Das Bernoulli-Euler-Zentrum (BEZ) ist ein interdisziplinäres und interfakultäres Dokumentations- und Forschungszentrum an der Universität Basel. Es erschliesst Quellen zur Familie Bernoulli, zu Leonhard Euler und deren wissenschaftlichem Umfeld. Es unterstützt die wissenschafts- und mathematikhistorische Forschung. Das Zentrum wurde am 24. August 2010 durch Beschluss des Rektorats gegründet und ist räumlich und administrativ der Universitätsbibliothek Basel angegliedert.
Vorgeschichte und Gründung Das BEZ ging aus zwei älteren Basler Einrichtungen hervor: dem Euler-Archiv und der Basler Forschungsstelle der Bernoulli-Edition.
Die Herausgabe der Leonhardi Euleri Opera Omnia wurde 1907 von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, der heutigen Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, begonnen. Der erste Band erschien 1911. Die gedruckte Gesamtausgabe entwickelte sich zu einem mehr als hundertjährigen internationalen Editionsunternehmen und umfasste bei ihrem Abschluss 80 Bände in vier Reihen.
Die Bernoulli-Edition wurde 1936 von Otto Spiess im Auftrag der Naturforschenden Gesellschaft in Basel begründet. Ihr erster Briefwechselband erschien 1955. Im Jahr 1988 wurde mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds eine eigene Basler Forschungsstelle für die Erschliessung und Edition der Bernoulli-Briefwechsel eingerichtet.
Nach der Gründung des BEZ im Jahr 2010 wurde die Arbeit der Bernoulli-Forschungsstelle dort fortgesetzt; auch das Euler-Archiv wurde in das neu errichtete Zentrum überführt. Zu den Aufgaben des BEZ gehörten fortan die Dokumentation und Erschliessung des Euler-Materials sowie die Überführung der bisherigen Editionsarbeit in digitale Publikationsformen. Die formale Verantwortung für den Abschluss der gedruckten Leonhardi Euleri Opera Omnia verblieb bis zur Auflösung der Euler-Kommission 2021/2022 bei dieser Kommission.
Aufgaben und Organisation Zu den in der Geschäftsordnung festgelegten Aufgaben gehören die Erforschung von Leben und Werk Eulers, der Familie Bernoulli und ihres Umfelds, die Dokumentation, Inventarisierung und editorische Erschliessung von Handschriften und Publikationen der Familie Bernoulli und Leonhard Eulers sowie die Weiterentwicklung der dafür eingesetzten editorischen Methoden und digitalen Publikationsverfahren. Das Zentrum soll ausserdem die internationale wissenschaftshistorische Forschung vernetzen und die Geschichte der Basler Mathematiker öffentlich vermitteln.
Das BEZ wird von einem Direktorium geleitet und von einem wissenschaftlichen Beirat beraten. Unterstützt wird es von der 2014 gegründeten Bernoulli-Euler-Gesellschaft, einer vom Zentrum organisatorisch getrennten Vereinigung.
Editions- und Publikationsprojekte Am BEZ wird die Basler Edition der Bernoulli-Briefwechsel (BEBB) bearbeitet. Sie erschliesst die Korrespondenzen von Mitgliedern der Gelehrtenfamilie Bernoulli und von Jacob Hermann mit mehr als 400 Korrespondenten und veröffentlicht sie als kritische, kommentierte digitale Edition.
Die Edition der Bernoulli-Briefwechsel erfolgte zunächst in Buchform. Seit 1955 erschienen mehrere Briefwechselbände, darunter ein Band zum Briefwechsel Johann I Bernoullis mit Guillaume de l’Hôpital und anderen Korrespondenten, zwei Bände seines Briefwechsels mit Pierre de Varignon sowie 1993 der Briefwechsel Jakob I Bernoullis.
Von 1993 bis 2006 erstellte Fritz Nagel das elektronische Basler Inventar der Bernoulli-Briefwechsel (BIBB) als Grundlage für die editorische Erschliessung der Briefe. Das Inventar wurde 2007 in den Online-Katalog der Universitätsbibliothek Basel aufgenommen und verzeichnet neben den grundlegenden Briefmetadaten auch Angaben zu den Handschriften, vorhandenen Fassungen und früheren Editionen. Parallel zum Inventar entstand die digitale BEBB, deren Brieftexte zunächst im Bernoulli-Wiki veröffentlicht und mit den Inventareinträgen verknüpft wurden. Die fortlaufend bearbeitete Edition wird heute auf einer separaten Plattform der BEBB publiziert.
Von 2017 bis 2020 wurde die BEBB vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert. Seit 2021 gehört sie zu den acht langfristigen Editionsprojekten, für welche die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften die vollständige Förderverantwortung vom Nationalfonds übernommen hat.
Daneben entstand in Zusammenarbeit zwischen dem BEZ und dem Digital Humanities Lab der Universität Basel die weiter gefasste Editionsplattform Bernoulli-Euler Online (BEOL). Zu ihren eigenständigen Editionsprojekten gehören die von Martin Mattmüller edierten Meditationes, das wissenschaftliche Notizbuch Jakob I Bernoullis.
Einen weiteren Weg der digitalen Veröffentlichung bildet die 2019 begründete und gemeinsam mit der Bernoulli-Euler-Gesellschaft herausgegebene Online-Schriftenreihe Publikationen des Bernoulli-Euler-Zentrums (PublBEZ). Dort sind unter anderem die sechs letzten, zwischen 2015 und 2021 unter der Verantwortung der Euler-Kommission erschienenen Bände der Leonhardi Euleri Opera Omnia als frei zugängliche PDF-Ausgaben verfügbar. Dazu gehören die Briefwechsel Eulers mit Christian Goldbach, Daniel Bernoulli, Schweizer Gelehrten aus der Romandie sowie Johann Andreas von Segner und anderen Gelehrten aus Halle und zwei Bände zur Himmelsmechanik.
Unter Mitwirkung des BEZ erschien 2019 zudem der Band Die Werke von Johann I und Nicolaus II Bernoulli, Band 2: Mathematik II, bearbeitet und kommentiert von Enrico Giusti und Clara Silvia Roero.
Weblinks Website des Bernoulli-Euler-Zentrums Basler Edition der Bernoulli-Briefwechsel (BEBB)
Einzelnachweise
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