Wernburg ist eine Gemeinde im thüringischen Saale-Orla-Kreis. Die Gemeinde hat etwa 680 Einwohner auf einer Fläche von 6,84 km².

Geografie Wernburg liegt südlich der Stadt Pößneck und östlich von Ranis am südlichen Rand der Orlasenke in kupierten Gelände des auslaufenden Südostthüringer Schiefergebirges. Die Landesstraße 1102 verbindet das Dorf Wernburg und den Weiler Seebach mit dem Umland.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Wernburg besteht aus den Ortsteilen Wernburg und Seebach.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Bodelwitz, Peuschen, Moxa, Schmorda sowie die Städte Ranis und Pößneck.

Geschichte Eine neolithische Höhensiedlung lag auf dem Haselberg westlich von Wernburg. Auf der Anhöhe sind Feuersteinsplitter, Pfeilspitzen und Keramikscherben gefunden worden.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, S. 128. ISBN 3-910141-43-9. Auf einer markanten Anhöhe mit steilen Abhängen in der Orlasenke nordwestlich von Wernburg liegt eine Wallburg. Die genannte Altenburg war eine prädestinierte Höhensiedlung mit Kontrolle über das Orlatal. Kulturhinterlassenschaften sind Beleg einer Ansiedlung im Neolithikum und der Latènezeit.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, S. 53. ISBN 3-910141-43-9. mini|Schloss Wernburg um 1875/77, Sammlung Alexander Duncker Wernburg, das am Rande der Orlasenke liegt, wurde am 1. Juni 1320 erstmals urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, S. 310. ISBN 978-3-86777-202-0. Wernburg gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Arnshaugk und kam nach dessen auf dem Wiener Kongress beschlossenen Abtretung an den preußischen Landkreis Ziegenrück, zu dem der Ort bis 1945 gehörte.

Eine Seitenlinie der Familie von Brandenstein nannte sich 1360–1370 nach dem Ort, die ursprüngliche Burganlage befand sich im Oberdorf. Sie stand auf einem kleinen Felsen mit einem Graben umgeben.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 224. ISBN 3-86134-631-1. Gegen 1580 zog die Familie in das neu errichtete Renaissance-Schloss. 1684 erwarb die Familie von Seebach dieses Rittergut, 1735 die Familie von Schönfeld. Durch Heirat gelangte das Gut nach 1757 an die Familie der Freiherren von Erffa. Das Adelsgeschlecht bildete eine eigene genealogische Familienlinie Wernburg heraus.Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels 1857, Hrsg. Karl Friedrich Rauer, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 60. Namhaftester Guts-Eigentümer wurde der Politiker Hermann von Erffa-Wernburg,Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon. Biographien nebst Bibliographien, etc. 1905, Hrsg. Hermann A. L. Degener, Verlag H. A. Ludwig Degener, Leipzig 1905, S. 197. verheiratet mit Elisabeth Freiin von Varnbüler.Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins zu München, Jahrgang 1878, Heft 1 & 2, Druck München, München 1878, S. 45. Ihr Erbe als Majoratsbesitzer wurde der Landrat Georg von Erffa, liiert mit Luise von Wegnern. Die Nachfahren bewohnten den Herrensitz durchgehend bis Ende 1945, der letzte Grundbesitzer, der Landwirt Burkhart von Erffa, gilt seit Herbst 1945 als vermisst, nachdem er in das sowjetische Speziallager 2, Buchenwald, verschleppt worden war. Sein jüngster Bruder Hauptmann Friedrich Wilhelm von Erffa starb ebenfalls im Krieg.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Christian Thiedicke von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser A (Uradel) 1962, Band IV, Band 27 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1962, S. 67 f.

Zu DDR-Zeiten diente das Schloss als Fachschule für Tierzucht, Schwerpunkt Schweinezucht. 1960 brannte das Gebäude zu großen Teilen ab, die wenigen Reste sind provisorisch gesichert. Die ehemals zum Gut gehörende, quadratische St.-Veit-Kapelle von 1508 wird derzeit restauriert.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember): 1933: 791 1939: 823 1994: 680 1995: 686 1996: 712 1997: 725 1998: 717 1999: 744 2000: 770 2001: 766 2002: 768 2003: 772 2004: 772 2005: 772 2006: 759 2007: 747 2008: 734 2009: 722 2010: 705 2011: 662 2012: 648 2013: 649 2014: 656 2015: 639 2016: 631 2017: 625 2018: 612 2019: 615 2020: 608 2021: 602 2022: 604 2023: 611 2024: 614

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat

Seit der Kommunalwahl 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

FDP: 5 Sitze (61,1 %) Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze (22,9 %) Die Linke: 1 Sitz (15,9 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 %.

Wappen Das Wappen wurde am 24. Januar 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.

Blasonierung: „Geteilt von Gold über Rot; belegt mit einem goldenen Herzschild, der zwischen zwei gestürzten grünen Keilen einen steigenden grünen Keil zeigt, oben drei grüne Laubbäume, unten zwei silberne Flügel.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Michael Zapfe gestaltet.Hartmut Ulle: Neues Thüringer Wappenbuch. Band 2: Ilmkreis, Jena, Kyffhäuserkreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt (Landkreis), Schmalkalden-Meiningen (Landkreis), Suhl. 2., veränderte, überarbeitete Auflage. Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen, Erfurt 1997, S. 47. ISBN 3-9804487-2-X.

Geschichtsdenkmale Auf dem Friedhof an der Bodelwitzer Straße erinnert ein Findling mit mahnender Aufschrift an mindestens sieben KZ-Opfer eines Todesmarsches, der im April 1945 von SS-Männern durch den Ort getrieben wurde. Nichts mehr erinnert an die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in Wernburg und Bodelwitz in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, S. 229. ISBN 3-88864-343-0.

Persönlichkeiten Martin Anton Schmidt (1919–2015), evangelischer Theologe, Kirchenhistoriker und Hochschullehrer Christa Vetter (1932–2018), Fernseh- und Hörspiel-Dramaturgin sowie Herausgeberin

Literatur Text Wernburg Wernburg, in: Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5. Auflage, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 310.

Weblinks

Gemeinde Wernburg bei der Verwaltungsgemeinschaft Oppurg

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Saale-Orla-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 1320