Der T-34 (von für Panzer) war ein mittlerer Panzer aus sowjetischer Produktion. Er wurde von 1940 bis 1958 gebaut und von der Roten Armee hauptsächlich im Deutsch-Sowjetischen Krieg eingesetzt. Der T-34 gilt als bekanntester sowjetischer Panzer des Krieges. Seine einfache Bauweise ermöglichte dessen Massenproduktion. Er war mit über 50.000 Exemplaren der meistgebaute Panzer des Zweiten Weltkrieges und mit insgesamt über 80.000 einer der meistgebauten Panzer überhaupt.
Der T-34 war zur Zeit des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 den deutschen Panzern der Typen III und IV weit überlegen.Das Elend der deutschen Panzer war ihre Qualität. In: Die Welt. 29. Juli 2012. In der Panzerschlacht bei Mzensk (Oktober 1941) konnte er seine Überlegenheit erstmals deutlich ausspielen. Von Nachteil waren einige erhebliche taktische Defizite der Konstruktion, wie beispielsweise das Fehlen eines fünften Besatzungsmitgliedes in Person eines Richtschützen oder anfangs das Fehlen von Funkgeräten. Ab 1942/43 vermochten die Deutschen mit dem kampfwertgesteigerten Panzer IV, dem Panther und dem Tiger ihrerseits an Kampfkraft überlegene Panzer ins Feld zu führen, worauf die Sowjets ab 1944 den Panzer zum T-34/85 mit stärkerer Kanone aufwerteten. Die enorme Überzahl der T-34 trug maßgeblich zum Sieg der Roten Armee bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der T-34 in zahlreiche Staaten exportiert und in mehreren anderen Kriegen eingesetzt, vor allem im Koreakrieg und im Nahen Osten.
Entwicklung Der T-34 ist eine Weiterentwicklung der älteren BT-Serie. Er basiert auf dem von John Walter Christie entwickelten und nach ihm benannten Christie-Laufwerk. Der Panzer ging aus den Projekten A-20, A-30 und A-32 hervor. Der A-20 hatte noch je vier Laufrollen pro Seite wie die BT-Panzer, beim A-32 wurden erstmals fünf Laufrollen verwendet. Nach einigen Tests zeigte sich, dass der A-32 noch mehr Gewicht tragen konnte. Die Panzerung wurde von 30 auf 45 mm verstärkt. Aufgrund der angespannten außenpolitischen Lage der Sowjetunion wurden die Änderungen angenommen und sofort die Bereitstellung von 200 Panzern gefordert, bevor ein Prototyp existierte.
Darüber, wie der T-34 zu seinem Namen kam, gibt es verschiedene Versionen. Eine davon lautet, dass Chefkonstrukteur Michail Koschkin den Mut aufbrachte, Verteidigungskommissar Kliment Woroschilow zu erklären, dass der Panzer nicht nach ihm, sondern „nach der traditionellen Methode“ benannt werden solle. Er stellte sich den Namen T-34 vor: T für Tank und die 34 für das Jahr 1934, in dem die Verstärkung der Panzertruppe gefordert worden war. Der russisch-kanadische Militärhistoriker Peter Samsonov schreibt dagegen, dass die 34 einfach der nächste freie Index für Prototypen der Fabrik war, die Nr. 33 gehörte zu einem Halbkettenfahrzeug auf Basis des SIS-5.Peter Samsonov: Designing the T-34. Gallantry Books, Horncastle 2019, S. 34 (englisch).
Nachdem die im Januar 1940 fertiggestellten Prototypen erfolgreich ausgiebigen Tests unterzogen worden waren und als die Konstruktionspläne fertig waren, begann die Serienproduktion. Koschkin starb bereits 1940 an einer Lungenentzündung, nachdem er als Testfahrer für die Endabnahme des T-34 Langstreckenfahrten bei eisiger Witterung unternommen hatte. Die Entwicklungsarbeiten leitete von da an Koschkins Stellvertreter, Alexander Morosow, der zuvor für Motor und Antriebsstrang des Projektes verantwortlich war.
T-34 Die heute allgemein als T-34/76 bezeichneten Modellvarianten des T-34 hießen ursprünglich nur T-34, M19xx. Erst nach dem Erscheinen des T-34/85 wurden sie als T-34/76 bezeichnet. Die ersten 117 Vorserienfahrzeuge baute 1940 das Charkower Lokomotivwerk „Komintern“. 1941 begann die Stalingrader Traktorenfabrik „Dserschinski“ (Сталинградский тракторный завод (СТЗ) имени Ф. Э. Дзержинского) mit der Serienproduktion und stellte 40 Prozent aller T-34 her, bis das Werk im September 1942 mit Beginn der Schlacht von Stalingrad ausfiel. Im Sommer 1941 lief die T-34-Fertigung auch im Tscheljabinsker Traktorenwerk (ab Oktober 1941: Tscheljabinsker Traktorenwerk „Stalin“ – Челябинский тракторный завод им. И. В. Сталина) und dem Maschinenbaukomplex „Krasnoje Sormowo“ (Красное Сормово) in Gorki an. Kurz vor der deutschen Besetzung Charkows im Oktober 1941 wurde das „Komintern“-Lokomotivwerk nach Nischni Tagil verlegt und dort mit der Ural-Waggonfabrik () zum Ural-Panzerwerk „Stalin“ vereinigt, das insgesamt über 25 000 T-34 auslieferte. Ein weiterer großer Hersteller war Uralmasch (Уральский Машиностроительный Завод) im damaligen Swerdlowsk.
Seine Hauptverwendung fand der T-34 zunächst als Kompanie- und Zugführungspanzer für die in sehr großer Zahl vorhandenen leichten BT-Modelle und T-26. Er wurde zunächst nicht in geschlossenen Verbänden verwendet. Dies erleichterte es dem deutschen Gegner, trotz seines Mangels an geeigneter Panzerabwehr, die einzeln eingesetzten Fahrzeuge zu isolieren und abzuschießen. Technisch war der Schwachpunkt der frühen Versionen das Getriebe, durch dessen Defekte mehr Fahrzeuge verloren gingen als durch Feindeinwirkung. Im Gegensatz zu den deutschen Panzern hatte der T-34 nur vier Mann Besatzung, wobei der Kommandant gleichzeitig als Richtschütze fungieren musste, was den Überblick im Gefecht erschwerte. Hinzu kamen unausgereifte Zielfernrohre und mangelnde Führungsmittel, wie zum Beispiel das anfänglich meist fehlende Funkgerät – zunächst verfügten nur die Kompanieführerpanzer über eines. Erst mit dem Modell 43 stand eine Kommandantenluke zur Verfügung.
Trotzdem wurden schnell die überlegenen Fähigkeiten des Panzers deutlich, vor allem hinsichtlich Mobilität und Panzerschutz. Die deutsche 3,7-cm-Pak konnte der Panzerung des T-34 – abgesehen von Glückstreffern in den Turmdrehkranz – nichts anhaben und wurde deshalb in der Truppe auch sarkastisch als „Heeresanklopfgerät“ bezeichnet. Die 5-cm-KwK L/42 des Panzers III konnte dem T-34 nur an den Seiten und am Heck gefährlich werden. Erst die 7,5-cm-PaK 40 stellte eine wirkungsvolle Abwehrwaffe dar. Auch mit der 8,8-cm-Flak, die als improvisierte PaK zum Einsatz kam, ließ sich der T-34 effektiv bekämpfen. Der im Frühjahr 1942 erschienene Panzer IV F2 konnte mit seiner langen 7,5-cm-Kanone vom Typ KwK 40 L/43 zwar das Gleichgewicht bei der Bewaffnung wiederherstellen, war dem T-34 in Bezug auf Panzerung und Mobilität aber weiterhin deutlich unterlegen. Erst mit der Einführung des Panzers V „Panther“ (Ausführung D) verfügte die Wehrmacht über einen mehr als gleichwertigen mittleren Panzer. Der Panther war zwar schwerer, etwas langsamer und hatte eine wesentlich geringere Reichweite, dafür aber stärker bewaffnet und gepanzert als der T-34.
Als Vorteil erwiesen sich bald auch die breiten Ketten, welche die Geländegängigkeit gegenüber den deutschen Panzern mit ihren relativ schmalen Gleisketten erhöhten. Der Dieselmotor erhöhte die Reichweite und verringerte die Brandgefahr (siehe Dieselkraftstoff).
Im Gegensatz zu den deutschen Panzern, die nie ausreichend mit Treibstoff versorgt werden konnten und dadurch in ihren Entscheidungen von der Treibstofflage abhängig waren, konnte der T-34 u. a. durch seinen zwei- bis dreifachen Fahrbereich gegenüber den deutschen Panzern wesentlich leichter versorgt werden.Oskar Munzel (Bearb.): Panzer-Marsch! Aus dem Nachlass des Schöpfers der deutschen Panzerwaffe. München 1955, S. 68.
Der T-34/76 Modell 1940 verfügte über die 76,2-mm-Kanone L-11 mit 30 Kaliberlängen (L/30). Ab dem Modell 1941 wurde die 76,2-mm-Kanone F-34 mit 41,5 Kaliberlängen (L/42) eingebaut. Damit war er weit besser bewaffnet als alle anderen Panzer zu Beginn der 1940er Jahre.
Der für die Massenproduktion besser geeignete gegossene statt geschweißte Turm des T-34 wurde von Wassili S. Jemeljanow entwickelt. Die Turmkonstruktion wurde mehrfach überarbeitet und variierte teilweise je nach Herstellungsort. Während die Modelle bis 1942 einen kompakten Turm mit einer großen Luke besaßen, wurde ab 1943 ein größerer Turm mit zwei Luken verwendet. Die Kommandantenluke wurde bald darauf durch eine Kuppel ergänzt, die dem Kommandant auch bei geschlossener Luke einen Rundumblick ermöglichte.
T-34/85 Um den T-34 auf dem gleichen hohen Niveau wie die neuesten deutschen Panzer zu halten, wurde 1943 der Auftrag erteilt, eine neue Kanone in den Panzer einzubauen. Da zu dieser Zeit mehrere Kanonen mit einem Kaliber von 85 mm entwickelt wurden, bot es sich an, eine davon zu verwenden. Die Fabrik „Krasnoje Sormowo“ und das Ural-Panzerwerk „Stalin“ stellten Versuchsfahrzeuge her. Beide verwendeten dazu die Kanonen der Muster D-5T, LB-1, S-50 sowie S-53. Das Ural-Panzerwerk entwickelte außerdem einen neuen Turm für den Panzer, der ursprünglich für den KW-85 vorgesehen war. Um den neuen Turm aufnehmen zu können, musste der Durchmesser des Drehkranzes von 1420 auf 1600 mm vergrößert werden. links|mini|Januar bis März 1944 wurde der T-34/85 mit dem D-5T-Geschütz ausgerüstet (erkennbar an der Geschützblende). Nachdem die Erprobung abgeschlossen war, begann die Serienfertigung. Als Waffe war die S-53 vorgesehen, allerdings mussten die ersten Exemplare von Januar bis März 1944 mit der D-5T ausgerüstet werden. Die S-53 war zum Produktionsstart des T-34/85 noch nicht fertig entwickelt; nach ihrer Fertigstellung wurde sie unter der Bezeichnung SIS-S-53 (Original: ЗИС-С-53) als Hauptwaffe des T-34/85 aufgenommen.
Zahlreiche Staaten, zum Beispiel Ägypten, nutzten T-34/85 bis in die 1960er Jahre. In der Nationalen Volksarmee der DDR wurden 1964 die T-34/76 ausgemustert; die letzten 35 Panzer T-34/85 mit der 85-mm-Kanone blieben dort bis 1988 in der Reserve oder wurden auf Schießplätzen als Hartziele verwendet.
Während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren wurden die T-34/85 sowohl von serbischen als auch kroatischen Streitkräften eingesetzt. Noch heute sollen T-34 im Einsatz sein, unter anderem bei der nordkoreanischen Volksarmee.
T-34/57 mini|Prototyp mit der SIS-4-Kanone auf dem Übungsplatz bei Sofrino (Juli 1940) mini|Defektes Fahrzeug (1941) Die ersten 57-mm-Kanonen SIS-4 wurden im Herbst 1941 produziert. Es war vorgesehen, diese in den T-34/76 einzubauen, da die Durchschlagsleistung bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 1270 m/s höher war. Zehn T-34 wurden schon 1941 mit der SIS-4-Kanone ausgerüstet, jedoch wurde die Produktion dieser Version aufgrund technischer Mängel und Ressourcenmangel unterbrochen. Die 10 Fahrzeuge wurden bei der Verteidigung Moskaus 1941 eingesetzt und gingen dabei alle verloren. Im Militärmuseum Werchnjaja Pyschma befindet sich ein Nachbau eines T-34/57.
1943 wurde das Projekt mit einer verbesserten 57-mm-Kanone SIS-4M wieder fortgeführt. Von Juli bis Oktober 1943 wurden etwa 200 T-34 (Modell 1942/43) mit diesem Geschütz ausgestattet. Im Panzerwerk Nr. 183 Nischni Tagil wurden vier Versuchspanzer erprobt. Ein serienmäßiger Einbau erfolgte im Werk nicht. Die SIS-4M war eine 57-mm-Pak SIS-2, die in die Rohrwiege der Panzerkanone F-34 eingesetzt wurde. In Frontwerkstätten wurden instandgesetzte Panzer T-34/76 mit 57-mm-Kanonen SIS-4M umgerüstet.
T-34/100 1944 und 1945 gab es Versuche, eine 100-mm-Kanone in den Turm des T-34 einzubauen. Es wurden zwei unterschiedliche Prototypen angefertigt. Probleme mit dem Rückstoß der Kanone führten jedoch dazu, dass die Treffgenauigkeit des ersten Prototyps sehr gering war. Beim zweiten Prototyp konnte dieses Problem behoben werden, allerdings wurde der neue T-34/100 nicht mehr für die Massenfertigung freigegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde allerdings in der arabischen Welt versucht, T-34 mit einer 100-mm-Kanone auszustatten. Sie erhielten statt eines Turmes einen festen Aufbau mit der Kanone und galten eher als Jagdpanzer.
Abgeleitete Modelle mini|T-34-Turm auf dem Panzerzug BP-43 mini|Ägyptischer Panzerzerstörer T-100 Auf dem Fahrgestell des T-34 basieren mehrere sowjetische gepanzerte Fahrzeuge des Zweiten Weltkriegs: die Jagdpanzer SU-85 und SU-100 das Sturmgeschütz SU-122