mini|alt=Schwarz-Weiß-Bild, das Gefängnis im Hintergrund, im Vordergrund vor allem ein windschiefes Geschäftshaus|Prison de La Force 1821 Das Gefängnis La Force (Prison de La Force) war ein Stadtpalais im 4. Arrondissement von Paris, das zwischen 1780 und 1845 als Gefängnis diente.

Geschichte Anfänge Das Hôtel de la Force wurde im 16. Jahrhundert von René de Birague in der Rue du Roi-de-Sicile (heute: 3 Rue Malher) unter der Bezeichnung Hôtel du Roi de Sicile errichtet. Besitzer des Gebäudes waren nacheinander Margarete von Valois, die das Gebäude als Hôtel de Navarre bezeichnete, Antoine de Roquelaure, François d’Orléans-Longueville, duc de Fronsac, Léon Bouthillier, comte de Chavigny und schließlich Jacques Nompar de Caumont, der als Herzog von La Force dem Gebäude den endgültigen Namen gab. 1698 wurde das Gebäude aufgeteilt und der östliche Teil ging an Marc-Pierre d’Argenson, der darin Behörden einquartierte.Siehe Literaturliste Lazare 1855, S. 509

1770 kamen Überlegungen auf, dem verwahrlosten Zuständen in den Pariser Gefängnissen abzuhelfen. 1870 ging das Gebäude an Ludwig XVI. über, der es umbauen ließ und die beiden Teile als ein Frauen- und ein Männergefängnis verwendete.

Der Gefängnisreformer John Howard schrieb dazu:

Französische Revolution Am 14. Juli 1789, dem Tag des Sturms auf die Bastille, befreiten die Pariser die Schuldgefangenen. Die Force leerte sich von den Gefangenen, die willkürlich von den Machthabern dort untergebracht worden waren.Siehe Literaturliste Pujol 1845, S. 31 Aus den Polizeiregistern ab 1790 geht hervor, dass dort hauptsächlich wegen Diebstahls, Störung der öffentlichen Ordnung, Landstreicherei, Bettelei und Prostitution inhaftiert wurdeSiehe Literaturliste Pujol 1845, S. 32; doch 1791 befand sich dort auch Claude Nicolas Ledoux, der Architekt der 1790 abgeschafften Ferme générale, der wider Willen zum Symbol für die steuerliche Unterdrückung des Ancien Régime geworden war.

1791 galt die Force noch immer als Vorzeigegefängnis. Ab dem 10. August 1792 änderte sich die Lage radikal; es wurde zu einem Ort der politischen Inhaftierung, an den Angeklagte und Verdächtige bis zu ihrem Prozess gebracht wurden. Seit Beginn der Schreckenszeit wurden dort Gegner der neuen Regierung festgehalten. Auch die Plünderer, die von der Einnahme der Tuilerien profitiert hatten – überwiegend Frauen –, gehörten dazu.Siehe Literaturliste Pujol 1845, S. 37 Ab dem 2. September 1792 war die Force Teil der Septembermassaker, während derer nahezu wahllos Gefangene ermordet wurden. Dem Historiker Frédéric Bluche zufolge wurden dort über 160 von 408 Angeklagten getötet. In der Folge wurde das Gefängnis wieder belegt; in der Spitze sollen über 450 Gefangene in den beiden Sektionen untergebracht worden sein. Ab 1793 wurden Unterschiede in der Unterbringung gemacht. In einem Bericht heißt es, dass Gefangene gegen Bezahlung von 22 Livres in komfortableren Zimmern untergebracht wurden.Komfortabel sollte hier in Anführungsstrichen gelesen werden; es handelte sich um Achtbettzimmer. Der Gefangene Jean Dominique Blanqui verarbeitete seine Erfahrungen in seinem Werk Zehnmonatiges Leiden oder: Ein Bericht über die Behandlung der inhaftierten Abgeordneten und die Gefahren, denen sie während ihrer Gefangenschaft ausgesetzt waren; mit interessanten Anekdoten.

Konsulat und Kaiserzeit mini|alt=Schwarz-Weiß-Bild, Innenhof, sehr sauber, nur sehr wenige Personen|Innenhof 1840 Auch unter dem Direktorium (1795–1799), dem Konsulat (1799–1804) und dem Kaiserreich Napoléon Bonapartes wurde die Force als Gefängnis für Schwerkriminelle genutzt.Siehe Literaturliste Pujol 1845, s. 140 Sein Ruf war immer noch gut: Charles de Lacretelle, der dort inhaftiert war, schrieb, dass „die Betrüger mit guten Manieren dominiert hätten“ und dass „ein weitläufiger Hof mit Bäumen“ bestand.

Restauration Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs wurde die Force kurzzeitig zu einem Krankenhaus umfunktioniert, aber bald als Gefängnis wiedereröffnet.Die französische Sprachversion fügt an, die Anwesenheit fremder Truppen nach dem Untergang Napoléons in Paris habe zu einer enormen Zunahme der Prostitution und damit der Geschlechtskrankheiten geführt. Ab 1828 wurde es vorrangig als Gefängnis für arme Personen genutzt; die Wohlhabenderen waren in Sainte-Pélagie untergebracht. Der Historiker Louis-René Villermé schrieb, die Kerker der Force seien derart, dass sie „die Empörung jedes Freundes der Menschheit hervorrufen mussten“.

Schließung Bei seiner Schließung im Jahr 1845 bestand das Gefängnispersonal aus dem Direktor, einem Seelsorger, einem Arzt mit zwei Assistenten, einem Gerichtsschreiber und seinem Gehilfen, einem Brigadier und einem Unterbrigadier, achtzehn Aufsehern, zwei Aufsehern für die Kinder, die gleichzeitig als Lehrer fungierten, einem Krankenpfleger, zwei Kantinenleiterinnen und einer Stellvertreterin, einem Friseur, einer Durchsuchungsbeamtin und vier Boten, die sich um etwa 550 Häftlinge kümmerten. Das Gefängnis von Mazas, das an seine Stelle trat, behielt noch einige Jahre den Namen „Gefängnis von La Force“ bei.Siehe Literaturliste Pujol 1845; S. 172

Da das Gefängnis de la Force baufällig und unhygienisch war, wurde es 1845 abgerissen; heute ist nur noch ein Mauerabschnitt in der Rue Malher erhalten, der an die Historische Bibliothek der Stadt Paris angrenzt. Die Überreste des Gefängnisses wurden per Erlass vom 11. Dezember 1935 unter Denkmalschutz gestellt. Eine Tafel zur Geschichte von Paris erinnert an seine Geschichte. Im Innenhof der Feuerwache in der Rue Madame de Sévigné sind noch ein (zugemauertes) Fenster und dessen Gitter erhalten.

Rezeption in der Literatur mini|hochkant|alt=Farbbild, kleine Straße, Gebäude in gleicher hellbrauner Farbe, dazwischen Mauerreste des Gefängnisses|Rue Pavée mit Mauerresten Das Gefängnis von La Force wird in verschiedenen zeitgenössischen Romanen erwähnt. Eugène Sue beschreibt es 1842 in Die Geheimnisse von Paris wohlwollend und mit einer Darstellung, die zu dieser Zeit den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprach. Eine „riesige Haftanstalt, erbaut unter allen Bedingungen des Wohlbefindens und der Hygiene, die die Menschlichkeit verlangt.“ Alexandre Dumas erwähnt es 1845 in Der Graf von Monte Christo: „Einer der Trakte von La Force, in dem die am meisten kompromittierten und gefährlichsten Häftlinge untergebracht sind, heißt Cour Saint-Bernard“. Auch im Roman Création et Rédemption von 1870 wird die Heldin in diesem Gefängnis eingesperrt. 1847 schreibt Honoré de Balzac in Glanz und Elend der Kurtisanen über seine Hauptperson Lucien de Rubempré: „Um Mitternacht wurde Lucien in die Force gebracht, ein Gefängnis an der Ecke Rue Payenne und Rue des Ballets, wo er in Isolationshaft genommen wurde; Abbé Carlos Herrera befand sich dort bereits seit seiner Verhaftung.“ In Charles Dickens’ Roman Eine Geschichte aus zwei Städten wird Charles Darney in La Force untergebracht. Die Beschreibung Dickens ist allerdings nicht spezifisch; Dickens vermischt Eindrücke aus verschiedenen französischen Gefängnissen der Revolutionszeit. 1862 wird der Verbrecher Thenardier in Victor Hugos Die Elenden in der Force untergebracht und kann von dort fliehen. Hugo schreibt: „Das Bâtiment-Neuf, das rissigste und baufälligste Gebäude, das man sich auf der Welt vorstellen konnte, war die Schwachstelle des Gefängnisses. Die Mauern waren vom Salpeter so stark angegriffen, dass man gezwungen war, die Gewölbe der Schlafsäle mit einer Holzverkleidung zu versehen, da sich Steine lösten, die auf die Gefangenen in ihren Betten fielen. Trotz dieser Baufälligkeit beging man den Fehler, die bedrohlichsten Angeklagten im Bâtiment-Neuf einzusperren und dort die schweren Fälle unterzubringen, wie man im Gefängnisslang sagt. Das Bâtiment-Neuf umfasste vier übereinanderliegende Schlafsäle und einen Dachboden, den man Bel-Air nannte. Ein breites Kaminrohr, wahrscheinlich aus einer ehemaligen Küche der Herzöge von La Force, verlief vom Erdgeschoss aus durch alle vier Stockwerke, teilte alle Schlafsäle, in denen es wie eine Art abgeflachter Pfeiler hervorstand, in zwei Hälften und durchbohrte schließlich das Dach.“

Häftlinge Zu den in La Force eingekerkerten Personen gehörten unter anderem: Charles-Xavier Franqueville d’Abancourt (1758–1792), letzte Kriegsminister König Ludwigs XVI. Jean-Sylvain Bailly (1736–1793), Astronom; erster Bürgermeister von Paris Pierre-Jean de Béranger (1780–1857), Lyriker und Liedtexter Auguste Blanqui (* 8. Februar 1805–1881), Revolutionär und Theoretiker Louise Marie Adélaïde de Bourbon-Penthièvre (1753–1821), Herzogin von Orléans Louise-Élisabeth de Croÿ de Tourzel (1749–1832), Markgräfin Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos (1741–1803), Offizier und Schriftsteller Ferdinand von Geramb (1772–1848), österreichischer Kammerherr Guillaume-Antoine Nourry, genannt Grammont (1750–1794), Schauspieler und Revolutionär Emmanuele De Gregorio (1758–1839), italienischer Bischof und Kurienkardinal Emmanuel-Maximilien-Joseph Guidal (1764–1812), General Victor Fanneau de La Horie (1766–1812), General Évariste Galois (1811–1832), Mathematiker Pierre-François Lacenaire (1803–1836), Dichter Madame de Lamballe (1749–1792), Prinzessin von Savoyen Claude-Nicolas Ledoux (1736–1806), Architekt Simon Nicolas Henri Linguet (1736–1794), Schriftsteller Claude François de Malet (1754–1812), Général de brigade Philippe-Henri de Ségur (1724–1801), Marschall und Kriegsminister Pierre Vergniaud (1753–1793), einer der Führer der Girondisten in der Französischen Revolution

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliges Gefängnis (Frankreich) Kategorie:4. Arrondissement (Paris) Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in Paris Kategorie:Hôtel particulier Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Kategorie:Aufgelöst 1845 Kategorie:Zerstört in den 1840er Jahren Kategorie:Baurest