner Parteinahme gegen Papst Alexander III. beim Papstschisma von 1159 stellte er sich gegen zahlreiche europäische Könige. Die Dezimierung seines Heeres durch eine Seuche und eine militärische Niederlage gegen die Städte, die sich im Lombardenbund zusammengeschlossen hatten, zwangen ihn, zunächst Alexander III. im Frieden von Venedig anzuerkennen und schließlich den norditalienischen Städten zahlreiche Regalien gegen Geldzahlung zuzugestehen. Nördlich der Alpen hatte der sächsisch-bayrische Herzog Heinrich der Löwe, der zunächst durch Friedrich protegiert wurde, eine einzigartige Machtposition aufgebaut. Der Druck einer sächsischen Fürstenopposition und Heinrichs nachlassende Unterstützung der kaiserlichen Italienpolitik waren die Gründe dafür, dass er in einem Verfahren weitgehend entmachtet wurde. Seine Länder insbesondere das Stammesherzogtum Sachsen wurden unter mehreren Reichsfürsten aufgeteilt. Zuvor war schon die Markgrafschaft Österreich durch das Privilegium Minus in ein unabhängiges Herzogtum umgewandelt worden. Damit intensivierte sich im Heiligen Römischen Reich der Prozess der Auflösung der großen Stammesherzogtümer zugunsten kleiner Herzogtümer. Die geringere Größe erlaubte es den Herzögen, ihre lokale Herrschaft zu intensivieren, so dass diese über die folgenden Jahrhunderte zu territorialen Flächenstaaten wurden.
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts kam es einerseits zu einer sächsischen Expansion in den Raum zwischen Elbe und Oder zum anderen zu einer Migration deutscher Siedler nach Osteuropa, die Hochmittelalterliche Ostsiedlung genannt wird. Der gewaltsamen Eroberung des Elbe-Oder-Raums von den dort lebenden slawischen Wenden ging der Wendenkreuzzug voraus. Dieser führte zur formalen Christianisierung der Wenden und deren Tributverpflichtungen an die sächsischen Fürsten, die dadurch ihre Machtposition im Reich stärkten.
Zum Ende des Jahrhunderts erlangte der Sohn Kaiser Barbarossas Heinrich VI. neben der Kaiserwürde auch die Königsherrschaft des Königreiches Sizilien. Damit erreichten die Staufer den Höhepunkt ihrer Macht.
Westeuropa mini|Frankreich und das Angevinische Reich um 1180 Im Königreich England brach im Jahr 1135 ein Thronfolgestreit über die Nachfolge König Heinrich I. aus. Die Anhänger der Thronanwärter Stephan von Blois und Matilda bekämpften sich in einem Bürgerkrieg, der auch die Anarchie genannt wird. Im Jahr 1154 konnte sich schließlich der Sohn Matildas Heinrich II. aus dem Haus Plantagenet als König durchsetzen. Vor seiner Krönung hatte er schon die Herrschaft über zahlreiche Gebiete Nordwest-Frankreichs geerbt, darüber hinaus hatte er durch seine Hochzeit mit Eleonore von Aquitanien die Regierungsgewalt über die gesamte westliche Hälfte Frankreichs erlangt. Die Lehnspflicht für die französischen Teile des Herrschaftsbereiches gegenüber dem König von Frankreich blieb formal, so dass sein gesamter Herrschaftsbereich von Historikern als Angevinisches Reich bezeichnet wird.
Die französischen Könige der kapetingischen Dynastie herrschten unmittelbar nur über ihre Krondomäne. Im Jahr 1137 erreichte ihre Königsmacht durch die Heirat von Ludwig VII. mit Eleonore von Aquitanien einen vorläufigen Höhepunkt, dem jedoch mit der Annullierung der Ehe im Jahr 1152 und der anschließenden Entstehung des Angevinisches Reiches ein starker Rückschlag folgte. Erst Ludwigs Nachfolger Philipp August gelang es, wieder eine starke Machtposition aufzubauen, wobei er die internen Streitigkeiten der englischen Plantagenets ausnutzte. Diese Position versetzte ihn zu Beginn des 13. Jahrhunderts dann in die Lage, die Herrschaft der englischen Könige über Teile Frankreichs zu beenden.
Südeuropa Süditalien wurde von Normannen regiert. Diese konnten sich gegenüber den Ansprüchen des Papsttums und der abendländischen sowie byzantinischen Kaiser behaupten. Zunächst in Opposition zum Papsttum nutzten die Normannen in den 1130er Jahren das erste Papstschisma, um als Könige von Süditalien anerkannt zu werden.
Die Päpste hatten in Mittelitalien ein weltliches Herrschaftsgebiet, das sie gegen verschiedene Bedrohungen verteidigten. In der ersten Jahrhunderthälfte sahen sie sich der Opposition der römischen Stadtbevölkerung und der süditalienischen Normannen gegenüber. Dagegen holten sie sich Unterstützung von den römisch-deutschen Kaisern. In der zweiten Jahrhunderthälfte war Kaiser Barbarossa der Gegenspieler von Papst Alexander III. In seinem Kampf gegen dessen Vormachtansprüche in Italien wurde er vom norditalienischen Lombardenbund sowie den französischen Königen und der englischen Kirche unterstützt. Im Frieden von Venedig konnte Alexander sich gegen Barbarossa und den von ihm gestützten Gegenpapst durchsetzen.
mini|Die Iberische Halbinsel im Jahr 1150 Die Iberische Halbinsel war, wie in den vorherigen Jahrhunderten, geteilt in christliche Reiche im Norden und ein muslimisches Reich im Süden. Die christlichen Reiche setzten in diesem Jahrhundert ihren Reconquista genannten Kampf zur Eroberung der muslimischen Gebiete fort. Dieser Kampf war seit Ende des 11. Jahrhunderts von beiden Seiten religiös aufgeladen. Bei den Kämpfen spielten Ritterorden eine bedeutende Rolle. Die christlichen Reiche, die sowohl gemeinsam als auch getrennt kämpften, konnten genauso wie in vorherigen so auch in diesem Jahrhundert einige territoriale Gewinne erzielen. Im Laufe des Jahrhunderts spalteten sich einige Gebiete von den großen Reichen Kastilien und Aragon ab. So wurde die Grafschaft Portugal zu einem unabhängigen Königreich, das im Jahr 1179 offiziell anerkannt wurde.
Der Süden, Al-Andalus genannt, wurde in der ersten Jahrhunderthälfte von der Dynastie der Almoraviden regiert. In der Atmosphäre des militärischen Drucks verfügten die almoravidischen Kalifen die Ausweisung zahlreicher christlicher und jüdischer Bewohner ihrer Reiche. Als die Almoraviden zur Jahrhundertmitte durch militärische Niederlagen und interne Zwistigkeiten schwächer wurden, übernahm die religiös-tribale Bewegung der Almohaden 1161 die Macht in Al-Andalus. Die Almohaden behaupten ihre Stellung gegenüber den christlichen Reichen. In der Schlacht bei Alarcos errangen sie den letzten großen Sieg einer muslimischen Streitmacht auf der Iberischen Halbinsel, konnten ihn jedoch nicht für größere Gebietsgewinne nutzen. Die Almohaden förderten Kunst und Kultur und begannen zahlreiche Bauten, wie die Moschee von Sevilla. Auch auf den Gebieten Philosophie, Theologie und Mystik kam es zu einer Blüte.
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