zentriert|350px|Erste gedruckte Ausgaben des Utrechter Vertrags: Spanisches Exemplar (1713) und eine lateinisch-englische Version (1714) Der Friede von Utrecht zur Beendigungdes Spanischen Erbfolgekriegs wird geschlossen. zentriert|166px|Das Handgemenge bei Bender Die Osmanen nehmen den schwedischen König Karl XII. bei Bender fest. zentriert|174px|Friedrich Wilhelm I. Porträt von Samuel Theodor Gericke, 1713 Friedrich Wilhelm I.wird König in Preußen. zentriert|350px|Memorabilia A. MDCCXXIII Gedenckwürdigkeiten des 1713ten Jahres, aus: Gedenckwürdigkeiten des ietzt lauffenden achtzehenden Jahr-Hunderts &c., Nürnberg 1739 Christoph Weigel d. Ä.: Gedenckwürdigkeiten des 1713ten Jahres 1713 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1161/62 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1705/06 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1118/19 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2256/57 (südlicher Buddhismus); 2255/56 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr der Wasser-Schlange 癸巳 (am Beginn des Jahres Wasser-Drache 壬辰) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1075/76 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4046/47 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1091/92 Islamischer Kalender 1124/25 (Jahreswechsel 27./28. Januar) Jüdischer Kalender 5473/74 (20./21. September) Koptischer Kalender 1429/30 (10./11. September) Malayalam-Kalender 888/889 Seleukidische Ära Babylon: 2023/24 (Jahreswechsel April) Syrien: 2024/25 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1769/70 (Jahreswechsel April)
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Großer Nordischer Krieg
Osmanisches Reich / Khanat der Krim
14. Januar: Sultan Ahmed III. verfügt die zwangsweise Ausweisung des schwedischen Königs Karl XII. aus dem Osmanischen Reich, in dem dieser 1709 nach der Niederlage bei Poltawa Asyl erhalten hat. Karl, der den persönlichen Reisebefehl am 31. Januar erhält, weigert sich aber, das Land zu verlassen. Den mit der Ausführung beauftragten osmanischen Befehlshabern, dem türkischen Serasker Ismail Pascha und dem Tatarenkhan Devlet II. Giray, liegen klare Weisungen vor, die schwedischen Befestigungen bei Bender zu stürmen, falls der Monarch den Abmarsch verweigert. 12. Februar: Im Handgemenge von Bender nehmen Janitscharen Karl XII. nach heftigem Widerstand fest, nachdem die meisten seiner Soldaten und Offiziere desertiert sind. Karl XII. wird zunächst zum Schloss Demotika und im April nach Adrianopel gebracht. Der wichtigste Streitpunkt mit Russland im Dritten Russischen Türkenkrieg fällt damit weg. 27. Juni: Sultan Ahmed III. bestätigt im Frieden von Adrianopel den Frieden vom Pruth. Das Osmanische Reich und Russland verpflichten sich, 25 Jahre lang die Waffen ruhen zu lassen. Devlet II. Giray, Khan der Krim-Tataren, wird abgesetzt und geht ins Exil nach Rhodos. Nachfolger wird Qaplan I. Giray.
Der Krieg im Ostseeraum
18. Januar: Schwedische Truppen unter Feldmarschall Magnus Stenbock beginnen im Großen Nordischen Krieg mit der Belagerung der praktisch unverteidigten Stadt Altona. Nach deren Eroberung erfolgt am 20. Januar die systematische Einäscherung der Stadt auf Anstiftung des Hamburger Gouverneurs Mauritz Vellingk. 959 Häuser und 274 Buden fallen der Feuersbrunst zum Opfer. Nur die drei Kirchen und etwa 30 Häuser bleiben verschont. Die Vorgangsweise wird später in ganz Europa verurteilt. Februar: Herzog Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf verletzt seine Neutralität und gewährt schwedischen Truppen Einkehr in die Festung Tönning. Dänisch-russisch-sächsische Einheiten unter Alexander Menschikow beginnen daraufhin mit der Belagerung von Tönning. Dänische Truppen besetzen überdies den gottorp’schen Anteil am Herzogtum Schleswig.
16. März: Der dänische König Friedrich IV. ernennt Christian Detlev von Reventlow zum neuen Präsidenten von Altona und beauftragt ihn am 18. März per Dekret mit dem Wiederaufbau der Stadt. Im April werden die ersten 100 Häuser aus Stein errichtet. 16. Mai: Die schwedischen Truppen unter Feldmarschall Magnus Stenbock, die im Februar in die Festung Tönning eingerückt sind, kapitulieren vor den dänischen Truppen. Die Belagerung der Stadt geht jedoch bis Februar 1714 weiter. 21. Mai: Ein russisches Geschwader unter Generaladmiral Fjodor Apraxin landet vor Helsingfors (Helsinki). Die schwedische Garnison zieht sich ohne Kampf zurück und brennt die Stadt nieder. 25. Mai: Die russische Galeerenflotte unter Generaladmiral Fjodor Apraxin besetzt Borgå (Finnland). Die schwedischen Truppen unter Generalleutnant Georg Lybecker geben die Stadt ohne Kampf auf. 4. Juli: Russische und sächsische Truppen besetzen die Insel Rügen. Anfang August: Russische und sächsische Einheiten beginnen mit der Belagerung von Stettin. 17. August: Ein russisches Kommando unter General Michail Golizyn und die Galeerenflotte unter Konteradmiral Iwan Botsis besetzen die Stadt Abo in Finnland. 29. September: Die Belagerung von Stettin endet mit der Kapitulation der schwedischen Besatzung und der Übergabe der Stadt an den preußischen König Friedrich Wilhelm. Die Garnison der schwedischen Festung Stettin unter dem Kommando von Infanteriegeneral Johan August Meijerfeldt der Ältere kapituliert vor der russischen Armee unter Prinz Alexander Danilowitsch Menschikow. 6. Oktober: Unter der Leitung des Holsteinischen Ministers Georg Heinrich von Görtz und des sächsischen Grafen Jacob Heinrich von Flemming schließt Preußen mit Russland, Sachsen-Polen und Dänemark-Norwegen den Vertrag von Schwedt. Dieser beinhaltet, dass König Friedrich Wilhelm I. seinen Bündnispartnern 400.000 Taler als Ersatz für die Kriegskosten zu zahlen hat. Dafür werden die Stadt Stettin, der vorpommersche Distrikt bis zur Peene, die Stadt Wolgast, die Insel Usedom sowie die Stadt Wollin unter preußische Sequestration gestellt. Außerdem übernimmt Preußen gemeinsam mit dem Haus Holstein-Gottorp die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die Schweden aus Pommern heraus keine Angriffe auf Polen oder Russland durchführen. Die Ländereien sollen so lange unter preußischer und holsteinischer Sequestration bleiben, bis Schweden die 400.000 Taler an Entschädigungen an Preußen zurückgezahlt hat. Danach sollen sie wieder der schwedischen Krone unterstehen. Nach Abschluss des Vertrages räumen die Schweden Stettin und ziehen sich nach Stralsund zurück. Diese Stadt sowie der vorpommersche Distrikt zwischen der Peene, Trebel und Recknitz sowie die Insel Rügen bleiben in schwedischer Hand. Die russischen Truppen ziehen ebenfalls aus Vorpommern ab.
17. Oktober: Die russische Armee unter Generaladmiral Fjodor Matwejewitsch Apraxin und General Michail Michailowitsch Golizyn besiegt die schwedische Armee unter General Carl Gustaf Armfeldt in der Schlacht von Pälkäne.
Spanischer Erbfolgekrieg / Queen Anne’s War
mini|hochkant|Asiento zwischen Spanien und England, 1713 Noch bevor Großbritannien mit Spanien in Friedensverhandlungen tritt, sichert es sich die Versorgung Spanisch-Amerikas mit afrikanischen Sklaven mittels eines Asiento de Negros mit 30-jähriger Laufzeit.
mini|links|Europa 1713 nach dem Friedensvertrag von Utrecht 11. März: Großbritannien und Frankreich schließen, protokolliert durch Johann Jacob Vitriarius, den Frieden von Utrecht. Er ist der wichtigste der Verträge zur Beendigung des Spanischen Erbfolgekriegs und beendet gleichzeitig die Kriegshandlungen in Queen Anne’s War in den nordamerikanischen Kolonien. Großbritannien erkennt Philipp V. als König von Spanien an. Im Gegenzug verpflichten sich Spanien und Frankreich, dass beide Länder niemals in einer bourbonischen Personalunion vereint würden. Die Besitzungen Spaniens werden geteilt. Das Hauptland und die Kolonien bleiben bei Philipp. Die so genannten Nebenlande gehen überwiegend an das Haus Österreich. Dies betrifft vor allem die Spanischen Niederlande, das Königreich Neapel und das Königreich Sardinien sowie das Herzogtum Mailand. Das Königreich Sizilien geht an Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen. Großbritannien erhält Gibraltar und Menorca. In Nordamerika erhält Britannien Akadien in den alten Grenzen, Neufundland, die Hudson-Bay-Region und die karibische Insel St. Kitts. Die Vereinigten Niederlande können sich zur Sicherung gegen weitere französische Angriffe eine Reihe von Barrièrefestungen in den spanischen Niederlanden sichern. Kaiser Karl VI. erkennt die Einigung wegen weiter gehender Ansprüche zunächst nicht an. 25. Juli: Spanisch-französische Truppen beginnen mit der Belagerung von Barcelona, nachdem die Stadt die Aufforderung zur Unterwerfung zurückgewiesen hat. Barcelona wird von katalanischen Truppen gehalten, die den Frieden von Utrecht nicht anerkennen und Philipp nicht als ihren König akzeptieren wollen. Ein Jahr lang wird die Stadt nur blockiert, weil die Spanier für einen Angriff zu schwach sind. Da sie auch zu wenige Schiffe haben, können über den Seeweg Nahrungsmittel in die Stadt gebracht werden. 20. August: Im Spanischen Erbfolgekrieg erobert der französische Feldherr Claude-Louis-Hector de Villars die Stadt Landau in der Pfalz und brandschatzt danach mit seiner Streitmacht in der Kurpfalz und in Baden.
Habsburgische Erblande
mini|Die Pragmatische Sanktion Karls VI. 19. April: Karl VI. bestimmt in seiner Pragmatischen Sanktion in Abkehr von der Lex Salica, dass beim Fehlen männlicher Nachkommen im Haus Habsburg weibliche erbberechtigt werden.
Preußen
Mit dem Tod seines Vaters Friedrich I. übernimmt König Friedrich Wilhelm I. am 25. Februar in Preußen und Brandenburg die Macht. Schon bei seinem Regierungsantritt teilt er seinen Ministern mit, er verlange „weder Rat noch Räsonnement, sondern Gehorsam“. Er bezeichnet es als Grundsatz für jeden Herrscher, dass er „seine Affären alle selber tun müsse“. Als erste Amtshandlung erklärt er den geltenden Etat seines Staates für nichtig. Um von den 20 Millionen Talern Staatsschulden seines Vaters herunterzukommen, sind Massenentlassungen und radikale Gehaltskürzungen im eigenen Hause die Folge. So gelingt es ihm, die Hofkosten von 276.000 auf 55.000 Taler zu reduzieren. Eine erste Vereinheitlichung der Finanzverwaltung folgt am 13. August, als die bis dato privaten königlichen Schatullgüter zu Domänengütern gemacht und der gesamte königliche Länderbesitz für unteilbar und unveräußerlich erklärt wird. Um feste planbare Einnahmen des Staates zu garantieren, verpachtet Friedrich Wilhelm diese an Bürger zur Bewirtschaftung. Weiters schafft der König ein zentrales Generalfinanzdirektorium für alle Domäneneinnahmen. Im gleichen Jahr beginnt Friedrich Wilhelm außerdem damit, die preußische Armee auszubauen.
Asien
mini|hochkant|Tokugawa Ietsugu April: Der dreijährige Tokugawa Ietsugu wird formal in sein Amt als 7. Shōgun der Edo-Zeit in Japan eingeführt. Er steht unter der Vormundschaft des Beraters Arai Hakuseki. Nach dem Tod von Kingkitsarat einigen sein jüngerer Bruder Inthasom und sein Cousin Ong Kham sich auf eine gemeinsame Herrschaft im Königreich Luang Prabang. Im südlichsten Teil des 1707 aufgeteilten Königreichs Lan Xang bildet sich das Königreich Champasak, dessen Gebiet für keines der beiden Nachfolgereiche Luang Prabang und Vientiane interessant erscheint. Der charismatische Mönch Phra Khru Phon Samet, der bis dahin als faktischer Herrscher fungiert hat, ruft Soi Sisamut zum König aus. Dieser stärkt den Buddhismus in seinem Reich. Farrukh Siyar besiegt und tötet seinen Onkel Jahandar Shah in der Schlacht bei Delhi und besteigt den Thron des Mogulreichs. Er macht Qamar ud-Din zum Gouverneur der Dekkan-Provinzen.
Wirtschaft
August: Johann Andreas Kraut gründet im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. das Königliche Lagerhaus, aus dem die Preußische Armee jederzeit seinen Bedarf decken kann. Christoph Gottfried Nicolai gründet in Berlin die Nicolaische Verlagsbuchhandlung. In Zweibrücken wird der Pfälzische Merkur gegründet.