Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 (span.: Campeonato Mundial de Futbol, engl.: Football World Cup) war die zwölfte Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften. Sie fand vom 13. Juni bis zum 11. Juli 1982 in Spanien statt. Weltmeister wurde Italien, das Deutschland im Finale 3:1 besiegte.
Vergabe Die Entscheidung über das Gastgeberland fiel bereits auf dem FIFA-Kongress in London am 6. Juli 1966. Keine andere WM vergab die FIFA frühzeitiger; Spanien hatte somit 16 Jahre Zeit, um sich auf die WM 1982 vorzubereiten.
Am selben Tag wurde die Ausrichtung der WM 1974 in Deutschland und die WM 1978 in Argentinien festgelegt.
Spielorte Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in 17 Stadien in 14 spanischen Städten ausgetragen. * Angaben zur Stadionkapazität beziehen sich auf den Zeitpunkt der Weltmeisterschaft 1982. Stadt Stadion Spiele Kapazität* Alicante Estadio José Rico Pérez 3 35.900 Barcelona Camp Nou 5 99.000 Estadi Sarrià 3 40.000 Bilbao San Mamés 3 46.200 La Coruña Estadio Municipal de Riazor 3 34.200 Elche Nuevo Estadio 3 53.000 Gijón El Molinón 3 45.200 Madrid Estadio Santiago Bernabéu 4 90.800 Estadio Vicente Calderón 3 65.700 Málaga Estadio La Rosaleda 3 34.400 Oviedo Estadio Carlos Tartiere 3 28.400 Saragossa Estadio La Romareda 3 41.800 Sevilla Estadio Benito Villamarín 2 52.500 Estadio Ramón Sánchez Pizjuán 2 68.100 Valencia Estadio Luis Casanova 3 47.600 Valladolid Estadio José Zorrilla 3 30.000 Vigo Estadio Balaídos 3 56.800
Statistik Stadt Stadion Spiele Kapazität* Gesamt-<br/ >zuschauerzahl Schnitt Spiel mit den meisten Zuschauern Spiel mit den wenigsten Zuschauern Alicante Estadio José Rico Pérez 3 35.900 92.593 30.864 Argentinien – El Salvador(1. Finalrunde) 32.500 Polen – Frankreich(Spiel um den dritten Platz) 28.000 Barcelona Camp Nou 5 99.000 320.000 64.000 Argentinien – Belgien(Eröffnungsspiel) 95.000 Belgien – Sowjetunion(2. Finalrunde) 45.000 Estadi Sarrià 3 40.000 131.000 43.667 Argentinien – Brasilien und Italien – Brasilien(2. Finalrunde) 44.000 Italien – Argentinien(2. Finalrunde) 43.000 Bilbao San Mamés 3 46.200 124.995 41.665 England – Frankreich(1. Finalrunde) 44.172 England – Kuwait(1. Finalrunde) 39.700 La Coruña Estadio Municipal de Riazor 3 34.200 55.000 18.333 Polen – Peru(1. Finalrunde) 25.000 Peru – Kamerun(1. Finalrunde) 11.000 Elche Nuevo Estadio 3 53.000 75.000 25.000 Belgien – Ungarn(1. Finalrunde) 37.000 Belgien – El Salvador(1. Finalrunde) 15.000 Gijón El Molinón 3 45.200 125.000 41.667 Deutschland – Algerien und Deutschland – Chile(1. Finalrunde) 42.000 Deutschland – Österreich(1. Finalrunde) 41.000 Madrid Estadio Santiago Bernabéu 4 90.800 330.089 82.522 Deutschland – Spanien(2. Finalrunde) 90.089 Deutschland – England und Spanien – England(2. Finalrunde) 75.000 Estadio Vicente Calderón 3 65.700 94.000 31.333 Österreich – Frankreich und Frankreich – Nordirland(2. Finalrunde) 37.000 Österreich – Nordirland(2. Finalrunde) 20.000 Málaga Estadio La Rosaleda 3 34.400 100.000 33.333 Sowjetunion – Schottland(1. Finalrunde) 45.000 Sowjetunion – Neuseeland(1. Finalrunde) 19.000 Oviedo Estadio Carlos Tartiere 3 28.400 60.500 20.167 Chile – Österreich(1. Finalrunde) 22.500 Algerien – Chile(1. Finalrunde) 16.000 Saragossa Estadio La Romareda 3 41.800 65.000 21.667 Jugoslawien – Nordirland und Honduras – Jugoslawien(1. Finalrunde) 25.000 Honduras – Nordirland(1. Finalrunde) 15.000 Sevilla Estadio Benito Villamarín 2 52.500 90.379 45.190 Brasilien – Schottland(1. Finalrunde) 47.379 Brasilien – Neuseeland(1. Finalrunde) 43.000 Estadio Ramón Sánchez Pizjuán 2 68.100 138.000 69.000 Deutschland – Frankreich(Halbfinale) 70.000 Brasilien – Sowjetunion(1. Finalrunde) 68.000 Valencia Estadio Luis Casanova 3 47.600 147.124 49.041 Spanien – Honduras und Nordirland – Spanien(1. Finalrunde) 49.562 Spanien – Jugoslawien(1. Finalrunde) 48.000 Valladolid Estadio José Zorrilla 3 30.000 83.043 27.681 Frankreich – Kuwait(1. Finalrunde) 30.043 Tschechoslowakei – Kuwait(1. Finalrunde) 25.000 Vigo Estadio Balaídos 3 56.800 78.000 26.000 Italien – Polen(1. Finalrunde) 33.000 Italien – Kamerun(1. Finalrunde) 20.000
Qualifikation
Insgesamt bewarben sich 107 Nationen um die 24 Endrundenplätze. Für die einzelnen Kontinente waren die Teilnehmerzahlen fest vorgegeben. Europa stellte 13 Teilnehmer, hinzu kam Spanien, das als Ausrichter automatisch qualifiziert war. WM-Plätze gab es für die ersten drei der südamerikanischen Qualifikationsrunde sowie für Argentinien, das als Titelverteidiger ebenfalls direkt qualifiziert war. Nord- und Mittelamerika, Asien und Ozeanien, sowie Afrika stellten je zwei Teilnehmer. Größte Überraschung der Qualifikation war das Ausscheiden des Vize-Weltmeisters Niederlande, die hinter Belgien, Frankreich und Irland nur den vierten Platz ihrer Gruppe belegten. Für Algerien, Honduras, Kamerun, Kuwait und Neuseeland war es die erste WM-Teilnahme überhaupt. Folgende Länder qualifizierten sich für die Endrunde: 14 aus Europa 4 aus Südamerika 2 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik 2 aus Afrika 1 aus Asien 1 aus Ozeanien mini|links|hochkant=2|Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen
Auslosung gesetzte Gruppenköpfe: Italien (1) • BR Deutschland (2) • Argentinien (3) • England (4) • Spanien (5) • Brasilien (6) Topf 1: Chile • Peru • Belgien • Frankreich • Nordirland • Schottland Topf 2: Algerien • Kamerun • El Salvador • Honduras • Kuwait • Neuseeland Topf 3: Jugoslawien • Österreich • Polen • Sowjetunion • Tschechoslowakei • Ungarn
Den südamerikanischen Gruppenköpfen Argentinien und Brasilien wurden aus Topf 1 gezielt europäische Mannschaften zugelost.Aus den Töpfen 2 und 3 wurden die Mannschaften den sechs Gruppen völlig frei zugelost. Gruppe 1Gruppe 2Gruppe 3Gruppe 4Gruppe 5Gruppe 6 Für Informationen zu den einzelnen Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.
Modus Die 24 Teilnehmer wurden in der ersten Runde in sechs Gruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Die beiden ersten jeder Gruppe qualifizierten sich für die zweite Runde, die in vier Gruppen mit je drei Mannschaften ausgetragen wurde. Die Sieger der zweiten Finalrunde qualifizierten sich für das Halbfinale. Die Gewinner des Halbfinales bestritten das Finale, die Verlierer das Spiel um Platz drei.
Erste Runde In der Vorrunde der WM, die erstmals mit 24 statt wie bisher mit 16 Mannschaften ausgespielt wurde, schafften fast alle Favoriten mehr oder weniger leicht den Sprung in die Zwischenrunde. Belgien besiegte im Eröffnungsspiel den amtierenden Weltmeister Argentinien mit 1:0. Auch Algerien schlug als vermeintlich schwächerer Gegner Deutschland mit 2:1, Nordirland wurde vor Spanien und den ebenfalls stärker eingeschätzten Jugoslawen Erster in Gruppe 5. Keiner der fünf WM-Debütanten erreichte die Zwischenrunde. Spanien spielte als Gastgeber und Mitfavorit auf den WM-Titel 1:1 gegen Honduras. Der spätere Weltmeister Italien spielte 1:1 gegen Kamerun, das ungeschlagen vorzeitig aus dem Turnier ausschied.
Zum umstrittensten Spiel der Vorrunde wurde das abschließende Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich, das später als Nichtangriffspakt von Gijón (oder auch Schande von Gijón) bekannt wurde. Beiden Mannschaften genügte ein knapper Sieg Deutschlands, um in die Zwischenrunde zu kommen. Nach dem 1:0 für Deutschland durch Horst Hrubesch in der 11. Minute stellten beide Mannschaften offensichtlich alle ernsthaften Angriffsbemühungen ein. Durch den Einzug beider Mannschaften, denen Absprache vorgeworfen wurde, in die Zwischenrunde schied die vergleichsweise stark aufspielende Mannschaft aus Algerien aus dem Turnier aus. Nach diesem Spiel wurden die Regeln bei Welt- und Europameisterschaften so geändert, dass die beiden letzten Spiele einer Gruppe zur gleichen Zeit angepfiffen werden.
Nachdem Frankreich im Spiel gegen Kuwait seinen Vorsprung zum 4:1 hatte erweitern können, weil ein Zuschauer pfiff und die kuwaitischen Spieler daraufhin das Spiel einstellten, stürmte der kuwaitische Scheich Fahd al-Ahmad al-Dschabir as-Sabah das Spielfeld und drohte mit Spielabbruch, wenn das Tor nicht annulliert würde. Nach langer Diskussion gab Schiedsrichter Stupar nach. Kurz darauf schoss Frankreich das vierte Tor erneut und gewann schließlich doch noch 4:1. Stupar wurde am nächsten Tag von der FIFA suspendiert und der kuwaitische Verband mit einer Strafe von 11.000 $ belegt.
Außerdem war einzigartig, dass der spätere Gewinner des Turniers, Italien, kein Spiel in der Vorrunde gewann. In ihrer Vorrundengruppe, in der fünf der sechs Partien mit einem Unentschieden endeten, reichte den Italienern – deren drei Spiele alle mit einem Unentschieden endeten – bei gleicher Tordifferenz ein geschossenes Tor mehr gegenüber der Mannschaft aus Kamerun, um als Zweiter eine Runde weiterzukommen. Unter Nichtberücksichtigung von Wales, das 1958 immerhin noch ein Nachholspiel benötigte, war Italien damit die erste Mannschaft, die eine Vorrunde einer Fußball-WM ohne Sieg überstand.
Für den höchsten Sieg der Vorrunde sorgten die Ungarn. Sie schlugen El Salvador mit 10:1, zum Weiterkommen reichte es dennoch nicht.
Die angegebenen Uhrzeiten sind Ortszeit (MESZ).
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 3
Gruppe 4
Gruppe 5
Gruppe 6
Zweite Runde In der Zweiten Finalrunde kam es zu vier Dreiergruppen, in denen sich jeweils nur der Erstplatzierte für das Halbfinale qualifizierte.
In Gruppe A belegten am Ende die Polen vor der Sowjetunion den ersten Platz.
In Gruppe B setzte sich Deutschland gegen die Rivalen aus England und Spanien durch. Die Engländer schieden ohne Turnier-Niederlage aus. Für den Gastgeber Spanien stand bereits vor dem letzten Spiel gegen England das Ausscheiden fest. England hätte im letzten Spiel der Gruppe B mit einem Sieg gegen Spanien die nächste Runde erreichen können. Da die spanische Mannschaft in ihrem „Abschiedsspiel“ noch einmal großen Einsatz zeigte, statt zu resignieren, endete das Spiel 0:0. Somit qualifizierte sich Deutschland für die nächste Runde.
In der Gruppe C kam es zum Spiel zwischen Brasilien und Italien. Nachdem beide Mannschaften Argentinien bereits schlagen konnten, hätte Brasilien aufgrund der besseren Tordifferenz bereits ein Unentschieden zum Erreichen des Halbfinals gereicht. Bei der Spielbesprechung teilte der brasilianische Trainer Telê Santana seinen Spielern mit, dass sie stets offensiv spielen und Italien keinesfalls über die Mittellinie kommen lassen sollten. Paulo Roberto Falcão, der bei der AS Rom in der Serie A spielte und den italienischen Fußball genau kannte, schlug vor, dieses eine Mal nicht „brasilianisch“ aufzutreten. Er begründete dies damit, dass die Italiener Meister der Konterattacke seien und sie sich schwerer tun würden, das Spiel zu machen, als aus der Defensive zu kontern. Dies stieß jedoch bei seinen Mannschaftskameraden auf Ablehnung, die behaupteten, dass Brasilien niemals defensiv spiele. Letztendlich gewann Italien gegen das als WM-Favorit eingestufte Brasilien mit 3:2. Paolo Rossi, der bis dahin noch ohne Torerfolg geblieben war, erzielte alle drei Tore, wobei Brasilien zwischenzeitlich zweimal ausgleichen konnte.
In Gruppe D setzten sich die Franzosen entsprechend der Erwartung vieler gegen Nordirland und Österreich durch.
Der Spielplan war so gestaltet, dass der jeweilige Verlierer des ersten Spieles jeder Gruppe im zweiten und der jeweilige Sieger im dritten Gruppenspiel gegen die Mannschaft antrat, die das erste Spiel nicht bestritten hat.
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Gruppe D
Finalrunde
Halbfinale
Paolo Rossi war erneut der Mann des Tages im Spiel zwischen Polen und Italien. Mit seinen beiden Toren brachte er die Squadra Azzurra praktisch im Alleingang in das Finale der WM 1982. Polen war ohne seinen gelbgesperrten Offensivstar Zbigniew Boniek chancenlos.