mini|hochkant|Mauricio Rojas Mullor Mauricio José Rojas Mullor (* 28. Juni 1950 in Santiago de Chile) ist ein chilenisch-schwedischer Politiker, Wirtschaftshistoriker und Autor. Er war von 2002 bis 2008 mit Unterbrechung Abgeordneter im schwedischen Reichstag. Im August 2018 war er für vier Tage Minister für Kultur, Kunst und Kulturerbe in der zweiten Regierung des chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera.
Biographie Rojas ist der Sohn von José Rojas Inostroza und Juana Luz Mullor Guzmán. Seine Mutter war Gewerkschafterin und Mitglied der Sozialistischen Partei Chiles. Sein Vater war ein spanischer Einwanderer in Chile.
1966 schloss Rojas seine Schulausbildung am Liceo de Aplicación ab. Im folgenden Jahr begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universidad de Chile, das er später abbrach, um während der Regierung der Unidad Popular bei der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft Corvi zu arbeiten.
Rojas erklärte, zwischen 1967 und 1969 Mitglied des Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR) gewesen zu sein. Der damalige MIR-Generalsekretär Andrés Pascal Allende widersprach dieser Darstellung später und erklärte, Rojas sei kein Mitglied der Organisation gewesen.
Leben in Schweden Nach dem Militärputsch in Chile 1973 wurde Rojas’ Mutter von den Sicherheitsorganen der Militärdiktatur in der Villa Grimaldi festgehalten, nachdem sie einen gesuchten sozialistischen Hochschullehrer bei sich aufgenommen hatte.
Im Oktober 1973 reiste Rojas in die polnische Stadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz). Im Januar 1974 zog er nach Schweden, wo seine Mutter als politischer Flüchtling lebte. Rojas selbst erhielt seine Aufenthaltserlaubnis im Rahmen der Familienzusammenführung.
In Schweden beteiligte er sich zunächst bis 1975 an einer Unterstützergruppe des MIR. Nach eigener Darstellung nahm er Mechanikkurse mit der Absicht, Kenntnisse für den Bau von Waffen zu erwerben, und versuchte, für eine Guerillaausbildung nach Kuba zu reisen, was jedoch nicht zustande kam. In den folgenden Jahren wandte er sich zunehmend dem Liberalismus zu.
1986 wurde Rojas an der Universität Lund mit der Dissertation Renovatio Mundi in Wirtschaftsgeschichte promoviert. 1995 erhielt er dort die akademische Qualifikation eines docent. Von 1981 bis 1999 lehrte er an der Universität Lund.
Rojas veröffentlichte rund zwanzig Bücher in verschiedenen Sprachen, insbesondere zu vergleichender Wirtschaftsgeschichte, Migration, dem schwedischen Gesellschafts- und Wohlfahrtsmodell sowie zur politischen Philosophie. Von 1999 bis 2004 war er zunächst stellvertretender Direktor und später Direktor des liberalen Stockholmer Thinktanks Timbro.
Politische Laufbahn Rojas arbeitete zunächst mit der schwedischen Moderaten Sammlungspartei zusammen. 2002 wurde er als parteiloser Kandidat auf der Liste der Liberalen Volkspartei in den schwedischen Reichstag gewählt. 2004 trat er der Partei bei und wurde einer ihrer Sprecher für Integrations- und Einwanderungspolitik.
2006 forderte der Jugendverband der Partei seine Ablösung als Sprecher, nachdem dessen Vertreter Fredrik Malm Äußerungen von Rojas als fremdenfeindlich bezeichnet hatte. Bei der Parlamentswahl desselben Jahres wurde Rojas zunächst nicht wiedergewählt. Er kehrte jedoch kurz darauf als Nachrücker für Lars Leijonborg, der zum Bildungsminister ernannt worden war, in den Reichstag zurück. Dort gehörte Rojas unter anderem dem Verfassungsausschuss und dem Arbeitsmarktausschuss an. Ende 2008 legte er sein Reichstagsmandat nieder.
Kulturminister in Chile Am 9. August 2018 ernannte Präsident Sebastián Piñera Rojas zum Minister für Kultur, Kunst und Kulturerbe. Er folgte Alejandra Pérez im Amt nach.
Nach seiner Ernennung entstand eine öffentliche Kontroverse um Äußerungen, die Rojas 2016 in einem Interview mit CNN Chile über das Museo de la Memoria y los Derechos Humanos gemacht hatte. Darin hatte er die Darstellung des Museums kritisiert und unter anderem von einer „falschen Version der Geschichte Chiles“ gesprochen.
Die Äußerungen stießen bei verschiedenen Kulturschaffenden und Politikern auf Kritik. Der Dichter Raúl Zurita forderte öffentlich den Rücktritt von Rojas. Am 13. August 2018, vier Tage nach seiner Ernennung, schied Rojas aus dem Ministeramt aus.
Werke (Auswahl) The Rise and Fall of the Swedish Model. London 1998. Millennium Doom. London 1999. Beyond the Welfare State. Stockholm 2001. The Sorrows of Carmencita: Argentina’s Crisis in a Historical Perspective. Stockholm 2002. Reinventar el Estado del bienestar. Madrid 2008.
Weblinks Mauricio Rojas beim schwedischen Reichstag
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturminister (Chile) Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Schweden) Kategorie:Politiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Liberalerna-Mitglied Kategorie:Hochschullehrer (Universität Lund) Kategorie:Wirtschaftshistoriker Kategorie:Autor Kategorie:Chilenischer Emigrant Kategorie:Chilene Kategorie:Schwede Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann