Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 (, ) war die 16. Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 10. Juni bis zum 12. Juli 1998 zum zweiten Mal nach 1938 in Frankreich statt. Erstmals waren 32 Länder vertreten.
Weltmeister wurde Gastgeber Frankreich im Finale gegen Titelverteidiger Brasilien. Der Vize-Weltmeister von 1994, Italien, schied im Viertelfinale gegen Frankreich aus. Dritter wurde Kroatien, das mit Davor Šuker (6 Tore) den Torschützenkönig stellte, durch den Sieg gegen die Niederlande im „kleinen Finale“.
Vergabe Für das Turnier bewarben sich Frankreich, Marokko und die Schweiz. Die Vergabe fand während der FIFA-Generalversammlung im Juli 1992 in Zürich statt. Die Schweizer Bewerbung wurde wegen technischer Mängel zurückgewiesen – unter anderem weil deren Konzept provisorische Stahlrohrtribünen in Stadien vorsah.WM-Träume aus Stahlrohr In: Schweizerisches Landesmuseum vom 18. November 2022 Provisorien wurden aber seitens der FIFA nach der just zwei Monate zuvor passierten Katastrophe von Bastia verboten. Das 19-köpfige Exekutiv-Komitee stimmte im ersten Wahlgang mit 12:7 für Frankreich.France Gets 1998 World Cup The New York Times 3. Juli 1992France awarded 1998 World Cup The Item 2. Juli 1992 Der Funktionär Chuck Blazer gestand 2013, Bestechungsgeld vom Bewerber Marokko für seine Stimme angenommen zu haben.Blazer gesteht, Schmiergelder angenommen zu haben Süddeutsche Zeitung 4. Juni 2015
Spielorte Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in zehn Stadien in zehn verschiedenen Städten Frankreichs ausgetragen. Bordeaux Lens Lyon Stade du Parc LescureKapazität: 35.200 Stade Félix-BollaertKapazität: 41.275 Stade GerlandKapazität: 44.000 200px|Stade du Parc Lescure 200px|Stade Felix-Bollaert 200px|Stade Gerland Marseille Montpellier Nantes Stade VélodromeKapazität: 60.000 Stade de la MossonKapazität: 35.500 Stade Louis-FonteneauKapazität: 39.500 200px|Stade Vélodrome 200px|Stade de la Mosson 200px|Stade Louis-Fonteneau Paris Saint-Denis Toulouse Saint-Étienne Parc des PrincesKapazität: 49.000 Stade de FranceKapazität: 80.000 Stadium MunicipalKapazität: 37.000 Stade Geoffroy-GuichardKapazität: 36.000 200px|Parc des Princes 250px|Stade de France 360px|Stadium Municipal 200px|Stade Geoffroy-Guichard
Qualifikation
Um die Kontinentalverbände Asiens und Afrikas aufzuwerten und mehr Teilnehmer aus diesen Kontinenten aufnehmen zu können, wurde 1994 die Aufstockung der Weltmeisterschaft von 24 auf 32 Nationalmannschaften beschlossen. Erstmals für eine Fußball-Weltmeisterschaft konnten sich Jamaika, Japan, Kroatien, Südafrika und die BR Jugoslawien (später Serbien und Montenegro, heute aufgelöst) qualifizieren.
Teilnehmer Für die Endrunde qualifizierten sich letztlich, einschließlich Titelverteidiger Brasilien und Gastgeber Frankreich, folgende 32 Nationalmannschaften aus den jeweiligen Kontinentalverbänden: 15 aus Europa 5 aus Südamerika 3 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik 5 aus Afrika 4 aus Asien mini|links|600px|Weltkarte der Teilnehmer und deren Platzierungen
Auslosung Erstmals fand die Auslosung in einem Fußballstadion, dem Vélodrome in Marseille statt. Die Lose zogen Franz Beckenbauer, Carlos Alberto Parreira, George Weah und Raymond Kopa.
fix gesetzt: Brasilien (Weltmeister) auf A1 und Frankreich (Gastgeber) auf C1 Topf 1: Italien • Spanien • Niederlande • Deutschland • Rumänien • Argentinien Topf 2: Kamerun • Marokko • Nigeria • Südafrika • Tunesien • Jamaika • Mexiko • USA Topf 3: Belgien • Bulgarien • Dänemark • England • Jugoslawien • Kroatien • Norwegen • Österreich • Schottland Topf 4: Iran • Japan • Saudi-Arabien • Südkorea • Chile • Kolumbien • Paraguay
Zuerst wurden aus Topf 1 die restlichen sechs Gruppenköpfe gezogen, die an erster Position ihrer Gruppe gesetzt wurden. Die acht Mannschaften aus Topf 2 wurden frei den acht Gruppenköpfen zugelost. Aus Topf 3 wurden acht der neun europäischen Mannschaften den acht Gruppen frei zugelost. Ein Team, Norwegen, blieb im Lostopf zurück und wurde gezielt einem südamerikanischen Gruppenkopf, Brasilien oder Argentinien, zugelost. Norwegen kam zu Brasilien in die Gruppe. Damit nicht zwei südamerikanische Mannschaften in einer Gruppe spielen, wurde das zuerst aus Topf 4 gezogene asiatische Team, Japan, dem anderen südamerikanischen Gruppenkopf, Argentinien, zugeordnet. Die restlichen Mannschaften aus Topf 4 wurden frei zugelost.
Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe D Gruppe EGruppe FGruppe GGruppe H Für Infos zu den einzelnen WM-Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.
Modus Die 32 Teilnehmer wurden in acht Vorgruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Die Gruppensieger und Zweitplatzierten jeder Gruppe qualifizierten sich für das Achtelfinale. Ab dem Achtelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen.
Vorrunde Gruppe A
10. Juni 1998, 17:30 Uhr in Saint-Denis Brasilien – Schottland 2:1 (1:1) 10. Juni 1998, 21:00 Uhr in Montpellier Marokko – Norwegen 2:2 (1:1) 16. Juni 1998, 17:30 Uhr in Bordeaux Schottland – Norwegen 1:1 (0:0) 16. Juni 1998, 21:00 Uhr in Nantes Brasilien – Marokko 3:0 (2:0) 23. Juni 1998, 21:00 Uhr in Marseille Brasilien – Norwegen 1:2 (0:0) 23. Juni 1998, 21:00 Uhr in Saint-Étienne Schottland – Marokko 0:3 (0:1)
Wie die vorherigen Weltmeister hatte auch Brasilien große Probleme im Eröffnungsspiel und gewann gegen Schottland letztlich nur durch ein Eigentor 17 Minuten vor Schluss mit 2:1. Im zweiten Gruppenspiel deklassierte der Titelverteidiger Marokko mit 3:0, sodass vor dem letzten Spiel der Gruppensieg gesichert war. In dieser Partie setzte sich Norwegen mit 2:1 durch und schloss die Gruppenphase auf dem 2. Platz ab. Marokko schlug Schottland im Parallelspiel deutlich mit 3:0, schied aber aufgrund der geringeren Punktzahl aus. Für beide Mannschaften wäre der Einzug ins Achtelfinale durch einen eigenen Sieg im letzten Gruppenspiel noch möglich gewesen, was durch den Sieg Norwegens aber verhindert wurde.
Gruppe B
11. Juni 1998, 17:30 Uhr in Bordeaux Italien – Chile 2:2 (1:1) 11. Juni 1998, 21:00 Uhr in Toulouse Kamerun – Österreich 1:1 (0:0) 17. Juni 1998, 17:30 Uhr in Saint-Étienne Chile – Österreich 1:1 (0:0) 17. Juni 1998, 21:00 Uhr in Montpellier Italien – Kamerun 3:0 (1:0) 23. Juni 1998, 16:00 Uhr in Saint-Denis Italien – Österreich 2:1 (0:0) 23. Juni 1998, 16:00 Uhr in Nantes Chile – Kamerun 1:1 (1:0)
Auch Italien hatte bei seinem Start ins Turnier Probleme. Im ersten Gruppenspiel gegen Chile verhinderte ein Elfmetertor von Roberto Baggio zwei Minuten vor dem Ende den Überraschungssieg der Südamerikaner. Die Italiener kamen anschließend besser ins Turnier und wurden doch noch mit deutlichem Vorsprung Gruppensieger. Für Chile reichten drei Unentschieden, um ebenfalls ins Achtelfinale einzuziehen. Österreich gelang es gegen Kamerun und Chile, jeweils in der Nachspielzeit auszugleichen. Durch die Niederlage gegen Italien schieden sie trotzdem aus. Kamerun musste sich wie schon vier Jahre zuvor sieglos aus dem Turnier verabschieden.
Gruppe C
12. Juni 1998, 17:30 Uhr in Lens Saudi-Arabien – Dänemark 0:1 (0:0) 12. Juni 1998, 21:00 Uhr in Marseille Frankreich – Südafrika 3:0 (1:0) 18. Juni 1998, 17:30 Uhr in Toulouse Südafrika – Dänemark 1:1 (0:1) 18. Juni 1998, 21:00 Uhr in Saint-Denis Frankreich – Saudi-Arabien 4:0 (1:0) 24. Juni 1998, 16:00 Uhr in Lyon Frankreich – Dänemark 2:1 (1:1) 24. Juni 1998, 16:00 Uhr in Bordeaux Südafrika – Saudi-Arabien 2:2 (1:1)
Die Gruppe C zeichnete sich durch die souveräne Form des Gastgebers aus. Auch das letzte Gruppenspiel gegen Dänemark gewannen die Franzosen, obwohl Trainer Jacquet fast alle Stammspieler fürs Achtelfinale schonte. Dänemark konnte in dieser Vorrunde noch nicht überzeugen, war durch die Niederlage gegen Frankreich am letzten Gruppenspieltag sogar auf Schützenhilfe Saudi-Arabiens angewiesen, die sie auch erhielten. WM-Debütant Südafrika konnte die teilweise recht hohen Erwartungen nicht halten. Der Geheimfavorit aufs Achtelfinale kam nur zu zwei Unentschieden. Die Mannschaft aus Saudi-Arabien konnte die Überraschung der letzten WM nicht wiederholen, konnten aber mit Dänemark und Südafrika mithalten.
Gruppe D
12. Juni 1998, 14:30 Uhr in Montpellier Paraguay – Bulgarien 0:0 13. Juni 1998, 14:30 Uhr in Nantes Spanien – Nigeria 2:3 (1:1) 19. Juni 1998, 17:30 Uhr in Paris Nigeria – Bulgarien 1:0 (1:0) 19. Juni 1998, 21:00 Uhr in Saint-Étienne Spanien – Paraguay 0:0 24. Juni 1998, 21:00 Uhr in Lens Spanien – Bulgarien 6:1 (2:0) 24. Juni 1998, 21:00 Uhr in Toulouse Nigeria – Paraguay 1:3 (1:1)
In der Überraschungsgruppe D setzte sich für die vor dem Turnier wieder einmal favorisierten Spanier mit dem frühen Ausscheiden eine langjährige Tradition fort. Nachdem sie gegen Nigeria stark begonnen hatten, ging das Spiel u. a. durch einen Torwartfehler von Zubizarreta und ein Weitschusstor von Sunday Oliseh verloren. Nigeria überraschte schon bei der WM 1994 und hatte sich durch das 1:0 über Bulgarien auch diesmal den Gruppensieg vorzeitig gesichert. Das spielerisch enttäuschende 0:0 der Spanier gegen defensivstarke Paraguayer um Chilavert sollte letztlich die Vorentscheidung im Kampf ums Weiterkommen sein, denn Paraguay hatte damit die besten Karten auf den zweiten Platz. Obwohl die Spanier in ihrem dritten Gruppenspiel eine überragende Leistung boten und den Deutschlandbezwinger von 1994 mit 6:1 schlugen, schieden sie schließlich doch aus, da Paraguay überraschend gegen die Nigerianer siegte. Für Bulgarien läutete diese WM das Ende der „Goldenen Generation“ um Stoitschkow, Balakow oder Kostadinow ein. Sie enttäuschten auf ganzer Linie.
Gruppe E
13. Juni 1998, 17:30 Uhr in Lyon Südkorea – Mexiko 1:3 (1:0) 13. Juni 1998, 21:00 Uhr in Saint-Denis Niederlande – Belgien 0:0 20. Juni 1998, 17:30 Uhr in Bordeaux Belgien – Mexiko 2:2 (1:0) 20. Juni 1998, 21:00 Uhr in Marseille Niederlande – Südkorea 5:0 (2:0) 25. Juni 1998, 16:00 Uhr in Paris Belgien – Südkorea 1:1 (1:0) 25. Juni 1998, 16:00 Uhr in Saint-Étienne Niederlande – Mexiko 2:2 (2:0)
Belgien hatte zuvor bei vier WM-Endrunden in Folge stets die Vorrunde überstanden, diesmal aber reichte es nicht, da die Belgier nur dreimal Unentschieden spielten. Mexiko gelang es sowohl gegen Belgien als auch gegen die Niederlande aus einem 0:2 ein 2:2 zu machen. Die Niederländer starteten mäßig ins Turnier mit einem 0:0 gegen den Nachbarn Belgien, gegen den es in der Qualifikation noch zwei klare Siege gegeben hatte. Einzig das überragende 5:0 über Südkorea brachte Holland den Gruppensieg. Südkorea musste weiterhin auf seinen ersten WM-Sieg warten, holte aber ein Unentschieden gegen Belgien, was diesen endgültig die Achtelfinal-Teilnahme verbaute.
Gruppe F
14. Juni 1998, 17:30 Uhr in Saint-Étienne Jugoslawien – Iran 1:0 (0:0) 15. Juni 1998, 21:00 Uhr in Paris Deutschland – USA 2:0 (1:0) 21. Juni 1998, 14:30 Uhr in Lens Deutschland – Jugoslawien 2:2 (0:1) 21. Juni 1998, 21:00 Uhr in Lyon USA – Iran 1:2 (0:1) 25. Juni 1998, 21:00 Uhr in Montpellier Deutschland – Iran 2:0 (0:0) 25. Juni 1998, 21:00 Uhr in Nantes USA – Jugoslawien 0:1 (0:1)
Die Gruppe F stellte die deutsche Elf unter Berti Vogts vor durchaus lösbare Aufgaben, und so gelang auch der für deutsche Mannschaften meist schwierige Auftakt. Die USA wurden 2:0 geschlagen, auch dank gut ausgenutzter Standardsituationen. Mit Jugoslawien traf der Europameister auf einen alten Bekannten. In einem engen Spiel gelang es den Deutschen, eine 2:0-Führung der starken Jugoslawen durch ein Eigentor und einen Treffer von Oliver Bierhoff aufzuholen. Im letzten Spiel gegen den Iran musste noch mindestens ein Unentschieden her. Dank des Sieges und der damit besseren Tordifferenz umging Deutschland den späteren Halbfinalisten Niederlande.