Die elektrische Tagebaulokomotiven Grube Mariannensglück Kausche I und II wurden bei den Siemens-Schuckertwerken (SSW) 1908 in zwei Exemplaren gefertigt.
Die Lokomotiven gehören mit den 1907 für den Tagebau Phönix gebauten Maschinen zu den ersten vierachsigen elektrischen Abraumlokomotiven in Deutschland und wurden für die Grube Mariannensglück in Kausche gebaut. Die Lokomotiven waren zusammen mit zweiachsigen Lokomotiven für einen anderen Betrieb beschafft worden und führten den Abraumbetrieb auf Gleisen mit 900 mm Spurweite aus.
Die Grube Mariannensglück wurde 1937 geschlossen. Von den Lokomotiven gibt es seit der Zeit keine Informationen mehr.
Geschichte Von den 1907 bei Phönix hergestellten Tagebaulokomotiven existieren außer einem Foto in der Literatur nur allgemeine technische Daten mit den SSW-Fabriknummern 337 sowie 338,Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, Seite 37 ein Jahr später wurde bei der Grube Mariannensglück bei Kausche in der damaligen Lage bei Neupetershain der Tagebaubetrieb eröffnet und für den Abraumbetrieb eine Abraumbahn mit 900 mm Spurweite angelegt. Der Lokomotivbetrieb wurde gleich mit elektrischen Lokomotiven von SSW durchgeführt, die mehr Wagen befördern konnten als Dampflokomotiven. Wegen der mitunter schlechten Gleislage und Gefahren von Rutschungen auf den Abraumgleisen wurden die Lokomotiven als Drehgestelloks ausgeführt, um sich dem unebenen Gelände besser anzupassen. Neben der Abraumbahn mit 900 mm Spurweite besaß die Grube Mariannensglück noch eine ebenfalls elektrisch betriebene Bahn mit 500 mm Spurweite und kleinen zweiachsigen Loks zu der Glashütte Neupetershain.kuladig: Internetseite über die Glashütte Neupetershain Die Kohleförderung wurde mit einer Kettenbahn übernommen.Andreas Schild: 135 Jahre Zugförderung im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 3. Auflage, 2015
Der Tagebaubetrieb erstreckte sich ausschließlich in dem 1. Lausitzer Kohleflöz. Er endete im Jahr 1937. Von da an gibt es über die Lokomotiven keine Informationen mehr. Das Gebiet von der ehemaligen Grube Mariannensglück ist heute (2026) vollständig von dem Tagebau Welzow-Süd in Anspruch genommen worden.
Technik Die Lokomotiven waren sehr gedrungen und hatten neben dem tief gelegenen Führerhaus die zwei Vorbauten, um auch unter den Baggern hindurchfahren zu können. Während die Phönix-Loks einen Stromabnehmer als Rollenstromabnehmer besaßen, waren die ansonsten sehr ähnlichen Kausche-Lokomotiven mit einem Scherenstromabnehmer mit Schleiflisten ausgerüstet. Dieser lag entsprechend der Fahrleitung außermittig, um die Wagen von oben mit Abraum beladen zu können. Der mechanische Teil der Lokomotiven wurde von Gebr. Wiemann in Brandenburg an der Havel gebaut. Die Lokomotiven besaßen zwei Drehgestelle mit je zwei Fahrmotoren. Der Hauptrahmen war mit den Drehgestellen über den Drehzapfen verbunden und konnte in der Werkstatt mit einem Hebewerk abgehoben werden. Die elektrischen Fahrmotoren waren eigenbelüftet und vollkommen gekapselt ausgeführt und wirkten über Tatzlagerantrieb auf die Achsen.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933
Die elektrische Gleichstrom - Ausrüstung stammte von SSW. Die Fahrstrom floss von der Fahrleitung über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit Widerstandssteuerung zu den Fahrmotoren, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren und vollständig gekapselt waren. Die Lokomotiven waren für eine Gleichspannung von 500 V ausgelegt. Die Fahrmotoren waren entweder in Reihe oder parallel geschaltet, damit konnten zwei Geschwindigkeitsbereiche gefahren werden. Gebremst wurden sie ausschließlich elektrisch oder mit Handbremse, auch auf den zweiachsigen hölzernen Abraumwagen waren etwa aller 10 Wagen ein Bremser vorhanden. Die Lokomotiven waren mit zwei einfachen Puffern und einem einfachen Kuppelbügel versehen, zur Signalgebung war am Füherhausdach ein Scheinwerfer und eine Signalfanfare an der Führerstandsseite vorhanden.
Literatur Andreas Schild: 135 Jahre Zugförderung im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 3. Auflage, 2015 Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8 Siemens Schuckertwerke: Elektrischer Abraumbetrieb auf Braunkohlewerken, Druckschrift AB 45, 1920
Weblinks
kuladig: Internetseite über die Grube Mariannensglück www.historischer-hafen-brandenburg.de: Internetseite über den Mechanikhersteller der Lokomotiven
Einzelnachweise
Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (SSW) Kategorie:Gebr. Wiemann Kategorie:Tagebaulokomotive Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 500 V