zentriert|148px|Botticelli Sandro Botticellistirbt in Florenz. zentriert|192px|Jakob Fugger Jakob Fugger wird alleiniger Inhaber des Bankhauses Fugger. zentriert|350px|Markgrafentafel Hans Baldung vollendet die Markgrafentafel. 1510 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 958/959 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1502/03 Aztekischer Kalender 4. Haus – Nahui Calli (bis Ende Januar/Anfang Februar: 3. Feuerstein – Jei Tecpatl) Buddhistische Zeitrechnung 2053/54 (südlicher Buddhismus); 2052/53 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 70. (71.) Zyklus Jahr des Metall-Pferdes 庚午 (am Beginn des Jahres Erde-Schlange 己巳) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 872/873 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 3843/44 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 888/889 Islamischer Kalender 915/916 (Jahreswechsel 9./10. April) Jüdischer Kalender 5270/71 (4./5. September) Koptischer Kalender 1226/27 Malayalam-Kalender 685/686 Seleukidische Ära Babylon: 1820/21 (Jahreswechsel April) Syrien: 1821/22 (Jahreswechsel Oktober) Spanische Ära 1548 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1566/67 (Jahreswechsel April)

Im Jahr 1510 nutzt Portugal seine im Vorjahr in der Seeschlacht von Diu gewonnenen Seeherrschaft im Indischen Ozean zur Eroberung der Stadt Goa in Indien, was nach einem kurzen Rückschlag zur Konsolidierung von Portugiesisch-Indien führt.

In Europa zerbricht die gegen die Republik Venedig gerichtete Liga von Cambrai, nachdem Venedig mit diplomatischem Geschick Frankreich unter König Ludwig XII. isolieren konnte.

In Erfurt kommt es zu neuerlichen Unruhen zwischen Studenten und Handwerkern der Stadt und in Brandenburg werden 38 Juden wegen angeblicher Hostienschändung verbrannt. Hamburg wird freie Reichsstadt und die Nordseeküste ist gleich von mehreren Sturmfluten betroffen, die umso schwereren Schaden anrichten, weil die Deiche schon nach den letztjährigen Überschwemmungen nur notdürftig geflickt sind.

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen

Heiliges Römisches Reich

Italienische Kriege / Liga von Cambrai

mini|links|Venedig um 1500, Jacopo de’ Barbari

Nach militärischen Niederlagen kann der neue venezianische Armeekommandant Andrea Gritti die Front gegen Ludwig XII. von Frankreich stabilisieren. Gleichzeitig gelingt es der Republik Venedig durch erfolgreiche diplomatische Verhandlungen mit seinen Gegnern, die sehr unterschiedliche Ziele verfolgen, und gegen kleinere Gebietsabtretungen einen Frieden mit Kaiser Maximilian I. und Ferdinand II. von Aragón zu schließen, und Frankreich damit zu isolieren. Papst Julius II. hebt am 24. Februar den gegen die Stadt verhängten Kirchenbann wieder auf. Damit endet nach etwas über einem Jahr das Bündnis der Liga von Cambrai gegen die Seerepublik.

Antonio Grimani, im Jahr 1499 wegen Hochverrats aus Venedig verbannt, darf nach mehr als zehn Jahren und großzügigen Zahlungen seiner Familie wieder in seine Heimatstadt zurückkehren. Er erhält das Amt eines Procuratore di sopra und betätigt sich als großzügiger Mäzen. Grimani beteiligt sich an den Kosten für den Bau der alten Prokuratien und lässt das durch ein Erdbeben zerstörte Dach des Campanile wiederherstellen, für das er die vergoldete Figur des Erzengels Gabriel auf der Spitze stiftet.

Reichstag zu Augsburg

Auf dem Reichstag zu Augsburg, abgehalten im Stadtpalast des Bankiers Jakob Fugger, wird Hamburg zur freien und unmittelbaren Reichsstadt erklärt. Dänemark erkennt diese Erklärung nicht an.

Sonstige Ereignisse im Reich

Judenverfolgung in Brandenburg

mini|links|hochkant|Scheiterhaufen vor den Toren Berlins (aus dem Sumarius von 1511)

Anfang des Jahres werden in der Kirche des havelländischen Dorfes Knoblauch eine vergoldete Monstranz und zwei geweihte Hostien gestohlen. Der Dieb, der christliche Kesselflicker Paul Fromm aus Bernau, erklärt unter der Folter, er habe eine der Hostien an einen Juden in Spandau verkauft. Das löst eine Reihe von Beschuldigungen, Verfolgungen und Festnahmen von Juden in vielen märkischen Städten aus. An die 100 der Festgenommenen, darunter die Angesehensten der Gemeinden, werden zu weiteren Untersuchungen in die Residenzstadt Berlin verbracht und dort vor ein Gericht gestellt. Nach der Verkündung des Urteils am 19. Juli auf dem Neuen Markt vor der Marienkirche werden 38 Juden auf einem mehrstöckigen Scheiterhaufen an der Richtstätte vor dem Georgentor wegen angeblicher Hostienschändung verbrannt, mindestens zwei weitere, die sich zwischenzeitlich taufen ließen, enthauptet. Auch der diebische Kesselflicker wird hingerichtet. In der Folge werden die Juden aus der Mark Brandenburg vertrieben. Das hat für den Landesherren und auch die Bürger den Vorteil, dass Schulden bei jüdischen Kaufleuten oder Bankiers nicht getilgt werden müssen. Juden dürfen sich erst 1539 wieder in Berlin ansiedeln.

Erfurter Studentenhitze

mini|hochkant|Zeitgenössisches Flugblatt zur Erfurter Revolte

In Erfurt kommt es nach dem Sturz und der Hinrichtung des Ratsherren Heinrich Keller und der Flucht weiterer Ratsherren im Vorjahr neuerlich zu Unruhen. Anlass dafür ist die in der Stadt ansässige Universität. Die um 1500 in Erfurt lehrenden Humanisten ziehen Studenten aus allen Teilen Europas an, was die Universität Erfurt zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor macht. Die oft aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Studenten paktieren jedoch offen mit den im Vorjahr vertriebenen Ratsherren und stellen oft provozierend ihren Reichtum zur Schau. Sie lösen dadurch eine zweite Welle von Gewalttaten aus, die als Erfurter Studentenhitze in der Stadtchronik Einzug findet. Das Erfurter Collegium Maius und andere Universitätsgebäude werden von den Handwerkern gestürmt und beschädigt, viele Studenten verlassen in der Folge Erfurt. Noch bis 1514 gärt es in der Stadt zwischen dem Rat und den Zünften, der Ruf Erfurts ist durch die Ereignisse nachhaltig ruiniert. Weiters kommt es in den nächsten Jahren zu einem langandauernden Handelskrieg mit den sächsischen Herzögen, der auch langfristige negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Stadt hat. Auch Martin Luther, der zu diesem Zeitpunkt im Augustinerkloster lebt und predigt, wird Augenzeuge der Ereignisse.

Portugiesisches Weltreich

Portugiesisch-Indien

mini|links|hochkant|Francisco de Almeida

Am 1. März kommt der ehemalige Vizekönig von Portugiesisch-Indien, Francisco de Almeida, bei einem Scharmützel mit Einheimischen an der Küste der Tafelbucht am Kap der Guten Hoffnung ums Leben. Zu den Auseinandersetzungen kommt es, nachdem die Portugiesen versucht haben, den Angehörigen der Khoikhoi Vieh für die Frischfleischversorgung an Bord zu stehlen. Der Zwischenfall führt dazu, dass portugiesische Schiffe es ab diesem Zeitpunkt vermeiden, am Kap der Guten Hoffnung an Land zu gehen.

mini|hochkant|Afonso de Albuquerque

Unter Almeidas Nachfolger, Gouverneur Afonso de Albuquerque dehnen die Portugiesen ihr Kolonialreich in Indien aus. Sie greifen im Frühjahr das von der Dynastie der Adil Shahi regierte Sultanat Bijapur an und erobern Goa. Das Sultanat, das zur gleichen Zeit mit einem Krieg gegen das Hindu-Reich Vijayanagar und das nördliche Nachbarsultanat Ahmadnagar konfrontiert ist, kann den Ort im August zwar kurzfristig zurückerobern, am 25. November gelingt den Portugiesen aber die endgültige Einnahme der Städte Goa und Panaji. Goa wird ab diesem Zeitpunkt Hauptstadt der Kolonie Portugiesisch-Indien, von wo nicht nur der Seehandel nach Südostasien und Europa gesteuert wird, sondern auch die christliche Missionierung ihren Ausgang nimmt.

Brasilien

Überlebende eines in Schiffbruch geratenen französischen Schiffes besiedeln erstmals die Gegend um das heutige Salvador da Bahia in Brasilien. Unter ihnen befindet sich auch der Portugiese Diogo Álvares Correia, der vom örtlichen Stamm der Tupinambá, den er mit seinen Schießkünsten beeindruckt, den Namen Caramuru (Neunauge) erhält.

Portugal

Die portugiesischen Orte Aljustrel und Castro Verde erhalten das Stadtrecht.

Spanien und seine Kolonien

Pedro Navarro erobert die Stadt Tripolis in Nordafrika für Spanien. Spanische Truppen erobern Algier und Bejaia in Nordafrika. Der Gouverneur von Veragua, Diego de Nicuesa, gründet die Stadt Nombre de Dios im heutigen Panama. Der atlantische Sklavenhandel beginnt. Das erste Schiff mit 50 schwarzen Sklaven segelt von einer portugiesischen Handelsfaktorei in Westafrika nach Hispaniola.

Nord- und Osteuropa

Der Dänisch-Hanseatische Krieg zwischen Lübeck und den Wendischen Städten der Hanse einerseits und dem Hauptgegner Dänemark unter Admiral Jens Holgersen Ulfstand beginnt im April mit der offiziellen Kriegserklärung der Hanse an Dänemark. Die Hanseflotte plündert im Juli Bornholm erneut und vereint mit einem schwedischen Geschwader wird im Anschluss die Küste Schonens verheert. Die Lübecker plündern und zerstören im gleichen Jahr zwar auch Nakskov, wo sich eine wichtige dänische Kriegswerft befindet, ihre Flotte wird aber vor Nakskov vom dänischen Admiral Henrik Krummedike geschlagen. Dänische Gegenangriffe auf Travemünde und Warnemünde scheitern allerdings unter hohen Verlusten.

Republik Pskow: Pskow wird vom Großfürstentum Moskau unter Wassili III. unterworfen. Damit endet die Tradition des Wetsche in Russland.

Asien

mini|Schah Ismail I. in der Schlacht gegen die Usbeken

29. November oder 1. Dezember: Der persische Schah Ismail I. aus der Dynastie der Safawiden besiegt den Usbeken-Khanat unter Mohammed Scheibani, aus dessen Schädel eine Trinkschale gemacht wird. Mingyinyo begründet die Taungu-Dynastie im heutigen Myanmar.

Wirtschaft

Spätestens 1510 übernimmt Jakob Fugger die autokratische Leitung des überwiegend in der Montanwirtschaft tätigen Augsburger Handelshauses Fugger von der Lilie. Das Unternehmen gründet im selben Jahr eine Faktorei in Hall.

Wissenschaft und Technik

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim verfasst sein dreibändiges Buch De Occulta Philosophia über die bekannte Magie des Abendlandes. Der auch an Mineralogie interessierte Universalgelehrte ist gleichzeitig Bergrat für die Stadt Köln.

Kultur

Kultur Cinquecento in Italien Renaissance Hochrenaissance in Italien Frührenaissance im deutschsprachigen Raum Spätgotik Manuelinik in Portugal Isabellinischer Stil und Plateresker Stil in Spanien

Architektur

Dem Markusturm in Venedig wird die Turmspitze aufgesetzt.

Ab 1510 werden die Bauarbeiten am Kölner Dom sukzessive eingestellt. Für die nächsten mehr als 300 Jahre bestimmt der unfertige Dom die Silhouette der Stadt.

Bildende Kunst

mini|links|Schlummernde Venus von Giorgione

Der italienische Renaissancemaler Giorgione vollendet mit der Schlummernden Venus eines seiner letzten Werke.

Der deutsche Maler Hans Baldung vollendet die Markgrafentafel, die neben Anna selbdritt unter anderem auch den Stifter des Bilds, Markgraf Christoph I. von Baden, zeigt.

mini|hochkant|Laubwald mit dem Heiligen Georg

Der deutsche Renaissancemaler, Kupferstecher und Baumeister Albrecht Altdorfer stellt das Ölgemälde Laubwald mit dem Heiligen Georg fertig. Das mit Ölfarbe auf Pergament gemalte und auf Lindenholz aufgezogene Bild zeigt eine Szene aus der Drachentöterlegende des Heiligen Georg.

Der Florentiner Maler Ridolfo Ghirlandaio fertigt in Öl auf Holz das Gemälde Anbetung durch die Hirten.

Literatur

mini|links|hochkant|Bettlerfamilie auf dem Weg zur Stadt, Titelholzschnitt des Liber vagatorum

In Pforzheim wird erstmals der Liber vagatorum herausgegeben. Das dreiteilige Büchlein, dessen Urheber unbekannt ist, bildet eine Zusammenschau der „Bettlertypen“ und ihrer „Arbeitsweise“ in der frühen Neuzeit.

Aus privatem Interesse – ohne behördlichen Auftrag – beginnt Werner Schodoler mit der Arbeit an der Eidgenössischen Chronik, einer bedeutenden Schweizer Bilderchronik.

mini|hochkant|Weingartener Stifterbüchlein, Widmungsblatt für Kaiser Maximilian I.