Die Rallye-Weltmeisterschaft (offiziell FIA World Rally Championship, kurz WRC) ist eine vom Automobil-Dachverband Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) veranstaltete Rallye-Serie, die nach festgelegten Regeln, Richtlinien und Bedingungen ausgetragen wird.

Die Rallye-Weltmeisterschaft ist die höchstrangige von der FIA veranstaltete Serie des Rallyesports. Sie wird als „Königsklasse des Rallyesports“ bezeichnet, da sie den Anspruch erhebt, die höchsten technischen, fahrerischen, aber auch finanziellen Anforderungen aller Rallyeserien an Fahrer und Konstrukteure zu stellen.

Die Weltmeisterschaft mini|Harry Källströms Lancia Fulvia 1.6 Coupé HF bei der Press-on-Regardless Rally 1972. Der heutige Rallyesport, dessen Anfänge allgemein auf die erste Austragung der Rallye Monte Carlo im Jahre 1911 datiert werden, entwickelte sich über die Rallye-Europameisterschaft für Fahrer, zu welcher in den 1960er Jahren die Internationale Meisterschaft der Marken (offiziell International Championship for Manufacturers kurz IMC) hinzukam. Diese bereits von der FIA organisierten Rennserien wurden ab dem Jahr 1973 zur Rallye-Weltmeisterschaft zusammengefasst. Die Rallye-WM setzt sich aus 13 bis 16 Einzelrennen zusammen. Die einzelnen Rennergebnisse werden anhand eines Punktesystems gewertet.

Fahrerweltmeisterschaft Seit der Rallye-Weltmeisterschaft 1979 wird der offizielle Fahrerweltmeistertitel an den Fahrer vergeben, der in der Summe aller gewerteten Rennen am Saisonende die höchste Punktezahl erreicht. Nach dem gleichen Schema wird auch ein WM-Titel für den erfolgreichsten Beifahrer vergeben.

Klassiert sich ein Fahrer aus einer unteren Klasse (WRC2, WRC3, JWRC) in den ersten Zehn der Gesamtwertung in einer Rallye, bekommt er Weltmeisterschaftspunkte für die oberste Klasse WRC und er wird dort im Weltmeisterschaftsklassement geführt.

Herstellerweltmeisterschaft Es wird neben dem Fahrerweltmeister und Beifahrerweltmeister auch ein Team als Herstellerweltmeister ausgezeichnet. Diese Wertung berechnet sich pro Rennen durch die Addition der von den jeweiligen Fahrern erzielten Punkte. In der Regel nimmt ein Team mit zwei Fahrzeugen an der Rallye-Weltmeisterschaft teil. Ein Team kann auch mit mehr als zwei Fahrzeugen an den Start gehen. Die Punkte für die Herstellerwertung werden jedoch nur an die zuvor dafür gemeldeten (maximal zwei) Werkswagen vergeben. In der Wertung liegende Privatfahrer bzw. nicht gemeldete Fahrzeuge eines Herstellers werden einfach übersprungen. So kann es durchaus passieren, dass ein zum Beispiel auf dem 13. Gesamtplatz im Ziel eingetroffener Teilnehmer zwar keine Zähler als Fahrer erhält, dafür jedoch Herstellerpunkte für seine gefahrene Marke bekommt. Die Bonuspunkte der Power-Stage werden nicht zur Herstellerweltmeisterschaft gerechnet. Pro Rallye gibt es immer die volle Anzahl der der Platzierung entsprechenden Punkte. Dies gilt auch dann, wenn die Veranstaltung drastisch verkürzt oder abgebrochen werden musste.

Ablauf mini|Ein Hyundai i20 WRC bei der Rallye Schweden 2014 auf Schnee

Austragungsorte und Dauer Die Weltmeisterschaft wird über das Jahr und über verschiedene Länder verteilt in mehreren Rallyes ausgetragen. Eine Rallye dauert zwischen drei und vier Tagen, in der Regel von Donnerstag bis Sonntag oder von Freitag bis Sonntag. Die Rallye-Weltmeisterschaft fuhr im Jahr 2019 in Südamerika und Europa, die Rallye Australien musste abgesagt werden. In den Jahren 2020 und 2021 wurde der Kalender an den Begebenheiten der COVID-19-Pandemie angepasst. Die Rallye trägt den Namen des Austragungslandes, einer Stadt oder einer Region wie zum Beispiel Rallye Finnland, Rallye Monte Carlo oder Rallye Katalonien.wrc.com: WRC-Kalender 2020, abgerufen am 4. August 2020

Wertungsprüfungen Jede der 13 Rallyes 2023 war in verschiedene Wertungsprüfungen (normalerweise zwischen 14 und 25) eingeteilt, die auf abgesperrten Straßen ausgetragen werden. Die Fahrer kämpfen darum, die Wertungsprüfung so schnell wie möglich zu beenden, ihre Zeiten werden bis auf eine Zehntelsekunde genau gestoppt. Es wird dabei auf Schotter- und auf Asphalt-Straßen gefahren, welche sich je nach Wettereinfluss verändern können. Bei der Rallye Schweden oder bei der Rallye Monte Carlo können es auch schneebedeckte Abschnitte sein, da diese Events im Januar und Februar stattfinden. Wer in den Wertungsprüfungen am schnellsten fährt, führt das Gesamtklassement an, nicht der Fahrer der die meisten Wertungsprüfungen gewinnt. Am Ende einer Rallye, welche meist mit der Power-Stage endet, werden die einzelnen Zeiten der Wertungsprüfungen sowie eventuelle Zeitstrafen addiert. Die Gesamtstrecke der gezeiteten Wertungsprüfungen muss mindestens 300 Kilometer betragen. Für eine einzelne Wertungsprüfung (kurz WP) wird keine minimale oder maximale Streckenlänge vorgeschrieben. Jede Wertungsprüfung (auch nur ein Abschnitt davon) darf maximal zweimal pro Rallye in die Wertung genommen werden. Eine Ausnahme hierzu stellen die «Zuschauerprüfungen» dar; diese als Super-Special-Stages und Power-Stages bezeichneten Wertungsprüfungen sind möglichst publikums- und kamerafreundlich ausgerichtet. Sie finden häufig in Stadien oder an anderen übersichtlichen Plätzen statt und werden live im TV übertragen. Durch im Normalfall zwei, drei oder vier gefahrenen Wertungsprüfungen wird eine «Schleife» gebildet, welche in den Servicepark mündet oder an einen sogenannten Remote-Service führt, wo Reparaturarbeiten gemacht werden können.

Verbindungsstrecken Als Verbindungsstrecken bezeichnet man die Streckenabschnitte von Wertungsprüfung zu Wertungsprüfung und vom und zum Servicepark. Diese Strecken werden nicht gewertet, müssen aber innerhalb eines bestimmten Zeitfensters absolviert werden. Verfrühtes Erscheinen oder Verspätungen werden mit Zeitstrafen belegt, welche zu den gefahrenen Zeiten der Wertungsprüfungen addiert werden. Da diese Verbindungsstrecken auf öffentlichen Straßen gefahren werden, müssen alle Rennwagen, die an der Rallye-Weltmeisterschaft teilnehmen, für den Straßenverkehr zugelassen sein. Auf den Verbindungsstrecken müssen von den Piloten die Verkehrsregeln beachtet und gültige Ausweise mitgeführt werden.

Startplätze Seit der Saison 2014 entfällt das bei Schotter-Rallyes gefahrene Qualifying am Rallye-Vortag. Stattdessen wird sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter entsprechend dem aktuellen Zwischenstand in der Fahrerwertung gestartet. Am zweiten und dritten Rallye-Tag gehen die Fahrer in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstands der jeweiligen Rallye ins Rennen. Die Startintervalle liegen bei der WRC meist bei zwei Minuten. Der Rest des Feldes (WRC2 / WRC3 / JWRC) startet danach häufig im Minutenabstand. Fahrzeuge, die nach einem Ausfall am Vortag unter Rallye-2-Reglement wieder antreten, starten als Erste.

Rallye-2-Reglement Fahrzeuge, die an einem oder mehreren Tagen der Rallye wegen technischem Defekt oder Unfall ausscheiden, aber repariert werden können, dürfen am nächsten Tag mit einer Zeitstrafe von mindestens zehn Minuten wieder starten. Sie sind weiterhin berechtigt Weltmeisterschaftspunkte herauszufahren. Weiters sind Fahrer, die unter dem Rallye-2-Reglement starten berechtigt, in der Power-Stage WM-Punkte zu sammeln. Die Fahrer, die unter dem Rallye-2-Reglement starten, müssen nicht mehr als Letzte in die kommenden Wertungsprüfungen, sondern als die ersten Fahrzeuge.

Punktesystem und Power-Stage (neu ab der Saison 2025)

Punkteverteilung Position12345678910Gesamt251715121086421Sonntag54321Powerstage54321 Die Punktevergabe für die fünf schnellsten Fahrer der Power-Stage lautet 5-4-3-2-1 Bonuspunkte. Seit der Saison 2021 bekommen auch die Hersteller Bonuspunkte in der Power-Stage. Die beiden bestplatzierten Fahrer eines jeweiligen Herstellers unter den ersten fünf des Gesamtklassements der Power-Stage werden gewertet. Die Power-Stage ist die letzte Wertungsprüfung der Rallye.

Hersteller können die Punkte ihrer Fahrer zusammenzählen. Für die Herstellerwertung können die beiden Fahrer punkten, die vorher von ihrem Team dafür nominiert wurden. Fährt ein nicht für Herstellerpunkte nominierter Pilot in die Punkteränge, bekommt er zwar Fahrerpunkte, für die Herstellerwertung rückt aber der dahinter bestplatzierte nominierte Pilot nach.

Ablauf eines Rallye-Wochenendes mini|Der Service-Park bei der Rallye Finnland 2013 Beginnend zwei bis drei Tage vor dem Wettbewerb inspizieren die Rallye-Fahrer die Wertungsprüfungen und geben dabei ihren Beifahrern Informationen für deren Notizen speziell über alle Kurven und Besonderheiten der einzelnen Streckenabschnitte. Diese Besichtigungen erfolgen in weitgehend serienmäßigen Fahrzeugen und jede Wertungsprüfung darf maximal zweimal besichtigt werden. Während der WPs liest der Beifahrer dem Fahrer diese Notizen aus dem Gebetbuch vor. Da die Strecke zu diesem Zeitpunkt in der Regel für den öffentlichen Verkehr noch freigegeben ist, müssen die geltenden Verkehrsregeln eingehalten werden.

Beim Shakedown (SH) haben die Teams und Fahrer die Möglichkeit die Autos auf einem Gelände, das ähnlich wie die Wertungsprüfungen sind, zu testen, bevor die Rallye beginnt. Die Teilnehmer müssen die Shakedown-Strecke zumindest vier Mal befahren, wobei alle Durchfahrten gezeitet werden aber nicht zur Gesamtwertung zählen. Der Servicepark ist ein gekennzeichneter Bereich. Es gibt für gewöhnlich drei Service-Perioden während eines WRC-Tages (15 Minuten am Vormittag, 30 Minuten zu Mittag und 45 Minuten am Abend). Die Teams können während dieser Zeit Reparaturen durchführen, Einstellungen verändern und ihre Reifen für die bevorstehenden Wertungsprüfungen wählen. Außerhalb des Service-Parks dürfen nur Fahrer und Beifahrer Arbeiten am Auto vornehmen. Dabei dürfen sie nur Werkzeuge und Ersatzteile verwenden, die sie dabei haben.

Der Ablauf der Rallye Monte Carlo 2020 als Beispiel:

Tag WPewrc-results.com: 88. Rallye Automobile de Monte-Carlo 2020, abgerufen am 4. Juli 2020 Start (MEZ) Name Länge SH 16:01 Gap (Shakedown) 3,35 km Tag 123. Jan. WP1 20:38 Malijal – Puimichel 17,47 km WP2 22:26 Bayons – Bréziers 25,49 km Service Park Gap 23:36 Uhr (45+3 Min) Tag 224. Jan. Service Park Gap 07:45 Uhr (15+3 Min) WP3 08:36 Curbans – Venterol 1 20,02 km WP4 09:56 St. Clement-sur-Durance – Freissinieres 1 20,68 km WP5 11:21 Avançon – Notre-Dame-du-Laus 1 20,59 km Service Park Gap 12:38 Uhr (40+3 Min) WP6 13:54 Curbans – Venterol 2 20,02 km WP7 15:14 St. Clement-sur-Durance – Freissinieres 2 20,68 km WP8 16:39 Avançon – Notre-Dame-du-Laus 2 20,59 km Service Park Gap 17:39 Uhr (45+3 Min) Tag 325. Jan. Service Park Gap 08:32 Uhr (15+3 Min) WP9 09:38 St.-Leger-les-Mélèzes – La-Bâtie-Neuve 1 16,87 km WP10 10:56 La Bréole – Selonnet 1 20,73 km Service Park Gap 12:32 Uhr (40+3 Min) WP11 14:08 St.-Leger-les-Mélèzes – La-Bâtie-Neuve 2 16,87 km WP12 15:26 La Bréole – Selonnet 2 20,73 km Service Park Gap 16:36 Uhr (45+3 Min) Tag 426. Jan. WP13 08:17 La Bollène-Vésubie – Peïra Cava 1 18,41 km WP14 09:08 La Cabanette – Col de Braus 1 13,36 km WP15 10:55 La Bollène-Vésubie – Peïra Cava 2 18,41 km WP16 12:18 La Cabanette – Col de Braus 2 (Powerstage) 13,36 km

Ab der Saison 2014 wurde der Zeitplan für alle WM-Läufe standardisiert. Am Donnerstag findet jeweils die Startzeremonie statt, die finale Wertungsprüfung am Sonntag gegen 12 Uhr mittags. Letztere wird immer als Powerstage ausgetragen und muss mindestens zehn Kilometer lang sein.

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