vutuv ist eine freie Software für ein soziales Netzwerk und der Name des unter vutuv.de betriebenen Dienstes. Das 2016 gestartete Projekt war ursprünglich als kostenlose Alternative zu den beruflichen Netzwerken LinkedIn und Xing konzipiert. Seit 2026 unterstützt vutuv das Protokoll ActivityPub und ist damit an das Fediverse angebunden.
Geschichte Stefan Wintermeyer legte das Quellcode-Repository im April 2016 auf GitHub an. Er begründete das Projekt mit seiner Unzufriedenheit über Xing und LinkedIn: Beide hielten kostenlosen Nutzern wichtige Funktionen vor, verschickten zu viele Benachrichtigungen und luden zu langsam. vutuv sollte gerade in Ländern mit langsamen und teuren Mobilverbindungen, etwa im südlichen Afrika, gut nutzbar sein. Die erste Version entwickelten sieben Programmierer aus Deutschland, Dänemark, den USA und Simbabwe.
Im November 2016 ging vutuv.de online, zunächst auf Deutsch und Englisch. Der Dienst war kostenlos und sollte sich allein über Werbeanzeigen finanzieren, Premium-Konten gab es nicht. 2017 stellte Wintermeyer das Projekt auf der Lonestar ElixirConf in Austin und der FrOSCon in Sankt Augustin vor.
Zwischen August 2020 und Juni 2026 ruhte die Entwicklung weitgehend. 2026 nahm Wintermeyer die Arbeit an vutuv wieder auf und veröffentlichte im Juni die Version 5.0. Die neue Version ergänzte unter anderem einen Newsfeed, Direktnachrichten, verifizierte Organisationsseiten, eine Stellenbörse, die Analyse von Arbeitszeugnissen und die Anbindung an das Fediverse. Neben Deutsch und Englisch ist die Oberfläche seitdem vollständig auf Französisch und Italienisch verfügbar.
Im September 2026 stellte Wintermeyer vutuv auf dem dritten Berliner FediDay in der c-base in einem Vortrag mit dem Titel „vutuv.de -> LinkedIn Alternative im Fediverse“ vor. Im Anschluss berichtete Deutschlandfunk Nova über vutuv und ordnete den Dienst als Alternative zum Business-Netzwerk LinkedIn ein.
Funktionen Mitglieder legen ein öffentliches Profil mit Berufserfahrung, Ausbildung, Sprachen, Schlagwörtern und Kontaktdaten an. Statt gegenseitig bestätigter Kontakte gilt ein Folgen-Prinzip wie bei Twitter: Man folgt einem Profil, ohne dass dessen Inhaber zustimmen muss. Andere Mitglieder können die Fähigkeiten eines Profils empfehlen. Profile sind ohne Anmeldung abrufbar, ein LinkedIn-Profil lässt sich importieren.
Die Anmeldung kommt ohne Passwort aus. Anfangs geschah sie über einen per E-Mail verschickten Link, heute über eine per E-Mail verschickte PIN, wahlweise auch über Passkeys oder eine Authenticator-App. Seit 2026 gibt es einen Newsfeed mit Beiträgen, Likes, Reposts und Antworten, Direktnachrichten, verifizierte Organisationsseiten und eine Stellenbörse.
Newsfeed Der Newsfeed ist chronologisch aufgebaut und verwendet keine algorithmische Gewichtung. Mitglieder können einzelne Konten, Fediverse-Server, Wörter und Schlagwörter ausblenden sowie fremdsprachige Beiträge filtern oder übersetzen.
Fediverse vutuv funktioniert mit und ohne Anschluss an das Fediverse. Jedes Mitglied entscheidet selbst, ob es teilnimmt, und kann die Wahl jederzeit ändern. Wer teilnimmt, ist etwa von Mastodon aus abonnierbar und kann von vutuv aus Konten anderer Fediverse-Dienste folgen und mit deren Beiträgen interagieren. Betreiber einer eigenen Installation können die Anbindung ganz abschalten, etwa im Intranet. Über eine Mastodon-kompatible Programmierschnittstelle lassen sich Mastodon-Apps für iOS und Android verwenden.
Arbeitszeugnisse Mitglieder können Arbeitszeugnisse als PDF, Bild oder Text hinterlegen und auf Wunsch mit einem lokal betriebenen Sprachmodell analysieren lassen. Bei deutschen Arbeitszeugnissen versucht die Software insbesondere, typische Formulierungen der Zeugnissprache zu erkennen und eine Gesamtnote abzuleiten. Die dabei verwendeten Prüfanweisungen basieren auf dem quelloffenen Arbeitszeugnis-Prüfer-Skill. Die Dokumente und Analyseergebnisse sind standardmäßig nicht öffentlich; nach Angaben des Betreibers verlassen die Zeugnisinhalte für die Analyse nicht dessen Server. Die Funktion versteht sich als Lesehilfe und nicht als Rechtsberatung.
Datenschutz Nach Angaben des Betreibers läuft vutuv auf eigenen Servern in Deutschland und verwendet weder Drittanbieter-Cookies noch externe Analysewerkzeuge. Mitglieder können unter anderem ihr Profil von Suchmaschinen ausnehmen, die Nutzung ihrer Inhalte durch KI-Systeme untersagen und die Sichtbarkeit einzelner Profilangaben festlegen. Die Teilnahme am Fediverse ist bei der Registrierung vorausgewählt, kann jedoch abgewählt und später jederzeit geändert werden. Technik vutuv ist in Elixir mit dem Phoenix Framework geschrieben und läuft auf der virtuellen Maschine von Erlang, als Datenbank dient PostgreSQL. Bei der Entwicklung stand die Ladezeit im Vordergrund: 2016 sollte eine Seite samt CSS und Bildern nicht mehr als 28 KB übertragen und ein Server einen Request nicht länger als 30 Millisekunden bearbeiten.
Öffentliche Inhalte stellt vutuv neben HTML auch in maschinenlesbaren Formaten bereit; für Anwendungen steht zudem eine Programmierschnittstelle zur Verfügung.
Die Software steht unter der MIT-Lizenz und lässt sich auch von Dritten installieren, im Internet oder im Intranet einer Organisation.
Rezeption Die erste Version von vutuv wurde 2016 und 2017 von mehreren deutschsprachigen Medien aufgegriffen. Heise online sah vutuv zum Start als „schnelle Konkurrenz für LinkedIn und XING“. Die Neue Zürcher Zeitung fand es abzuwarten, ob geschäftliche Nutzer ein weiteres Netzwerk wollten, da Xing allein im deutschsprachigen Raum 10,5 Millionen und LinkedIn weltweit 400 Millionen Mitglieder hatte. Basic Thinking lobte 2017 die kurzen Ladezeiten, beschrieb vutuv aber als „ein großes (unkompliziertes) Verzeichnis für geschäftlich relevante Personendaten“, dem Nachrichten, Kontaktvorschläge und ein Newsfeed fehlten. Chancen sah der Autor eher in Regionen mit langsamem Internet als im direkten Wettbewerb in Europa.
Im September 2026 griff Deutschlandfunk Nova vutuv im Zusammenhang mit dem Berliner FediDay erneut auf. Reporter Marcel Roth stellte den Dienst als Alternative zu LinkedIn vor und hob den einfachen Import von Profildaten aus LinkedIn hervor. Zugleich verwies er auf die im Vergleich zu den großen kommerziellen Netzwerken geringe Nutzerzahl.
Weblinks Offizielle Website Quellcode auf GitHub vutuv – An Open-Source Business Network, Vortrag von Stefan Wintermeyer auf der FrOSCon 2017
Einzelnachweise
Kategorie:Fediverse Kategorie:Freie Server-Software Kategorie:Online-Community Kategorie:Online seit 2016