Hélène Moszkiewiez, verheiratete Celmaster (geboren 20. Dezember 1920 in Nürnberg; gestorben 18. Juni 1998 in Vancouver, British Columbia, Kanada) war eine jüdische belgische Widerstandskämpferin, die während des Zweiten Weltkriegs unter falscher Identität als Sekretärin im Brüsseler Hauptquartier der Gestapo tätig war. Während ihrer zweijährigen Tätigkeit als Schreibkraft beschaffte sie den britischen Nachrichtendiensten und dem belgischen Widerstand Verhaftungs- und Deportationslisten der Nationalsozialisten und gab ihnen damit die Möglichkeit, gefährdete Personen zu warnen oder in Sicherheit zu bringen.Soweit nicht anders angegeben, folgt die Darstellung den angegebenen Magazinartikeln und der Zeitungsmappe.

Leben Moszkiewiez wurde als Tochter von Tobias und Regina Moszkiewiez in Nürnberg geboren. Ende der 1920er Jahre emigrierten die Eltern mit ihr und ihrer Schwester Amalia nach Brüssel. 1937, im Alter von 17 Jahren, lernte sie in einer Bibliothek einen belgischen Soldaten namens Francois Vermolen kennen. Die beiden blieben befreundet, bis er 1939 aus der Stadt versetzt wurde und sich ihre Wege verloren. Nachdem die Deutschen 1940 Belgien besetzt hatten traf sie Vermolen wieder, der eine deutsche Uniform trug und unter dem Namen „Franz Boehler“ als Doppelagent für die britischen Nachrichtendienste tätig war. Er überzeugte Moszkiewiez, dem belgischen Widerstand beizutreten. Später erinnerte sie sich daran, dass sie „nicht wusste, worauf sie sich einließ“. Ihre fließenden Deutsch-, Französisch- und Flämischkenntnisse waren für den Widerstand von unschätzbarem Wert. Sie erhielt eine neue, nichtjüdische Identität unter dem Namen „Olga Richter“ und gab sich als Verlobte von Francois aus. Ihr erster Auftrag bestand darin, in den französischsprachigen Vierteln Brüssels in der Nähe deutscher Kasernen Zeitungen zu verkaufen, um Gespräche von Soldaten mitzuhören und die Informationen an den Widerstand weiterzugeben. Schließlich gelang es ihr, eine Teilzeitstelle ohne Bezahlung als Sekretärin im Hauptquartier der Gestapo zu erhalten, das nur vier Häuserblocks vom Wohnhaus ihrer Eltern entfernt lag. Zugleich unterstützte sie Vermolen, der inzwischen zum Gestapo-Offizier aufgestiegen war.

Zu ihren Aufgaben gehörte das Abtippen von Listen mit Personen, die zur Verhaftung oder Deportation vorgesehen waren. Diese Informationen leitete sie an die britischen Nachrichtendienste und den Widerstand weiter, die die Betroffenen oft noch vor den Razzien in Sicherheit bringen konnten. Außerdem musste sie Anzeigen in französischsprachigen Zeitungen aufgeben, in denen jedem, der seine jüdischen Nachbarn meldete, 40 Belgische Franc versprochen wurden. Sie sollte die Antworten ins Deutsche übersetzen und die Informanten bezahlen. Stattdessen informierte sie den Widerstand darüber, sodass bekannt war, vor welchen Personen man sich in Acht nehmen musste. In einem Fall meldete sie einen Mann, der das Geld sechs Mal kassiert hatte; er wurde später in seinem Haus getötet, „als Warnung für andere“.

Ihre Eltern wurden verhaftet, nachdem ein nichtjüdischer Geschäftspartner sie denunziert hatte. Moszkiewiez’ Vater hatte einem Kollegen versteckten Schmuck im Kohlenvorrat des Kellers gezeigt. Die Eltern wurden zunächst im Keller des Gestapo-Hauptquartiers festgehalten und 1943 in ein Konzentrationslager deportiert, wo sie vermutlich ums Leben kamen. Etwa zur gleichen Zeit war Moszkiewiez mit einem Mann namens Albert verheiratet. Bereits einen Monat nach der Hochzeit wurde er ins deutsche Hauptquartier vorgeladen. Sie konnte ihn nicht davon abbringen, der Vorladung Folge zu leisten. Er stellte sich und starb später in Auschwitz.

Im September 1943 wirkte Moszkiewiez an der Befreiung von 45 Gefangenen aus einem deutschen Gefängnis mit. Die Widerstandskämpfer gaben sich als nationalsozialistische Wachleute mit dem Auftrag, die Häftlinge an einen anderen Ort zu transportieren, aus. Bei einer anderen Gelegenheit versteckte sie, obwohl sie kein Englisch sprach, sechs britische Flieger für fünf Tage in ihrer kleinen Wohnung, nachdem deren Flugzeug von deutschen Truppen abgeschossen worden war. Ebenfalls 1943 erhielt sie den Auftrag, einen Gestapo-Chef zu töten, der Verdacht gegen sie und Vermolen geschöpft hatte. Der Mann kehrte jeden Morgen auf einem Waldweg in einem Park vom Haus seiner Geliebten nach Hause zurück. Moszkiewiez positionierte sich entlang des Weges und täuschte eine Knöchelverletzung vor. Als der Mann sich zu ihr hinunterbeugte, um ihr zu helfen, erstach sie ihn.

Nach der Befreiung Belgiens erfuhr Moszkiewiez, dass Vermolen seine Stellung genutzt hatte, um heimlich beträchtlichen Reichtum anzuhäufen, unter anderem durch Veruntreuung und Immobiliengeschäfte. Um seine Loyalität gegenüber der Gestapo zu beweisen, hatte er außerdem zehn Mitglieder des Widerstands verraten, die daraufhin ermordet wurden. 1946 wurde er von den Briten wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet.

Nach dem Krieg lernte Moszkiewiez den britischen Nachrichtendienstoffizier Albert Celmaster kennen und heiratete ihn. Ein Stellenangebot der britischen Nachrichtendienste lehnte sie ab. Stattdessen erhielt sie 1946 eine Anerkennungsurkunde für ihre Verdienste. Im selben Jahr zog sie mit ihrem Ehemann zunächst in die Vereinigten Staaten und später nach Vancouver. Das Paar bekam zwei Söhne. Moszkiewiez betrieb ein Tanzstudio und unterrichtete Französisch. Ihr Ehemann ermunterte sie, ihre Memoiren niederzuschreiben, die sie Ma guerre dans la Gestapo nannte. Er übersetzte das Werk aus dem Französischen ins Englische; 1985 erschien es bei Macmillan Publishers unter dem Titel Inside the Gestapo: A Young Woman's Secret War. Das Buch wurde unter ihrem Geburtsnamen „Hélène Moszkiewiez“ veröffentlicht. Zum Schutz ihrer Privatsphäre konnte der Verlag sie nur über ein Postfach oder eine nicht im Telefonbuch verzeichnete Telefonnummer erreichen. Außerdem änderte sie die Namen der im Buch erwähnten Personen, um deren Angehörige zu schützen.

In ihren Erinnerungen schilderte sie ausführlich die Einsamkeit ihrer Tätigkeit inmitten des Feindes und ihre ständige Angst, entdeckt und hingerichtet zu werden. Sie berichtete von ständigem Hunger und dem Gefühl, niemandem vertrauen zu können. Zugleich äußerte sie Entsetzen und Scham über ihre Erinnerung an eine Gestapo-Razzia und darüber, „wie fügsam die Glaubensgenossen den deutschen Besatzern folgten […] Sie waren wie Schafe, die auf die Schlachtbank warten“. Für diese Aussagen wurde sie von Teilen der jüdischen Gemeinschaft scharf kritisiert. Die Autorin und Auschwitzüberlebende Bronia Sonneschein hielt dagegen, Moszkiewiez habe das Glück gehabt, durch eine zufällige Begegnung in den Widerstand zu gelangen, während viele andere nichts zur Verteidigung gehabt hätten als „ihre bloßen Hände“. Zwar sei ihr Einsatz bewundernswert gewesen, dies gebe ihr jedoch nicht das Recht, Ermordete und Gefolterte mit Schafen zu vergleichen. Der Historiker Rudi Van Doorslaer stellte die historische Zuverlässigkeit der Memoiren in Frage. Er verwies auf die auffällige Häufung zufälliger Begegnungen mit Vermolen, die unwahrscheinliche und sensationelle Darstellung von Rettungsaktionen sowie auf Widersprüche zwischen der Chronologie des Buches und dem tatsächlichen Kriegsverlauf.

Über ihre späteren Lebensjahre ist wenig bekannt. Sie starb 1998 und ist in Vancouver beerdigt.

1991 wurden ihre Memoiren unter dem Titel A Woman at War (deutsch: „Handlanger des Todes“)verfilmt; die Hauptrolle spielte Martha Plimpton. Ihre Geschichte diente außerdem lose als Inspiration für Paul Verhoevens Film Zwartboek (englisch: Black Book) mit Carice van Houten in der Hauptrolle.

Literatur Erinnerungen:

Magazinartikel

Zeitungsmappe

Einzelnachweise

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