zentriert|162px|Kaiser Karl VI. im Ornat als Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies, Gemälde von Johann Gottfried Auerbach Karl VI. wird Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. zentriert|178px|René Duguay-Trouin Der französische Korsar René Duguay-Trouin erobert Rio de Janeiro. zentriert|350px|Erste Berliner Sternwarte auf dem Marstall in Dorotheenstadt, Ansicht von Norden Die neu gegründete Königlich Preußische Sozietät der Wissenschaften eröffnet die Berliner Sternwarte. 1711 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1159/60 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1703/04 (Jahreswechsel 11./12. September) Bengalischer Solarkalender 1116/17 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2254/55 (südlicher Buddhismus); 2253/54 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr des Metall-Hasen 辛卯 (am Beginn des Jahres Metall-Tiger 庚寅) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1073/74 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4044/45 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1089/90 Islamischer Kalender 1122/23 (Jahreswechsel 18./19. Februar) Jüdischer Kalender 5471/72 (13./14. September) Koptischer Kalender 1427/28 (11./12. September) Malayalam-Kalender 886/887 Seleukidische Ära Babylon: 2021/22 (Jahreswechsel April) Syrien: 2022/23 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1767/68 (Jahreswechsel April)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Großer Nordischer Krieg Russisch-Osmanischer Krieg

Januar: Der Khan der Krim-Tataren, Devlet II. Giray, überfällt die Ukraine mit über 80.000 Tartaren, unterstützt von 10.000 pro-schwedischen ukrainischen Kosaken, mehr als 4.000 Polen und 700 Schweden. Nach anfänglichen Vorstößen werden die Truppen des Khans im März von russischen und russenfreundlichen Kosakentruppen zur Krim zurückgetrieben.

25. Februar: Zar Peter I. erklärt in der Uspenski-Kathedrale im Moskauer Kreml den Krieg gegen das Osmanische Reich. Am 8. März erreicht ihn die Kriegserklärung von Sultan Ahmed III. Peter geht daraufhin in die Offensive und fällt den Dnjestr überquerend im Osmanischen Reich ein. Der Pruthfeldzug beginnt. 13. April: Russland und das Fürstentum Moldau unterzeichnen einen geheimen Vertrag, in dem der moldauische Fürst Dimitrie Cantemir sein Land zum Vasallenstaat Russlands erklärt. Russland garantiert dem Fürsten dafür das Recht, seinen Thronfolger zu bestimmen. 5. Juli: Die russische Armee erreicht Jassy. 14. Juli: Die osmanische Festung Brailov im heutigen Rumänien kapituliert vor der russischen Armee unter General Carl Ewald von Rönne. Zwei Tage später verordnet Zar Peter I. die Rückgabe der Festung an das Osmanische Reich. 19. Juli: Groswesir Baltaji Mehmed Pascha gelingt es bei Huși am Pruth, die russische Armee hoffnungslos einzukesseln. 19. bis 21. Juli: Die Niederlage in der Schlacht von Stănileşti am Pruth der Russen und der mit ihnen verbündeten Moldauer gegen die Türken leitet das Ende der kurzen Herrschaft des moldauischen Fürsten Dimitrie Cantemir ein. Großwesir Baltaji Mehmed Pascha akzeptiert auf Vermittlung von Peters Gattin Katharina Alexejewna Generalfeldmarschall Boris Scheremetews Angebot des Waffenstillstands und den Beginn von Verhandlungen. 23. Juli: Der Frieden vom Pruth beendet den 3. russischen Türkenkrieg. Der Vertrag erlaubt Zar Peter den friedlichen Abzug aus Moldau, dafür gibt der Zar die vor kurzem eroberte Stadt Azow zurück und zerstört die neu erbauten Festungen. Der Vertrag verbietet dem Zaren auch, sich in polnische Angelegenheiten einzumischen, und verpflichtet ihn, sicheres Geleit für den schwedischen König Karl XII. auf seinem Rückweg nach Schweden zu gewähren. Dieser bleibt aber vorläufig weiterhin im Osmanischen Reich.

Der Krieg im Ostseeraum

29. August: Erstmals dringen dänische Truppen unter dem Kommando König Friedrichs IV. von Mecklenburg aus bei Damgarten in Schwedisch-Pommern ein. Die Schweden haben hier nur 8.000 Mann unter Oberst Karl Gustav Düker stehen. Zu den Dänen stoßen Anfang September russische und sächsische Truppen aus Polen. Sie sind durch die Neumark und die Uckermark gekommen und vereinigten sich bald darauf mit dem dänischen Heer. Damit gehen die Mitglieder der Nordallianz zum ersten Mal in all den Jahren des Krieges in einer gemeinsamen Operation vor. 7. September: Die Belagerung von Stralsund durch die verbündeten Heere beginnt, der weitere Belagerungen in den Folgejahren folgen. 4. Dezember: Das Gefecht bei Lübow zwischen dänischen und schwedischen Truppen endet mit einem dänischen Sieg, der aber weitgehend folgenlos bleibt. 8. Dezember: 6.000 Schweden landen zur Unterstützung Stralsunds auf Rügen. 29. Dezember: Dänische Einheiten beginnen mit einem Bombardement von Wismar, können die Stadt jedoch nicht erobern.

Weitere Ereignisse in Russland / Kurland / Kursachsen

21. Januar: Kurz nach seiner Hochzeit mit der russischen Prinzessin Anna Iwanowna stirbt Friedrich Wilhelm Kettler, Herzog von Kurland und Semgallen, an einer Krankheit. Trotz der Ansprüche seiner Witwe übernimmt sein Onkel Ferdinand Kettler die Regierung im Herzogtum. Der letzte Herzog aus der Dynastie Kettler befindet sich allerdings im Exil in Danzig und kehrt auch nach der Machtübernahme nicht nach Kurland zurück. 22. Februar: Petrinische Reformen: Mit einem Ukas Zar Peters I. wird der Regierende Senat, die oberste Reichsbehörde in Russland und für die innere Verwaltung und die Justiz geschaffen und neun Männer zu Senatoren ernannt. 17. März: Peter I. erklärt Katharina Alexejewna zu seiner rechtmäßigen Ehefrau und Zariza. 25. Oktober: Der russische Zarewitsch Alexei heiratet Charlotte Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Zeremonie findet in Torgau an der Elbe am Hof der sächsischen Kurfürstin Christiane Eberhardine statt.

Heiliges Römisches Reich / Habsburgerreich

6. Januar: Karl III. Joseph von Lothringen wird Erzbischof von Trier und damit gleichzeitig Kurfürst. Er folgt dem verstorbenen Johann Hugo von Orsbeck. 17. April: Kaiser Joseph I. stirbt ohne männlichen Erben in Wien an den Pocken. Sein Bruder Karl VI. wird damit zu seinem Nachfolger, zunächst in den habsburgischen Erblanden als König von Königreich Ungarn, Kroatien und Böhmen. Die Aussicht, dass Karl seinem Bruder auch als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs nachfolgt, ist einer der Ursachen für den Rückzug Großbritanniens aus dem Spanischen Erbfolgekrieg.

miniatur|links|Originalurkunde des Friedens von Sathmar 29. April: Der Friede von Sathmar beendet den Aufstand von Franz II. Rákóczi im Königreich Ungarn und in Siebenbürgen. Alle Aufständischen erhalten eine Amnestie. Die feierliche Unterzeichnung erfolgt am 1. Mai. 12.000 Kuruzen legen daraufhin ihre Waffen nieder und schwören vor Palatin Johann Pálffy den Treueeid auf den König. Die letzte aufständische Festung wird am 23. Juni erobert. Franz II. Rákóczi akzeptiert die Friedensbedingungen nicht und geht stattdessen nach Polen.

12. Oktober: Karl VI. wird in Frankfurt am Main zum deutschen Kaiser gewählt. Am 22. Dezember wird er ebenfalls in Frankfurt am Main gekrönt.

Weitere Ereignisse in Europa

21. Januar: Nach dem Tod von Herzog Friedrich Wilhelm Kettler fungiert seine Witwe Anna als – allerdings nicht unbestrittene – Kurland und Semgallen. 29. Mai: Königin Anne erhebt Robert Harley, 1. Earl of Oxford and Mortimer, zum Lord High Treasurer. Das Herzogtum Modena erwirbt durch Kauf das Herzogtum Mirandola.

Nordamerika

April: Von verschiedenen südenglischen Häfen aus stechen zahlreiche Schiffe in See, um die britischen Kolonien im Queen Anne’s War, dem nordamerikanischen Teil des Spanischen Erbfolgekriegs, zu unterstützen. 30. Juli: Eine Expedition bestehend aus verschiedenen britischen und kolonialen Schiffen, darunter neun Kriegsschiffe, zwei Bombarden sowie 60 Transport- und Versorgungsschiffe mit 7.500 Soldaten und etwa 6.000 Seeleuten segelt aus Boston los. Geplant ist ein Angriff auf Québec, die Hauptstadt Neufrankreichs. 22. August: Die Québec-Expedition muss abgebrochen werden, nachdem im Sankt-Lorenz-Strom acht Truppentransporter aufgrund schlechten Wetters und mangelhafter Kenntnisse des Fahrwassers kentern und 890 Soldaten und Seeleute ertrinken. 12. bis 22. September: Piraten im Dienste Frankreichs erobern in der Schlacht von Rio de Janeiro unter ihrem Anführer René Duguay-Trouin die reiche portugiesische Festung und Hafenstadt Rio de Janeiro in Brasilien. Die im Hafen liegende portugiesische Flotte wird zerstört. Den Franzosen fallen die Jahreseinnahmen der gesamten Kolonie Brasilien in die Hände. Erst nach Meldungen über eine anrückende portugiesische Verstärkung zu Land und britische Unterstützung zur See sowie der Zahlung eines Lösegelds segelt Duguay-Trouins Flotte mit zahlreichen erbeuteten Handelsschiffen unbeschadet nach Brest zurück. 22. September: Der Indianerstamm der Tuscarora beginnt einen Krieg gegen europäische Siedler in North Carolina, der sich über mehr als drei Jahre hinziehen wird. Die Stadt Beaufort wird als zweite größere Siedlung nach Charleston in der Province of South Carolina gegründet.

Nordafrika

Der Offizier Ahmad Qaramanli übernimmt die Macht in Tripolis, wobei er die Oberhoheit des Osmanischen Reichs formal zwar anerkennt, aber de facto völlig unabhängig regiert. Der Barbareskenstaat wird eine Hochburg der Barbaresken-Korsaren.

Asien

15. Oktober: Sultan ibn Saif II. tritt die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Saif ibn Sultan I. als Imam von Oman aus der Yaruba-Dynastie an. Er stellt zunächst die omanischen Angriffe auf die britische und holländische Handelsschifffahrt ein, die noch unter seinem Vater eingesetzt haben. Damit sollen Gegenangriffe Großbritanniens und der Niederlande auf den omanischen Handel vermieden werden. Oman greift in der Folgezeit nur noch portugiesische und persische Schiffe an. Wachtang VI. wird König von Georgien unter der Oberhoheit der persischen Dynastie der Safawiden.

Wirtschaft

miniatur|hochkant|The Spectator vom 7. Juni 1711 1. März: Eine der frühmodernen Zeitungen, The Spectator, gegründet von Joseph Addison und Richard Steele, erscheint mit der Erstausgabe in London. Die Vorgängerzeitschrift Tatler der gleichen Herausgeber hat am 2. Januar sein Erscheinen eingestellt.

miniatur|links|Flagge der BAC Durch Übernahme der Handelskompanie in staatlichen Besitz durch den König Friedrich I., hört nach fast dreißig Jahren die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie auf zu bestehen. In den nächsten zwei Jahrzehnten konzentriert sich der nachfolgende preußische König nur noch auf die Liquidation der Besitztümer und des Inventars der Kompanie. Die South Sea Company in London wird gegründet. In Sankt Petersburg wird der erste Abschnitt der späteren Prachtstraße Newski-Prospekt vom Alexander-Newski-Kloster zur Nowgoroder Handelsstraße verlegt.

Wissenschaft und Technik

19. Januar: Die Königlich Preußische Sozietät der Wissenschaften übergibt auf ihrer ersten feierlichen Versammlung die fertiggestellte Berliner Sternwarte. Auf der Suche nach Gold entdeckt der griechische Arzt Eirini d’Eirinis in Val de Travers das Asphaltvorkommen La Presta, das als erstes in Europa ab 1714 für medizinische Zwecke genutzt wird. Der Speyerer Kaufmann Johann Seeger Ruland (wieder-)entdeckt in einem aufgelassenen Weinberg die Rebsorte Grauburgunder/Ruländer.

Kultur

9. Februar: Die Uraufführung der Oper Henrico IV. von Johann Mattheson findet in Hamburg statt. 24. Februar: Am Londoner Queen's Theatre wird Georg Friedrich Händels Erstfassung der Oper Rinaldo mit außerordentlichem Erfolg uraufgeführt. Das Libretto von Aaron Hill basiert auf Torquato Tassos Epos La Gerusalemme Liberata (Das befreite Jerusalem). Oktober: Antonio Vivaldi veröffentlicht beim Verlag von Estienne Roger in Amsterdam den Konzertzyklus L’Estro Armonico, eine Sammlung von zwölf Konzerten für Violinen und Streichorchester. Schon kurze Zeit später wird die Sammlung in London und Paris nachgedruckt.