zentriert|350px|Titelseite der Erstausgabe von Gullivers Reisen (1726) Jonathan Swift veröffentlicht unter einem Pseudonym den satirischen Roman Gullivers Reisen. zentriert|161px|Kardinal de Fleury, Gemälde von Hyacinthe Rigaud, 1730 André-Hercule de Fleury wird Kardinal und erster Minister in Frankreich. zentriert|179px|Maximilian II. Emanuel im Harnisch, mit blauer bayerischer Schärpe und Marschallsstab Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern stirbt. 1726 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1174/75 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1718/19 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1131/32 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2269/70 (südlicher Buddhismus); 2268/69 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr des Feuer-Pferdes 丙午 (am Beginn des Jahres Holz-Schlange 乙巳) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1088/89 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4059/60 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1104/05 Islamischer Kalender 1138/39 (Jahreswechsel 28./29. August) Jüdischer Kalender 5486/87 (25./26. September) Koptischer Kalender 1442/43 (10./11. September) Malayalam-Kalender 901/902 Seleukidische Ära Babylon: 2036/37 (Jahreswechsel April) Syrien: 2037/38 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1782/83 (Jahreswechsel April)
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Europäische Bündnispolitik
16. August: Katharina I. von Russland tritt dem bestehenden Wiener Vertrag, dem österreichisch-spanischen Bündnis vom 30. April 1725 bei. Sie erkennt die Pragmatische Sanktion an und gewinnt dafür die österreichische Garantie der 1721 erworbenen Besitzungen. Ein Geheimartikel des Vertrages sieht eine Türkenhilfe des Wiener Hofes für Russland vor. Das enge Zusammengehen Russlands mit den Habsburgern beeinflusst in der Folgezeit die europäische Mächtepolitik nachhaltig. 20. August: Ein preußisch-russischer Allianzvertrag wird in St. Petersburg unterzeichnet. Beide Parteien verpflichten sich in 16 Vertragsartikeln, einander im Angriffsfall Hilfstruppen in Höhe von 5000 Mann zu stellen. Zum ersten Mal enthält eine vertragliche Absprache zwischen beiden Mächten Bestimmungen über Polen-Litauen, die darauf abzielen, den politischen und auch territorialen Status quo zu zementieren. Die Bündnispartner verpflichten sich nicht nur, das Herzogtum Kurland in seinem bisherigen Status zu erhalten, sondern auch das Wahlkönigtum sowie den verfassungsmäßigen Status Polens zu bewahren und das Wahlkönigtum gegen jeden Versuch der dynastischen Verfestigung zu schützen. Die Allianz wird auf 18 Jahre festgelegt.
Großbritannien / Spanien
miniatur|links|Die Operationen der englischen und spanischen Flotten in der Karibik 1726–1728 Der britische Premierminister Robert Walpole setzt die Royal Navy als außenpolitisches Druckmittel ein. Er verstärkt das britische Mittelmeergeschwader und entsendet ein Geschwader in die Ostsee, das von Mai bis September den Hafen Reval blockiert, um die russische Regierung einzuschüchtern und deren Flotte am Auslaufen zu hindern. Ein drittes Geschwader soll gleichzeitig den spanischen Handel in der Karibik stören und den Hafen von Portobelo blockieren. Davon erhofft sich Walpole einen doppelten Erfolg. Einmal soll verhindert werden, dass die spanische Silberflotte Europa erreicht und damit die Wiener Verbündeten in den Besitz zusätzlicher finanzieller Mittel kommen. Zum anderen soll auf diese Weise dem spanischen König Philipp V. demonstriert werden, wie abhängig er und sein Kolonialreich vom britischen Wohlwollen sind.
Im Sommer kommt es in der Karibik zu Kampfhandlungen zwischen England und Spanien. In der Ansicht, durch das Wiener Bündnis abgesichert zu sein, entschließen sich Philipp V. und seine Frau Elisabetta Farnese gegen den Rat ihres neuen leitenden Ministers José de Patiño y Morales zu einem offenen Konfrontationskurs gegenüber Großbritannien, als die ersten Nachrichten von britischen Aktionen aus der Karibik eintreffen. Im Dezember werden alle britischen Handelsprivilegien einseitig aufgekündigt. Anfang 1727 beginnt der Englisch-Spanische Krieg.
Frankreich
11. Juli: König Ludwig XV. von Frankreich entlässt seinen leitenden Minister Louis IV. Henri de Bourbon, prince de Condé, und verbannt ihn mittels lettre de cachet mit seiner Mätresse Madame de Prie auf seine Güter. Sein Nachfolger wird André-Hercule de Fleury. Dessen Autorität wird zusätzlich gehoben, als er am 11. September von Papst Benedikt XIII. zum Kardinal erhoben wird. Fleury stellt die Kreditwürdigkeit des Staates wieder her, indem er dessen Schulden abzubauen beginnt. Durch die Durchsetzung der durch das feudale Recht vorgesehenen Straßenfronarbeit der Bauern sorgt er für einen guten Zustand der französischen Straßen, allerdings um den Preis steigender Unzufriedenheit.
Heiliges Römisches Reich / Ungarn
26. Februar: Auf den verstorbenen Maximilian II. Emanuel folgt sein Sohn Karl Albrecht als Kurfürst von Bayern. Dieser bemüht sich von Beginn an zielstrebig darum, nach dem Tod von Kaiser Karl VI., der keine männlichen Nachkommen hat, die Habsburger zu beerben und als Karl VII. die Kaiserwürde zu erlangen.
mini|links|hochkant|Zeitgenössische Darstellung der Ermordung Hahns durch Laubler 21. Mai: Die Ermordung des protestantischen Predigers Hermann Joachim Hahn durch den Katholiken Franz Laubler in der sächsischen Residenzstadt Dresden führt in den nächsten Tagen zu einem gegen die Katholiken der Stadt gerichteten Bürgeraufstand. Kaiser Karl VI. überträgt die Städte Mukatschewo und Tschynadijowo mit der Burg Palanok an Bischof Lothar Franz von Schönborn. Der Appell-Krieg zwischen dem Fürsten Georg Albrecht von Ostfriesland und den ostfriesischen Ständen um die Steuerhoheit in der Grafschaft Ostfriesland eskaliert.
Asien
Herbst: Der osmanische Gouverneur von Bagdad Ahmad Pascha greift das Persische Reich an und gibt zu verstehen, dass er plant, die Safawiden wieder als persische Herrscher einzusetzen. Schah Aschraf Khan aus der Hotaki-Dynastie lässt daraufhin den letzten Safawidenherrscher Sultan Hosein hinrichten und sendet seinen Kopf mit einer Nachricht ins osmanische Zeltlager. Als die Osmanen nur noch wenige Kilometer vor der Hauptstadt Isfahan stehen, werden sie in einer Schlacht bei Kermānschāh besiegt. Daraufhin stimmt die Hohe Pforte Friedensverhandlungen zu.
Südamerika
miniatur|links|hochkant|Bruno Mauricio de Zabala 24. Dezember: Bruno Mauricio de Zabala, spanischer Gouverneur von Buenos Aires, gründet die Festung Montevideo zur Abwehr der immer wieder von Brasilien her eindringenden Portugiesen.
Wirtschaft
Kurfürst Karl Albrecht führt in Bayern den Karolin ein, eine Goldmünze nach dem Vorbild des französischen Louis d’or. Sein Wert wird mit 10 Goldgulden angegeben. Nach zwei Jahren stellt die moralische Wochenschrift Der Patriot ihr Erscheinen ein. Ein kaiserliches Patent bestimmt wichtige Durchgangsstraßen im Heiligen Römischen Reich als Hauptkommerzialstraßen. Der in Düsseldorf hergestellte ABB-Senf ist die älteste noch existierende deutsche Senfmarke.
Wissenschaft und Technik
Die Real Academia Española gibt dreizehn Jahre nach ihrer Gründung die erste Auflage des Diccionario de Autoridades heraus, ein Wörterbuch der spanischen Sprache, in dem der wahre Sinn der Wörter, ihre Natur und Qualität erläutert wird, mit Sätzen oder Sprechweisen, den Sprichwörtern oder Redewendungen und anderen zum Gebrauch der Sprache nützlichen Dingen.
Kultur Architektur und Bildende Kunst
Die nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach von seinem Sohn, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, errichtete barocke Hofbibliothek in Wien wird nach rund dreijähriger Bauzeit vollendet. Im gleichen Jahr stellt der Architekt auch das von Adam Franz Fürst zu Schwarzenberg in Auftrag gegebene Palais Schwarzenberg vor den Toren Wiens fertig.
miniatur|links|Die Völkertafel um 1726: Die Steirische Völkertafel wird fertiggestellt.
Literatur
Der irische Schriftsteller Jonathan Swift veröffentlicht den satirischen Roman Gullivers Reisen. Das sozialkritische Werk wird zu einem großen Erfolg und ist bis heute in Druck.
Musik und Theater
Johann Sebastian Bach in Leipzig
26. Juli: Johann Sebastian Bachs Kirchenkantate Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust wird in seinem vierten Jahr als Thomaskantor in Leipzig gemeinsam mit der Kantate Ich will meinen Geist in euch geben von Johann Ludwig Bach uraufgeführt. 8. September: Die geistliche Kantate Geist und Seele wird verwirret von Johann Sebastian Bach wird in Leipzig uraufgeführt. 29. September: Die Kantate Es erhub sich ein Streit hat ihre Uraufführung in Leipzig. Wahrscheinlich wurde der ursprüngliche Text von Picander von Johann Sebastian Bach selbst umgearbeitet. 20. Oktober: Die Kirchenkantate Gott soll allein mein Herze haben von Johann Sebastian Bach hat ihre Uraufführung in Leipzig. 27. Oktober: Die Kantate Ich will den Kreuzstab gerne tragen (BWV 56) von Johann Sebastian Bach wird in Leipzig an jenem 19. Sonntag nach Trinitatis aufgeführt.
Georg Friedrich Händel in London
12. März: Das Dramma per musica Publio Cornelio Scipione von Georg Friedrich Händel hat seine Uraufführung am King’s Theatre am Londoner Haymarket durch die Royal Academy of Music. Das Libretto stammt von Paolo Antonio Rolli nach der gleichnamigen Vorlage von Antonio Salvi. Die Stars der Uraufführung sind Senesino, Francesca Cuzzoni, Luigi Antinori und Giuseppe Maria Boschi.
miniatur|links|hochkant|Faustina Bordoni mini|hochkant|Francesca Cuzzoni 5. Mai: Die Opera seria Alessandro von Georg Friedrich Händel nach einem weiteren Libretto von Paolo Antonio Rolli wird am King’s Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführt. Die literarische Vorlage La superbia d’Alessandro stammt von Ortensio Mauro. Bei der Uraufführung kommt es zum erstmaligen Aufeinandertreffen der beiden berühmtesten Sängerinnen der Zeit: Francesca Cuzzoni (Sopran) und Faustina Bordoni (Mezzosopran), die mit dem Mezzosoprankastraten Senesino ein „Triumvirat“ bilden. Die Oper ist so erfolgreich, dass die übliche Anzahl von zwei Aufführungen wöchentlich nicht ausreicht. Bereits im November gelangt die Oper zweimal unter dem Titel Der hochmüthige Alexander an der Hamburger Oper am Gänsemarkt zur Aufführung.
Weitere Uraufführungen
14. Januar: Die Oper Didone abbandonata von Leonardo Vinci mit dem Libretto von Pietro Metastasio wird am Teatro delle Dame in Rom uraufgeführt. 2. Februar: Die Oper Siroe von Leonardo Vinci wird am Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig mit Marianna Benti Bulgarelli, Nicolo Grimaldi und Giovanni Carestini in den Hauptrollen erstmals aufgeführt. Es ist die erste Vertonung von Pietro Metastasios Libretto Siroe. 17. Juli: Die Uraufführung der Oper Claudius, Römischer Käyser von Reinhard Keiser findet am Theater am Gänsemarkt in Hamburg statt. Im gleichen Jahr wird auch Keisers Oper Der lächerliche Prinz Jodelet auf das Libretto von Johann Philipp Praetorius uraufgeführt. Die Rolle der Erminda wird von Margaretha Susanna Kayser gesungen.
Gesellschaft
Pfingsten: Während einer länger andauernden Trockenzeit entdeckt ein Schäfer in Diesdorf in der Nähe von Magdeburg eine kleine Quelle. Diese wird bald darauf als Diesdorfer Gesundbrunnen vermarktet.
miniatur|links|hochkant|François-Marie Arouet (Voltaire),Porträt von Nicolas de Largillière Voltaire wird wegen eines Streits mit einem Mitglied der Adelsfamilie Rohan in die Bastille geworfen. König Ludwig XV. gewährt ihm die Freiheit für das Versprechen, ins Ausland zu gehen. Der Philosoph geht daraufhin für drei Jahre ins Exil nach England.