mini|Stadtteich, dahinter der Turm der Burg Triptis und der Stadtkirche St. Marien (links) mini|Markt mit Stadtbibliothek und St. Marien
Triptis ist eine Landstadt im thüringischen Saale-Orla-Kreis. Sie gehört zur gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft Triptis und liegt an der Bundesautobahn 9 und an der Eisenbahnstrecke von Gera nach Saalfeld/Saale.
Geographie Geographische Lage Die Stadt Triptis liegt unweit der Wasserscheide zwischen Saale und Weißer Elster in einem flachen, nach Westen offenen Talkessel. Im östlichen Teil dieses Gebietes liegt das Quellgebiet der Orla, die südöstlich der Stadt zur Talsperre Triptis aufgestaut wird. Der Ortsteil Oberpöllnitz liegt am Ursprung des Pöllnitzbaches, die Ortsteile Schönborn, Ottmannsdorf und Hasla befinden sich nahe dem Quellgebiet der Roda, der Ortsteil Döblitz liegt im Orlatal.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Bremsnitz, Karlsdorf, Renthendorf im Saale-Holzland-Kreis, Schwarzbach und die Stadt Auma-Weidatal im Landkreis Greiz sowie Geroda, Mittelpöllnitz, Tömmelsdorf, Lemnitz, Miesitz, Dreitzsch, Rosendorf und die Stadt Neustadt an der Orla im Saale-Orla-Kreis. Die Stadt Neustadt an der Orla grenzt mit den Ortsteilen Breitenhain-Strößwitz und Stanau nur mittelbar an.
Stadtgliederung Triptis besteht laut Hauptsatzung aus den Ortsteilen Triptis, Oberpöllnitz, Döblitz, Hasla, Schönborn, Ottmannsdorf und Pillingsdorf/Burkersdorf. Dazu kommen die Weiler Mühlpöllnitz, Buchpöllnitz und Steinpöllnitz, die nicht den Status eines Ortsteils besitzen.
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert Die Kreuzung von Verkehrswegen – von Saalfeld durch den Orlagau zur Weißen Elster bei Gera und von Leipzig nach Nürnberg – war wohl Grund für den Bau einer Wasserburg für die Herren von Lobdeburg in Triptis. Mit der Verlegung eines Benediktinerinnenkloster nach Zwickau wurde Triptis erstmals am 14. Mai 1212 urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5. Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 289.
Der heute rätselhafte Ortsname bedeutete im slawischen Ursprung höchstwahrscheinlich „drei Vögelchen“ (Tri Ptiči) und bezeichnete zuerst möglicherweise einen Zufluss zur Orla. Auf einem Notgeldschein von 1921 steht: „Triptis (Trepta) ward Anno 756 von den Grafen von Arnshaug erbauet“. Inwieweit diese Information allerdings richtig ist, kann nicht gesagt werden. Als Stadt wurde Triptis erstmals am 13. Oktober 1328 urkundlich genannt, 1367 erhielt sie durch Landgraf Balthasar und dessen Bruder Wilhelm das Marktrecht. 1373 folgte die Verleihung des Meilen-, Malz- und Braurechtes durch die Landgrafen.
1527 wurde die Reformation eingeführt. Die Stadt, deren Rat seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar ist, gehörte zum Amt Arnshaugk, danach zum Neustädter Kreis und zwischen 1816 und 1920 zu Sachsen-Weimar-Eisenach. 1871 wurde die Bahnlinie zwischen Gera und Saalfeld/Saale eröffnet, 1894 folgte die Oberlandbahn nach Ziegenrück.
20. Jahrhundert 1907 wurde in Triptis eine der ersten landwirtschaftlichen Weiterbildungsschulen Thüringens gegründet. Ab 1949 bildete sie als Fachschule staatlich geprüfte Landwirte, später Agraringenieure und auch Fernstudenten aus. 1962 wurde die Fachschule zur Spezialschule für Landtechnik und war später für die Aus- und Weiterbildung ausländischer Landtechniker zuständig. Mit der deutschen Wiedervereinigung endete 1990 nach 83 Jahren die Ausbildung von Landwirten in Triptis.Joachim Zeymer, Edgar Fiedler: Von der landwirtschaftlichen Winterschule Triptis zur Fachschule für Landwirtschaft und der Spezialschule für Landtechnik. In: Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Geschichtsheft 8 (= Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Schriftenreihe; 13). 2002, , S. 109–123.
Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind die Porzellanfabrik Triptis (heute an der „Thüringer Porzellanstraße“ gelegen) und Deutschlands erste Autobahnraststätte Rodaborn, die von 1934 bis 20. Dezember 1936 an der A 9 gebaut wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs mussten 128 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in den Orten Pillingsdorf, Rosendorf, Schmieritz und Weltwitz in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 229.
Nach vorausgehenden leichteren Luftangriffen wurden am 10. April 1945 von der US Air Force 163 Tonnen Bomben auf Triptis abgeworfen, es gab 3 Tote. Am 6. Februar 1945 stürzte ein abgeschossener B-17-Bomber („Fliegende Festung“) bei Triptis/Mittelpöllnitz ab, ein Besatzungsmitglied kam ums Leben.Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 180–181.
21. Jahrhundert Triptis bewarb sich gemeinsam mit den Städten Pößneck und Neustadt an der Orla erfolgreich als Ausrichter für die Thüringer Landesgartenschau 2028, die inzwischen auf 2030 verschoben wurde.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden Oberpöllnitz und Döblitz eingemeindet, 1956 folgten Hasla und am 1. Mai 1965 Schönborn und Ottmannsdorf. Die bisher letzte Eingemeindung war die von Pillingsdorf (mit Burkersdorf) am 1. Januar 2012.
Einwohnerentwicklung
1830 hatte Triptis 1224 Einwohner. 1925 wurden 2877, 1933 schon 3068 und 1939 immerhin 3275 Einwohner gezählt.
Entwicklung der Einwohnerzahl (jeweils 31. Dezember): 1994: 4.636 1995: 4.619 1996: 4.548 1997: 4.542 1998: 4.441 1999: 4.396 2000: 4.340 2001: 4.285 2002: 4.231 2003: 4.164 2004: 4.117 2005: 4.040 2006: 3.954 2007: 3.878 2008: 3.814 2009: 3.756 2010: 3.729 2011: 3.744 2012: 3.843 2013: 3.808 2014: 3.758 2015: 3.762 2016: 3.721 2017: 3.711 2018: 3.663 2019: 3.658 2020: 3.597 2021: 3.629 2022: 3.695 2023: 3.690 2024: 3.606Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Stadtrat Seit der Stadtratswahl vom 26. Mai 2024 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:Gemeinderatswahl 2024 in Triptis - vorläufiges Ergebnis Freie Wählergemeinschaft Triptis: 4 Sitze (24,6 %) Feuerwehrverein Triptis e. V.: 3 Sitze (21,2 %) AfD: 3 Sitze (18,7 %) UM UNS/SPD: 2 Sitze (12,6 %) FC Chemie Triptis e. V.: 2 Sitze (10,9 %) WerteUnion: 1 Sitz (8 %) Die Linke: 1 Sitz (4 %)
Bürgermeister Bei der Bürgermeisterwahl 1994 setzte sich Berthold Steffen (damals DSU) mit 74,7 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 78,3 % gegen seine Mitbewerber durch. Bei der Wahl 2000 erhielt er 98,1 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 43,2 %. Nun für die Freie Wählergemeinschaft Triptis angetreten, wurde er auch am 7. Mai 2006 mit 98,3 % bei einer Wahlbeteiligung von 39,2 % und am 15. Januar 2012 mit 91,0 % bei einer Wahlbeteiligung von 34,7 % wiedergewählt. 2018 wurde er nach 24 Jahren von Peter Orosz (Feuerwehrverein Triptis e. V.) abgelöst, der mit 54,1 % der Stimmen gewählt wurde. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2024 wurde der vorherige Kulturamtsleiter der Stadt Triptis, Jan Wißgott, zum Bürgermeister von Triptis gewählt. Bei einer Wahlbeteiligung von 63,8 % erzielte er mit 81,4 % der gültigen Stimmen den Sieg gegenüber einem weiteren Mitbewerber. Peter Orosz durfte aus Altersgründen nicht wieder kandidieren.
Wappen
Ludwig Bechstein schrieb die Sage Das Wappen von Triptis auf, in der sich die Verheirateten Bertha und Graf Debo an einer Quelle ihrer Liebe versichern. Debo, der wieder auf Reisen muss, wird von Bertha bis zu ebenjener Quelle, an der sie Abschied nehmen, begleitet. Als Debo schließlich heimkehrt, bricht er an der Quelle tot zusammen, obwohl Bertha ihm frisches Wasser aus der Quelle schöpfte und reichte. Er hatte nicht mehr die Kraft, es zu trinken.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2. Hartleben, Wien u. a. 1858, S. 117–118 (reader.digitale-sammlungen.de).
Städtepartnerschaften und kirchliche Partnerschaften Blovice, Tschechien Quessy, (Ortsteil von Tergnier), Frankreich Zell an der Mosel, Deutschland Die Kirchengemeinde Triptis unterhält eine kirchliche Partnerschaft zu den evangelischen Kirchengemeinden Aichelberg im Schwarzwald (Bad Wildbad), Zwerenberg im Schwarzwald (Neuweiler) und zu Stammheim im Schwarzwald (Calw).
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Museum „Haus Schwandke“ Museumsscheune Leubsdorf Dorf- und Heimatmuseum in Dreitzsch Alfred Ehrhardt Haus
mini|Der Bergfried vom Stadtzentrum aus gesehen mini|hochkant|Stadtkirche St. Marien
Sehenswürdigkeiten
Von der Burg Triptis ist noch der Bergfried erhalten. Er ist das Wahrzeichen der Stadt und weithin sichtbar. Die ursprüngliche Wasserburg sollte bei Bedarf den Verkehr schützen und kontrollieren. 1290 übernahm der Landgraf von Thüringen die Burg und setzte einen Vogt ein. Später wurde die Veste an die Vögte von Plauen verpfändet. Im Vogtlandkrieg 1354–1358 wurde die Burg zerstört. Nach dem Wiederaufbau wechselten die Besitzverhältnisse oft. 1540 und 1775 waren erneut Reparaturen der Burg nötig.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 222 f.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 251.
Das Rundschloss und Rittergut im nordöstlich von Triptis gelegenen Ortsteil Oberpöllnitz verdankt seinen Namen seinem unikaten, nahezu runden Grundriss. Das Schloss besitzt einen kleinen Innenhof. An seiner Nordseite befindet sich ein achteckiger Treppenturm, der den Zugang zu verschiedenen Geschossen des Schlosses ermöglicht. Der Turmhelm überragt den Schlossbau. Das Schloss ist Teil eines ehemaligen Rittergutensembles verschiedener Wohn- und Wirtschaftsgebäude im Dorfkern, die heute zu einem großen Teil nicht mehr existieren. 1977 konnte eine Sprengung des Schlossgebäudes wegen starker baulicher Mängel gerade noch verhindert werden. Seitdem war das Schloss dem Verfall preisgegeben und bereits in den 1980er Jahren stark einsturzgefährdet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz half ab 1992 mit erheblichen Mitteln, das mächtige Schieferdach, die Mauern und die Innendecken wieder instand zu setzen.Erste Ansätze zur Rettung des Renaissance-Schlosses Oberpöllnitz. In: Monumente. 1992, .
Im Ortsteil Döblitz befindet sich die älteste, seit 1813 nicht mehr benutzte, „Inselkirche“ Thüringens. Die Dorfkirche ist von einer Wallanlage mit Wassergraben umgeben. Die Kirchgemeinde dokumentierte mit dieser Anlage die Sicherheits- und Schutzfunktion für die Bürger.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 84.
Nordöstlich von Triptis befindet sich die ehemalige Autobahnraststätte Rodaborn. Unterhalb des Gebäudes kann die Rodaquelle besichtigt werden. Eine 2006 neu errichtete Fußgängerbrücke über die A 9 ermöglicht einen Rundweg durch waldreiches Gebiet zwischen Triptis und Oberpöllnitz.
mini|Freibad Triptis
Sport Seit dem Jahre 1861 ist organisierter Sport in Triptis nachgewiesen. Im Jahre 2011 konnten deshalb mit vielfältigen Veranstaltungen „150 Jahre Sport in Triptis“ gefeiert werden.
Mit derzeit ca. 350 Mitgliedern (Stand Ende 2013) ist der SV Grün-Weiß Triptis der größte Sportverein der Stadt. In neun verschiedenen Abteilungen wird Fußball, Handball, Volleyball, Schach und Tischtennis gespielt. Aber auch Bogensport, Leichtathletik, Fitness und Kindersport gehören zum Angebot.
In weiteren Vereinen sind Kegler, Schützen, Angler, Hundesportler, Modellflieger und Motorsportler aktiv.
Nicht zu vergessen die Karnevalisten des Triptiser Carneval Vereins, von denen zumindest die Tanzgruppen zu den aktiven Sportlern zu zählen sind.