Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 () war die 15. Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 17. Juni bis zum 17. Juli 1994 erstmals in den USA statt.

Weltmeister wurde Brasilien im Finale gegen Italien, wobei erstmals ein Elfmeterschießen die Entscheidung brachte. Titelverteidiger Deutschland scheiterte im Viertelfinale und verpasste somit erstmals seit 1978 das Finale. Vize-Weltmeister Argentinien schied im Achtelfinale aus, dessen Kapitän Diego Maradona vor dem letzten Gruppenspiel positiv auf Drogen getestet und vom Turnier ausgeschlossen wurde. Mit den USA schied der Gastgeber erstmals bereits im Achtelfinale aus. Torschützenkönig wurden Oleg Salenko und Christo Stoitschkow mit jeweils 6 Toren, wobei Salenko 5 Tore im Gruppenspiel Russland gegen Kamerun erzielte und damit einen Rekord aufstellte, Russland jedoch bereits nach der Gruppenphase ausschied. Im selben Spiel erzielte Roger Milla im Alter von 42 Jahren den einzigen Treffer für Kamerun, was ihn zum ältesten Torschützen der WM-Geschichte macht.

Obwohl Fußball in den USA zur damaligen Zeit nur eine Nischensportart war, erwies sich die Weltmeisterschaft als Zuschauermagnet; es war die WM mit sowohl den bisher meisten Zuschauern pro Spiel sowie den meisten Zuschauern insgesamt, obwohl anschließend die Anzahl der Spiele von 52 auf 64 stieg.

Während der Qualifikation kam die Sambische Fußballnationalmannschaft auf dem Weg zum Qualifikationsspiel im Senegal beim Flugzeugabsturz der DHC-5 am 27. April 1993 ums Leben. Während der WM wurde der Kolumbianer Andrés Escobar, der durch sein Eigentor gegen die USA die Mannschaft aus dem Wettbewerb geschossen hatte, beim Verlassen einer Medellíner Nachtbar erschossen. Eine Verbindung zwischen dem Mord und dem Eigentor konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Vergabe Die Vergabe fand am 4. Juli 1988 auf dem FIFA-Kongress in Zürich statt. Die USA setzten sich mit zehn Stimmen gegen die Mitbewerber Marokko (sieben Stimmen) und Brasilien (zwei Stimmen) durch.

Spielorte Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in neun Stadien in neun verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten ausgetragen. Die Kapazität der Stadien bezieht sich auf die Zeit zur Fußball-WM 1994. Mit dem Spiel USA – Schweiz fand im Pontiac Silverdome erstmals ein WM-Spiel in einem voll überdachten Stadion statt. Dort wurden noch drei weitere Gruppenspiele ausgetragen.

Chicago Dallas PasadenaIn vielen Quellen wird als Spielstätte das nahe Los Angeles genannt. Soldier Field Cotton Bowl Rose Bowl Stadium Kapazität: 67.000 Kapazität: 67.000 Kapazität: 91.000 200px|Soldier Field 230px|Cotton Bowl 460px|Rose Bowl PontiacIn vielen Quellen wird als Spielstätte das nahe Detroit genannt. East RutherfordIn vielen Quellen wird als Spielstätte das nahe New York genannt. Silverdome Giants Stadium Kapazität: 80.000 Kapazität: 77.000 220px|Pontiac Silverdome 220px|Giants Stadium FoxboroughIn vielen Quellen wird als Spielstätte das nahe Boston genannt. Palo AltoIn vielen Quellen wird als Spielstätte das nahe San Francisco genannt. Orlando Washington, D.C. Foxboro Stadium Stanford Stadium Florida Citrus Bowl Robert F. Kennedy Memorial Stadium Kapazität: 61.000 Kapazität: 80.000 Kapazität: 70.000 Kapazität: 56.000 220px|Foxboro Stadium 230px|Stanford Stadium 220px|Citrus Bowl 220px|Robert F. Kennedy Memorial Stadium

Statistik Stadt Stadion Spiele Kapazität Gesamt-<br/ >zuschauerzahl Schnitt Spiel mit den meisten Zuschauern Spiel mit den wenigsten Zuschauern Chicago Soldier Field 5 67.000 312.725 62.545 Bulgarien – Griechenland(Vorrunde) 63.160 Deutschland – Belgien(Achtelfinale) 60.246 Dallas Cotton Bowl 6 67.000 352.152 58.692 Deutschland – Südkorea und Argentinien – Bulgarien(Vorrunde) 63.998 Nigeria – Bulgarien(Vorrunde) 44.132 Pasadena Rose Bowl Stadium 8 91.000 740.807 92.601 Brasilien – Italien(Finale) 94.194 Rumänien – Argentinien(Achtelfinale) 90.469 Pontiac Silverdome 4 80.000 283.598 70.900 Brasilien – Schweden(Vorrunde) 77.217 Rumänien – Schweiz(Vorrunde) 61.428 East Rutherford Giants Stadium 7 77.000 515.828 73.690 Saudi-Arabien – Marokko(Vorrunde) 76.322 Mexiko – Bulgarien(Achtelfinale) 71.030 Foxborough Foxboro Stadium 6 61.000 324.130 54.022 Argentinien – Griechenland(Vorrunde) 54.456 Griechenland – Nigeria(Vorrunde) 53.001 Stanford Stanford Stadium 6 80.000 490.424 81.737 Brasilien – USA(Achtelfinale) 84.147 Russland – Kamerun(Vorrunde) 74.914 Orlando Florida Citrus Bowl 5 70.000 306.329 61.266 Belgien – Niederlande(Vorrunde) 62.387 Marokko – Niederlande(Vorrunde) 60.578 Washington, D.C. Robert F. Kennedy Memorial Stadium 5 56.000 261.545 52.309 Spanien – Schweiz(Achtelfinale) 53.121 Niederlande – Saudi-Arabien(Vorrunde) 50.535

Qualifikation

Von 143 gemeldeten Nationen nahmen 129 tatsächlich an der Qualifikation zur WM 1994 teil. Die USA als Gastgeber und Deutschland als Titelverteidiger waren bereits automatisch qualifiziert; die übrigen 22 Startplätze wurden unter den teilnehmenden Teams ausgespielt. Mit Griechenland, Nigeria, Russland und Saudi-Arabien qualifizierten sich vier Nationalmannschaften erstmals für eine WM-Endrunde.

13 aus Europa 4 aus Südamerika 2 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik 3 aus Afrika 2 aus Asien mini|links|hochkant=2|Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen

Auslosung Die Auslosung fand am 19. Dezember 1993 im Caesars Palace in Paradise statt. Die TV-Übertragung durch ESPN brachte in den USA gerade einmal eine Einschaltquote von 0,5 % (von 62,7 Mio. Haushalten waren 313.000 interessiert).WM-Auslosung kein TV-Hit, in Kleine Zeitung vom 23. Dezember 1993, Seite 36; POS.: Kasten 1, unten.

Modus Topf 1 enthielt die erfolgreichsten Mannschaften plus Gastgeber USA. Diese sechs Mannschaften bildeten die sechs Gruppenköpfe, die allesamt auf die erste Position in den sechs Gruppen gesetzt wurden. Ungewöhnlich war, dass die Zuordnung der ausgelosten Gruppen zu den Spielplangruppen A-F aus kommerziellen Gründen erst nach kompletter Auslosung in einer geheimen Besprechung von einem FIFA-Gremium vorgenommen wurde. Gezogen wurden die Mannschaften jedoch in der nachfolgend aufgeführten Reihenfolge, also Deutschland zuerst und die USA zum Schluss. Topf 2 enthielt die amerikanischen und afrikanischen Mannschaften. Bolivien und Kolumbien durften nicht zu den südamerikanischen Gruppenköpfen Argentinien und Brasilien gelost werden, Mexiko nicht zu den USA. Topf 3 enthielt sechs europäische Mannschaften, die frei zugelost wurden. Aus Topf 4 bekamen Argentinien, Brasilien und USA gezielt eine europäische Mannschaft zugelost, damit in jeder Gruppe mindestens zwei europäische Mannschaften spielten. Die beiden asiatischen Mannschaften Saudi-Arabien und Südkorea kamen somit zwangsläufig in eine Gruppe mit einem europäischen Gruppenkopf.

Da zum letzten Mal mehr als die Hälfte der Teilnehmer europäische Länder waren, kam es auch zum bis heute letzten Mal vor, dass in einer Gruppe (E) drei europäische Mannschaften vertreten waren. Dies war seit 1954 durchgehend immer in mindestens einer Gruppe der Fall gewesen.

Töpfe Topf 1: USA (A), Brasilien (B), Deutschland (C), Argentinien (D), Italien (E), Belgien (F) Topf 2: Kamerun, Kolumbien, Bolivien, Nigeria, Marokko, Mexiko Topf 3: Spanien, Russland, Bulgarien, Niederlande, Irland, Rumänien Topf 4: Südkorea, Schweden, Saudi-Arabien, Griechenland, Norwegen, Schweiz

Daraus ergaben sich nach der Auslosung folgende Gruppen:

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F (7) (3) (1) (8) (4) (2) (12) (10) (5) (11) (6) (27) (17) (19) (37) (29) (14) (28) (23) (24) (43) (31) (16) (34) Zahlen in Klammern = Position in der FIFA-Weltrangliste am 14. Juni 1994

Modus Die 24 Teilnehmer wurden in sechs Vorgruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Die beiden ersten jeder Gruppe sowie die vier besten Drittplatzierten qualifizierten sich für das Achtelfinale. Ab dem Achtelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen. Erstmals wurden bei einer Weltmeisterschaft für einen Sieg drei Punkte vergeben (bisher zwei), bei Unentschieden weiterhin ein Punkt. Allerdings hatte dies keine Auswirkungen auf die Platzierungen. Bei der alten Zwei-Punkte-Wertung, die noch bei der WM-Qualifikation zu dieser WM galt, wären alle Achtelfinal-Paarungen die gleichen gewesen.

Vorrunde Gruppe A

In der Gruppe A belegte das von Pelé als Geheimfavorit eingestufte Kolumbien den letzten Platz und schied trotz namhafter Spieler wie Valderrama, Asprilla, Rincón und dem damaligen Bayern-Stürmer Adolfo Valencia schon in der Vorrunde aus. Die Schweiz, deren halbe Stammelf aus Bundesliga-Spielern bestand, verbuchte einen deutlichen Erfolg gegen Rumänien, das mit Gheorghe Hagi den Gastgeber schlug und als Gruppensieger ins Achtelfinale einzog. Die USA galten trotz ihres Heimvorteils bei vielen als Außenseiter, was sich nicht bestätigte. Sie besiegten das von vielen favorisierte Kolumbien, was durch ein Eigentor von Andrés Escobar zustande kam. Dabei wurde spekuliert, dass Escobar vermutlich aufgrund dieses Eigentores wenige Tage später vor einer Bar in Medellín erschossen wurde, eine Verbindung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Gruppe B

In der Gruppe B dominierte der dreifache Weltmeister Brasilien mit dem Sturmduo Romário und Bebeto. Dennoch wurde Trainer Parreira wegen seines eher nüchternen Stils, Fußball spielen zu lassen, in der Heimat oft kritisiert. Gegen Russland und Kamerun hatte die Mannschaft von Carlos Alberto Parreira wenig Mühe, im letzten Gruppenspiel sollten die taktisch disziplinierten und defensiv ausgerichteten Schweden den Brasilianern etwas mehr Schwierigkeiten bereiten. Schweden startete durchwachsen ins Turnier, konnte aber aufgrund einer starken Besetzung in der Offensive neben der traditionell starken Defensive das Achtelfinal-Ticket lösen. Russland zeigte nur im letzten Gruppenspiel, was es zu bieten hatte. Dabei traf Oleg Salenko als erster und bis jetzt einziger Spieler der WM-Geschichte fünfmal in einem Spiel ins Tor. Dennoch, für die Russen endete die erste WM nach dem Zerfall der Sowjetunion bereits nach der Vorrunde. Kamerun konnte nicht an die Leistungen der WM von 1990 anknüpfen. Altstar Roger Milla sollte aber wenigstens noch für den zweiten Rekord innerhalb des für den Rest des Turniers letztlich unbedeutenden Spiels zwischen Kamerun und Russland sorgen. Mit seinen 42 Jahren ist er der älteste Torschütze der WM-Geschichte.

Gruppe C

Deutschland konnte als erster Titelverteidiger überhaupt das Eröffnungsspiel für sich entscheiden. Mit zwei Siegen und einem Unentschieden wurde der Gruppensieg erreicht, wobei die Halbzeitführung gegen Südkorea von drei Toren Differenz noch auf ein Tor Differenz schrumpfte. Spanien startete mit einem Unentschieden gegen Südkorea, konnte sich mit einem weiteren Unentschieden gegen den Weltmeister und einem Sieg über Bolivien qualifizieren. Südkorea blieb bei letztlich erfolglosen Aufholphasen in den Spielen gegen Spanien und Deutschland auch bei der vierten WM-Teilnahme sieglos. Beim Spiel Boliviens gegen Südkorea ließ der schottische Schiedsrichter Mottram 13 Minuten nachspielen.

Stefan Effenberg wurde von Berti Vogts nach Hause geschickt, nachdem er den deutschen Fans bei seiner Auswechslung im Spiel gegen Südkorea aus Ärger den gestreckten Mittelfinger gezeigt hatte.

Gruppe D