zentriert|350px|Belagerung von Belgrad, Kupferstich, 1717 Prinz Eugen von Savoyen und seine Armee erobern die osmanisch beherrschte Festung Belgrad. zentriert|350px|Darstellung der Weihnachtsflut von 1717 Die Weihnachtsflut 1717 fordert 11.500 Menschenleben. 1717 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1165/66 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1709/10 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1122/23 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2260/61 (südlicher Buddhismus); 2259/60 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr des Feuer-Hahns 丁酉 (am Beginn des Jahres Feuer-Affe 丙申) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1079/80 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4050/51 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1095/96 Islamischer Kalender 1129/30 (Jahreswechsel 4./5. Dezember) Jüdischer Kalender 5477/78 (5./6. September) Koptischer Kalender 1433/34 (10./11. September) Malayalam-Kalender 892/893 Seleukidische Ära Babylon: 2027/28 (Jahreswechsel April) Syrien: 2028/29 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1773/74 (Jahreswechsel April)
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Großer Nordischer Krieg
2. Mai: Der dänische Admiral Peter Wessel Tordenskiold versucht im Auftrag von König Friedrich IV. die Häfen von Göteborg und Marstrand und die darin befindliche schwedische Flotte zu zerstören. Die Schweden unter Friedrich von Hessen-Kassel und Olof Stromstierna können von der Festung Nya Elfsborg aus den Angriff auf Göteborg jedoch abwehren. Frühjahr: Peter I. von Russland geht bis Herbst auf eine zweite Europareise. Nachdem der Versuch des Zaren, bei einem Aufenthalt in Paris ein französisch-russisches Bündnis zu schmieden, erfolglos bleibt, führt eine diplomatische Offensive Englands zur Bildung einer Tripel-Allianz mit Frankreich und den Niederlanden Russland endgültig in die außenpolitische Isolation. Georg Heinrich von Görtz, Berater des schwedischen Königs Karl XII., versucht die Situation auszunützen, um zu einem Separatfrieden mit Russland zu gelangen.
19. Juli: Der von Peter Wessel Tordenskiold geplante Angriff auf Strömstad scheitert, die Dänen erleiden schwere Verluste. Tordenskiold wird der Oberbefehl über die Kattegatflotte daraufhin entzogen. Die Blockade von Strömstad wird am 28. August aufgegeben. 15. August: Preußen, Russland und Frankreich bestätigen im Vertrag von Amsterdam gegenseitig ihren Besitzstand in der Erwartung der unvermeidlichen Niederlage Schwedens im Großen Nordischen Krieg. Frankreich sichert seine Neutralität in der Endphase des Großen Nordischen Krieges zu. Nach Klagen der mecklenburgischen Landstände wegen fortgesetzter Rechtsbrüche ihres Herzogs verhängt Kaiser Karl VI. einen Reichsexekutionsbeschluss gegen Karl Leopold von Mecklenburg-Schwerin, der rund 40.000 russischen Soldaten Quartier im Reichsgebiet zur Verfügung gestellt und Peter dem Großen damit zunehmenden Einfluss im Reich verschafft hat. Mit der Wahrnehmung der Reichsexekution wird der Direktor des niedersächsischen Reichskreises, Kurfürst Georg Ludwig von Hannover, beauftragt. Dadurch kann dessen Kanzler Andreas Gottlieb von Bernstorff die Interessen der mecklenburgischen Ritterschaft mit dem Einfluss einer auswärtigen Macht verbinden.
Weitere Ereignisse in Osteuropa
1. Februar: Der Stumme Sejm von 1717 bestätigt unter dem Vorsitz von Stanisław Ledóchowski den im Vorjahr geschlossenen Frieden von Warschau zwischen der Konföderation von Tarnogród und König August II. von Polen-Litauen. Der russische Zar Peter I. bekommt als Vermittler und Garant des Friedens noch einen größeren Einfluss auf die polnische Innenpolitik. Dezember: Seit 1712 bzw. 1715 lässt Zar Peter I. nach ausländischen Vorbildern eine Neugliederung der gesamten Staatsverwaltung und die Einrichtung von Zentralbehörden vorbereiten. (vgl. Petrinische Reformen) Im Dezember 1717 werden neun Kollegien mit jeweils einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten an der Spitze und einer entsprechenden Anzahl von Räten, Assessoren und Sekretären, die überwiegend Russen sein sollen, eingerichtet: Kollegium für die auswärtigen Angelegenheiten, Kammer-, Justiz-, Revisions-, Kriegs-, Berg- und Manufakturkollegium, Staatskontor, Admiralitätskollegium. Die Arbeit der neuen Kollegien soll 1719 beginnen.
Venezianisch-Österreichischer Türkenkrieg
13. Mai: Prinz Eugen von Savoyen, Präsident des österreichischen Hofkriegsrates, verlässt Wien und trifft am 21. Mai in Futog an der Donau ein. Am 9. Juni marschiert er mit rund 70.000 Mann auf Belgrad. 16. Juni: Die Belagerung der osmanisch beherrschten Festung Belgrad im Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg beginnt, nachdem die österreichische Armee über die Donau gesetzt hat.
mini|links|hochkant|König Johann V. in der Seeschlacht bei Matapan 19. Juli: Vor Kap Matapan im Mittelmeer findet eine der letzten Seeschlachten statt, bei der Galeeren zum Einsatz kommen. Die Schlacht zwischen einer osmanisch-ägyptischen und einer venezianisch-französisch-maltesischen Flotte bleibt lange Zeit unentschieden. Erst das Eingreifen des portugiesischen Kontingents unter der Führung von König Johann V. auf dem Flaggschiff Nossa Senhora da Conceição entscheidet die Schlacht zugunsten der päpstlichen Koalition. 28. Juli: Eine osmanische Entsatzarmee trifft vor Belgrad ein und beginnt die Belagerer zu belagern.
14. bis 16. August: Die Eroberung von Belgrad durch Prinz Eugen von Savoyen und seine Armee unter anderem mit Hilfe des „Mörsers von Belgrad“ beeindruckt einen Zeitgenossen so sehr, dass er das im zum Volkslied mutierenden Prinz Eugen, der edle Ritter späteren Generationen überliefert.
Krieg der Quadrupelallianz
4. Januar: Frankreich, Großbritannien und die Niederlande bilden eine Tripel-Allianz gegen Spanien. Sie wollen verhindern, dass König Philipp V., der aus dem Haus Bourbon stammt, im Fall eines vorzeitigen Todes des minderjährigen französischen Herrschers Ludwig XV. die Kronen Frankreichs und Spaniens vereinigt. November: Eine spanische Flotte landet auf Sardinien in dem ehrgeizigen Versuch von Premierminister Giulio Alberoni und Königin Elisabetta Farnese, die im Spanischen Erbfolgekrieg an Habsburg verlorenen Besitzungen in Italien wieder zurückzugewinnen. Österreich, dessen Truppen im Türkenkrieg auf dem Balkan gebunden sind, reagiert nur halbherzig: Eugen von Savoyen verstärkt lediglich die Defensivkräfte im Königreich Neapel. Es gibt daraufhin fieberhafte Bemühungen der Tripel-Allianz, einen Frieden zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich zu vermitteln.
Afrika
Friedrich Wilhelm I. verkauft die brandenburgisch-preußische Kolonie Groß Friedrichsburg mit der gleichnamigen Festung am Kap der drei Spitzen in Westafrika an die Niederländische Westindien-Kompanie. Ein unter dem Namen Jan Conny bekannter afrikanischer Häuptling übernimmt jedoch die Region mit Festung und verteidigt sie gegen mehrere massive Eroberungsversuche der Niederländer.
Süd- und Südostasien
Mai: António de Albuquerque Coelho wird portugiesischer Gouverneur von Macau. Doch das Schiff, das ihn von Goa nach Macau bringen soll, fährt auf Befehl des Eigentümers Francisco Xavier Doutel, mit dem ihn eine alte Feindschaft verbindet, ohne ihn ab. Coelho begibt sich daraufhin auf eine abenteuerliche Reise quer durch den indischen Subkontinent. Am 16. Juli erreicht seine Expedition den 2.600 km entfernten portugiesischen Stützpunkt São Tomé de Meliapor. Dort erwirbt Coelho ein Schiff und setzt am 5. August die Reise fort. Im niederländischen Malakka wird ihnen die Reparatur des durch Stürme beschädigten Schiffes verweigert und der Navigator flüchtet von Bord. Zwei Monate später erreicht die kleine Truppe das in interne Machtkämpfe verstrickte Johor, wo sie bis Ende des Jahres bleibt. Der Siamesisch-Kambodschanische Krieg 1714–1717 endet mit einem Sieg des siamesischen Königreichs Ayutthaya unter König Thai Sa über das Khmer-Reich. Kambodscha wird Siam neuerlich tributpflichtig.
Zentralasien
Durch Verrat gelingt es Dsungaren unter Tsewangrabtan, in die tibetische Hauptstadt Lhasa einzudringen und den Regenten Lhabsang Khan zu töten. Der Verräter Tagtsepa wird als neuer Regent eingesetzt. Die Tibeter bitten Chinas Kaiser Kangxi um Beistand. Mir Mahmud Hotaki tötet seinen Onkel Abd al-Aziz und wird selbst Herrscher der Hotaki-Dynastie des paschtunischen Stammes der Ghilzai.
Südamerika
29. Mai: In Südamerika wird aus Teilen der bereits bestehenden spanischen Vizekönigreiche Neuspanien und Peru das Vizekönigreich Neugranada gebildet. Es ist somit das dritte spanische Vizekönigreich auf amerikanischem Boden. Antonio de la Pedrosa y Guerrero wird mit der administrativen Leitung betraut, ohne jedoch den Titel eines Vizekönigs führen zu dürfen. Als Hauptstadt wird Bogotá gewählt.
Nordamerika / Karibik
26. April: Der englische Seefahrer und Pirat Samuel Bellamy stirbt bei Untergang seines Schiffes Whydah vor Cape Cod.
mini|hochkant|Queen Anne’s Revenge August: Edward Thatch wird erstmals schriftlich erwähnt, als er unter dem Kommando des Piraten Benjamin Hornigold die Sloop Revenge übernimmt, die zuvor von Stede Bonnet befehligt worden ist. Im Oktober greift er innerhalb von drei Wochen die Chesapeake Bay, Philadelphia und New York an. Während dieser Zeit erbeutet er mindestens 15 Schiffe, womit er schlagartig zum gefürchtetsten Piraten der amerikanischen Ostküste wird. 17. November: Edward Thatch, genannt Blackbeard, bringt das französische Sklavenschiff La Concorde auf. Er baut das Schiff um und macht es unter dem Namen Queen Anne’s Revenge zu seinem Flaggschiff. Gouverneur James Knight von der Hudson’s Bay Company lässt am Churchill River im heutigen kanadischen Bundesstaat Manitoba aus Baumstämmen die Festung Churchill River Post errichten. Der Yamasee-Krieg endet mit mehreren Friedensverträgen.
Wirtschaft
mini|Twinings Stammgeschäft an der Strand in London (2006) Britische Teekultur: Thomas Twining erweitert sein Geschäft in London um weitere Kaffeehäuser, darunter das Haus an der Strand 216. Hier verkauft er neben Kaffee auch das Mode- und Luxusgetränk Tee. Johann Baring gründet in Exeter ein Handelsgeschäft, aus dem sich bald Barings Bank entwickelt. In Merkendorf wird die Brauerei Hellein von der gleichnamigen Familie gegründet. John Law gründet in Frankreich gegen den Widerstand des Parlement de Paris, des obersten Gerichtshofs, jedoch mit Zustimmung des Regenten, die Handelsgesellschaft Compagnie de la Louisiane ou d'Occident, die besonders für die französischen Kolonien in Amerika gegründet und privilegiert wird. Als er für die unterkapitalisierte Gesellschaft gewinnträchtige Privilegien und Monopole erwerben kann, setzt er eine Spekulationsblase in Gang. Die 1711 gegründete South Sea Company unternimmt ihre erste Handelsreise nach Südamerika.
Wissenschaft und Technik
Johann Heinrich Schulze weist die Lichtempfindlichkeit von Silbernitrat experimentell nach. Das hat für die Geschichte und Entwicklung der Fotografie in späteren Jahrhunderten entscheidende Bedeutung. Friedrich Hoffmann, Leibarzt des preußischen Herrschers, findet bei Bečov Quellen mit bitterem Wasser.
Kultur
Architektur
mini|hochkant|Der Herkules auf dem Oktogon im Bergpark Wilhelmshöhe Kassel, 2004 30. November: Der von Architekt Giovanni Francesco Guerniero im Auftrag von Landgraf Karl von Hessen-Kassel errichtete Bergpark Wilhelmshöhe wird mit der Aufstellung der Kupferstatue des Herkules nach über 16 Jahren vollendet.
mini|links|Schloss Fürstenried vom Tor aus gesehen um 1720 Schloss Fürstenried im Hirschjagdpark im Süden von München wird nach zweijähriger Bauzeit durch Hofbaumeister Joseph Effner fertiggestellt. Der französische Architekt Louis Remy de la Fosse errichtet in Heidelberg für Philipp Karl von Hundheim ein barockes Palais.