Muravatnet (auch Store Muravatnet) ist ein Stausee im Südosten der norwegischen Kommune Vik, Provinz Vestland. Er liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Bergen und 10 Kilometer südlich von Vikøyri, dem Verwaltungssitz der Kommune am Sognefjord. Der Stausee ist Teil des Vikfalli-Speicherkraftwerknetzes auf dem Vikafjell und speist das Kraftwerk Målset (20 MW). Das Reservoir entstand 1965–1968 durch den Zusammenschluss von vier Seen, wozu am Nordende des Muravatnet sieben Absperrbauwerke errichtet wurden. Der Hauptdamm erreicht eine Höhe von 77 Metern und zählt zu den höchsten Steinschüttdämmen Norwegens. Das Stauziel liegt bei 1060 moh. und der Stauraum beträgt 77 Mio. m³.

Geschichte mini|hochkant=1.2|links|Vikfalli-Speicherkraftwerknetz mit den Standorten der Kraftwerke 8px und Verlauf der Tunnel 6px6pxNVE Atlas. Norges vassdrags- og energidirektorat (See-Datenbank unter „Vassdrag – Innsjødatabase“ und Stausee-Datenbank mit Kraftwerken und Tunneln unter „Vannkraft – Utbygd vannkraft“), abgerufen am 6. September 2026. Im Zentrum der Region Sogn gründeten 1947 die am gleichnamigen Fjord liegenden Gemeinden das kommunale Energieversorgungsunternehmen Sognekraft, das in den heutigen Kommunen Vik und Sogndal aktiv ist. Ziel war die stärkere Nutzung der Flussläufe südlich des Sognefjords auf dem Vikafjell zur Stromerzeugung. Das erste große Wasserkraftwerk Refsdal mit 11 MW entstand bis 1958 südlich von Vikøyri und wurde vom Stausee Målsetvatnet (862–829 moh.) gespeist. Es ersetzte ein erstes kleineres Kraftwerk der Gemeinde Vik aus den 1910er Jahren am Refsdalsfossen mit nur 184 kW. Zum Anschluss der nördlich vom Sognefjord liegenden Gemeinden wurde eine 66-kV-Freileitung gebaut, die mit einer Spannweite von 4,9 Kilometern über den Fjord bis zum Bau des Wasserkraftwerks Bukse Fjord in Grönland 1992 den Weltrekord hielt.Hermund Kleppa: Verdens lengste kraftledningsspenn. Kringom, 7. Juni 2000, abgerufen am 6. September 2026. Ab 1963 wurden mit staatlicher Unterstützung weitere Stauseen und Kraftwerke auf dem Vikafjell geplant, die das Vikfalli-Speicherkraftwerknetz bilden. Das Norges vassdrags- og energidirektorat (NVE) übernahm dabei den größten Teil der Planung, Finanzierung und Ausführung, wodurch das staatliche Unternehmen Statkraft heute 88 % der Anteile am Kraftwerksverbund hält.Fredrik Vogt: Norwegian hydro-power plants. Ingeniørforlaget, Oslo 1968, S. 165–167.

Im westlichen Zweig des Speicherkraftwerknetzes erfolgte bis 1968 der Ausbau des Kraftwerks Refsdal auf 90 MW, das seit 1966 zusätzlich vom Stausee Skjelingavatnet (969–958 moh.) und seit 1970 vom Kvilesteinsvatnet (920–895 moh.) gespeist wird. Im östlichen Zweig wurde das Wasserkraftwerk Målset mit 20 MW errichtet, deren größtes Reservoir der Muravatnet werden sollte. Dafür musste der Flusslauf des Vikja durch einen 77 Meter hohen Steinschüttdamm am südlichen Ende des Tals Endredalen aufgestaut sowie sechs kleinere Absperrbauwerke auf der östlich angrenzenden Hochebene errichtet werden. Die vier Seen Gjövatnet (1035 moh.), Muravatnet (1023 moh.), Livravatnet (1039 moh.) und Uksavatnet (1054 moh.) wurden dadurch zu einem etwa sechs Kilometer langen Stausee vereinigt, mit einem Stauziel von 1060 moh. Kleinere Dämme am Muravatnet und Livravatnet (auch Levravatnet) dienten aber schon in den 1910er Jahren zur Sicherstellung von ausreichend Durchfluss des Vikja an der alten Revsdalsfoss Kraftstasjon (auch Gamle Refsdal Kraftstasjon).Arne Inge Sæbø: Det fyrste kraftverket i Vik. Kringom, 7. Juli 1999, abgerufen am 9. September 2026.

Die Bauarbeiten am Hauptdamm starteten im Frühjahr 1965 und waren aufgrund der großen Schneemengen in den Wintermonaten erst im Herbst 1968 abgeschlossen. Zur Erreichung des Stauziels war die Einleitung von Wasser aus drei kleineren östlich gelegenen Stauseen nötig, die vom Gletscher Fresvikbreen gespeist werden. Das Tunnelsystem von den bis zu 100 Meter höher liegenden Seen zum Muravatnet konnte aber erst Ende 1972 fertiggestellt werden.K. Y. Nilsen, R. Lien: Description of a drainage gallery for stabilizing the left abutment of Muravatn Dam, Southern Norway. In: Norges Geotekniske Institutt Publikasjon Nr. 115. Oslo 1977, S. 13–19. Das Wasser des Muravatnet wird über einen acht Kilometer langen Tunnel mit einer Fallhöhe von 172 Metern dem Kraftwerk Målset zugeführt, das seinen Auslass in den Målsetvatnet auf etwa 860 moh. hat und somit in der zweiten Stufe auch das Kraftwerks Refsdal speist. Als dritte Stufe des Speicherkraftwerknetzes entstand 1969 noch das 300 Meter tiefer liegende Kraftwerk Hove mit 60 MW.

Das Vikfalli-Speicherkraftwerknetz besitzt heute eine Installierte Leistung von insgesamt 184 MW (das NVE gibt als maximale Leistungmaksimal ytelse (kraftproduksjon). Store norske leksikon, abgerufen am 6. September 2026. 170 MW anRefsdal Vannkraftverk., Målset Vannkraftverk., Hove Vannkraftverk. Norges vassdrags- og energidirektorat (NVE), abgerufen am 6. September 2026.) und erzeugt eine jährliche Jahresproduktion von etwa 880 GWh (Stand 2026).Vikfalli. Sognekraft, abgerufen am 6. September 2026. Die größten Reservoirs sind der Kvilesteinsvatnet mit einem Stauraum von 61 Mio. m³ und der Muravatnet mit 77 Mio. m³. Der staatliche Netzbetreiber Statnett installierte 1974 noch eine zusätzliche 300-kV-Freileitung über den Sognefjord,Kraftledning: Refsdal – Fardal. Norges vassdrags- og energidirektorat (NVE), 11. November 2015, abgerufen am 6. September 2026. die bis 2028 durch eine 420-kV-Freileitung ersetzt werden soll.Aurland-Sogndal: New 420 kV power line. Statnett, abgerufen am 6. September 2026.

Beschreibung Der Stausee erstreckt sich von Nordwest nach Südost über etwa sechs Kilometer und schwankt in seiner Breite zwischen etwa 150 und 900 Metern, wobei sich bei Vollstau auf der Westseite ein etwa einen Kilometer langer schmaler Ausläufer nach Süden in das abgesperrte Endredalen erstreckt, mit Breiten von 25–40 Metern. Beim Stauziel von 1060 moh. hat er eine Oberfläche von 3,58 km². Das Absenkziel liegt bei 1020 moh., der Regulierungsbereich beträgt dadurch 40 Meter und der Stauraum beläuft sich auf 77 Mio. m³.

Die natürlichen Hauptzuflüsse sind im Süden der unbenannte Wasserlauf aus dem Svartatjørn und Heimredalsvatnet auf 1146 bzw. 1111 moh. (der in den schmalen Ausläufer mündet) sowie im Nordosten der Vollafjellelvi, der vom Uksavatnet und Ytste Helgadalsvatnet auf 1198 bzw. 1248 moh. gespeist wird; das Einzugsgebiet beträgt 17,2 km². Dazu kommt noch die Einspeisung über das Tunnelsystem von den Stauseen am Gletscher Fresvikbreen im Osten, wozu der Øvra Brevatnet (1162–1130 moh.), der Hestastodvatnet (1149–1131 moh.) und der Feiosdalsvatnet (1073–1051 moh.) gehören. Das Einzugsgebiet vergrößert sich dadurch auf 34,5 km².Arne Inge Sæbø: Muravassdemninga på Vikafjellet. Kringom, 7. Juli 1999, abgerufen am 9. September 2026.

mini|links|Blick nach Norden auf den Hauptdamm, im Hintergrund die Nebendämme und Staumauern der Hochwasserentlastung mini|Lage der Dämme und Staumauern der Hochwasserentlastung mini|Blick von der Zufahrtsstraße auf den Hauptdamm, 1977 Die Absperrbauwerke befinden sich alle am Nordteil des Muravatnet und sind bis auf die Hochwasserentlastung als Steinschüttdämme (Zonendamm) ausgeführt. Der 77 Meter hohe Hauptdamm auf der Westseite im Endredalen hat ein Bauwerksvolumen von 900.000 m³ und eine Kerndichtung aus gesiebtem und verdichtetem Grundmoränensediment (Geschiebemergel) sowie Übergangszonen (Filterschichten) aus Sand, Kies und Schotter. Er weist eine Krümmung mit einem Kurvenradius von 300 Meter in Richtung des Sees auf und hat eine 260 Meter lange Dammkrone auf 1064 moh. Östlich schließt sich daran unmittelbar in einem rechten Winkel der etwa 160 Meter lange Nebendamm 1 an, gefolgt von einer zweiteiligen Hochwasserentlastung aus Betonmauern von etwa 50 und 20 Meter Länge. Das nicht mehr speicherbare Wasser wird hier ins Endredalen geleitet und kann im ehemaligen Flussbett des Vikja abfließen. Weiter nördlich folgen noch die Nebendämme 2 bis 4 mit Längen von etwa 50–150 Metern. Alle Nebendämme erreichen nur Höhen von etwa 10 Meter. Eine Zufahrtsstraße zu den Absperrbauwerken wurde am Westrand des Endredalen errichtet, die an der Luftseite des Hauptdamms aufsteigt und dann über die Dammkronen der Nebendämme bzw. entlang des Seeufers verläuft.

Weblinks

Vikfalli. Sognekraft. Målset Vannkraftverk. Norges vassdrags- og energidirektorat (NVE).

Literatur Fredrik Vogt: Norwegian hydro-power plants. Ingeniørforlaget, Oslo 1968, S. 165–167. K. Y. Nilsen, R. Lien: Description of a drainage gallery for stabilizing the left abutment of Muravatn Dam, Southern Norway. In: Norges Geotekniske Institutt Publikasjon Nr. 115. Oslo 1977, S. 13–19.

Einzelnachweise

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