mini|Truman-Villa in Potsdam, Sitz der Stiftung
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) ist eine der parteinahen Stiftungen auf Bundesebene und war davon bis 2024 die einzige, bei der es sich der Rechtsform nach tatsächlich um eine Stiftung handelt. Sie wurde 1958 gegründet und hat ihren Sitz in Potsdam-Babelsberg. Die Stiftung steht der FDP nahe und ist nach dem liberalen Politiker Friedrich Naumann (1860–1919) benannt. Sie ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland und im European Liberal Forum. Seit 2007 ist der Zusatz „für die Freiheit“ Bestandteil des Stiftungsnamens.
Geschichte Die Friedrich-Naumann-Stiftung wurde am 19. Mai 1958 in der Villa Hammerschmidt von Theodor Heuss und einem engen Freundeskreis von liberalen Politikern und Intellektuellen um Walter Erbe, Paul Luchtenberg, Reinhold Maier, Hans Wolfgang Rubin, Dorothee von Velsen und anderen gegründet und nach dem liberalen Politiker Friedrich Naumann benannt. Zu den Hintergründen der Gründung dort S. 19–39; Abdruck der Gründungsurkunde dort S. 225–231.
Die Namensgebung der Stiftung geht auf Theodor Heuss zurück, der damit bewusst den Bezug zu der von seinem Mentor Friedrich Naumann 1918 in Berlin gegründeten Staatsbürgerschule herstellen wollte, die sich am Ende des Ersten Weltkriegs um Politische Bildungsarbeit verdient gemacht hatte. Bei der ersten Veranstaltung der neuen Stiftung in der Godesberger Redoute sprach Heuss öffentlichkeitswirksam über „Naumanns Erbe“Ulrich Heisterkamp: Think Tanks der Parteien? Eine vergleichende Analyse der deutschen politischen Stiftungen. 2., aktualisierte Auflage. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2018, S. 306. Zum Medienecho siehe und gab damit der Stiftung ihre Richtung: Sie sollte ein geistiges Zentrum des deutschen Liberalismus werden und durch staatsbürgerliche politische Bildung Grundlagen für ein demokratisches Bewusstsein in der Bevölkerung der zweiten Nachkriegszeit legen. Allerdings waren viele Fragen noch offen, vor allem das Verhältnis zur FDP, die genaue konzeptionelle Ausrichtung der Stiftung und ihre finanziellen Grundlagen.
Die Aufgaben der Stiftung erweiterten sich im Laufe der Jahrzehnte erheblich. 1964 begann die Auslandsarbeit, 1968 wurde das „Politische Archiv“ der FDP (das heutige Archiv des Liberalismus) erworben, 1973 setzte die Begabtenförderung ein und 1995 erfolgte die Gründung des Liberalen Instituts als liberaler Denkfabrik.
Sitz und Standort der Geschäftsstelle der Stiftung war seit 1959 zunächst Bonn, seit 1962 Bad Godesberg und seit 1984 Königswinter (Margarethenhöhe). Im Jahr 2000 erfolgte der Umzug nach Potsdam-Babelsberg, zunächst in den Weberpark und von dort im April 2001 in die Truman-Villa in der Karl-Marx-Straße. Seit 1967 wirkt die Stiftung in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach, die als Bildungsstätte zum zentralen Veranstaltungsort wurde. Sie ist zugleich die einzige Bildungsstätte der Stiftung, die trotz mehrfacher Verkaufsüberlegungen (1975/76 und Anfang der 1980er Jahre) sowie eines Schließungsbeschlusses Ende der 1990er Jahre ununterbrochen bis heute besteht.Zur Entwicklung dieser Akademie siehe Monika Faßbender: „… auf der Grundlage des Liberalismus tätig“. Die Geschichte der Friedrich-Naumann-Stiftung. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4893-1, S. 121–154. Zu den Verkaufsabsichten dort S. 140 f, S. 145, S. 147; zum Schließungsbeschluss dort S. 139. In den 1990er Jahren gab es weitere Bildungsstätten in Konstanz (Waldhaus Jakob), Lauenburg/Elbe (Zündholzfabrik) und Kottenheide im Vogtland (Wolfgang-Natonek-Akademie). Bis heute gibt es eine Kooperation mit der Bildungsstätte Villa Lessing in Saarbrücken, die Veranstaltungen im Saarland organisiert.Zu den Bildungsstätten siehe Monika Faßbender: „… auf der Grundlage des Liberalismus tätig“. Die Geschichte der Friedrich-Naumann-Stiftung. Nomos, Baden-Baden 2009, S. 160 und S. 163, ISBN 978-3-8329-4893-1.
Zielsetzung und Aufgaben Die Stiftung ist nach eigener EinschätzungAufgaben der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, abgerufen am 19. Juli 2017. „die Stiftung für liberale Politik in der Bundesrepublik Deutschland. Sie will dazu beitragen, dem Prinzip Freiheit in Menschenwürde in allen Bereichen der Gesellschaft Geltung zu verschaffen und politische Bildung zu vermitteln; in Deutschland wie auch zusammen mit den Partnern im Ausland“.
Die Stiftung unterhält im Inland acht Länder- bzw. Landesbüros und arbeitet mit zwölf Landesstiftungen für liberale Politik zusammen, die in den Bundesländern im Bereich politischer Bildung aktiv sind. Insgesamt bietet die Stiftung über 1.000 Veranstaltungen im Jahr an. Sie unterhält Regionalbüros in den Regionen Mittel-, Ost- und Südeuropa, in Mittelmeerländern, Lateinamerika, Afrika, Südasien sowie Südost- und Ostasien. Insgesamt ist die Stiftung in mehr als sechzig Ländern aktiv. Ihre Fachbereiche sind Politische Bildung, Kommunikation sowie Internationales.
Die Arbeitsschwerpunkte der Stiftung richten sich an folgenden Kernthemen aus: Soziale Marktwirtschaft Offene Gesellschaft Bildung Internationale Politik Menschenrechte und Freiheitsrechte
Finanzierung Laut Jahresbericht 2022 finanziert sich die Stiftung bei einem Etat von rund 84 Mio. Euro zu 96 Prozent aus Zuschüssen des Bundes. Weitere finanzielle Zuwendungen stammen in großen Teilen von den Ländern und anderen Gebietskörperschaften. Die Stiftung wird somit hauptsächlich aus Steuermitteln finanziert.
Personen und Gremien Vorstand mini|192x192px|Der Vorsitzende seit 2026, Steffen Saebisch (2016) Der Vorstand der Stiftung besteht aus fünf ehrenamtlichen Mitgliedern. Sie werden vom Kuratorium für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Der amtierende Vorstand ist seit März 2026 im Amt.
Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung seit 1958: Walter Erbe, 1958–1961 Paul Luchtenberg, 1961–1970 Hans Wolfgang Rubin, 1970–1982 Ralf Dahrendorf, 1982–1987 Wolfgang Mischnick, 1987–1995 Otto Graf Lambsdorff, 1995–2006 Wolfgang Gerhardt, 2006–2018 Karl-Heinz Paqué, seit 2018–2026 Steffen Saebisch, seit 2026
Der Vorstand besteht außer dem Vorsitzenden aus folgenden Mitgliedern:
Bettina Stark-Watzinger, stellvertretende Vorsitzende Roland Werner, Schatzmeister Maren Jasper-Winter Ludwig Theodor Heuss
Wolfgang Gerhardt war von 2018 bis zu seinem Tod 2024 Ehrenvorsitzender der Stiftung.Wolfgang Gerhardt wird Ehrenvorsitzender. Kuratorium vergibt erstmalig Ehrenvorsitz des Stiftungsvorstands, 7. Dezember 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
Kuratorium mini|249x249px|Der Vorsitzende des Kuratoriums seit 2026 Florian Rentsch (2018) Das Kuratorium der Stiftung hat die Aufgabe, die Arbeit des Vorstandes zu überwachen und ihn zu beraten. Die Mitglieder des Kuratoriums werden von diesem für eine Amtszeit von sechs Jahren berufen.
Vorsitzender des Kuratoriums ist seit 2026 Florian Rentsch.
Walter Scheel war bis zu seinem Tod 2016 Ehrenvorsitzender des Kuratoriums. Seit 2020 ist Jürgen Morlok Ehrenvorsitzender.
Geschäftsführung Seit 2026 ist Mario Burow Hauptgeschäftsführer der Stiftung. Seine Vorgängerin war Annett Witte, die das Amt 2021 von Steffen Saebisch übernommen hatte, der ab 2014 im Amt war.
Inlandsarbeit In Deutschland fördert die Friedrich-Naumann-Stiftung mit ihrem Bundes- und Länderprogramm politische Beteiligung und informiert über politische Prozesse und die ideengeschichtliche Entwicklung des Liberalismus.
Der Fachbereich Politische Bildung organisiert durch die Landes- und Länderbüros sowie in der zentralen Bildungsstätte, der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach, Bildungsveranstaltungen. Zum Bereich Politische Bildung gehört auch die Begabtenförderung.
Landesstiftungen
Seit Mitte der 1960er Jahre erfolgte die Gründung von Landesstiftungen, die in den Bundesländern mit den Landes- und Länderbüros kooperieren. Nach 1990 wurde die Bildungsarbeit auf die ostdeutschen Bundesländer ausgedehnt.
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit kooperiert mit folgenden liberalen Landesstiftungen:
Reinhold-Maier-Stiftung, Baden-Württemberg, 1977 Thomas-Dehler-Stiftung, Bayern, 1971 Karl-Hamann-Stiftung, Brandenburg, 1991 Liberale Gesellschaft Bremen, Bremen 1965 Dr.-Emilie-Kiep-Altenloh-Stiftung, Hamburg, 1979 Karl-Hermann-Flach-Stiftung, Hessen, 1977 Arno-Esch-Stiftung, Mecklenburg-Vorpommern, 2009 Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung, Niedersachsen, 1980 Wolfgang-Döring-Stiftung, Nordrhein-Westfalen, 1967 Villa Lessing – Liberale Stiftung Saar, Saarland, 2012 Wilhelm-Külz-Stiftung, Sachsen, 1991 Erhard-Hübener-Stiftung, Sachsen-Anhalt, 1993
Einrichtungen und Standorte in Deutschland Gummersbach Theodor-Heuss-Akademie
Die Theodor-Heuss-Akademie (THA) in Gummersbach-Niederseßmar ist die zentrale Bildungsstätte der Stiftung, die jährlich weit über 100 interne und externe, meist mehrtägige Seminare anbietet. Namensgeber der Einrichtung ist Theodor Heuss, erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Gründungsdirektor der Bildungsstätte war Horst Dahlhaus. Von 1968 bis 1980 führte der Schriftsteller Rolf Schroers die Akademie, seit Anfang 2013 ist Klaus Füßmann deren Leiter.
Archiv des Liberalismus mini|hochkant|Archiv des Liberalismus in Gummersbach mini|hochkant|Logo des Archivs
Das Archiv des Liberalismus (ADL) besteht seit 1968 (als Archiv der FDP seit 1948) und ist damit das älteste der sechs Archive der Politischen Stiftungen in Deutschland. Zunächst in Bonn angesiedelt, befindet es sich seit 1984 als Anbau an die Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach.Monika Faßbender: Das Archiv des Liberalismus. In: Anja Kruke, Harry Scholz (Hrsg.): Die Archive der Politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland – Ein Archivführer. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2010, S. 95–111. Es sammelt Unterlagen zur Geschichte des organisierten Liberalismus. Es erschließt neben Aktenmaterial auch Druckschriften, Flugblätter, Plakate und andere Werbemittel, dazu Fotos, Filme, Videos, Tonbänder sowie digitale Medien (u. a. Internetseiten). Das Archiv umfasst auch eine Bibliothek zu Geschichte und Gegenwart des Liberalismus. Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf Deutschland und der Zeit nach 1945.
Neben den „klassischen“ Aufgaben beteiligt sich das Archiv durch Kooperationen mit Schulen und durch öffentliche Vorträge an der politischen Bildungsarbeit. Es kooperiert auch mit einigen Universitäten. Darüber hinaus erforscht es durch wissenschaftliche Tagungen, Vorträge und Publikationen die Geschichte des Liberalismus.Archiv des Liberalismus (Hrsg.): 50 Jahre Archiv des Liberalismus. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach 2018, ISBN 978-3-00-061056-1 (PDF; 8,8 MB); Ewald Grothe: Die Archive der Politischen Stiftungen als Teil der rheinischen Archivlandschaft. In: Archiv-Landschaft Rheinland. 49. Rheinischer Archivtag, 18.–19. Juni 2015 in Pulheim-Brauweiler. Beiträge. Rudolf Habelt Verlag, Bonn 2016 (= Landschaftsverband Rheinland, LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum. Archivhefte, 46), S. 105–117. Leiter des Archivs ist seit 2011 der Wuppertaler Historiker Ewald Grothe.
Ewald Grothe ist einer der sechs Herausgeber des Jahrbuchs zur Liberalismus-Forschung, der zusammen mit Wolther von Kieseritzky in Potsdam die Redaktion leitet.
Internationaler Austausch und Fortbildung