zentriert|350px|„Die Ermordung der Minister während des Aufstandes von Khalil Patrona“ von Jean-Baptiste van Mour Der Patrona-Halil-Aufstand im Osmanischen Reich führt zum Sturz von Sultan Ahmed III., dem sein Neffe Mahmud I. folgt. zentriert|168px|Kaiserin Anna im Krönungsornat Anna Iwanowna wirdKaiserin von Russland. zentriert|172px|Papst Clemens XII. Lorenzo Corsini wirdals Clemens XII. Papst. 1730 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1178/79 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1722/23 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1135/36 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2273/74 (südlicher Buddhismus); 2272/73 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr des Metall-Hundes 庚戌 (am Beginn des Jahres Erde-Hahn 己酉) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1092/93 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4063/64 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1108/09 Islamischer Kalender 1142/43 (Jahreswechsel 16./17. Juli) Jüdischer Kalender 5490/91 (11./12. September) Koptischer Kalender 1446/47 (10./11. September) Malayalam-Kalender 905/906 Seleukidische Ära Babylon: 2040/41 (Jahreswechsel April) Syrien: 2041/42 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1786/87 (Jahreswechsel April)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Das Zeithainer Lustlager und seine Folgen

Der sächsische Kurfürst August der Starke, gleichzeitig König von Polen, hält vom 31. Mai bis zum 28. Juni das sogenannte Zeithainer Lustlager ab, eine grandiose Truppenschau, verbunden mit der Darstellung königlicher Pracht unweit der Städte Riesa und Großenhain zwischen den Orten Zeithain, Glaubitz und Streumen in der Nähe der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze. Vor 48 geladenen europäischen Fürsten und deren Militärs präsentiert August seine Armee im Manöver, organisiert vom Generalfeldmarschall Graf Wackerbarth, worauf großartige Festlichkeiten folgen, abgeschlossen mit einem Feuerwerk bei Riesa. Das Zeithainer Lustlager stellt nicht nur die militärische Leistungsfähigkeit, sondern auch den hohen Stand der sächsischen Kunst und Kultur zur Schau.

mini|links|Der Zeithainer Riesenstollen mit dem Stollenmesser, Kupferstich von Elias Baeck Zu den zahlreichen Höhepunkten des Festes gehört die Präsentation eines nach historischen Überlieferungen 1,8 Tonnen schweren, 18 Ellen langen und 8 Ellen breiten Christstollens, welcher vom Dresdner Bäckermeister Andreas Zacharias unter Mithilfe von 60 Bäckergesellen geschaffen worden ist. Für dieses Spektakel hat Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann eigens einen Ofen gebaut, von welchem der Stollen mit Hilfe eines von acht Pferden gezogenen Wagens in Augusts Lager gebracht wird. Für den Anschnitt des Backwerks nutzt man das für dieses Fest geschaffene Große Stollenmesser, ein 1,6 Meter langes Küchengerät aus Sterlingsilber.

Auf dem Zeltlager kommt es zu einem heftigen Streit zwischen dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Friedrich, woraufhin letzterer seinem Freund Hans Hermann von Katte anvertraut, nach Frankreich fliehen und sich damit der Erziehungsgewalt seines Vaters entziehen zu wollen. Katte versucht Friedrich zwar von seinem Plan abzubringen, unterstützt ihn dann jedoch bei der Durchführung.

Am 5. August wird Kronprinz Friedrich bei der Flucht vor seinem Vater aufgegriffen und erhält Festungshaft in der Festung Küstrin. Sein Freund Hans Hermann von Katte wird von einem Militärgericht wegen Fahnenflucht und Hochverrats zu lebenslanger Festungshaft verurteilt. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. wandelt die Strafe in die Todesstrafe um und zwingt seinen Sohn bei der Hinrichtung seines Freundes am 6. November zuzusehen. Friedrichs Page und Mitwisser Peter Karl Christoph von Keith kann mit Unterstützung des britischen Gesandten Philip Stanhope, 4. Earl of Chesterfield, rechtzeitig nach England entkommen. Er wird wegen der Beteiligung an Friedrichs Fluchtplänen als Deserteur in effigie gehängt. Nach Friedrichs Thronbesteigung kehrte Keith 1740 nach Preußen zurück.

Weitere Ereignisse in Preußen

Das preußische Generaljudenreglement beschränkt die Anzahl der jüdischen Familien in Berlin auf 100.

Königreich Sardinien/Herzogtum Savoyen

2. August: König Viktor Amadeus II. von Sardinien schließt heimlich in der Kapelle des Turiner Königspalastes eine morganatische Ehe mit Anna Canalis di Cumiana. 3. September: Zur Überraschung des gesamten Königshofs dankt Viktor Amadeus II. zugunsten seines Sohnes Karl Emanuel III. als König von Sardinien-Piemont ab. Er übernimmt dafür von diesem das Herzogtum Savoyen.

Skandinavien

12. Oktober: Christian VI. folgt seinem verstorbenen Vater Friedrich IV. als König von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig und Holstein und Graf von Oldenburg und Delmenhorst nach.

Russland

29. Januar: Wenige Tage vor seiner geplanten Hochzeit stirbt Kaiser Peter II. an den Pocken. Anna Iwanowna, Tochter Iwans V., wird nach seinem Tod mit Unterstützung des Kanzlers Heinrich Johann Friedrich Ostermann Kaiserin von Russland, obwohl Anna und Elisabeth, die zwei Töchter Peters des Großen, vorrangig Ansprüche auf den Thorn gehabt hätten. Ostermann verhandelt für die von ihm favorisierte Thronfolge mit den Bojaren und unter dem schriftlichen Zugeständnis, dass Adel und Senat Mitbestimmungsrechte bei der Politik bekämen, wird Anna inthronisiert. Sie widersetzt sich jedoch erfolgreich dem Versuch des Obersten Geheimen Rates, durch eine Wahlkapitulation die Rechte der Autokratie einschränken und eine oligarchische Mitbestimmung festschreiben zu lassen. Sie widerruft nach ihrer Krönung die von ihr in Mitau unterzeichneten Wahlkonditionen. Am 8. März verkündet Anna die Restauration der Autokratie in Russland. Der Oberste Geheime Rat wird am 14. März aufgelöst. Diese handstreichartige Machtergreifung bleibt allerdings eine Einzelerscheinung. Anna kümmert sich in der Folge wenig um die Regierungsgeschäfte, die von ihrem Vertrauten Ernst Johann von Biron geführt werden, und zieht es vor, ihren Vergnügungen nachzugehen. Die Zeit der Bironowschtschina beginnt. Der ausgeprägte Luxus, mit dem sich die Kaiserin umgibt, ist selbst nach den Maßstäben des russischen Hofes einzigartig. 30. September: Die Erneuerung der preußisch-russischen Allianz gründet auf den Bestimmungen der vier Jahre zuvor geschlossenen Defensivallianz und der Erneuerung drei Jahre später. Der erneuerte Vertrag soll das gute Verhältnis beider Staaten nach dem Tod des russischen Kaisers Peter II. sichern.

Osmanisches Reich/Persien

Der persische Herrscher Tahmasp II. aus der Safawiden-Dynastie beginnt einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Sein Heerführer Nadir fügt den Osmanen eine schwere Niederlage zu.

mini|hochkant|Mahmud I. Im Osmanischen Reich bricht als Folge der Niederlage der Patrona-Halil-Aufstand aus. Die Janitscharen übernehmen die Kontrolle in Istanbul und fordern von Sultan Ahmed III. die Herausgabe seines Großwesirs Nevşehirli Damat İbrahim Pascha, den sie für die Niederlage verantwortlich machen. Der Sultan gibt nach, wird aber dennoch im September abgesetzt, gefangen genommen und durch seinen Neffen Mahmud I. ersetzt.

Am 1. Oktober wird Großwesir Nevşehirli Damat İbrahim Pascha mit einigen seiner Vertrauten ermordet, darunter auch der Dichter Nedîm. Damit endet die sogenannte „Tulpenzeit“ im Osmanischen Reich.

mini|links|hochkant|Patrona Halil, Gemälde von Jean-Baptiste van Mour Viele Prunkvillen im Stadtteil Kağıthane und andere Gebäude, die in den Augen der Aufständischen für die Dekadenz der Tulpenzeit stehen, werden zerstört. Vier Wochen nach dem Aufstand ist das Reich in den Händen der Aufständischen. Ihr Anführer Patrona Halil lässt Mahmud I. in der Eyüp-Sultan-Moschee mit dem Schwert Osmans zum Sultan erheben. Zahlreiche Regierungsmitglieder werden abgesetzt und neue durch die Rebellen eingesetzt.

Dem neuen Großwesir gelingt es jedoch, die immer anmaßender auftretenden Rebellen mit Hilfe des Krimkhans, des Muftis und des Aghas der Janitscharen aus der Regierung zu verdrängen und Patrona Halil verhaften zu lassen. Dieser wird gemeinsam mit über 7.000 Aufständischen zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Wirtschaft

3. Februar: Die Nummer 1 der englischen Tageszeitung The Daily Advertiser erscheint in London. Sie wird von der Druckerei Matthew Jenour herausgegeben.

mini|hochkant|Erstausgabe vom 23. Februar 1730 23. Februar: In Zürich erscheinen erstmals die Donnstags-Nachrichten. Die 1664 gegründete Zeitung Nordischer Mercurius stellt ihr Erscheinen ein. In Österreich werden zwischen Wien und Graz sowie zwischen Graz und Fiume mit sogenannten Poststellwagen erstmals Pferdeomnibusse im regulären Linienverkehr betrieben.

Kultur Architektur

In Mafra wird der vom schwäbischen Architekten Johann Friedrich Ludwig geplante Palácio Nacional eingeweiht.

mini|zentriert|Der Palácio Nacional vor 1755

Literatur

mini|Die erste bekannte Niederschrift der Sage Erste schriftliche Erwähnung der Schildhornsage durch Jacob Paul von Gundling

Musik und Theater

2. Januar: Die erste Vertonung des Librettos Alessandro nell’Indie von Pietro Metastasio durch Leonardo Vinci hat ihre Uraufführung in Rom. 23. Januar: Die Komödie Le Jeu de l'amour et du hasard (Das Spiel von Liebe und Zufall) von Pierre Carlet de Marivaux wird in Frankreich uraufgeführt. 4. Februar: Das Libretto Artaserse von Pietro Metastasio wird ebenfalls in der ersten Vertonung durch Leonardo Vinci am Teatro delle Dame in Rom uraufgeführt.

mini|hochkant|Artaserse, Titelseite des Librettos 11. Februar: Artaserse, eine Opera seria in drei Akten von Johann Adolph Hasse nach dem Libretto Artaserse von Pietro Metastasio hat seine Uraufführung am Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig. Die männliche Hauptrolle des Prinzen Arbace singt der berühmte Kastrat Farinelli.

mini|links|hochkant|Zeitgenössische Karikatur der Anna Maria Strada 24. Februar: Die Oper Partenope von Georg Friedrich Händel hat ihre Uraufführung am King’s Theatre am Haymarket in London. Sie ist Händels zweite Oper für die von Händel und Johann Jacob Heidegger gegründete zweite Opernakademie. Er wendet sich darin von dem pathetisch-heroischen Stil ab, der dem Vorgängerwerk Lotario seinen Misserfolg eingehandelt hat. Das Libretto stammt von Silvio Stampiglia aus dem Jahr 1699. Die Hauptrollen singen unter anderem Anna Maria Strada, Antonio Bernacchi und Francesca Bertolli. Auch diesem Werk Händels ist kein Erfolg beschieden. 4. April: Am King’s Theatre wird das Dramma per musica Ormisda mit großem Erfolg uraufgeführt. Die Musik stammt von Leonardo Vinci, Johann Adolf Hasse und Giuseppe Maria Orlandini. Das Libretto ist eine Adaption des Ormisda von Apostolo Zeno und wurde vermutlich von Georg Friedrich Händel zu einem Pasticcio bearbeitet. 20. August: Die Uraufführung der Oper The Generous Free-Mason von Henry Carey findet in London statt. 15. Oktober: Die Uraufführung der Oper Dialogo tra la vera disciplina e il Genio von Antonio Caldara erfolgt am Teatro della Favorita in Wien. Herbst: Die Erstfassung der Oper Ezio von Johann Adolph Hasse auf das Libretto Ezio von Pietro Metastasio hat ihre Uraufführung am Teatro San Bartolomeo in Neapel. Francesca Cuzzoni singt die weibliche Hauptrolle.

mini|links|hochkant|Croesus, Titelblatt des Librettos von 1730 6. Dezember: Die von Reinhard Keiser grundsätzlich überarbeitete Neufassung der Oper Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus aus dem Jahr 1711 wird an der Oper am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt. Das Libretto verfasste Lucas von Bostel nach dem italienischen Libretto Creso von Nicolò Minato.

Religion

mini|hochkant|Clemens XII.