Dassel ist eine Kleinstadt im Landkreis Northeim im Süden des Landes Niedersachsen (Deutschland). Dassel ist als Grundzentrum klassifiziert, das in dem Teilbereich der schulischen Bildung die Aufgaben eines Mittelzentrums wahrnimmt.

Der urkundlich im Frühmittelalter erwähnte Ort wurde um 1100 zum Namensgeber der Grafen von Dassel, deren bekanntester Vertreter Rainald von Dassel war.

Geografie Räumliche Lage Dassel liegt westlich von Einbeck am nordöstlichen Rand des Sollings südlich der Amtsberge und westlich des Ellenser Walds. Der Ort grenzt an den Solling-Vogler. Die bis zu 528 m hohe bewaldete Buntsandsteinkuppel des Sollings mit der Großen Blöße läuft am Stadtrand von Dassel flach aus. Typisch für das Landschaftsbild sind Weidetäler sowie Ackerlandschaften. Die Stadt wird vom Bremkebach und vom Spüligbach durchflossen, der wenige hundert Meter südöstlich von Dassel in die Ilme mündet.

Geologie mini|Südlicher Teil der Dasseler Börde Die Stadt bildet den Siedlungsmittelpunkt des Dasseler Beckens. Der Lössuntergrund ist von Parabraunerde überlagert. Auf der Westseite der Stadt schließt sich das Buntsandsteingewölbe des Sollings an, nord- und südöstlich liegen aus Kalk aufgebauten Erhebungen der Amtsberge und des Ellenser Waldes. Die östlichen Ortsteile der Stadt liegen im Einbeck-Markoldendorfer Becken, wo aus Buntsandstein gebildetes Festgestein mit den Höhenzügen Elfas und Ahlsburg den nördlichen und südlichen Rahmen bildet.

Flächennutzung Das Gemeindegebiet wird zu fast 62 % landwirtschaftlich genutzt.Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Regionaldatenbank“, ohne Anmelden „Weiter“, als Gast „Weiter“, Auswählen „Flächenerhebung“ und „Zeit und Region festlegen“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Dassel (dazu herunterscrollen), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“. Abgerufen am 16. September 2012 Rund 26 % der Gesamtfläche sind mit Wald bedeckt. Die Verkehrsfläche hat rund fünf Prozent Flächenanteil und ist damit ähnlich groß wie die aus Gebäuden und Grünanlagen bestehende Siedlungsfläche.

Stadtgliederung Die Stadt Dassel ist eine Einheitsgemeinde und setzt sich aus 17 Stadtteilen zusammen.

Ortschaft Telefonvorwahl Bemerkung Kirche Wappen Amelsen 05562 St. Servatii (18. Jahrhundert) 50px Dassel (Kernstadt) 05564 St. Laurentius (15. Jahrhundert);St. Michael (19. Jahrhundert) 50px Deitersen 05562 Katharina-von-Bora-Kapelle(18. Jahrhundert, Fachwerkkirche) 50px Eilensen 05562 St. Anna (Kapelle: 14. Jahrhundert) 50px Ellensen 05562 St. Matthäus 50px Hilwartshausen 05564 St. Cyriakus (etwa 15. Jahrhundert) 50px Hoppensen 05562 Gutskirche (17. Jahrhundert) 50px Hunnesrück 05564 mit Erichsburg 50px Krimmensen 05562 50px Lauenberg 05562 mit Seelzerthurm St. Petrus (18. Jahrhundert) 50px Lüthorst 05562 St. Magnus(18. Jahrhundert; Turm 10. Jahrhundert) 50px Mackensen 05564 St. Christophorus 50px Markoldendorf 05562 St. Marien (Kapelle: 18. Jahrhundert); St. Martin (19. Jahrhundert); Heilig Geist (20. Jahrhundert) 50px Portenhagen 05562 50px Relliehausen 05564 St. Marien (Kapelle: 20. Jahrhundert) 50px Sievershausen 05564 mit Abbecke Trinitatis (18. Jahrhundert) 50px Wellersen 05562 Dorfkirche (17. Jahrhundert) 50px

Klima Aufgrund der Lage der Stadt in der Gemäßigten Klimazone liegen die langjährigen Durchschnittstemperaturen im Minimum kaum unter 0 °C, im Maximum kaum über 20 °C. Der Deutsche Wetterdienst hat in einer Messreihe zwischen 1961 und 1990 einen mit 879 mm Jahresniederschlag leicht über dem deutschen Durchschnitt liegenden Wert ermittelt. Die Winde kommen überwiegend aus westlichen Richtungen.

Geschichte Mittelalter mini|Hinweistafel an der vermuteten Stelle der Wallburg Dassel Die ersten Erwähnungen Dassels als villa Dassila (Hof) stammen aus den Jahren 826 bis 876Corveyer Traditionen § 428 (Wigand S. 95), als es zu dem durch Karl den Großen eroberten Sachsenland gehörte. In der Nähe dieses Ortes befand sich die Wallburg Dassel.

Die erste Bauernsiedlung gewann an Bedeutung durch die Gründung der St. Laurentius-Kirche Ende des 10. Jahrhunderts, die als romanischer Bau rechts des Spüligbaches errichtet wurde. 1022 löste Kaiser Heinrich II. diese Kirche aus dem Erzbistum Mainz heraus und ordnete sie dem Bistum Hildesheim zu.(Wortlaut der Verfügung Heinrichs II.)

mini|hochkant=0.4|links|Wappen der Grafen von Dassel Mit dem Auftreten der Grafen von Dassel ab 1113 wurde Dassel ihr Kernort und profitierte davon rund zwei Jahrhunderte lang. Während die Grafen ihr Machtzentrum südlich verschoben, entwickelte sich Dassel zu einem bäuerlich geprägten Kirch-, Gewerbe-, Handwerk- und MarktortErich Plümer: Zum 650jährigen Stadtrecht von Dassel. Einbecker Jahrbuch 26, 1964, S. 91 ff.. Der rasche Machtverfall der Grafen in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts führte zu dem Ergebnis, dass die größeren umliegenden Orte wie Einbeck und Uslar an die Welfen fielen, während Dassel und die näheren Dörfer an das Bistum Hildesheim verkauft wurden. Seitdem liefen wichtige Handels- und Verkehrsströme an Dassel vorbei und die Weiterentwicklung des Ortes kam zum Stillstand.

In diesen Zeitraum fällt die Errichtung der Burg Hunnesrück zwischen den Orten Dassel und Mackensen durch die Grafen von Dassel, deren bekanntester Vertreter Rainald von Dassel war. mini|Stadtmauer Das 1310 vom Hildesheimer Bischof erworbene Gebiet um Dassel war eine exponierte Exklave des Bistums Hildesheim und verlangte nach einer zusätzlichen militärischen Sicherung, die die alte Burg Hunnesrück allein nur sehr unvollkommen wahrnehmen konnte. Aus diesem Grunde wurde Dassel schon im Jahre 1315 das Stadtrecht nach Alfelder Recht verliehen und damit die Berechtigung zur Errichtung einer Wehranlage mit Graben, Mauern und Türmen. Bei einem Stadtbrand wurde 1392 der romanische Kirchbau zerstört. 1447 wurde die neue St. Laurentius-Kirche geweiht. Bei einem weiteren Stadtbrand 1519Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg. 1837, S. 299 trug sie Schäden davon, wurde aber repariert.

Die Bischöfe von Hildesheim setzten zur Verwaltung ihrer Exklave Vögte auf der Burg Hunnesrück ein. 1521 wurde sie während der Hildesheimer Stiftsfehde von den Herzögen Erich I. von Calenberg und Heinrich dem Jüngeren von Wolfenbüttel mit Geschützen beschossen und erobert.

Neuzeit mini|Kupferstich der Erichsburg im Ortsteil Erichsburg Nach der Stiftsfehde und mit dem Friedensschluss von 1523 verlor das Bistum Hildesheim Dassel an die Calenberger Linie des Hauses Braunschweig-Lüneburg. Einige Kilometer nordöstlich ließ Erich I. in einer sumpfigen Niederung 1527–1530 die Erichsburg errichten. Erich I. machte sie zum Verwaltungssitz für Dassel. 1539 fasste er Dassel mit Lauenberg, Lüthorst und weiteren Dörfern zum Amt Erichsburg zusammen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Dassel 1625 durch Tillys Truppen zerstört. Als Kriegsfolge erhielt das Bistum Hildesheim 1643 wieder die Grenzen, die bis 1523 gegolten hatten. Somit fiel Dassel wieder an die Bischöfe und wurde erneut Exklave.

Wie in der Zeit vor 1523 wurde Hunnesrück wieder zum Verwaltungssitz. Da von der Burg Hunnesrück jedoch nur noch Mauerreste bestanden, wurden Verwaltungsgebäude mit zugehörigen Wirtschaftsgebäuden erbaut.

Bischof von Brabeck gründete 1688 privat eine Eisenhütte. Im Siebenjährigen Krieg musste Dassel durchziehende Truppen unterbringen und unbezahlt beliefern. 1786 wurde das Herrenhaus derer von Brabeck an der Ilme errichtet.H.-N. Mittendorf: Bei uns zu Hause. 1990, S. 13

19. und 20. Jahrhundert Dassel gehörte – wie das ganze Hochstift Hildesheim – 1802 zu den Entschädigungslanden für preußische Verluste auf dem linken Rheinufer und wurde daher durch preußische Truppen in Besitz genommen. Schon 1807 wurde Dassel durch den Frieden von Tilsit für einige Jahre Teil des Königreiches Westphalen. Nach der Befreiung von französischer Herrschaft nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Dassel als Teil des Fürstentums Hildesheim im Zuge der Gebietsarrondierungen, die schon aufgrund der Reichenbacher Konvention im Vertrag vom 14. Juni 1813 zwischen England und Preußen vereinbart wurden, auf dem Wiener Kongress im Mai 1815 an das Königreich Hannover abgetreten.

In den Jahren 1811, 1848 und 1850 wurden jeweils große Teile der Stadt in Stadtbränden zerstört. Obwohl die Menschen versuchten, ihre Armut durch Verarbeitung und Verkauf von Leinen zu überwinden, waren etliche zur Auswanderung gezwungen. Auch durch Entwässerung der als sumpfig und sauer beschriebenen Wiesen nahe der Ilme versuchten sie ihre Lebensverhältnisse zu verbessern.Hans-Norbert Mittendorf: Zur Kulturgeschichte des heutigen Dasseler Stadtgebietes im Spiegel alter Flurnamen. 1991, S. 24 Verwaltungssitz war in dieser Zeit das vereinigte Amt Erichsburg-Hunnesrück, das 1859 in das Amt Einbeck eingegliedert wurde.

Das Königreich Hannover wurde 1866 durch Preußen annektiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Dassel 1462 EinwohnerW. Keil: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon. Bd. 1, S. 166. Leipzig 1905.. Um 1920 lag die Einwohnerzahl bei 1601Josef Habbel. Habbels Konversationslexikon. Bd. 1, S. 779. Regensburg 1922.. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert hatten in Dassel keine Gebäudeschäden zur Folge. Es waren jedoch zahlreiche Gefallene und Vermisste zu beklagen, zu deren Gedenken Kriegerdenkmäler errichtet wurden. 1930 wurde der Stadt die Selbstverwaltung übertragen.

Im April 1945 wurde das südliche Niedersachsen zum Kriegsschauplatz, nachdem US-amerikanische Einheiten die Weser überquert hatten. In Dassel stationierte Waffen-SS ließ die Bevölkerung an den Ausfallstraßen Panzersperren und Deckungslöcher anlegen. Als die Amerikaner aber von Sievershausen aus über die Erholungsheimstraße anrückten, waren die Stellungen nicht mehr besetzt. An der Kirche wehte die weiße Fahne. Dassel wurde am 10. April 1945 widerstandslos besetzt. Die zum Burgberg geflüchteten Einwohner kehrten alsbald in die Stadt zurück und entfernten auf Befehl der Amerikaner die errichteten Sperren.Heinz Meyer: DAMALS – Der Zweite Weltkrieg zwischen Teutoburger Wald, Weser und Leine. Preußisch Oldendorf 1980, ISBN 3-87725-094-7, S. 277.

Durch den Zustrom vieler Heimatvertriebener aus Schlesien sowie Evakuierter aus Köln-Mülheim und Köln-Riehl nach 1945 mussten zahlreiche Menschen jahrelang in Baracken leben.Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte: Dokumente deutscher Kriegsschäden: Evakuierte, Kriegssachgeschädigte, Währungsgeschädigte; die geschichtliche und rechtliche Entwicklung. Band 2, Ausgabe 2, 1960, S. 175. Daher setzte in Dassel eine rege Neubautätigkeit mit großem Flächenverbrauch ein. Dieser hat sich im 21. Jahrhundert mit sinkender Einwohnerzahl von den Wohngebieten auf das Gewerbegebiet verlagert. Mit der Gebietsreform entstand 1974 die heutige Ausdehnung der Stadt. Bis Ende 2010 war Dassel staatlich anerkannter Erholungsort.

Zugehörigkeit von Dassel:

Name Dassel wurde im Mittelalter Dassila oder Dassele geschrieben. Etymologen erkennen hierin Hinweise auf die feuchte Lage des Ortes an einem Fluss.Kirstin Casemir, Franziska Menzel, Uwe Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, ISBN 3-89534-607-1, S. 86 f.

Da die Grafen von Dassel 1325 in männlicher Linie ausstarben, ist der heutige Familienname Dassel auf die Herren von Dassel zurückzuführen.

Durch die Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert kam der Name Dassel auch auf den amerikanischen Kontinent. So ist beispielsweise Bernhard Dassel der Namensgeber der Stadt Dassel in Minnesota.

Geplante Umbenennung zur „Grafschaft Dassel“