Lausnitz bei Neustadt an der OrlaThüringer Landesamt für Statistik: Gemeinde: Lausnitz b. Neustadt an der Orla (bis 2015 Lausnitz) ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Oppurg im thüringischen Saale-Orla-Kreis.
Geografie Lausnitz bei Neustadt an der Orla liegt in der Nähe von Neustadt an der Orla und ist unmittelbares Nachbardorf vom etwas westlich liegenden Kolba und dem nordöstlichen Rittergut Positz. Die Gemeinde befindet sich im Orlatal der südlichen Ausläufer des nördlichen Buntsandsteinvorlandes des Thüringer Schiefergebirges. Die Bundesstraße 281 führt wenige hundert Meter am Dorf südlich vorbei. Nach der Straße folgt dann die Bahnstrecke Leipzig–Saalfeld/Saale. Die Gemarkung vom Dorf ist kupiert und besitzt Sand-, Löss- und Tonböden. Teiche lockern die Flur auf, die im Norden von Wald Richtung Langendembach begrenzt wird.
Geschichte Die urkundliche Ersterwähnung von Lausnitz war am 8. Juni 1266.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 159. Mindestens seit dem 15. Jahrhundert gab es in Lausnitz zwei Rittergüter, was historisch nicht unüblich war. Etwa 250 Jahre bewirtschaftete die Adelsfamilie von Stein ihr Gut in Lausnitz. Dieser „Untere Hof“ hatte ein im Dorf als „Schloss“ bezeichnetes Gutshaus, mit Rokoko-Möbeln, einer Sammlung von Meißner Porzellan und einer wertvollen Bibliothek. Dazu gehörte eine Parkanlage im Stil des Bayreuther Hofs. Folgend stand dieser GutshofAlexander Blöthner: Ehemalige Rittergüter im Saale-Orla-Kreis. Entstehung - Strukturen - Machtentfaltung - Untergang. BoD, Norderstedt 2024, S. 94. über 200 Jahre im Besitz des Adelsgeschlechts von Wurmb, beginnend mit dem 1755 geborenen Friedrich von Wurmb-Wolkramshausen als Stammahn einer eigenen Familienlinie namens Wolkramshausen-Haus Lausnitz.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1900. Jahrgang 1, Justus Perthes, Gotha Januar 1900, S. 915–919. Den Untere Hof brachte seine Ehefrau Amalie Eleonore Sophie von Mader über ihre Mutte mit in die Familie. Ihr ältester Sohn Richard von Wurmb (1802–1880) wurde Ersterbe von Lausnitz und war zuletzt kgl. sächs. Generalmajor.
Die Ortschaft Lausnitz, bestehend aus Dorf und Gutsbezirk, gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Arnshaugk und kam nach dessen auf dem Wiener Kongress beschlossenen Abtretung mit dem Großteil des Neustädter Kreises zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Einzelne VertreterJoseph Kürschner (Hrsg.): Staats-, Hof- und Kommunalhandbuch des Reichs und der Einzelstaaten (zugleich Statistisches Jahrbuch). 1900. Fünfzehnte Ausgabe, G. J. Göschensche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1900, S. 118 f. der Familie von Wurmb aus Lausnitz gehörten als Kammerherren zum Hofstaat des Großherzogs, so u. a. der kgl. sächs. Oberstleutnant z. D. Alfred L. D. von Wurmb-Lausnitz.Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon. Ausgabe I, Selbstverlag, Leipzig Juli 1905, S. 234.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der DAG, Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 41, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 636–637.
Der letzte männliche Besitzer, verheiratet mit der Landratstochter Brigitte von Trebra,Agnes von Kopp-Colomb, Henning von Kopp-Colomb: Schicksalsbuch des sächsisch-thüringischen Adels. Teil 2: 1945 bis 1989 und von der Wende bis 2005. In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. N. F., Band 6, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2005, S. 625. der Begüterung Lausnitz-Unterer Hof, der Landwirt Lutze von Wurmb,Matthias Graf von Schmettow: Gedenkbuch des deutsches Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 384. fiel 1943 als Offizier, Major in einer Panzerdivision, im Zweiten Weltkrieg. Obwohl die Familie in der SBZ als „antifaschistisch“ eingestuft worden war, wurde die Witwe mit drei Kindern im Herbst 1945 entschädigungslos enteignet und von ihrem Besitz verwiesen. Als Frau Brigitte von Wurmb auch die Verhaftung drohte, floh sie mit den Kindern im Dezember 1945 nach Westdeutschland. Sohn Lothar von Wurmb wurde später Gartenarchitekt, dessen Bruder Hans von Wurmb nachmals Landwirt in den USA.Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1971. Band XI, Band 49 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971, S. 503–505.
Als die (im Jahre 1945 fünfzehnjährige) Tochter Maria von Below geb. von Wurmb nach der „Wende“ Anfang der 1990er Jahre wieder in Lausnitz war, schilderte sie ihre Erlebnisse so: „Ländereien und Gebäude sind verkommen, Kunstschätze, Möbel und Bilder gestohlen“.Maria von Below (geb. von Wurmb): Die Bodenreform in der SBZ, wie ich sie erlebt habe. In: Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Thüringen. Photografien von Jürgen Strauss. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1123-X, S. 168–171. In den 2020er Jahren sanierte die Familie das Gutshaus am Ort.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember): 1994: 387 1995: 368 1996: 389 1997: 375 1998: 371 1999: 370 2000: 382 2001: 371 2002: 362 2003: 356 2004: 361 2005: 362 2006: 351 2007: 355 2008: 351 2009: 343 2010: 344 2011: 337 2012: 333 2013: 331 2014: 327 2015: 317 2016: 324 2017: 318 2018: 303 2019: 302 2020: 296 2021: 307 2022: 309 2023: 303 2024: 293 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Sehenswürdigkeiten
Dorfkirche mit Denkmal an der Kirchenwand für die Gefallenen beider Weltkriege und mit einer Tafel „Den Opfern des Stalinismus und SED-Regimes gewidmet. Im Internierungslager Buchenwald starb 1947 unser Lehrer Kurt Förster. An der Sektorengrenze in Berlin wurde am 31. März 1956 Roland Scholz erschossen“. Frühere Gutsgebäude im vormaligen desolatem Zustand-Komplette Sanierung 2025
Persönlichkeiten Verena Zeltner (1951–2022), Autorin
Literatur Lausnitz, In: Paul Lehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Teil: Grossherzogthum Sachsen–Weimar–Eisenach. III. Band: Verwaltungsbezirk Neustadt. Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida. Gustav Fischer, Jena 1897, S. 38–43. Lausnitz, In: Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Thüringen. Photografien: Jürgen Strauss. Verlag Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1123-X, S. 168–171. Lausnitz, In: Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5. Auflage, Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 159. Lausnitz, In: Armgard von Reden: Das teuerste Schnäppchen. Ausmisten – Abreißen – Aufbauen. In: Christina von Flotow (Hrsg.), Dorothee Gräfin von Walderdorff (Red.): Deutsches Adelsblatt. Magazin der Deutschen Adelsverbände. Jahrgang 65-Nummer 5, Westerbrak, Kirchbrak 15. Mai 2026, , S. 22–26.
Einzelnachweise
Weblinks
Gemeinde Lausnitz bei der Verwaltungsgemeinschaft Oppurg
Kategorie:Ort im Saale-Orla-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 1266