zentriert|165px|Clarice Strozzi Clarice Strozzi, geb. Medici, vertreibt mit ihrem Mann Filippo die Medici aus Florenz. zentriert|175px|Atahualpa Atahualpa führt gegen seinen Halbbruder Huáscar einen Krieg um die Thronfolge im Inka-Reich. zentriert|350px|Charles von Bourbon fällt bei der Erstürmung Roms (Stich von Maarten van Heemskerck, 1527) Söldnertruppen Karls V. plündern Rom in der Sacco di Roma. 1527 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 975/976 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1519/20 Aztekischer Kalender 8. Kaninchen – Chicuei Tochtli (bis Ende Januar/Anfang Februar: 7. Haus – Chicome Calli) Buddhistische Zeitrechnung 2070/71 (südlicher Buddhismus); 2069/70 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 70. (71.) Zyklus Jahr des Feuer-Schweins 丁亥 (am Beginn des Jahres Feuer-Hund 丙戌) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 889/890 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 3860/61 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 905/906 Islamischer Kalender 933/934 (Jahreswechsel 26./27. September) Jüdischer Kalender 5287/88 (26./27. August) Koptischer Kalender 1243/44 Malayalam-Kalender 702/703 Seleukidische Ära Babylon: 1837/38 (Jahreswechsel April) Syrien: 1838/39 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1583/84 (Jahreswechsel April)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Italienische Kriege

Die wegen des ungültig gewordenen Vertrages von Madrid nicht erlangten Herzogtümer Oberitaliens, deren Reichtum zur Finanzierung der Söldnerarmee nötig gewesen wäre, der Wechsel des englischen Königs Heinrich VIII. von Karls Allianz auf die Seite der Liga von Cognac, der religiöse Konflikt innerhalb Deutschlands sowie der jahrelange Kampf der deutschen Landsknechte gegen einen Papst, den sie niemals direkt attackieren dürfen, sorgt für großen Unmut bei den Truppen Karls V. in Norditalien. Sie sind seit der Schlacht von Pavia vor zwei Jahren nicht mehr regelmäßig bezahlt worden, haben keinerlei Verstärkung erhalten und müssen sich selbst versorgen.

Die brisante Lage entlädt sich im März im Feldlager bei Bologna in einem Söldneraufstand, bei dem der Anführer der deutschen Landsknechte, Georg von Frundsberg, beim Versuch, seine Truppe zu beschwichtigen, einen Schlaganfall erleidet. Die nun von Charles III. de Bourbon-Montpensier angeführten, aber in keiner Weise gezügelten Truppen marschieren zuerst auf Florenz und belagern die Stadt. In den umliegenden Ländereien gibt es zu Beginn des Jahres jedoch nicht genügend Nahrungsmittel, sodass sich die Situation der Belagerer laufend verschlechtert. Am 16. März verweigern die Söldner ihren Truppenführern jeglichen Gehorsam und beschließen, sich an Papst Clemens VII. zu rächen, den sie für ihre Lage verantwortlich machen. Sie lassen das schwere Belagerungsgerät vor den Toren von Florenz zurück und marschieren auf Rom. Am 4. Mai erreichen die Landsknechte die Stadt.

6. Mai: Der Sacco di Roma, die Plünderung Roms durch die Söldnertruppen Karls V., der das Ende der italienischen Renaissance einläutet, beginnt mit der Einnahme des Borgo. Charles de Bourbon kommt bei dem Angriff ums Leben, angeblich durch eine Kugel Benvenuto Cellinis. Clemens VII. flieht vom Petersdom durch den Passetto di Borgo in die Engelsburg. 147 Mann der den Papst verteidigenden Päpstliche Schweizergarde fallen auf dem Petersplatz. Am nächsten Tag wird zunächst der Trastevere und dann das restliche Rom von den Söldnern eingenommen. Ohne einen von allen Truppen anerkannten Anführer gerät die kriegsübliche dreitägige Plünderung außer Kontrolle, und die Truppen rauben, vergewaltigen, foltern und töten nach Belieben. Dabei werden auch Anhänger Karls V. nicht verschont. Kirchen, Paläste und Krankenhäuser sowie der Vatikan werden geplündert und in Brand gesetzt. Zum Teil kommt es zu Kämpfen zwischen den eigentlich verbündeten Deutschen, Spaniern und papstfeindlichen Italienern um die Beute.

7. Juni: Clemens VII. kapituliert nach mehrwöchiger Belagerung der Engelsburg. Er muss die Festungen Ostia, Civitavecchia und Civita Castellana übergeben, auf die Städte Modena, Parma und Piacenza verzichten und 400.000 Dukaten sowie Lösegeld für die Befreiung der Gefangenen zahlen. Die kaiserliche Armee verbleibt dennoch vorerst in Rom, zusammengehalten auch durch die Armee der Liga im Norden. Mehrfache Aufforderungen, sich in die Lombardei zurückzuziehen, werden nicht befolgt. In den Sommermonaten reduzieren Seuchen sowohl die Bevölkerung Roms als auch die Besatzer ungefähr um die Hälfte. Erst am 6. Dezember wird die Belagerung der Engelsburg aufgehoben, und Clemens VII. zieht nach Orvieto.

Florenz

16./17. Mai: Filippo Strozzi der Jüngere vertreibt unter tatkräftiger Mithilfe seiner Frau Clarice, geborene de’ Medici, die Medici ein zweites Mal aus Florenz und errichtet neuerlich eine Republik. Ippolito und Alessandro de’ Medici sowie Kardinal Silvio Passerini als ihr Vormund verlassen die Stadt und gehen nach Lucca.

Böhmen/Ungarn/Kroatien

miniatur|links|hochkant|Erzherzog Ferdinand um 1530 1. Januar: Mit der Charta von Cetingrad wählt der kroatische Sabor den österreichischen Erzherzog Ferdinand I. aus dem Haus Habsburg zum König von Kroatien als Nachfolger des im Vorjahr kinderlos gefallenen kroatisch-ungarischen Königs Ludwig II. Jagiello.

24. Februar: Ferdinand I. aus dem Hause Habsburg wird als König von Böhmen gekrönt. Im Sommer führt er seinen Krönungsfeldzug nach Ungarn gegen Johann Zápolya.

Amerika und Pazifik

22. November: Im Zuge der Eroberung Guatemalas durch die Truppen Pedro de Alvarados wird die Hauptstadt nach Santiago de los Caballeros de Goathemala in der Nähe des späteren Antigua Guatemala verlegt. Der Spanier Juan Gaetano soll als erster Europäer auf Hawaii gelandet sein.

um 1527: Der Inkaherrscher Huayna Cápac stirbt ebenso wie ein Großteil seiner Truppen an den von den spanischen Konquistadoren eingeschleppten Pocken. Entgegen seinem Wunsch, dass das Inkareich nach seinem Tod aufgeteilt werden soll, kommt es zwischen seinen Söhnen zu einem Erbfolgekrieg: Huáscar nimmt seinen Halbbruder Atahualpa gefangen. Der darauf folgende jahrelange Kampf schwächt das Reich und begünstigt die spätere spanische Eroberung Perus.

Asien

Am 22. Juni zerstören muslimische Truppen aus dem Königreich Demak unter ihrem Prinzen Fatahillah die Stadt Sunda Kelapa, den größten Hafen des hinduistischen Pajajaran-Reichs, das von portugiesischen Einheiten unterstützt wird. Anschließend errichtet Fatahillah an gleicher Stelle eine neue Stadt, die in Anspielung an den doppelten Sieg über die Streitkräfte der Portugiesen und des Königreiches Pajajaran den Namen Jayakarta (Großer Sieg) erhält.

Wirtschaft

Am 29. April verleihen Herzog Johann III., der Friedfertige, und Herzogin Maria von Jülich, Kleve und Berg den Barmern und Elberfeldern das Privileg der „Garnnahrung“, das heißt das Monopol zu bleichen und zu zwirnen, laut dem nirgend in herzoglichen Landen gebleicht und gezwirnt werden darf als in Barmen und Elberfeld (beide heute zu Wuppertal).

Zur Verwaltung der königlichen böhmischen Finanzen wird die Böhmische Kammer gegründet.

Wissenschaft und Technik

1. Juli: Landgraf Philipp I. von Hessen gründet in Marburg die Alma Mater Philippina. Gleichzeitig wird auch das Gymnasium Philippinum als protestantisches Pädagogium eingerichtet.

Kultur

12. Dezember: Der Niederländer Adrian Willaert tritt sein Amt als Domkapellmeister zu San Marco in Venedig an. In Straßburg erscheint auf einem Liedblatt das deutschsprachige Kirchenlied Im Frieden dein, o Herre mein des Reformators Johannes Anglicus auf der Grundlage des biblischen Nunc dimittis. Die Melodie stammt vermutlich von Wolfgang Dachstein. Hans Holbein der Jüngere fertigt das Porträt des Thomas Morus.

miniatur|Das Rathaus von Marburg 1526/27: Das Marburger Rathaus wird nach 15-jähriger Bauzeit fertiggestellt.

Gesellschaft und Sport

2. Juni: Das Turnier von Torgau aus Anlass der Hochzeitsfeierlichkeiten und speziell der Heimfahrt des sächsischen Kurprinzen Johann Friedrich I. von Sachsen mit Sybille von Jülich-Kleve-Berg beginnt. Es wird vom Vater des Bräutigams, dem sächsischen Kurfürsten Johann dem Beständigen, in dessen Residenzstadt Torgau mit Gesellenstechen und Nachturnier über mehrere Tage öffentlich ausgetragen und ist Teil von dessen Festkultur, die zu wesentlichen Teilen spätmittelalterliche Gestaltungsformen beinhaltet. Mit den Statuten von Galway wird das 1366 in den Kilkenny-Statuten ausgesprochene Verbot des Hurling in Irland erneuert. Duncan Campbell sichtet angeblich ein Ungeheuer im Loch Ness.

Religion Die Täuferbewegung

miniatur|links|Felix Manz wird in der Limmat ertränkt, Darstellung aus dem 17. Jh. 5. Januar: Felix Manz wird wegen seines aufrührerischen Wesens, seiner Zusammenrottung gegen die Obrigkeit und weil er gegen die christliche Regierung und die bürgerliche Einheit gehandelt hat als erster Märtyrer der Zürcher Täuferbewegung in der Limmat ertränkt. 8. Februar: Georg Wagner, genannt Carpentarius, wird als erster Märtyrer der Täuferbewegung außerhalb der Schweiz in München auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Der Fall erregt vor allem wegen Wagners Standhaftigkeit trotz grausamer Folter und seiner großen Gefasstheit auf dem Weg zum Richtplatz und selbst noch bei der Hinrichtung Aufsehen.

miniatur|Titelseite der Schleitheimer Artikel 24. Februar: Auf einer Zusammenkunft der Schweizer Brüder werden in Schleitheim die von Michael Sattler ausgearbeiteten Schleitheimer Artikel angenommen. Für viele Täufer, insbesondere die Hutterer und Mennoniten, bilden die Artikel bis in die Gegenwart hinein eine wichtige Bekenntnisgrundlage ihrer Lehre.

miniatur|links|Gedenkstein für das Ehepaar Sattler in Rottenburg am Neckar 21. Mai: Michael Sattler wird wegen Ketzerei in Rottenburg am Neckar hingerichtet. Wenige Tage später wird auch seine Ehefrau Margarete im Neckar ertränkt. Vom 20. bis 24. August findet in Augsburg eine Zusammenkunft von rund 60 Täuferführern aus dem süddeutschen Raum statt mit dem Ziel, eine Übereinkunft zwischen den Anhängern der Schleitheimer Artikel und den radikal-apokalyptischen Täufern um Hans Hut zu finden. Hut lehnt es zwar ab, seine Prophezeiungen zurückzunehmen, verspricht jedoch, fürderhin sie nicht öffentlich zu lehren sondern sie nur noch denen mitzuteilen, die privat dieses selbst herzlich begehren. Da viele Teilnehmer dieser Synode in den nächsten Jahren den Märtyrertod erleiden, wird das Treffen später unter dem Namen Augsburger Märtyrersynode bekannt.

Weitere Ereignisse im Zuge der Reformation

10. Mai: In Meersburg findet der Prozess gegen den evangelisch gesinnten Frühmessner (Pfarrer) Johann Hüglin und dessen anschließende Hinrichtung statt. Hüglin wird heute als Märtyrer im Evangelischen Namenkalender der Evangelischen Kirche in Deutschland geführt. Oktober: Das Franziskanerkloster Marburg wird ebenso wie zahlreiche andere Klöster im Zuge der Reformation vom hessischen Landtag aufgehoben.

miniatur|hochkant|Das naw testament, 1527 Hieronymus Emser bringt eine Übersetzung des Neuen Testaments heraus. Es handelt sich um eine Gegenübersetzung zur Bibelübersetzung Martin Luthers, dem er Übersetzungslügen vorwirft.

Historische Karten und Ansichten miniatur|zentriert|Das Hochstift Basel 1527

Geboren Geburtsdatum gesichert

28. Januar: Paul Dumerich, deutscher Pädagoge und Professor († 1583) 4. März: Ludwig Lavater, Schweizer reformierter Theologe, Antistes der Zürcher Kirche († 1586) 5. März: Ulrich, Herzog zu Mecklenburg und Administrator des Bistums Schwerin († 1603) 10. März: Alfonso d’Este di Montecchio, Markgraf von Montecchio († 1587) 29. März: Zaccaria Dolfin, venezianisch-österreichischer Kardinal († 1583) 14. April: Abraham Ortelius, niederländischer Geograph und Kartograph († 1598)

miniatur|hochkant|Philipp II. als Kronprinz, Gemälde von Tizian 21. Mai: Philipp II., König von Spanien und als Philipp I. König von Portugal († 1598)