Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 (span.: Campeonato Mundial De Futbol) war die elfte Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 1. bis zum 25. Juni 1978 in Argentinien statt. Weltmeister wurde Gastgeberland Argentinien im Finale gegen die Niederlande, die somit ihr zweites WM-Finale in Folge verloren.

In Deutschland und Österreich ist diese Weltmeisterschaft auf Grund des Zwischenrundenspiels in Córdoba zwischen den beiden Mannschaften, das Österreich mit 3:2 gewann, in Erinnerung geblieben.

Vergabe Argentinien bekam den Zuschlag für die Fußball-WM-Endrunde 1978 auf dem FIFA-Kongress in London am 6. Juli 1966. Gleichzeitig wurde auch die WM 1974 an die Bundesrepublik Deutschland und die WM 1982 an Spanien vergeben.

Der Gastgeber Argentinien unter der Militärdiktatur mini|Die Militärakademie ESMA diente der Diktatur als Geheimgefängnis, auch während der WM. Dort wurden insgesamt etwa 4700 Menschen illegal gefangengehalten, gefoltert und bis auf wenige Überlebende ermordet. Sie liegt in der Nähe des River-Plate-Stadions, wo unter anderem das WM-Endspiel stattfand.David Winner: In: 11Freunde.de. 10. Januar 2010, abgerufen am 3. Dezember 2022.Original engl.: . In: ft.com. Financial Times, 21. Juni 2008, abgerufen am 3. Dezember 2022.

Argentinien galt als sehr schwieriger Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft, da das Land seit 1976 von einer Militärdiktatur regiert wurde. Folterungen sowie das Verschwindenlassen und Ermorden von vermeintlichen Regimegegnern waren an der Tagesordnung. Heute geht man von bis zu 30.000 Todesopfern aus, von denen die meisten einfach spurlos verschwanden (siehe Desaparecidos). Obwohl das volle Ausmaß dieses im Geheimen ausgeführten Schmutzigen Krieges erst nach dem Ende der Diktatur 1983 bekannt wurde, gab es bereits vor der WM genügend Hinweise auf die gravierenden Menschenrechtsverletzungen. In mehreren europäischen Ländern, so in Frankreich, Schweden und den Niederlanden,Manifest der Verantwortungslosigkeit, taz.de, 9. Juli 2014, 3. Dezember 2022. wurde sogar breit darüber diskutiert, die WM aus diesem Grunde zu boykottieren, nicht jedoch in Deutschland.Sport und Mord, zeit.de, 16. Mai 2012, 3. Dezember 2022. Im Vorfeld stand bei der Berichterstattung der politische Aspekt in der Beurteilung des Geschehens oft im Vordergrund. Der Kommentar zur prunkvollen Eröffnungsfeier war dann auch nicht synchron zum Bild, sondern eher politisch geprägt.

Der Fußball-Journalist David Winner schrieb 2008 rückblickend:

Zweifellos sollte die WM − ähnlich wie vier Jahre später der Falklandkrieg − aus Sicht der argentinischen Machthaber deren Herrschaft im Land stabilisieren. Im Gegensatz zum verlorenen Falkland-Abenteuer ging die Rechnung 1978 auch halbwegs auf, denn Argentinien veranstaltete eine WM ohne gravierende Zwischenfälle, mit Ausnahme der kurzfristig anberaumten, umstrittenen Verschiebung des letzten Zwischengruppenspiels Argentiniens gegen Peru, in dem das nachmittägliche 3:1 der Brasilianer gegen Polen mit einem 6:0 noch mehr als egalisiert wurde. Dadurch zog Argentinien als Zwischenrunden-Gruppensieger ins Finale ein und wurde am Ende Weltmeister. Dass einige argentinische Spieler und namentlich der Trainer César Luis Menotti alles andere als Anhänger der Diktatoren waren, trübte die Freude der Obristen allerdings.

mini|Torstange bei Peru gegen Schottland mit schwarzem Band am unteren Ende Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass die schwarze Bemalung am unteren Rand der Torstangen einen stummen Protest der Stadionmitarbeiter gegen die Militärdiktatur ausdrücken sollte. In Wahrheit jedoch waren bereits 1953 in einem Testspiel gegen England die Pfosten unten schwarz bemalt und dies wurde auch in den kommenden Jahren fortgeführt. Ursprünglich war die schwarze Bemalung als optische Hilfe für die Spieler gedacht, da die Torlinien bereits weiß waren und ebenfalls viel weißes Konfetti von den Fans in den Strafraum geworfen wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich jedoch mehr zur Dekoration, die im Jahr 1988 ein Ende fand: Die FIFA erklärte in ihrem Regelbuch, dass alle Pfosten und Querlatten weiß sein müssen.

Verhalten deutscher Spieler und Funktionäre im Kontext der Argentinischen Militärdiktatur Während der WM besuchte der ehemalige Fliegeroffizier und nationalsozialistische Propagandist Hans-Ulrich Rudel die deutsche Nationalmannschaft im Trainingsquartier in Ascochinga. Hermann Neuberger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, verteidigte den Besuch mit den Worten, eine Kritik an Rudels Erscheinen käme „einer Beleidigung aller deutschen Soldaten gleich“.WM-Anekdoten. Ein Jahrhundertspiel und ein Jahrhundertskandal. In: Spiegel.de. 6. Juli 2010, abgerufen am 3. Dezember 2022. Die rechtsextreme Presse wie die Deutsche Nationalzeitung begrüßte Neubergers Verhalten und das der Nationalmannschaft. Neuberger rügte die Spieler des Finalteilnehmers und Vize-Weltmeisters Niederlande, da sie dem argentinischen Diktator Videla und den Mitgliedern der Militärjunta den Handschlag verweigerten. Dieses Verhalten, das auch vom nicht berücksichtigten Paul Breitner gefordert wurde, hatte Neuberger zuvor für den Fall der Finalteilnahme den deutschen Spielern untersagt.Ulrich Pramann (Hrsg.): Fussball und Folter. Argentinien ’78. Reinbek, 1978. S. 30. Links oben. Rechts oben. Nach dem Turnier, in dem er die deutsche Mannschaft als Kapitän anführte, sagte Berti Vogts in Bezug auf die herrschende Militärjunta: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“Peter Burkhardt: Fußball-Historie. Jubel in Hörweite der Folterkammern. In: Sueddeutsche.de. 25. Juni 2008, abgerufen am 3. Dezember 2022. Manfred Kaltz vom Hamburger SV sagte laut Medienberichten: „Ich fahr da hin, um Fußball zu spielen, nichts sonst. Belasten tut mich das nicht, dass dort gefoltert wird. Ich habe andere Probleme“.Justiz. Es war auch mal anders: Die WM 1978 in Argentinien. In: Focus.de. 9. September 2015, abgerufen am 3. Dezember 2022.Peter Maxwill: WM 1978 in Südamerika. Argentiniens skandalöser Triumph. In: Spiegel.de. 28. Mai 2014, abgerufen am 3. Dezember 2022.

Spielorte Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in sechs Stadien in fünf verschiedenen argentinischen Städten ausgetragen. Mar del Plata war der bislang südlichst gelegene Ort, in dem ein Spiel einer Fußball-Weltmeisterschaft stattfand. * Die Kapazität bezieht sich auf den Zeitpunkt der Weltmeisterschaft 1978.

Statistik Stadt Stadion Spiele Kapazität* Gesamt-zuschauerzahl Schnitt Spiel mit den meisten Zuschauern Spiel mit den wenigsten Zuschauern Buenos Aires Estadio Monumental (River Plate) 9 76.600 625.389 69.488 Italien–Argentinien (1. Finalrunde) 71.712 Italien–Österreich (2. Finalrunde) 66.695 Estadio José Amalfitani (El Fortín) 3 49.300 124.397 41.466 Spanien–Schweden (1. Finalrunde) 42.132 Österreich–Spanien (1. Finalrunde) 40.841 Córdoba Estadio Olímpico Chateau Carreras 8 46.800 237.170 29.646 BR Deutschland–Niederlande (2. Finalrunde) 40.750 Schottland–Iran (1. Finalrunde) 7938 Mar del Plata Estadio Mundialista 6 42.700 194.594 32.432 Italien–Frankreich (1. Finalrunde) 42.373 Frankreich–Ungarn (1. Finalrunde) 23.127 Mendoza Estadio Ciudad de Mendoza 6 44.000 202.838 33.806 Brasilien–Polen (2. Finalrunde) 39.586 Niederlande–Peru (1. Finalrunde) 28.125 Rosario Estadio Gigante de Arroyito 6 40.600 161.403 26.901 Argentinien–Brasilien (2. Finalrunde) 37.326 Polen–Tunesien (1. Finalrunde) 9624

Qualifikation

Folgende Mannschaften konnten sich für die WM 1978 qualifizieren:

10 aus Europa 3 aus Südamerika 1 aus Nord- und Mittelamerika 1 aus Afrika 1 aus Asien mini|links|600px|Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen

Auslosung Gesetzte Mannschaften: Argentinien • Italien • BR Deutschland • Brasilien • Niederlande Topf 1: Polen • Schottland • Spanien Topf 2: Schweden • Ungarn Topf 3: Mexiko • Peru Topf 4: Frankreich • Österreich • Iran • Tunesien

Schon vor dem Beginn der Auslosung stand eine Spielpaarung bereits fest. Gastgeber Argentinien (Position 1) trifft in Gruppe 1 in seinem letzten Gruppenspiel auf Italien (Position 4). Dies geschah aus rein kommerziellen Gründen, da sehr viele Argentinier italienischer Abstammung sind und die Argentinien-Gruppe in den größten Stadien spielte. Der Titelverteidiger Deutschland wurde in Gruppe 2 für das Eröffnungsspiel gesetzt (Position 6). Rekordweltmeister Brasilien kam in Gruppe 3 (Position 12) und Vizeweltmeister Niederlande in Gruppe 4 (Position 13). Zunächst wurden drei europäische Mannschaften aus Lostopf 1 gezielt auf die Gruppen 2 bis 4 verteilt. Der Topf 2 enthielt zwei europäische Mannschaften, die gezielt den Gruppen von Argentinien und Brasilien zugelost wurden. Der Lostopf 3 enthielt nur zwei amerikanische Mannschaften, die gezielt den Gruppen 2 und 4 zugelost wurden. Dadurch wurde verhindert, dass zwei amerikanische Mannschaften in einer Gruppe spielten. Zum Schluss wurde jeder der vier Gruppen eine Mannschaft aus Topf 4 frei zugelost.Edición del Samstag 14 Januar de 1978, Página 9. In: hemeroteca.mundodeportivo.com. (Auf „Ver texto“ klicken, um den Text sichtbar zu machen!) Abgerufen am 3. Dezember 2022.

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 1: 5: 9: 13: 2: 6: 10: 14: 3: 7: 11: 15: 4: 8: 12: 16: Für Informationen zu den einzelnen Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Modus Der Austragungsmodus war der gleiche wie schon bei der WM 1974. 16 Mannschaften spielten in vier Vierergruppen. Die Gruppensieger und Gruppenzweiten zogen in die zweite Finalrunde ein. Dort wurde in zwei Vierergruppen gespielt. Die beiden Gruppensieger bestritten das Finale und die beiden Gruppenzweiten spielten um den 3. Platz.

Erste Runde Gruppe 1