mini|Tetris für den Game Boy, eine sehr populäre Tetris-Version (1989)
Tetris () ist ein puzzleartiges Computerspiel des russischen Programmierers Alexei Paschitnow, der die erste spielbare Version am 6. Juni 1984Franklin Paul: At 25, Tetris Still Eyeing Growth. reuters.com, 2. Juni 2009. (englisch) auf einem Elektronika-60-RechnerWitold Pryjda: Tetris und der Siegeszug der fallenden Steine. Zeit Online, 10. Juni 2006. fertigstellte. Tetris gilt heute als Computerspiel-Klassiker, dessen Ableger sich bis heute insgesamt über 425 Millionen Mal verkauft haben, vielfach ausgezeichnet wurden und für mehr als 65 Computerplattformen erschienen.
Spielprinzip mini|Die Tetris-Bausteine I, J, L, O, S, T und Z (auch Tetrominos genannt)
Das Spielprinzip von Tetris lehnt sich an das des Puzzlespiels Pentomino an; im Unterschied zu diesem arbeitet Tetris jedoch nur mit sieben (statt zwölf) Formen, die zudem keine Pentominos sind, sondern Tetrominos (und ihre gespiegelten Formen). Diese – stets aus vier Quadraten zusammengesetzten – Formen werden häufig mit lateinischen Buchstaben bezeichnet, denen sie ähneln: das I, das O und das T sind achsensymmetrisch, bei den übrigen gibt es die jeweils spiegelbildlichen Varianten J/L sowie S/Z. Abgeleitet von dem mathematischen Begriff Tetromino (aus vier Quadraten bestehende Form) existiert die Bezeichnung Tetrimino speziell für die Tetris-Spielsteine. Ursprünglich sollten die Tetrisformen aus fünf Quadraten bestehen, was den Entwicklern aber ein zu hoher Programmieraufwand war.
Vom Spieler müssen die einzeln vom oberen Rand des rechteckigen Spielfelds herunterfallenden Tetrominos in 90-Grad-Schritten gedreht und von der Mitte nach rechts oder links verschoben werden, sodass sie am unteren Rand horizontale, möglichst lückenlose Reihen bilden. Sobald eine horizontale Reihe komplett ist, verschwindet diese. Alle darüberliegenden Reihen rücken nach unten und geben damit einen Teil des Spielfeldes wieder frei. Für das gleichzeitige Tilgen mehrerer Reihen erhält der Spieler eine höhere Punktzahl pro Reihe als für eine einzelne. Der Name des Spiels rührt von dem altgriechischen Wort tetra (dt.: „vier“) und bezeichnet die Zahl der Quadrate pro Tetromino. So wird das gleichzeitige Tilgen von vier Reihen als Tetris bezeichnet.
mini|Physikalische Unkorrektheit der Spielmodellierung beim klassischen Tetris: ein Spielstein schwebt in der Luft
Wenn eine bestimmte Anzahl entfernter Reihen erreicht worden ist, wird die Fallgeschwindigkeit der Tetrominos erhöht. Das Spiel endet, sobald sich die nicht abgebauten Reihen, also jene mit Lücken, bis zum oberen Spielfeldrand aufgetürmt haben.
Geschichte Idee und Erfolg im Ostblock
Der Russe Alexei Paschitnow, damals beim Dorodnitsyn-Computer-Zentrum der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau angestellt, kam im Frühling 1984 auf die Idee, das Puzzlespiel Pentomino, das er aus seiner Kindheit kannte und sehr mochte, in ein Computerspiel umzusetzen. Die erste Version, von Paschitnow auf seiner Elektronika 60 entwickelt und noch ohne Sound und Farbe, war bald fertig und zog nach und nach die ganze Belegschaft in ihren Bann. Paschitnow gab dem Spiel den Namen Tetris, als Kombination aus Tetromino und Tennis.Tetris Story von Vadim Gerasimov (englisch) Wadim Gerassimow übertrug das Spiel kurze Zeit später auf einen IBM-PC. Im Sommer 1985 entstand die erste Farbversion, die Paschitnow dann auch nach außen weitergab. Das Spiel wurde immer weiter kopiert und breitete sich schnell in der Sowjetunion und danach im ganzen Ostblock aus.
Erste Verkäufe im Westen Ungarn war zu der Zeit recht erfolgreich mit dem Export von Puzzlespielen und Computertechnik, sodass dort der Geschäftsmann Robert Stein von Andromeda Software erstmals auf Tetris aufmerksam wurde. Seine Anfrage beim Computerzentrum wurde recht emotionslos aufgenommen, da man dort Tetris wenig ernst nahm. Steins Angebot beantwortete man aber mit der Bekundung von Interesse. Da formlose Vereinbarungen in der Softwareindustrie üblich waren, sah dieser die Antwort als Zusage an. Er nahm Kontakt mit Mirrorsoft auf, dem Softwareflügel der Maxwell Corporation, die 1986 zu den großen britischen Medienimperien gehörte. Auch bei Mirrorsoft fand das Spiel großen Anklang. Stein gelang zudem der Verkauf an Spectrum HoloByte in Kalifornien.
Kampf um die Videospiellizenz Als aber die erste Version auf dem Markt erschien, erhielt Stein ein Telex von Elektronorgtechnica („Elorg“), einer in Moskau ansässigen Staatsfirma, die für die zentrale Vermarktung von sowjetischen Softwareprodukten zuständig war. Diese erklärte ihm, dass die Rechte nie vergeben worden waren. Stein gelang es aber bei einem Besuch in Moskau, die Rechte für Personal- und Heimcomputer zu erhalten.
Der große Spielemarkt lag damals aber bei den Spielkonsolen, sodass Mirrorsoft mit Atari Games Kontakt aufnahm, eine Version für diese zu produzieren. Allerdings war man sich nicht bewusst, dass man die Rechte für diese Gerätegattung gar nicht besaß.
Henk Rogers vom japanischen Publisher Bullet Proof Software entdeckte das Spiel 1987 auf der Unterhaltungselektronik-Messe CES am Stand von Spectrum Holobyte und bemühte sich um die Verwertungsrechte für den japanischen Markt. Die Lizenz für Computer-Umsetzungen erhielt er direkt von Spectrum Holobyte. Die Rechte für TV-Spielkonsolen erhielt Rogers von Atari Games und veröffentlichte auf dieser Grundlage 1988 in Japan eine Version für die Famicom-Konsole.Tetris von Bullet Proof Software für Famicom in der Datenbank von GameFAQs. (englisch)
Bei Nintendo wollte man Tetris bei der Markteinführung dem neu entwickelten Game Boy beilegen. Henk Rogers sollte daher Nintendo schnell die Rechte sichern. Robert Stein hatte diese schon mit Mirrorsoft weitgehend abgeklärt, wollte Rogers aber als potenziellen Abnehmer für andere Software bei der Stange halten.
Obwohl sich das Spiel erfolgreich verkaufte, blieben die Lizenzzahlungen in der Verwertungskette hängen, sodass Elorg nie die vereinbarten Zahlungen von Andromeda Software erhielt. Nikolai Belikow untersuchte bei Elorg im Auftrag der sowjetischen Regierung den Fall. Die Angelegenheit wurde zunehmend ein Politikum, da der Chef der Maxwell Corporation, Robert Maxwell, einer der reichsten Männer der Welt war und gute Kontakte zu Gorbatschow hatte.
Da nicht gezahlt wurde, blieben die weiteren Verhandlungen stecken. Rogers fühlte sich von Stein hingehalten und flog selbst nach Moskau. Auch Stein war in Moskau, und Mirrorsoft hatte heimlich Kevin Maxwell, den Sohn von Robert Maxwell, geschickt, um sich die Rechte zu sichern. Während die beiden Termine bei Elorg hatten, kam Rogers unvorbereitet und unerwartet nach Moskau. So ergab es sich, dass alle drei am selben Tag bei Elorg erschienen, wobei man allerdings vermied, dass sie sich begegneten. Rogers war der erste und zeigte Belikow die japanische Tetris-Version, die bei Atari Games und damit indirekt bei Robert Stein lizenziert war. Es stellte sich heraus, dass die Rechte dafür gar nicht an Stein vergeben worden waren. Rogers war schockiert, offerierte aber seine guten Kontakte mit Nintendo. Stein war der zweite Besucher des Tages und hatte gehofft, er könnte sich weitere Rechte an Tetris sichern, sah sich dann aber wegen der Lizenzüberschreitungen und ausbleibenden Zahlungen nur mit Vorwürfen konfrontiert. Maxwell erschien als dritter und brach die Verhandlungen schnell ab, da ihm die Lizenzverstöße bis dahin unbekannt waren und er zuerst Rücksprache halten musste.
Belikow gelang es durch eine geschickte Verhandlungstaktik, die Rechte für Stein präzise auf bestimmte Geräte einzugrenzen, ohne dass sich dieser dessen bewusst war. Letztendlich legte der neue Vertrag weitgehend die sowieso schon abgeschlossenen Rechte fest. Rogers hatte sich derweil mit Paschitnow angefreundet. Da Maxwell zudem arrogant auftrat, entschied Elorg sich, die Handheld-Rechte an Rogers zu vergeben. Bei Nintendo wollte man sich auch die Konsolenrechte sichern und flog heimlich nach Moskau und schloss dort einen Vertrag mit Elorg ab, der einen Betrag von 500.000 US-Dollar zuzüglich 0,50 US-Dollar pro Kopie festlegte.
Politischer Druck Als man sich bei Maxwell bewusst wurde, dass man die Rechte nicht erhalten hatte, war man wütend und drohte am 23. März 1989 in einem Telex an Belikow, bei Gorbatschow persönlich bei dessen Staatsbesuch in Großbritannien Druck auszuüben. Belikow wurde auch von sowjetischer Seite unter Druck gesetzt, aber da die Situation sich durch die Perestroika verändert hatte, waren die Auswirkungen für ihn nicht so fatal, wie sie noch wenige Jahre zuvor hätten ausfallen können.
Desaster für Atari Games und Maxwell Für Atari Games entwickelte sich die Angelegenheit zu einem Desaster und wurde so zu einem der Gründe für den Niedergang der Firma. Man hatte schon Millionen in Entwicklung und Vermarktung investiert, als Nintendo die Firma davon in Kenntnis setzte, dass sie die Videospielrechte nicht hätten. Atari Games’ Konsolenspieltochter Tengen brachte das Produkt im Mai 1989 trotzdem auf den Markt und Atari Games strengte einen Prozess gegen Nintendo an, bei dem Belikow als Zeuge aussagen sollte. Dieser wurde vor seinem Abflug vor einen staatlichen Ausschuss zitiert, wo man ihm drohte, ihn für alle Verluste verantwortlich zu machen, die der Sowjetunion entstehen würden, wenn Atari Games den Prozess gewinnen würde. Im November 1989 fiel die Entscheidung zugunsten Nintendos. Atari Games musste Hunderttausende von Spielemodulen in ihrem Lager vernichten.
Nintendos und Paschitnows größter Erfolg Für Nintendo wurde Tetris ein großer Erfolg. Sie verkauften acht Millionen Kopien für das Nintendo Entertainment System. Der Game Boy wurde auch durch das im Lieferumfang enthaltene Tetris zu einem Erfolg und verkaufte sich insgesamt 70 Millionen Mal.
Paschitnow erhielt allerdings nichts aus den gezahlten Geldern und entschied sich 1991, in die USA auszuwandern und in Seattle eine Firma aufzubauen. Zwischen 1996 und 2005 arbeitete er für Microsoft. Die ursprünglich vergebenen Rechte liefen ebenfalls 1996 aus, sodass er von da an auch Geld für das von ihm entwickelte Spiel erhielt. Allerdings machten die Gewinne zu diesem Zeitpunkt nur noch einen Bruchteil der in den vorangegangenen Jahren gezahlten Summen aus.
Versionen mini|Tetris auf einem TI-83-Plus-Taschenrechner mini|GNOMEtris: ein freier Klon von Tetris
Tetris ist wie kaum ein anderes Spiel kopiert und nachgeahmt (Software-Klone) worden und in vielen Versionen und Variationen für nahezu jedes System erschienen. Schon bald erschienen Ende der 1980er-Jahre Tetris-Spiele von Herstellern wie Atari, THQ und Nintendo für verschiedene Heimcomputer und stationäre Arcade-Systeme.
Tetris für den Game Boy und Game Boy Color Die monochrome Version von 1989 für die tragbare Spielekonsole Game Boy von Nintendo wurde sehr populär und erfolgreich, da die ersten Game Boys zusammen mit einem Tetris-Modul ausgeliefert wurden. Die Game-Boy-Variante von Tetris kann mit zwei Game Boys über ein Link-Kabel zu zweit gespielt werden. Durch gleichzeitiges Abbauen von zwei oder mehr Zeilen kann man dem Gegner eine unvollständige Zeile von unten in sein Spielfeld schieben. Zwei komplette Zeilen ergeben eine Zeile beim Gegner, drei Zeilen entsprechend zwei. Nur bei einem „Tetris“ – also vier Zeilen auf einmal – werden auch vier Zeilen zum Gegner geschickt. Die Zeilen enthalten eine freie Spalte, wodurch sie, falls diese Spalte nicht durch andere Steine verdeckt ist, mit einer passenden Form eliminiert und so zurückgeschickt werden können.
Tetris für das Nintendo Entertainment System (NES)