Eine Transaktionsnummer (TAN) ist ein Einmalkennwort, das üblicherweise aus sechs Dezimalziffern besteht und vorwiegend im Online-Banking verwendet wird. Eine Transaktionsnummer wird üblicherweise benötigt, um eine einzelne Transaktion zu bestätigen, etwa eine Bank-Überweisung, daher der Name.

Realisierung Es gibt mehrere Ansätze, um TANs zu erzeugen, zu prüfen und an den Nutzer zu übertragen. Einige davon werden im Folgenden beschrieben.

TAN-Liste (klassisches TAN-Verfahren) Beim klassischen TAN-Verfahren erhält der Teilnehmer am Electronic Banking eine Liste von Transaktionsnummern, meist per Post. Bei jedem Buchungsvorgang – der Transaktion – muss eine TAN der aktiven Liste eingegeben werden. Diese kann vom Nutzer beliebig gewählt werden. Sie ist eine Ergänzung zur Persönlichen Identifikationsnummer (PIN). Falls die Bank nach Eingabe der korrekten PIN einen Buchungsauftrag mit korrekter TAN erhält, geht sie davon aus, dass der Auftrag vom Kunden abgesendet wurde. Die TAN wird von der Bank als Quasi-Unterschrift interpretiert. Sie verfällt nach einmaligem Gebrauch, weshalb der Nutzer eine verwendete TAN ausstreichen muss, um sie nicht mehrfach zu verwenden. Wenn die TAN-Liste eines Kunden zur Neige geht, sendet die Bank nach Anforderung (oder von sich aus) eine neue.

Als die Anzahl von Phishing-Angriffen stark zunahm, wurde diese Art der TAN-Liste von vielen Banken ab etwa 2005 durch die indizierte TAN-Liste ersetzt.Postbank mit neuem TAN-System gegen Phishing. heise.de, 7. August 2005; abgerufen am 3. Februar 2018

Bankseitig sind die TANs nicht im Klartext gespeichert. Stattdessen werden (sowohl für klassische als auch für indizierte TANs) die Hash-Werte der TANs gespeichert, die mittels einer geheimgehaltenen kryptographischen Hashfunktion berechnet werden. Nur der Kunde kennt die tatsächlichen TANs. Bei Eingabe einer TAN berechnet die Bank deren Hashwert und vergleicht ihn mit den gespeicherten Hashwerten, um die Eingabe zu prüfen. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass bei einem Einbruch in die Datensysteme der Bank keine TANs im Klartext erbeutet werden, nur die Hashwerte. Aufgrund der Eigenschaften der Hashfunktion ist es aber nicht möglich, aus dem Hash die tatsächliche TAN zu errechnen.

Indizierte TAN-Liste (iTAN) mini|Eine ausgelaufene iTAN-Liste

Einen Schritt weiter als das klassische TAN-Verfahren gehen die indizierten Transaktionsnummern, kurz iTAN: Kunden können hier ihren Auftrag nicht mehr mit einer beliebigen TAN aus der Liste legitimieren, sondern werden von der Bank aufgefordert, eine bestimmte, durch eine Positionsnummer (Index) gekennzeichnete TAN aus der zu diesem Zweck nun durchnummerierten Liste einzugeben. Die TAN-Eingabe muss innerhalb weniger Minuten erfolgen. Auch im Falle einer Nichtverwendung wird die angeforderte TAN im Bankrechner als verbraucht gekennzeichnet.

Dieses Verfahren kann von Hackern auf zwei Weisen angegriffen werden:Daniel Bachfeld: Erfolgreicher Angriff auf iTAN-Verfahren. Heise Newsticker, 11. November 2005; abgerufen am 3. Februar 2018

Infektion des Systems des Opfers mit einem „Trojaner“ Man-in-the-Middle-Angriff

In beiden Fällen ist das Ziel des Angreifers, sich unbemerkt in die Kommunikation der Bank mit dem Kunden einzuklinken und dem Bankkunden zu suggerieren, dass er sich auf einer Bank-Website befinde, obwohl er sich tatsächlich auf einer gefälschten Bank-Website befindet. Durch Einblenden eines Formulars innerhalb eines gefälschten Online-Banking-Systems kann dann der Online-Banking-Kunde z. B. zur Eingabe mehrerer TANs inklusive Indexnummer aufgefordert werden.

Die Schadsoftware tauscht im Hintergrund die Überweisungsdaten aus; mit der angeforderten TAN bestätigt der Online-Banking-Kunde also tatsächlich die betrügerische Überweisung des Hackers. Auf seinem PC-Bildschirm sieht er immer noch seine Originalüberweisung. Selbst die Umsatzanzeige und der Kontosaldo können so manipuliert werden, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen.

Immer mehr Banken sahen daher die iTAN-Liste nur noch als Mindestschutz und empfahlen ihren Kunden andere Verfahren (siehe unten).

Ein Nachteil der iTAN ist, dass auch für Überweisungen von unterwegs (z. B. aus dem Urlaub) immer die gesamte iTAN-Liste benötigt wird. War es beim einfachen TAN-Verfahren noch möglich, einzelne TANs verdeckt (etwa getarnt als Telefonnummer) mitzuführen, ist eine iTAN-Liste schwerer zu tarnen und könnte einem Dieb so als Ganzes in die Hände fallen. Allerdings benötigt ein Dieb immer noch die PIN, um Geld zu erbeuten.

Dagegen besteht ein praktischer Vorteil der iTAN gegenüber der einfachen TAN darin, dass man verbrauchte iTANs nicht von der Liste streichen muss. Dadurch kann man beispielsweise ohne Synchronisierungsprobleme mit mehreren, voneinander unabhängigen, verschlüsselten elektronischen Kopien einer iTAN-Liste arbeiten.

Das iTAN-Verfahren gilt seit Einführung nicht als völlig sicher. Phishing-Angriffe sind durch iTAN zwar schwieriger geworden, aber nicht unmöglich. Das BKA hat im Jahr 2008 rund 1800 erfolgreiche Phishing-Angriffe registriert, die in aller Regel durch die Einschleusung von Trojanern erfolgten.

Anfang 2007 tauchten demnach erste „phishing kits“ (Software-Module) auf, die über Man-in-the-middle-Angriffe abgefischte iTANs in Echtzeit für eigene Transaktionen benutzen könnten. 2010 wurden mit einem entsprechenden iTAN-Trojaner 1,65 Millionen Euro erbeutet. Das Schadprogramm („Trojaner“) manipulierte dabei im Hintergrund sowohl die Überweisungsdaten als auch die Kontoübersichtsseite, wodurch die tatsächlich getätigten Überweisungen verborgen blieben.Katusha: LKA zerschlägt Ring von Online-Betrügern WinFuture.de, 29. Oktober 2010

2012 empfahl die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) daher allen Banken, die PCs ihrer Kunden grundsätzlich als infiziert zu betrachten und deshalb Sicherheitsverfahren zu verwenden, bei denen diese noch einmal unabhängig vom PC die tatsächlichen Überweisungsdaten kontrollieren können. Beispiele sind laut ENISA – unter dem Vorbehalt, dass die Sicherheit des Mobiltelefons gewährleistet werden kann – mTAN, oder Smartcard-basierte Lösungen mit eigenem Kontroll-Bildschirm wie chipTAN.“High Roller” online bank robberies reveal security gaps European Union Agency for Network and Information Security, 5. Juli 2012

Aufgrund der europäischen Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Service Directive 2, kurz PSD 2) mussten die Banken die Papier-TAN bis zum 14. September 2019 für Zahlungsverkehrskonten abschaffen.

Indizierte TAN-Liste mit Kontrollbild (iTANplus) Der beim iTAN-Verfahren mögliche Man-in-the-middle-Angriff wird durch das sogenannte iTANplus-Verfahren erschwert, aber nicht verhindert. Bei diesem Verfahren wird vor Eingabe der iTAN ein Kontrollbild angezeigt, in welchem sämtliche Transaktionsdaten noch einmal aufgeführt werden. Außerdem wird als digitales Wasserzeichen das Geburtsdatum des Kontoinhabers angezeigt, welches einem Man-in-the-middle-Angreifer in der Regel nicht bekannt sein sollte. Dadurch soll ein automatisches Generieren eines manipulierten Kontrollbildes durch einen Angreifer erschwert werden. Nachteil dieses Verfahrens ist die Verschlechterung der Ergonomie, da das Kontrollbild schwieriger zu lesen ist als die Aufforderung zur iTAN-Eingabe in normaler Textform.

TAN mit Bestätigungsnummer Das Verfahren kann um eine Bestätigungsnummer (BEN) erweitert werden, mit der die Bank die Auftragsannahme im Gegenzug quittiert. Das bedeutet, dass ein Angriff als Man-in-the-Middle und nahezu in Echtzeit stattfinden muss, um nicht aufzufallen. Phishing und Pharming fielen auf, da keine (korrekten) BENs zurückgegeben würden.

SMS-TAN (smsTAN, mTAN) mini|SMS-TAN von der Postbank mini|SMS-Tan der Volksbank auf einem Nokia 6500 Classic von 2007 für eine »SEPA«-Überweisung

Funktionsprinzip Die Variante SMS-TAN (smsTAN) wird oft auch Mobile TAN (mTAN) genannt und besteht aus der Einbindung des Übertragungskanals SMS. Dabei wird dem Onlinebanking-Kunden nach Übersendung der ausgefüllten Überweisung im Internet seitens der Bank per SMS eine nur für diesen Vorgang verwendbare TAN auf sein Festnetz- oder Mobiltelefon gesendet. Der Auftrag muss anschließend mit dieser TAN bestätigt werden.

Sicherheit Durch den SMS-Versand der TAN gilt mTAN als sicherer als iTAN oder das klassische TAN-Verfahren. Dadurch, dass die Gültigkeitsdauer der TAN begrenzt ist, zusätzlich die Zielkontonummer (oder Teile davon) sowie der Überweisungsbetrag in der SMS angegeben werden und die TAN nur für genau diese Transaktion gültig ist, soll eine Umleitung auf ein anderes Konto durch einen Man-in-the-middle-Angriff auf die Homebanking-Webseite verhindert werden. Auch werden Phishing-Angriffe auf TANs im mTAN-Verfahren erschwert. Der TÜV Rheinland bescheinigte im Jahr 2006 dem mTAN-System der Postbank AG eine „wirksame Absicherung der von außen zugänglichen technischen Systeme gegen unbefugte Nutzung“. Mitte 2007 erhielt auch das mTAN-System der Fiducia IT AG (IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken) diese TÜV-Zertifizierung.

Als Vorteil wird angesehen, dass man für Transaktionen unterwegs keine TAN-Liste dabei haben muss. Erfahrungsgemäß wird auch der Verlust des Mobiltelefons eher vom Nutzer bemerkt als der Verlust der Bankkarte oder des TAN-Bogens. Zusätzlich erfährt der Nutzer womöglich per SMS von unautorisierten Überweisungsversuchen, sodass eine Sperrung des Kontos veranlasst werden kann.

Da Mobiltelefone zunehmend mit Internetzugang ausgestattet sind, hat das mTAN-Verfahren grundsätzliche Schwächen, etwa wenn die mTAN auf dasselbe Gerät gesendet wird, das auch für das Online-Banking genutzt wird. Bei einem Verlust des Mobiltelefons besteht zudem der einzige Schutz vor missbräuchlichen Transaktionen in den Zugangsdaten zum Banking. TAN-Generatoren bieten in dieser Hinsicht wesentlich mehr Sicherheit, da sie nicht vernetzt sind.

Entsprechend kann auf einem Smartphone ein „Trojaner“, der die Kontrolle über das System übernimmt, zuerst Benutzernamen und Passwort des Online-Bankings abhören und anschließend vollautomatisch Überweisungen durchführen, indem er sich erst fürs Online-Banking anmeldet, dann eine Überweisung ausfüllt, anschließend die SMS der mTAN abfängt und damit die Überweisung legitimiert. Es reicht theoretisch für einen Trojaner ein einmaliges Anmelden beim Online-Banking über das Smartphone, damit diese Sicherheitslücke ausgenutzt werden kann. Das funktioniert auch, wenn der Angreifer Benutzernamen und Passwort des Online-Bankings auf einem anderen Wege in Erfahrung gebracht hat, z. B. durch ein weiteres Schadprogramm auf dem PC.

Im September 2010 wurde erstmals über neue Varianten des „Banking-Trojaners“ ZeuS berichtet, der mit einer mobilen Variante entsprechende Parallel-Infektionen durchführt.Daniel Bachfeld: Banking-Trojaner ZeuS nimmt SMS-TAN-Verfahren ins Visier. Heise Security, 27. September 2010; abgerufen am 3. Februar 2018

Eine weitere Schwachstelle ist die mit der Rufnummer verknüpfte SIM-Karte des Mobiltelefons. Diesbezüglich wurden Angriffe bekannt, bei denen mittels etwa per Trojaner erbeuteter Nutzerdaten die Rufnummer des Opfers auf eine neue SIM-Karte portiertChristian Kirsch: mTAN in Australien ausgehebelt Heise Newsticker, 14. Oktober 2009; abgerufen am 3. Februar 2018 oder von den Angreifern eine Zweit-SIM angefordert wurde, mit der sie anschließend das mTAN-Verfahren aushebeln konnten.

Mögliche Angriffe