Ella Blumenthal (geboren 15. August 1921 in Warschau; Zweite Polnische Republik) ist eine jüdische polnische Widerstandskämpferin und Holocaustüberlebende. 1940 wurde sie in das Warschauer Ghetto gebracht, wo sie am Aufstand im Warschauer Ghetto teilnahm. Sie und ihre Nichte Roma Rothstein waren die einzigen Mitglieder ihrer unmittelbaren Familie, die den Holocaust überlebten.
Leben Blumenthal wurde als jüngstes von sieben Kindern geboren. Ihr Vater war Textilhändler. Sie hatte nach eigener Erinnerung eine glückliche Jugend bis zum deutschen Überfall auf Polen 1939. Im Oktober 1940 wurde sie zusammen mit ihrer Familie zwangsweise in das Warschauer Ghetto gebracht. Im Warschauer Ghetto half Blumenthal einer jüdischen Untergrundorganisation bei der Herstellung und Verteilung von Flugblättern, die vor der Ermordung im Vernichtungslager Treblinka warnten und zum Kampf der Ghettobewohner gegen die Deutschen aufriefen.
Die Mitglieder von Blumenthals Familie wurden nach und nach abgeholt und in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Zum Zeitpunkt des Aufstands im Warschauer Ghetto blieben ihr nur noch zwei Angehörige: ihr Vater und ihre älteste Nichte, Roma Rothstein. Vom 19. April bis zum 16. Mai 1943 nahm Blumenthal am Aufstand im Warschauer Ghetto teil. Nach dem Scheitern des Aufstands wurden sie und die verbliebenen Juden in die Lager Majdanek und Treblinka deportiert.
Von 1943 bis 1945 befand sich Blumenthal in drei Konzentrationslagern: Majdanek, Auschwitz und Bergen-Belsen. In Majdanek wurde ihr Vater zusammen mit den meisten anderen älteren Häftlingen in die Gaskammern geschickt. Auch Blumenthal und Rothstein wurden dorthin gebracht, doch aufgrund von Bürokratie entgingen sie der Ermordung. Blumenthal berichtete später:
Kurz darauf wurden Blumenthal und Rothstein nach Auschwitz verlegt. Dort erkrankte Rothstein an Typhus und wurde in ein Krankenrevier gebracht. Am dritten Tag warnte sie ein Arzt, dass alle verbliebenen Patienten vergast würden. Da sie nicht gehen konnte, kroch Rothstein aus dem Krankenrevier und überlebte. Auch Blumenthal erkrankte an Typhus, hatte jedoch zu große Angst, das Krankenrevier aufzusuchen. Stattdessen versteckte sie sich in den Baracken und Toilettenanlagen.
Im November 1944 wurden Blumenthal und Rothstein schließlich in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verlegt. Dort blieben sie bis zur Befreiung des Lagers durch die britische Armee am 15. April 1945.
Nach dem Krieg kehrte Blumenthal nach Warschau zurück, in der Hoffnung, noch lebende Familienangehörige zu finden, die sich nicht im Warschauer Ghetto befunden hatten. Es gelang ihr, Kontakt mit Rothsteins Vater aufzunehmen. Er hatte überlebt, indem er das Warschauer Ghetto verlassen und sich nach Tel Aviv begeben hatte. Er sorgte dafür, dass Blumenthal nach Paris gelangen konnte, wo sie bis 1947 lebte. Dann erhielten die Rothsteins für sie ein Visum, damit sie zu ihnen nach Tel Aviv kommen konnte. In Tel Aviv lernte Blumenthal ihren späteren Ehemann kennen, den sie bereits dreizehn Tage nach dem Kennenlernen heiratete. Von dreiundzwanzig Mitgliedern ihrer unmittelbaren Familie waren sie und die Rothsteins die einzigen Überlebenden des Holocaust.
Sie ist Gegenstand des 2021 erschienenen Dokumentarfilms I Am Here, der ihr Leben im Warschauer Ghetto und in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern dokumentierte.
Blumenthal lebt heute in Kapstadt und hat vier Kinder, elf Enkelkinder und neun Urenkel. Am 25. Juli 2021 vollendete sie ihr 100. Lebensjahr und 2026 den 105. Geburtstag.
Einzelnachweise
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