mini|Rachel Zylberberg, vor dem 2. Weltkrieg mini|Denkmal am Anielewicz-Bunker in Warschau, an dem Ort, an dem Zylberberg mit anderen jüdischen Aufständischen starb mini|Name der jüdischen Aufständischen am Denkmal am Anielewicz-Bunker; Zylberberg rechte Spalte, dritte von unten Rachel Lea (Sarenka) Zylberberg (geboren * 5. Januar 1920 in Warschau, Zweite Polnische Republik; gestorben 8. Mai 1943 in Warschau, Generalgouvernement) war eine jüdische polnische Untergrundaktivistin und Teilnehmerin am Aufstand im Warschauer Ghetto.Soweit nicht explizit anders angegeben folgt Darstellung der angebenen Literatur.
Leben Zylberberg wurde als Tochter orthodox-jüdischer Eltern geboren: Alexander (Sender) und Masha, geborene Nordwind. Ihre Eltern besaßen ein Milchwarengeschäft im Warschauer Stadtbezirk Wola. Sie wurde Sarenka („kleines Reh“ oder „Rehkitz“ auf Polnisch) gerufen.
Zylberberg besuchte das Jüdische Gymnasium und schloss sich Hashomer Hatzair an, wo sie später gemeinsam mit Mordechai Anielewicz, dem späteren Kommandanten des Aufstands im Warschauer Ghetto, Mitglied der sogenannten „Frontbrigade“ wurde. Während ihrer Schulzeit zeichnete sie sich sowohl durch hervorragende Leistungen als auch durch sportliche Erfolge aus und galt als organisatorisch ausgesprochen begabt. Ab 1938 leitete sie eine Gruppe jüngerer Schüler, die sie sehr bewunderten. Ihr Abiturzeugnis erhielt sie unmittelbar zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, als am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen der Krieg begann. Zwei Wochen später erfolgte die Sowjetische Besetzung Ostpolens von Osten her.
Zylberberg floh gemeinsam mit ihrer Schwester Ruth vor dem deutschen Vormarsch nach Ostpolen. Zunächst gelangte sie in den Kibbuz Ha-Manof in Ostpolen und zog später in die Woiwodschaft Wilna, wo sie dem dortigen Kibbuz von Hashomer Hatzair beitrat. Dank ihrer guten Ausbildung übernahm sie sofort eine wichtige Rolle im Kibbuzleben. In Wilna lebte sie mit ihrem Lebensgefährten Moshe Kopito zusammen, einem engen Freund Anielewicz. Am 22. Februar 1941 wurde ihre gemeinsame Tochter Maya geboren.
Am 22. Juni 1941 griff die deutsche Armee im Rahmen des Unternehmen Barbarossa die Sowjetunion auch über Litauen an. Zylberberg schilderte später die Deportation der Juden aus dem Ghetto Vilnius in das nahegelegene Ponary, wo das Massaker von Ponary von den Nationalsozialisten und ihren litauischen Helfern verübt wurde: „Es war eine Nacht des Grauens. Wir, die Mitglieder von Hashomer Hatzair, versteckten uns in einer Wohnung. Wir lauschten den Stimmen, die von der Straße heraufdrangen. Die Fahrzeuge der Deutschen hielten an, und dann hörten wir Stimmen, Schreie, Schüsse, herzzerreißendes Weinen. So räumten sie eine Straße nach der anderen. Wohin? In die Wälder bei der Stadt, nach Ponary. Zweifellos in das Tal des Gemetzels.“
Zylberberg tauchte mit 17 anderen Hashomer Hatzair.Mitgliedern im Kloster der polnischen Dominikanerinnen, bestehend unter anderen aus den Ordensschwestern Anna Borkowska und Cecylia Roszak unter, das sich in einem Waldgebiet einige Kilometer außerhalb von Vilnius befand. Andere Untergetauchte waren Abba Kovner, Izrael Chaim Wilner oder Chaika Grossman. In dieser Gruppe entwickelte sich die Idee eines Aufstands. Die Verbindung zu den Ghettos wurde mit Unterstützung von Irena Adamowicz, einer katholischen Pfadfinderin und Mitglied der Polnischen Heimatarmee hergestellt. Die Aktivisten von Hashomer Hatzair hatten sie versteckt, als die Stadt von den Russen zerstört worden war.
Mosche Kopito wurde von den Nationalsozialisten ermordet, als er versuchte, Milch und andere Versorgungsgüter für die Tochter Maja zu besorgen. Zylberberg brachte sie daraufhin unter dem Namen „Yodviga (Jadwiga) Sogak“ in einem Waisenhaus in Wilna. Sie wurde später nicht mehr wiedergefunden.
Die Führung von Hashomer Hatzair in Vilnius beschloss, Zylberberg für die Partisanenarbeit nach Warschau zurückzuschicken. Chaika Grossman wurde mit dem Transfer beauftragt. Zylberberg verkleidete sich als Grossmans Kind, obwohl beide noch junge Frauen waren. Grossman notierte dazu später: „Dieses Mal kam ich nicht allein nach Warschau. Ich kam mit Sarenka. Ich musste Sarenka nach der Katastrophe um ihren Freund Mosche Kopito von Wilna nach Warschau bringen. Wir beschlossen, sie bei einer Familie in Warschau unterzubringen und sie dort in die Arbeit einzubeziehen.“Haika Grossman: Underground, S. 109.
Zylberberg unterstützte ihre Familie bei der Führung des Lebensmittelgeschäfts, arbeitete mit ihrer Freundin Mira Fuchrer in einer kleinen Schneiderei und hatte die Aufgabe, die im Warschauer Ghetto verbliebenen Jugendlichen anzuleiten und zu organisieren. Sie scharte sich eine Gruppe von Jugendlichen um sie, von denen einige zuvor von ihr als Jugendleiterin betreut worden waren. Eine der Jugendlichen schrieb später: „Eines Tages wurden wir zu einer Zusammenkunft unserer Brigade mit einer neuen jungen Abgesandten aus dem Ghetto Vilnius gerufen. Ich glaube, sie hieß Sarenka (oder vielleicht Rachel?). Wir saßen alle auf dem Boden, und vor uns stand eine junge Frau von etwa 22 Jahren, in deren Haar sich bereits weiße Strähnen zeigten. Im Zwielicht wirkte sie sehr hübsch und edel, doch ihre Augen schienen erloschen.“Aliza Vitis-Shomron: Youth Under Fire. S. 74 f. Zylberberg war vor allem eine Augenzeugin der Gräueltaten im Ghetto Vilnius und in Ponary, von denen die Juden in anderen Ghettos nicht im Detail wussten. Als zweites verfolgte sie das Ziel den Widerstand gegen die Nationalsozialisten aus dem Inneren des Ghettos heraus zu wecken und zu fördern. Ihre eindringlichen Berichte beeinflussten die Entscheidung zum Aufstand.
Als im April 1943 der Aufstand im Warschauer Ghetto begann war Zylberberg dabei. Am Ende versteckten sich die verbliebenen Kämpfer der Jüdischen Kampforganisation (pol. Żydowska Organizacja Bojowa, kurz ŻOB) im Anielewicz-Bunker und kamen hier am 8. Mai 1943 ums Leben. Unter ihnen war neben dem Kommandanten der ŻOB Mordechaj Anielewicz auch Zylberberg.
Literatur Für eine Übersicht über die Quellenlage und die Historiographie zu den Jüdischen Ghettos siehe zum Beispiel die entsprechenden Abschnitte des vom Institut für Zeitgeschichte entwickelten Kurs Ghettos under Nazi Rule im Rahmen des EHRI Online Course in Holocaust Studies. Die im Weiteren angegebene Literatur enthält einzelne Aspekte zu Zylberbergs Leben.
Weblinks
Fotografie von Mitglieder der Jugendorganisation Hashomer Hatzair, 1938, Holocaust Enyclopedia, United States Holocaust Memorial Museum.
Einzelnachweise
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