Pauline Hilde (Paula) Kaufman (; geboren 5. September 1920 in Dąbrowa Tarnowska, Zweite Polnische Republik; gestorben 2013 in Tel Aviv, Israel) war eine jüdische Widerstandskämpferin. Sie gehörte in den Niederlanden der Gruppe Westerweel und anschließend von Januar 1944 bis zum Kriegsende in Frankreich dem Netzwerk der Hollandais de l'Organisation juive de combat (Netzwerk der Niederländer in der OJC) an.Sofern nicht explizit anders referenziert folgt die Darstellung der angegebenen Literatur.

Leben Kaufman war die Tochter von Nahum (Norbert) Kaufman und Thérèse Millet. Die Familie lebte seit ihrer frühen Kindheit in Wien; Deutsch war ihre Muttersprache. Sie hatte einen Bruder, Ludwig Kaufman, der fünf Jahre jünger war als sie.

Mit dem Anschluss Österreichs im März 1938 setzten auch die antijüdische Verfolgungen ein. Kaufman floh in die Niederlande und schloss sich im Dezember 1938 einem Hachschara-Pionierlager in Wieringermeer (Provinz Noord-Holland) an, wo sich junge Menschen auf ein landwirtschaftliches Leben im Land Israel vorbereiteten. Nach der Auflösung der Farm im Jahr 1941 gelangte sie nach Amsterdam. Von Dezember 1941 bis Januar 1943 absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester im Portugiesisch-Jüdischen Krankenhaus von Amsterdam (Portugees Israëlietisch Ziekenhuis). Danach tauchte sie in Haarlem bei Frans und Hanny Gerritsen, einer niederländischen Familie, unter. Die Gerritsens waren Mitglieder des niederländischen Widerstands, insbesondere der Gruppe Westerweel. Als Eltern von im August 1942 geborenen Zwillingen, „stellten“ sie Kaufman als Kinderpflegerin ein. Tatsächlich unterstützte Kaufman Frans Gerritsen bei der Fälschung von Dokumenten, einem Gebiet, auf dem er zum Experten geworden war.

Kaufman wurde von dem ebenfalls zur „Gruppe Westerweel“ gehörenden Max Windmüller, Deckname „Cor“, rekrutiert, der seit Ende 1943 Verbindungsmann zu den Juden im besetzten Frankreich war. Im Januar 1944 verließ Kaufman die Niederlande in Richtung Paris, wo neben Windmüller auch Metta Lande tätig war. Sie verwendete den Decknamen „Elisabeth (Els) Visser“.

Im April 1944 wurden einige Mitglieder der niederländischen Gruppe in Paris verhaftet und im Gefängnis Fresnes inhaftiert. Der Rest der Gruppe beschloss, Paris zu verlassen, und erreichte unter großen Schwierigkeiten Limoges. Auf der Suche nach Arbeit bemerkte Kaufman an einem Anschlagbrett auf einem zentralen Platz in Limoges eine Anzeige mit der Aufschrift „Wehrmacht Kommando“. Da sie im Besitz eines gefälschten Empfehlungsschreibens war, das ihre Tätigkeit für die Wehrmacht in Rouen bescheinigte, bewarb sie sich. Aufgrund ihres perfekten Deutschs erhielt sie die Stelle als Sekretärin eines Freundes des Kommandanten der Wehrmacht von Limoges. Die Leichtigkeit, mit der sie eingestellt worden war, brachte sie auf die Idee, dies auch im Gestapo-Hauptquartier in Paris zu versuchen. Sie stellte sich vor und wurde als Sekretärin des Obersturmbannführers Otto Eichner, des Leiters der Baudienste, im Haus Avenue Foch 82 angestellt.

Kaufman begleitete Eichner zu laufenden Bauprojekten und nahm an wichtigen Gestapo-Besprechungen teil. Sie stieß auf Baupläne für Bunkeranlagen unter dem Bois de Boulogne sowie für Abschussstellungen von V1- und V2-Raketen, die sie kopierte und ihrem niederländischen Kontakt Win van Eekers in London zukommen ließ. Sie knüpfte Kontakte zu den Francs-tireurs et partisans-Gruppen der Résistance und leitete an diese Informationen weiter. Sie konnte sich frei innerhalb Frankreichs bewegen und sogar in die Niederlande reisen, wodurch sie mit ihrem dortigen Bekanntenkreis in Kontakt blieb und ihnen die gewonnenen Erkenntnisse übermitteln konnte.

Verraten durch zwei in die niederländische Gruppe in Paris eingeschleuste Gestapo-Agenten, Olga Tscherwinsky und Karl Rehbein wurde Kaufman am 18. Juli 1944 zusammen mit Windmüller und den meisten Mitgliedern der niederländischen Gruppe verhaftet und im Gefängnis Fresnes interniert. Sie wurde gefoltert und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde jedoch nicht vollstreckt. Stattdessen brachte man sie in das Sammellager Drancy, von wo aus sie am 17. August 1944 im letzten der von Alois Brunner aus Frankreich organisierten Deportationstransporte (Convoi no. 79) nach Buchenwald, anschließend nach Bergen-Belsen und Theresienstadt deportiert wurde. Sie und die anderen 50 Deportierten sollten dabei als Geiseln dienen. Kaufman wurde schließlich am 10. Mai 1945, zwei Tage nach der deutschen Kapitulation, befreit. Sie kehrte nach Frankreich zurück und fand Aufnahme in Vielleségure, Département Pyrénées-Atlantiques.

Mit Dekret vom 15. Juni 1946 wurde Kaufman mit der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.

Ihr Vater, der nach Polen zurückgekehrt war, wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Ihre Mutter und ihr Bruder, die sich 1939 in dem von der Sowjetunion besetzten Teil Polens befanden, wurden nach Sibirien deportiert. Beide kehrten nach Kriegsende zurück. 1947 wanderte Kaufman nach Palästina aus. Ihre Mutter folgte ihr bald, ebenso ihr Bruder nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel im Jahr 1948.

1952 heiratete sie Yoske (Herbert) Welt (1924–1992), mit dem sie zwei Kinder hatte, Oded Lotan und Ruti Raphael. Sie lebte in Jerusalem. Kaufman starb 2013 in Tel Aviv-Jaffa.

Literatur

Einzelnachweise

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