mini|300px|Jari-Matti Latvala (Ford Focus RS WRC 09) bei der Rallye Finnland 2010 mini|Ein Peugeot 206 WRC bei der Rallye Schweden 2003 auf Schnee
Die Rallye [ oder ] ( rallye, rally) ist ein Wettbewerb im Motorsport, der teilweise über mehrere Tage (Etappen) verteilt mit Einzelzeitmessung auf normal asphaltierten Straßen oder auf geschotterten Feld- und Waldwegen ausgetragen wird. Über Verbindungsetappen (liaison) im öffentlichen Straßenverkehr fahren Teilnehmer mit straßenzugelassenen Autos zum Startpunkt einer Wertungsprüfung (special) und müssen dort pünktlich erscheinen (ggf. Strafpunkte), um nicht an abgelegenen Orten unnötige Staus zu verursachen. Meistens im Minutenabstand einzeln gestartet, fahren die Teilnehmer auf der abgesperrten Wertungsprüfungsstrecke „gegen die Uhr“. Ein Überholvorgang kommt fast nie vor, zumal die bislang Schnellsten zuerst starten, sofern nicht Abräumen von Schotter oder Schnee den Wettbewerb verzerren würde und man dafür Vorausfahrzeuge einsetzt. Wertungsprüfungen können meist vorher besichtigt werden, wobei der Beifahrer mit Notizen zum Streckenverlauf das „Gebetbuch“ erstellt, das während der Prüfung vorgelesen wird.
Die Wertung beruht auf der Summe der Fahrzeiten bei den Wertungsprüfungen sowie etwaigen Strafzeiten für Regelverstöße. Die bekanntesten Rallys sind die Monte (Rallye Monte Carlo, seit 1911) und die Dakar (Rallye Dakar, früher Rallye Paris–Dakar, seit 1979) die jedoch zuletzt 2007 Dakar anfuhr und inzwischen in anderen Kontinenten ausgetragen wird. Bei dieser Wüstenrallye fahren auch Motorräder und LKW in Wertungen mit, und das Roadbook wird vom Veranstalter gestellt.
Eine globale Serie von derzeit 14 Rallyes ist mit ihren vielfältigen Wertungsprüfungen in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft zusammengefasst.
Begriffsgeschichte Rallye ist ein aus dem Englischen und Französischen stammendes Wort. Das seit etwa 1600 belegte englische Verb rally („zusammenbringen“, „sammeln“ oder „sich versammeln“) geht zurück auf Französisch rallier („sammeln“, wörtlich re + allier = „wiedervereinigen“). Um 1650 kam das englische Substantiv rally auf, zunächst im Sinne von „Sammeln der militärischen Kräfte nach einem Rückschlag“.Online Etymology Dictionary: rally, siehe Verb 1 und Substantiv. Daraus entwickelte sich für das Substantiv rally die allgemeine Bedeutung „Zusammenkunft“. Die Bedeutung „Großveranstaltung, bei der die Massen aufgepeitscht werden“ ist erstmals 1840 im amerikanischen Englisch belegt. Die Nürnberger Reichsparteitage werden im Englischen als Nuremberg Rallies bezeichnet.
Die spezielle Bedeutung „organisiertes Treffen von begeisterten Automobilisten“ entwickelte sich zunächst im Französischen mit der Schreibweise rallye, das von englisch rally abstammt. Diese neuere Bedeutung ist seit 1932 auch für das englische Wort belegt. Im Deutschen wurde die französische Schreibweise übernommen, im Zusammenhang mit international gebräuchlichen Namen taucht jedoch auch die englische Schreibweise auf, zum Beispiel bei World Rally Championship.
Mit Bezug zum Rallyesport gelangte das Wort auch in viele weitere Sprachen: zum Beispiel dänisch, schwedisch, niederländisch und italienisch rally, finnisch und türkisch ralli, ungarisch rali, rumänisch raliu. In einigen Sprachen gibt es konkurrierende Schreibweisen, zum Beispiel im Spanischen rally und rallye, daneben in jüngerer Zeit auch rali.
Der Duden gab zu Rallye bis zur 21. Auflage (1996) noch an, die Bedeutung sei „Autosternfahrt“.Duden Band 1, Die Deutsche Rechtschreibung, 21. Auflage, 1996, S. 604. Diese längst überholte Angabe geht auf die historische Rallye Monte Carlo zurück, die 1911 als Treffen von Automobilisten aus verschiedenen Ländern ins Leben gerufen wurde. Die Teilnehmer starteten in ihrem Heimatland, zum Beispiel in Deutschland in Bad Homburg vor der Höhe, in einer wie Monte Carlo durch sein Spielkasino bekannten Stadt. Die gemeinsamen Fahrtests begannen in Frankreich schon, bevor Monte Carlo erreicht war. Dabei entwickelte sich der Charakter von einer touristischen Orientierungsfahrt über eine Zuverlässigkeitsprüfung der Fahrzeuge bis hin zum heute üblichen Wettbewerb mit dem Ziel, möglichst kurze Fahrtzeiten auf den Wertungsprüfungen zu erreichen. Mit der 22. Auflage (2000) aktualisierte der Duden seinen Eintrag in „Autorennen [in einer od. mehreren Etappen] mit Sonderprüfungen“.Duden Band 1, Die Deutsche Rechtschreibung, 22. Auflage, 2000, S. 790.Vgl. die aktuelle Angabe zu Rallye bei Duden online: „Wettbewerb für serienmäßig hergestellte Kraftfahrzeuge in einer oder mehreren Etappen mit verschiedenen Sonderprüfungen“.
Rallye-Gliederung und Rolle des Beifahrers mini|Marcus Grönholm bei der Rallye Australien 2006 auf Schotter mini|Wittmann/Nestinger im Audi quattro (Jänner-Rallye 1984) Eine Rallye gliedert sich in Verbindungsetappen im öffentlichen Straßenverkehr, bei denen sich alle Teilnehmer strikt an die gültigen Verkehrsregeln halten müssen (Kontrolle z. B. über vorgegebene Sollzeiten und auch von der Polizei), sowie den Wertungsprüfungen. Auf diesen eigens abgesperrten Straßen und Wegen (asphaltiert oder auf anderem Streckenbelag, in der Regel Schotter, im Winter auch auf Schnee und Eis) ist jedes Fahrzeug einzeln gegen die Uhr unterwegs. In eher seltenen Fällen kann der vorausfahrende Konkurrent eingeholt werden, jedoch liegt dies meist an einem Defekt seines Autos oder an einem von ihm begangenen Fahrfehler. Normalerweise starten die Schnellsten zuerst, wobei nach Fahrzeugklassen geordnet wird, damit die Teilnehmer jeder Klasse möglichst die gleichen Bedingungen vorfinden.
Strikte Zeitvorgaben bestimmen außerdem den Ablauf einer Rallye. Diese sind auf die Minute genau einzuhalten. Es gibt Zeitstrafen für zu spätes oder zu frühes Eintreffen an Zeitkontrollen (ZK), vor dem Start von Wertungsprüfungen sowie an der Einfahrt und Ausfahrt von Serviceparks.
Manche Rallyes enthalten über die eigentlichen Wertungsprüfungen hinaus eine zusätzliche Super Special Stage. Hier treten je zwei Fahrer gegeneinander an, die Fahrzeuge befinden sich aber nicht auf der gleichen Strecke, sondern auf zwei parallel verlaufenden Kursen. Die Kurse sind in der Regel vergleichsweise kurz. Diese Prüfungen erstrecken sich meist über einen Tag oder ein ganzes Wochenende, weil alle Fahrer der Veranstaltung starten müssen.
Copilot Charakteristisch für eine Rallye ist der Copilot (Beifahrer), international auch Navigator genannt, der auf den Wertungsprüfungen mit einem zuvor bei Besichtigungsfahrten vom Fahrer diktierten und vom Copiloten festgehaltenen Aufschrieb (das „Gebetbuch“) dem Fahrer Entfernungsangaben und Kurvenradien sowie Sprungkuppen, Belagwechsel und sonstige Besonderheiten der Fahrbahn ansagt (also „vorbetet“). Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Erfolg eines jeden Teams und erfordert eine hohe geistige und körperliche Leistungsfähigkeit vom Copiloten. Darüber hinaus kümmert sich der Beifahrer um das exakte Einhalten der vorgegebenen Abschnittszeiten und er lässt am Beginn und Ende eines Abschnitts an den Zeitkontrollen die Bordkarte (= Kontrollkarte der Rallye-Organisatoren) abstempeln. Offiziell besteht die Fahrzeugbesatzung bei einer Rallye aus dem 1. Fahrer und dem 2. Fahrer und es ist dem Beifahrer gestattet, das Auto auch selbst unter Wettbewerbsbedingungen zu steuern. Dies kann beispielsweise nötig sein, wenn sich der Fahrer während des Wettbewerbs verletzt, oder wenn ihm wegen einer Geschwindigkeitsübertretung auf den Verbindungsetappen der Führerschein entzogen wird. Service-Zeiten Bei Rallyes sind üblicherweise Service-Zeiten (z. B. je 20 Minuten) vorgesehen, innerhalb derer die Teilnehmer ihre Fahrzeuge zweimal (manchmal dreimal) in festgelegte Serviceparks fahren müssen. Dort können dann Reparaturen von Mechanikern vorgenommen werden. Am Tagesende beträgt diese Servicezeit z. B. 45 Minuten, bevor die Fahrzeuge in einem bewachten Bereich, dem Parc Fermé, über Nacht verschlossen werden. Außerhalb eines Serviceparks dürfen lediglich Fahrer und Beifahrer Reparaturen durchführen, und dazu dürfen sie nur an Bord mitgeführte Ersatzteile und Werkzeuge verwenden.
Rallye 200 Als Breitensportveranstaltung für Amateure gibt es in Deutschland eine Vielzahl so genannter Rallye 200, bei denen eine Gesamtdistanz von maximal 200 km zurückgelegt wird. Maximal 35 km dieser Strecke bestehen aus den Wertungsprüfungen (WPs), wobei es sich um abgesperrte Straßen (meist Feldwege, teilweise Industriegebiete bzw. Truppenübungsplätze, manchmal aber auch ganz normale Straßen und sogar Ortsdurchfahrten) handelt, die in möglichst kurzer Zeit abgefahren werden müssen. Bei den restlichen bis zu 165 km handelt es sich um Verbindungsetappen vom Ende einer WP zum Start der nächsten WP. Bei diesen Verbindungsetappen handelt es sich um öffentliche (also nicht gesperrte) Straßen, auf denen unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung gefahren werden muss. Zusätzlich wird den Teams vom Veranstalter vorgegeben, wie lange sie für die jeweilige Verbindungsetappe zu brauchen haben, wobei insbesondere eine Unterschreitung dieser Vorgabe zu deutlichen Zeitstrafen führt.
mini|Ein Opel Kadett bei der Taunus-Rallye 2003, eine der vielen Rallye-200-Veranstaltungen
Die erforderlichen Genehmigungen für WPs sind in der Regel nur schwer zu erhalten, weil dabei unter anderem Naturschutzbelange und Bedenken von Anwohnern zu berücksichtigen sind.
Außerdem gibt das Rallye-200-Reglement die maximale Länge einer WP vor und verlangt zudem, dass dieselbe WP nur höchstens dreimal gefahren werden darf. Durch diese Rahmenbedingungen hat es sich sehr verbreitet, dass Rallye-200-Veranstaltungen mit drei unterschiedlichen WP-Strecken auskommen, die jeweils zweimal gefahren werden. Allerdings gibt es auch Rallye-200-Veranstaltungen, die sechs oder sogar sieben unterschiedliche WP-Strecken bieten (z. B. die ADAC-Grabfeldrallye).
An einer Rallye 200 kann jeder teilnehmen, der im Besitz einer Fahrer-Lizenz ist, wobei in der Regel auch eine Veranstaltungslizenz (auch Tageslizenz genannt) erworben werden kann (diese gilt nur für eine Veranstaltung). Allerdings kann nicht mit einem normalen Auto teilgenommen werden, da dieses zumindest mit einem Überrollkäfig und einem Handfeuerlöscher ausgestattet sein müsste. Abgesehen davon müssen auch weitere technische Vorschriften eingehalten werden, die z. B. die Art der erlaubten Umbauten vorschreiben und nicht zuletzt die maximale Motorleistung, wie bei allen anderen Rallyes, auf 300 PS limitieren. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird vor dem Start der Veranstaltung von so genannten Technischen Kommissaren überprüft. Da eine Rallye 200 auch auf öffentlichen Straßen stattfindet, muss der Fahrer zudem im Besitz einer (gültigen) Fahrerlaubnis sein, und das Fahrzeug muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen (insbesondere müssen also alle Umbauten in den Fahrzeugpapieren eingetragen sein).
Allerdings besteht mit einem „normalen“ serienmäßigen Fahrzeug kaum die Möglichkeit, sehr erfolgreich zu sein, da gegen speziell für Rallyes umgebaute Autos angetreten werden muss. Dank einer Unterteilung in verschiedene Gruppen (z. B. für Serienfahrzeuge oder für verbesserte Autos), die wiederum nach Hubraum bzw. Leistungsgewicht in unterschiedliche Klassen unterteilt sind, ist dennoch sichergestellt, dass eigentlich jeder Teilnehmer einer Rallye 200 um den Sieg fährt – und sei es „nur“ um den Klassensieg.
Oldtimer- und Youngtimer-Rallyes mini|Ein Rallye-Youngtimer vom Typ Opel Kadett C (2005) Bei manchen Rallyes werden auch Fahrzeuge bewegt, die schon seit vielen Jahren nicht mehr gebaut werden. Man unterscheidet allgemein zwischen Oldtimern, die älter als 30 Jahre alt sind, und den so genannten Youngtimern, die jüngere Baujahre ab einem Alter von 20 Jahren einschließen. Es gibt Rallyes, in denen die Youngtimer ganz unter sich bleiben, etwa die zur Youngtimer-Meisterschaft zählende Rallye Köln-Ahrweiler.