Die 10. Marinefliegerbrigade benannt nach Held der Ukraine Oberst Ihor Bedsaj (Militäreinheit Nr. A1688; , 10 МАБр, в/ч: A1688) ist der einzige Marinefliegerverband der ukrainischen Streitkräfte und untersteht somit den Seestreitkräften.
Geschichte links|mini|200px|Eine Ka-27 über der Hetman Sahaidatschnyj während Sea Breeze 2013 Die 10. Marinefliegerbrigade wurde am 20. August 2004 auf Basis mehrerer separater, ehemaligst sowjetischer, Marinefliegerverbände aufgestellt. Namentlich das 555. Marinehubschrauberregiment (Otschakiw), das 316. Marinefliegergeschwader (Mykolajiw) und das 9. Gemischte Marinefliegergeschwader (Nowofedoriwka). Erster Brigadekommandeur wurde der Kommandeur des 555. Regiments, Jurij Moskaljow.
Im Jahr 2011 übergaben die Marineflieger die meisten ihrer Starrflügler an die ukrainischen Luftstreitkräfte, mit Ausnahme von einigen Antonow-Transportflugzeugen und 10 Be-12. Zu der Zeit hatte die Brigade eine Mannstärke von etwa 2500.
Bis 2014 begleiteten die Hubschrauber der Brigade die Hetman Sahaidatschnyj, während ihrer Einsätze bei den Operationen Atalanta und Ocean Shield.
Russisch-Ukrainischer Krieg
Evakuierung der Krim Die 10. Brigade war bis 2014 auf dem Militärflugplatz Saky auf der autonomen Republik Krim stationiert. Als russische Truppen Ende Februar des Jahres in das ukrainische Gebiet der Krim eindrangen, belagerten sie den Flugplatz und weitere Militäranlagen. Nachdem russische Spezialkräfte den benachbarten Flugplatz Belbek am 1. März mit Waffengewalt gestürmt hatten, entschied sich der damalige Brigadekommandeur, Ihor Bedsaj, den Flugplatz zu evakuieren. Dabei handelte er auf Eigeninitiative, da klar war, dass keine Befehle aus Kyjiw kommen würden, aber er seine Männer und Maschinen nicht in russische Hände fallen lassen wollte. Um das Risiko zu minimieren, wurde die Evakuierung im Geheimen geplant, sodass nicht einmal die Piloten von der Aktion wussten. Zudem wurden mehrmals täglich die Motoren der Flieger gestartet ohne abzuheben, bis die Belagerer nicht mehr auf den Motorenlärm reagierten. Kurz vor Start stimmten sich die Brigadeführung noch mit Kommandeuren der Streitkräfte ab. Dann am 3. März wurde der Befehl gegeben und alle Piloten hoben mit ihren Maschinen innerhalb von nur 18 Minuten ab. Unter Funkstille und ohne Vorfälle erreichten sie den Flugplatz bei Mykolajiw. Wenige Tage später kehrte einer der Piloten in ziviler Kleidung zurück und flog den letzten flugfähigen Hubschrauber aus, welcher zu der Hetman Sahaidatschnyj gehörte. Damit war die Marinefliegerbrigade der einzige auf der Krim stationierte Verband, welcher zusammen mit seiner Ausrüstung aus der Halbinsel entkommen konnte.
Nach der illegalen Annexion der Krim bereitete sich das zurückgebliebene Personal im April darauf vor, Nowofedoriwka zu verlassen. Am 6. April kam es zu einer Auseinandersetzung in der Offiziersbarracke, die eskalierte. Der 32-jährige Major Stanyslaw Karatschewskyj wurde von einem russischen Marineinfanterist mit einem Sturmgewehr erschossen. Der Täter, Jewgenij Saizew, wurde erst nach einer Klage von Karatschewskyjs Frau, zu 2 Jahren in einer Strafkolonie verurteilt.
Kulbakyne mini|200px|Eine Ka-27 landet auf dem US-Zerstörer USS Donald Cook während Sea Breeze 2015 Seither ist die Marinefliegerbrigade auf dem Flugplatz Kulbakyne bei Mykolajiw beheimatet.
Im September 2014 und Juli 2016 nahmen die Marineflieger regulär an dem internationalen Manöver Sea Breeze teil.
Am 16. März 2017 erhielt die Brigade eine restaurierte Mi-14PL vom Konotoper Flugzeugreparaturwerk „Aviakon“. Eine weitere folgte am 2. Juli 2017.
Auch bei Sea Breeze 2017 im Juli des Jahres war die Brigade involviert, zusammen mit weiteren ukrainischen Verbänden mit verschiedensten Flugzeugen. Zum ersten Mal war eine US-amerikanische CV-22B Osprey präsent. Später am 2. Dezember führten zwei Ka-27 der Marineflieger eine PASSEX-Übung mit dem US-Zerstörer USS James E. Williams durch. Das Manöver wurde im Januar 2018 wiederholt, wobei die Ka-27 diesmal auf der USS Carney landeten.
Am 8. Juni 2018 erhielt die Brigade eine für militärmedizinische Zwecke umgerüstete Ka-226. Der Hubschrauber wurde bereits 2008 angeschafft, aber nie in Dienst gestellt. Eine Gruppe Freiwilliger setzte ihn wieder Instand.
Im Jahr 2019 erhielten die Seestreitkräfte ihre ersten sechs Bayraktar TB2-Drohnen aus der Türkei. Im August und Oktober des Jahres erhielt sie zwei Mi-8MSB-V, die von Motor Sitsch modernisiert wurden. Am 31. Oktober übergab Jehor Schyschkin, ein Geschäftsmann aus Mykolajiw, seine persönliche An-2 an die Seestreitkräfte, die nach einer Zeremonie in die Marinefliegerbrigade aufgenommen wurde.
Im Januar 2020 sollte eine weitere An-2 folgen, die zuvor von Schmugglern konfisziert wurde. Später im Jahr 2020 erhielt die Brigade eine modernisierten Mi-2MSB.
Am 25. November 2021 erhielt die Brigade zwei weitere modernisierte Mi-8MSB-V.
Vollinvasion mini|links|200px|Die Mi-14 zwei Gelb 05 und Gelb 37 der Marineflieger Zu Beginn der vollumfänglichen Invasion im Februar 2022, bestand die Marinefliegerbrigade mindestens aus 9 Mi-8MSB-V, Ka-27, und Mi-14, einer Ka-226, zwei An-2, sechs TB2, und etwa 1000 Mann. Um potentiellen russischen Raketenangriffen zu entgehen, wurden die Maschinen der Marineflieger auf Reserveflugplätze verteilt.
Die 10. Marinefliegerbrigade war mitverantwortlich für die Zerstörung des russischen Lenkwaffenkreuzers Moskwa. Am 13. April entsandte die Brigade zwei TB2 und suchte nach dem Kreuzer. Als er schließlich aufgeklärt wurde, übermittelten die Drohnen die Zieldaten, mit denen eine Neptun-Batterie die Moskwa versenken konnte.
Am 7. Mai 2022, während der Schlacht um die Schlangeninsel, wurde die Mi-14PS Gelb 34 der Marineflieger von einer Su-30 über der Insel abgeschossen. Geflogen wurde die Mi-14 von Ihor Bedsaj, der zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Kommandeur der Seestreitkräfte war. In geringer Höhe gelang es ihnen dem Bordkanonenfeuer des russischen Jägers auszuweichen, wurden jedoch von einer R-73-Rakete getroffen und stürzten ab. Nur einer der sechs Insassen überlebte. Oberst Ihor Bedsaj so wie Mychajlo Saremba, Serhij Muschtschyzkyj, Jurij Pyroh und Wassyl Iltschuk kamen ums Leben.
Ihor Bedsaj wurde posthum der Titel Held der Ukraine verliehen. Ihm zu Ehren wurde die 10. Marinefliegerbrigade am 24. Juni 2022 nach ihm benannt.
Im November 2022 verkündete das Vereinigte Königreich, dass sie der Ukraine drei Westland Sea King übergeben würden, welche sich weniger als zwei Monate später bereits im Dienst mit den Marinefliegern befanden.
Am 2. Juli 2023 verlieh Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Verband die Ehrenauszeichnung Für Mut und Tapferkeit.
Am 23. Januar 2024 gab der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius bekannt, dass Deutschland Westland Sea King Mk.41 liefern würde.
Struktur 10. Marinefliegerbrigade Hauptquartier 25px Hubschrauberstaffel Flugzeugstaffel Staffel Unbemannter Systeme
Ausrüstung Typ Bild Herkunft Funktion Anzahl AnmerkungHubschrauberMil Mi-14160pxU-Jagd und SAR?Mi-8MSB160pxMehrzweckhubschrauber?Mi-2MSB160pxMehrzweckhubschrauber?Ka-226160pxMedEvac1Ka-27160pxBordhubschrauberU-Jagd und SAR?Ka-29160pxTransport und Kampf?eingelagertWestland Sea King160pxMehrzweckhubschrauber2Eine Maschine am 27. Februar 2024 am Boden zerstört StarrflüglerAn-2160pxTransport und Training2Be-12160pxU-Jagd?eingelagertAn-26160pxTransportmind. 2Unbemannte LuftfahrzeugeTB2 Bayraktar160pxAufklärungs und Kampfbis zu 6
Kommandeure Oberst Jurij Moskaljow (2004–2006) Obers Wolodymyr Chomenko (2006–2014) Oberst Ihor Bedsaj (2014–2019) Oberst Illja Oljejnikow (seit 2019)
Siehe auch 16. Heeresfliegerbrigade 299. Taktische Fliegerbrigade 456. Transportfliegerbrigade
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Brigade (Ukraine) Kategorie:Luftstreitkräfte (Ukraine) Kategorie:Gegründet 2004 Kategorie:Mykolajiw Kategorie:Militär (Oblast Mykolajiw)