mini|Ortsansicht von Winterberg mini|Winterberg mini|Altes Historisches Wappen der Stadt Winterberg Winterberg ist eine Kleinstadt im Rothaargebirge im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen und gehört zum Hochsauerlandkreis.

International bekannt ist Winterberg als Austragungsort von Weltcuprennen des Bob- und Rennrodelsports sowie als Wintersportort.

Geografie Geografische Lage Winterberg liegt im Nordosten des Rothaargebirges im Hochsauerland auf der Winterberger Hochfläche (auch Winterberger Hochmulde genannt) auf (Höhe der Innenstadt oberhalb des Waltenbergtunnels) und ist damit die höchstgelegene Gemeinde Nordrhein-Westfalens. Die Stadt liegt etwa 80 km südöstlich von Dortmund und 70 km westsüdwestlich von Kassel (Entfernungen jeweils Luftlinie). Winterberg befindet sich zwischen Olsberg im Norden, Medebach im Osten, Hallenberg im Südsüdosten und Schmallenberg im Westen.

mini|Luftbild von Winterberg mit Berg Kappe (mittig rechts) aus Richtung Westen

Die Kernstadt Winterbergs liegt unweit nordöstlich des Kahlen Astens (), an dem zum Beispiel die Lenne entspringt, sowie unterhalb des Poppenbergs () und Brembergs (ca. ), des Herrlohs () und der Kappe (). Auf diesen Bergen breitet sich das Skigebiet Skiliftkarussell Winterberg aus. Die Kernstadt, deren Altstadt sich unweit südlich des Dumel () befindet, liegt zudem zwischen diesen teils etwas weiter entfernten Bergen: Ruhrkopf () im Norden, Molbecke (), Hohe Seite () und Bollerberg () jeweils in südöstlichen Richtungen. Der tiefste Punkt der Stadt Winterberg befindet sich im Negertal nördlich des Ortsteils Siedlinghausen auf .

Durch Winterberg verläuft der Rothaarsteig und westlich vorbei, unter anderem über den Kahlen Asten, der Europäische Fernwanderweg E1.

Winterberg befindet sich auf dem Kamm des Mittelgebirges, über das ein Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide verläuft. Ein kleines Stück dieser Wasserscheide führt durch Winterberg. Dies bedeutet beispielsweise, dass sich die Namenlose, die unweit nordnordwestlich der Kernstadt entspringt, über die Neger und die Ruhr in den Rhein entwässert, während die Helle, die unweit ostnordöstlich der Altstadt entspringt, über Orke, Eder und Fulda zur Weser fließt. Zu den in oder nahe der Winterberger Kernstadt verlaufenden Fließgewässern gehören der Namenlose-Zufluss Büre, die Nuhne mit ihrem Quellbach Sonneborn und der Ruhr-Zufluss Lemecke.

Geologie Das Astengebiet gehört zum nördlichen Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges und besteht vor allem aus Tonschiefer im Unter- und Mitteldevon und aus Grauwacke mit Quarzit. Der Kahle Asten zum Beispiel ist ein mächtiger Block aus diesen beiden Gesteinsarten. Gegen Ende der Karbonzeit wurden die Schichten durch seitlichen Druck gefaltet. Dabei kam es zur Schieferung der Tongesteine und zur Bildung von Spalten und Klüften. Spannungen der Erdkruste richteten die älteren Schichten des Unterdevons aus ihrer ursprünglichen Lage mit einem Einfallswinkel von etwa 45° auf. Dies ist in Steinbrüchen zu sehen, zum Beispiel am Wetzstein, etwa 300 Meter südlich des Helleplatzes, wo ein Faltensattel offengelegt ist. Die Gestaltung der Erdoberfläche erfolgt in der geologischen Gegenwart vor allem durch das Wasser in Kombination mit Geröll und Sand. Durch die Erosion schafft hartes Gestein steile und tiefe Täler wie das Helle-, Orke- und Nuhnetal, weniger hartes dagegen sanfter abfallende und breite Täler wie das Ruhr- und Namenlosetal.Klaus Hamper: Winterberg Hochsauerland. Landschaft Geschichte Brauchtum. Winterberg circa 1967.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Kernstadt umfasst eine Fläche von 48,07 km², Siedlinghausen 23,84 km², Züschen 22,78 km², Niedersfeld 15,17 km², Grönebach 9,49 km², Elkeringhausen 5,80 km², Hildfeld 4,92 km², Altastenberg 3,54 km² und Silbach 2,47 km². Die restliche Stadtfläche erstreckt sich über die Höhendörfer Neuastenberg, Langewiese, Lenneplätze, Mollseifen und Hoheleye sowie über Altenfeld.Statistische Rundschau für den Landkreis Brilon. Düsseldorf 1967.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden im Hochsauerlandkreis sind Olsberg im Norden (ca. 20 km entfernt), Medebach im Osten (ca. 15 km entfernt), Hallenberg im Südosten (ca. 15 km entfernt) sowie Schmallenberg im Westen (ca. 26 km entfernt). Im Nordosten grenzt Winterberg an Willingen (Upland) im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg; im Süden an Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein).

Stadtgliederung mini|Ortsteile von Winterberg Winterberg besteht seit den Eingemeindungen im Zuge der kommunalen Reform im Jahr 1975 aus folgenden Stadtteilen:

Klima Winterbergs Höhenlage hat erhebliche Folgen für das Klima, das in der Übergangszone von einem Kontinentalklima (Dfb) zu einem subarktischen (Dfc) liegt. Ungünstige Geländeformen, der relativ unfruchtbare Schieferboden und das raue, niederschlagsreiche Klima erschweren die Landwirtschaft außerordentlich. Infolge der Höhenlage ist die Vegetationsperiode kurz. In 800 Metern beträgt sie nur 100 Tage im Jahr. Nicht selten bedeckte der erste Schnee den Hafer, als noch Getreideanbau betrieben wurde.Klaus Hamper: Winterberg Hochsauerland. Ein Führer. Winterberg ca. 1949.

Wie extrem die Unterschiede zu anderen Orten waren, belegte bereits 1911 eine Studie: Zählte man in Winterberg (Altastenberg) im jährlichen Mittel 65,8 Tage mit Schneefall, waren es in Arnsberg 38,6 und in Münster 29,4 Tage. Kam man 1911 in Altastenberg auf durchschnittlich 108 Tage im Jahr mit einer geschlossenen Schneedecke, waren es in Arnsberg 44 und in Münster nur 31 Tage. Ähnliches gilt auch für die Schneehöhe. Lagen im Februar in Altastenberg durchschnittlich 102 cm, waren es in Arnsberg 32 cm.Benkert, S. 18 f.

Um 1950 brachten die auf der Winterberger Hochfläche vorherrschenden West- und Nordwestwinde an etwa 200 Tagen im Jahr einen Niederschlag von bis zu 1400 mm, und zwar vorwiegend in der kalten Jahreszeit. Die mittlere Jahrestemperatur lag bei etwa 5 °C. Durchschnittlich schneite es an 72 Tagen im Jahr, während der Schnee im Schnitt an 108 Tagen liegen blieb. Die maximale Schneemächtigkeit betrug 70–80 cm.Anneliese Ringleb: Der Landkreis Brilon, Regierungsbezirk Arnsberg. Köln / Graz 1957.

Im Jahr 1996 gab es im Vergleich dazu 44 Schneefalltage, wobei die maximale Schneemächtigkeit im Februar bei 59 cm lag. Die Summe der Niederschläge, die an 161 Tagen fiel, lag mit 992 mm deutlich unter dem Dreißigjahresmittel von 1360 mm. Die mittlere Jahrestemperatur betrug 4,8 °C, im Vergleich zum Dreißigjahresmittel mit 5,9 °C. Es gab keine Tropentage (über 30 °C), 6 Sommertage (über 25 °C), 131 Frosttage (Temperatur fällt unter 0 °C) und 84 Eistage (Temperatur bleibt unter 0 °C). An 17 Tagen registrierte man Gewitter, an 25 Tagen die Windstärke 6 (39–48 km/h), aber es gab keine Sturmtage (Windstärke 8, entspricht 63–74 km/h). Die Sonnenscheindauer in Stunden betrug 1422,3 im Vergleich zu 1341,0 im Dreißigjahresmittel.Hermann Dinklage: Das Wetter 1996/1997. In: De Fitterkiste, 9 (1997), S. 110–128. mini|750px|zentriert|Winterberg Panoramabild

Geschichte Mittelalter Stadtentstehung mini|Blick über Winterberg von Süden

Die Entstehungsgeschichte der Stadt Winterberg ist bis um das Jahr 1240 zurückverfolgbar. Städtische Rechte verlieh ihr vermutlich der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238–1261). Nach einem Bestandsverzeichnis des Marschallamtes von Westfalen (um 1300) begann dessen Marschall Arnold von Hochstaden (1248–1271) als erster mit dem planmäßigen Aufbau einer befestigten (Klein-)Stadt („oppidum“). Etwa gleichzeitig entstand auf dessen Initiative hin die Nachbarstadt Hallenberg und vielleicht auch Schmallenberg. Die Gründung der Stadt Winterberg wurde vermutlich gemeinsam mit dem Kloster in Küstelberg vorgenommen. Hierauf deutet eine Urkunde von 1276, in der die Rechte an der Stadt zwischen Erzbischof und Kloster geregelt werden. In dieser Urkunde wird eine Kirche in Winterberg erwähnt, deren Vorläufer vermutlich bis in die Zeit um 1225 zurück reicht.

1299 war das erste und anscheinend bis ins 16. Jahrhundert einzige Mal ein Kölner Erzbischof in der Stadt Winterberg. Vielleicht ist es kein Zufall, dass kurz darauf um 1300 erstmals Bürgermeister erwähnt werden („proconsul“ und „consules“).

Im 14. Jahrhundert schloss Winterberg zu seinem Schutz mehrfach Bündnisse vor allem mit umliegenden Städten aus dem sich allmählich bildenden Amtsbezirk Medebach (z. B. 1300, 1333, 1350 und 1370).

Die Stadtbefestigung scheint im 14. Jahrhundert zunächst nur sehr begrenzten Schutz gewährt zu haben. 1321 eroberte der Graf von Waldeck die Stadt. Um 1357 wurde Winterberg von Gottfried IV. von Arnsberg während dessen Krieges mit dem Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep zerstört. Zum Wiederaufbau gewährte der Erzbischof eine zunächst zehnjährige Steuerfreiheit. Diese wurde 1370 und 1374 jeweils um weitere fünf Jahre verlängert. Die Stadt besaß zu dieser Zeit das gleiche Stadtrecht wie Hallenberg.

Zur Zeit der Hanse (13. bis 17. Jahrhundert) galt Winterberg als Hansestadt. Die Stadt lag im Schnittpunkt der Heidenstraße Köln–Kassel und Heerstraße Frankfurt–Soest. Die schlechten landwirtschaftlichen Bedingungen führten dazu, dass der Handel eine zentrale Rolle als Lebensgrundlage im Leben der Stadt spielte. Dem Schutz der Stadt diente ein System von Landwehren.

Wüstungsbildung im Spätmittelalter Etwa zwischen 1350 und 1500 wurden die umliegenden Siedlungen Wernsdorf, Merleheim, Harfeld, Günninghausen und Elkeringhausen von ihren Bewohnern aufgegeben. Sie zogen vielfach nach Winterberg, wobei sie ihre Besitzrechte an ihren alten Landfluren beibehielten. Dies äußert sich in der Bildung von sogenannten Markengenossenschaften, die den Namen der alten Siedlungen trugen und deren Mitglieder zumeist Winterberger Bürger waren.Nikolaus Schäfer: Geschichte der Marken um Winterberg. 1998. Die Ursachen für die Aufgabe der alten Ansiedlungen lagen vermutlich in der damals gelegentlich auftretenden Pest, aber auch in den häufigen Fehden dieser Zeit, in denen die Städte besseren Schutz vor feindlichen Übergriffen boten. Vermutlich waren zu dieser Zeit im Amt Medebach nur noch die Städte Winterberg, Hallenberg, Schmallenberg und Medebach besiedelt, während die umliegenden Dörfer vollständig verlassen wurden. Von den Wüstungen der Winterberger Marken wurde nur Elkeringhausen im 16. Jahrhundert wieder neu besiedelt.

Neuzeit Bis Ende Dreißigjähriger Krieg (1500–1650) mini|Raum Winterberg 1645 Durch den Erwerb der Marken dehnte sich die Fläche Winterbergs stark aus. Ähnliche Entwicklungen gab es in benachbarten Städten. Am stärksten wuchs die Stadt Brilon durch die Angliederung wüst gewordener Siedlungen. Spätestens zu Beginn des 16. Jahrhunderts dehnten die Winterberger ihre Flur im Gebiet des Astenbergs aus. Dadurch gerieten sie in Konflikt mit dem Grafen von Waldeck, der Rechte im benachbarten Dorf Nordenau besaß. Von Südwesten her überschnitten sich ihre Gebietsansprüche mit der Grafschaft Wittgenstein. Dieser Streit zog sich mit beiden Gegnern bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hin. Mit Wittgenstein wurde 1783 in einem Vergleich das strittige Gebiet aufgeteilt.Stadtarchiv Winterberg, Akte A166.