zentriert|155px|Tod Moctezumas Der Azteken-Herrscher Moctezuma II. wird durch einen Steinwurf getötet. zentriert|185px|Exsurge Domine Mit der Bulle Exsurge Domine droht Papst Leo X. Luther den Bann an. zentriert|350px|Stockholmer Blutbad Das von König Christian II. initiierte Stockholmer Blutbad leitet das Ende der Kalmarer Union ein. 1520 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 968/969 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1512/13 Aztekischer Kalender 1. Rohre – Ce Acatl (bis Ende Januar/Anfang Februar: 13. Kaninchen – Matlactli omey Tochtli) Buddhistische Zeitrechnung 2063/64 (südlicher Buddhismus); 2062/63 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 70. (71.) Zyklus Jahr des Metall-Drachen 庚辰 (am Beginn des Jahres Erde-Hase 己卯) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 882/883 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 3853/54 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 898/899 Islamischer Kalender 926/927 (Jahreswechsel 11./12. Dezember) Jüdischer Kalender 5280/81 (12./13. September) Koptischer Kalender 1236/37 Malayalam-Kalender 695/696 Seleukidische Ära Babylon: 1830/31 (Jahreswechsel April) Syrien: 1831/32 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1576/77 (Jahreswechsel April)
Mit seinem Sieg über den schwedischen Reichsverweser Sten Sture den Jüngeren gelingt es König Christian II. von Dänemark und Norwegen im Jahr 1520 die Kalmarer Union erstmals seit fast einem Jahrhundert wieder unter einem Herrscher zu vereinen. Er steht damit am Höhepunkt seiner Macht. Als er jedoch im Stockholmer Blutbad zahlreiche frühere Gegner hinrichten lässt, fallen die schwedischen Landesfürsten, die sich ihm bereits angeschlossen haben, wieder von ihm ab und beginnen einen Aufstand unter Gustav Wasa.
mini|links|Verlauf des Aufstands der Comuneros 1520 bis 1522 Auch in Spanien beginnt ein Aufstand gegen König Karl I. Die Aufständischen vertreiben den Statthalter, setzen die Königsmutter gefangen und rufen die Santa Junta de las Comunidades aus. Zur gleichen Zeit stößt auch die Spanische Eroberung Mexikos auf heftigen Widerstand von Seiten der Azteken. Nach dem Tod des Aztekenherrschers Moctezuma II. müssen die Truppen des Hernán Cortés in der Noche Triste unter schweren Verlusten aus Tenochtitlan fliehen. Erst eine Pockenepidemie bricht den aztekischen Widerstand nachhaltig.
Papst Leo X. droht Martin Luther in seiner Bannandrohungsbulle Exsurge Domine mit der Exkommunikation. Luther antwortet darauf mit der aus 30 Thesen bestehenden Denkschrift Von der Freyheith eines Christenmenschen sowie mit der Verbrennung der päpstlichen Bulle.
Die Könige Heinrich VIII. von England und Franz I. von Frankreich versuchen sich bei einem extravaganten Treffen auf dem Camp du Drap d’Or anzunähern und Ferdinand Magellan erreicht nach der Durchfahrt der Magellanstraße den Pazifischen Ozean.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Kalmarer Union
mini|links|Der Tod von Sten Sture dem Jüngeren auf dem Eis des Mälaren, Historienbild von Carl Gustaf Hellqvist, 1880 Am 19. Januar schlägt König Christian II. von Dänemark und Norwegen in der Schlacht bei Bogesund den bisherigen schwedischen Reichsverweser Sten Sture den Jüngeren, der seinen Verletzungen am 3. Februar erliegt. Sten Stures Gattin Christina Gyllenstierna führt mit Unterstützung des schwedischen Adels den Widerstand fort, nach viermonatiger Belagerung Stockholms unterwerfen sie sich jedoch dem neuen König gegen Zusicherung einer vollen Amnestie.
Am 31. Mai trifft inzwischen Gustav Wasa, Anhänger Sten Stures und ehemalige Geisel Christians II., mit Lübecker Hilfe heimlich in der schwedischen Stadt Kalmar ein. Dort wird er freundlich aufgenommen, erhält aber keinerlei Unterstützung der schwedischen Adeligen, die sich großteils entschlossen haben, sich dem neuen König anzuschließen.
Christian II. wird am 4. November in Stockholm zum König gekrönt, womit die gesamte Kalmarer Union wieder unter einem Herrscher vereint ist. Am dritten Tag der Krönungsfeierlichkeiten wird ein geistliches Gericht eingerichtet und 55 ehemalige Gegner Christians, unter ihnen Joakim Brahe, Gustav Wasas Schwager, sowie Gustavs Vater und weitere Verwandte, werden unter der Anschuldigung der Ketzerei wegen der Absetzung des Erzbischofs Gustav Trolle angeklagt. Am 8. und 9. November werden sie und noch rund 30 weitere, die nicht angeklagt wurden, auf dem Marktplatz hingerichtet. Weibliche Mitglieder der Familien Sture und Wasa, wie Sten Stures Ehefrau Christina Gyllenstierna und Gustav Wasas Schwester Margaret Eriksdotter Wasa, werden verschleppt und im Blauen Turm in Kopenhagen eingesperrt. Das Stockholmer Blutbad leitet das Ende der Kalmarer Union ein. Die schwedischen Landesfürsten schicken ihre zwei besten Skiläufer auf den Weg, um Gustav Wasa, der sich schon auf dem Weg nach Norwegen befindet, zurückzuholen.
Osteuropa
Die seit Ende des Vorjahres geführten Verhandlungen zwischen dem Khanat der Krimtataren unter Mehmed I. Giray und König Sigismund I. von Polen, als Sigismund II. auch Großfürst von Litauen, werden am 25. Oktober erfolgreich abgeschlossen. Der Waffenstillstandsvertrag sieht im Bedarfsfalle gemeinsame militärische Aktionen gegen Moskau vor, das sich durch den Ausbau befestigter Anlagen an seiner Südgrenze (unter anderem wird der Kreml in Tula und der Tulaer Verhau im Frühjahr 1520 fertiggestellt) vor Überraschungsangriffen zu schützen sucht.
Heiliges Römisches Reich
Nachdem sie das Herzogtum Mecklenburg nach dem Tod ihres Vaters Magnus II. mehrere Jahre gemeinsam verwaltet haben, teilen Heinrich V. und Albrecht VII. das Land im Neubrandenburger Hausvertrag am 7. Mai untereinander auf. Das Herzogtum wird dabei immer noch als ein Ganzes angesehen. Die Teilung ist notwendig geworden, da die Brüder unterschiedliche Vorstellungen zur Behandlung der Reformation in ihrem Land haben.
mini|links|hochkant|Karl V. um 1520 (Gemälde von Bernard van Orley)
Der im Vorjahr gewählte Karl V. reist vom Kloster Molins de Rei bei Barcelona, wohin er sich vor der Pest geflüchtet hat, über England und die Niederlande ins Heilige Römische Reich. Er wird am 23. Oktober im Kaiserdom zu Aachen durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied zum römisch-deutschen König gekrönt und nennt sich anschließend König der Römer, erwählter römischer Kaiser, immer Augustus. Papst Leo X. willigt am 26. Oktober in das Führen dieses Titels ein.
Ulrich Zasius gestaltet das Freiburger Stadtrecht neu. Seine Verschmelzung von römischem und deutschem Recht ist bis ins 19. Jahrhundert Grundlage einer eigenständigen Ordnung des Rechts- und Gerichtswesens der Stadt Freiburg und gilt auch über Freiburg hinaus als Vorbild für andere Stadt- und Landrechte. In dem von ihm geschaffenen Stadtrecht werden Juden explizit diskriminiert. Sie dürfen in Rechtsangelegenheiten kein Zeugnis ablegen und mit Freiburger Bürgern keine Gemeinschaft haben. Diese wird mit zwei Silbermark und im Wiederholungsfall mit der Ausweisung des Bürgers bestraft.
Frankreich / England
König Heinrich VIII. von England und der deutsche König Karl V., der sich auf dem Weg zu seiner Krönung befindet (s. o.), treffen einander am 26. Mai in Dover. Der mit Frankreich rivalisierende Karl versucht Heinrich als Verbündeten zu gewinnen. Da ein solches Bündnis eine ernste Bedrohung für Frankreich darstellen würde, tritt die französische Diplomatie auf den Plan. Am 13. April kommt es vor dem englisch besetzten Calais zu einem Treffen zwischen Charles Somerset, 1. Earl of Worcester und Galiot de Genouillac, bei dem ein Treffen des französischen und des englischen Königs im Val d'Or zwischen dem englischen Guînes und dem französischen Ardres vereinbart wird.
mini|Field of the Cloth of Gold, James Basire, 1774, Stich nach einem zeitgenössischen Ölgemälde Am 5. Juni trifft Heinrich VIII. in Guînes ein, während der französische König Franz I. seine Residenz in Ardres bezieht. Zwei Tage später treffen König Heinrich VIII. von England und König Franz I. von Frankreich erstmals auf dem so genannten Camp du Drap d’Or/Field of the Cloth of Gold zusammen, um die Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern zu verbessern. Die Liste der Anwesenden, aufgeschrieben im Auftrag von Heinrich VIII., zählt allein rund 4000 Personen und 2000 Pferde als Begleiter des englischen Königs und circa 1100 Begleitpersonen und 770 Pferde auf Seiten der englischen Königin. Das Programm der folgenden Tage, bestehend aus inszenierten Turnieren und Banketten, lässt politische Handlungen nebensächlich werden. Auf dem Turnierplatz, der nach einer Skizze des englischen Königs errichtet worden ist, finden zwischen dem 11. und dem 22. Juni Turniere mit über 300 Teilnehmern statt. Am 24. Juni endet das prachtvolle Treffen mit einer Übergabe von Geschenken und dem Beschluss erneuter Treffen.
Camp du Drap d’Or gilt als eines der repräsentativsten und extravagantesten Herrschertreffen der Frühen Neuzeit, das zwischen Friedensbemühungen einerseits und beidseitiger Machtdemonstration andererseits steht. Die angestrebte Annäherung der beiden Herrscher wird damit jedoch nicht erreicht. Bereits am 14. Juli schließen Heinrich VIII. und Kaiser Karl V. einen Vertrag, in dem sie sich verpflichten, kein Bündnis mit Frankreich einzugehen.
Spanien
In Spanien beginnt am 16. April von Toledo ausgehend der Comuneros-Aufstand gegen König Karl I., der bis 1522 dauern wird. Die Aufständischen unter der Führung von Juan de Padilla vertreiben den königlichen Statthalter Adrian von Utrecht und rufen in Ávila die Santa Junta de las Comunidades ins Leben. Diese erklärt sich zur provisorischen Regierung Spaniens und den königlichen Rat Karls für abgesetzt. Die Aufständischen erobern Tordesillas und befreien die dort gefangengehaltene Königsmutter Johanna, die anschließend an der Versammlung der Cortes teilnimmt, sich allerdings weigert, jegliche Edikte zu unterschreiben. Angesichts einer sich abzeichnenden Radikalisierung der Bewegung, der sich mittlerweile auch die Bauern und die städtischen Unterschichten angeschlossen haben, ist allerdings manchen Adligen an einer Stabilisierung der Verhältnisse gelegen und sie bemühen sich um einen Ausgleich mit Karl, der in der Zwischenzeit zum militärischen Gegenangriff übergegangen ist.
Osmanisches Reich
mini|links|hochkant|Süleyman der Prächtige Der seit 1512 herrschende Selim I., Sultan des Osmanischen Reiches, stirbt am 21. September. Sein Nachfolger wird sein Sohn Süleyman I. der Prächtige, der bis 1566 regieren wird und unter dessen Herrschaft das Osmanische Reich endgültig zur Weltmacht aufsteigt.
Vermutlich im selben Jahr nimmt Süleyman I. seine ehemalige Sklavin Roxelane zu seiner vierten Ehefrau. Sie entwickelt sich schnell zu seiner Hauptfrau.
Mexiko
Pánfilo de Narváez erhält von Diego Velázquez de Cuéllar, dem Gouverneur der Insel Kuba, den Auftrag, Hernán Cortés in Mexiko zu verhaften und selbst das Kommando zu übernehmen. Am 20. April landet Narváez mit 19 Schiffen, über 1000 Männern und 60 Pferden bei Veracruz. Er sendet drei Botschafter in die von Cortés gegründete Siedlung, wo dessen Kommandant Gonzalo de Sandoval sie gefangen nehmen und nach Tenochtitlan bringen lässt.
mini|Die Verhaftung des Narváez (links unten im Bild) Als Cortés die Nachricht von der Landung der Truppen erhält, ernennt er Pedro de Alvarado zu seinem Stellvertreter in Tenochtitlan und bricht am 20. Mai mit 250 Mann nach Veracruz auf, wo er Narváez mit einem Überraschungsangriff besiegt und festnimmt. Anschließend überredet er dessen Soldaten, sich ihm anzuschließen und übernimmt von Narváez auch dessen Tross, der allerdings auf dem Weg nach Tenochtitlan zusammen mit einheimischen Verbündeten von Kriegern aus Texcoco bei Zultepec überfallen wird. In den folgenden Monaten werden die etwa 550 gefangenen Männer, Frauen und Kinder in Zultepec den Göttern geopfert.