mini|Cornelis van der Meulen – Trompe l'oeil (1673). Dordrechts Museum Cornelis van der Meulen (auch Cornelis Vermeulen; getauft 5. September 1642 in Dordrecht; begraben 5. Januar 1692 in Stockholm) war ein niederländischer Maler. Nach seiner Ausbildung wirkte er ab den späten 1670er Jahren als Hofmaler in Schweden. Er ist vor allem für seine Stillleben, insbesondere seine Vanitas- und Quodlibet-Darstellungen, sowie für ein Panoramabild Stockholms bekannt.
Leben
Cornelis van der Meulen wurde als Sohn des Tuchmachers Cornelis Adriaensz. van der Meulen und der Helena Gijsbrecht van der Spiegel in Dordrecht geboren und dort am 5. September 1642 getauft. In den späten 1650er Jahren war er in seiner Heimatstadt Schüler von Samuel van Hoogstraten. Dieser war in zahlreichen Gattungen tätig, war ein ehemaliger Schüler Rembrandts und prägte van der Meulen maßgeblich in Richtung der illusionistischen Trompe-l’œil-Malerei. Über eine mögliche Italienreise van der Meulens gibt es keine dokumentarischen Belege. Aufgrund stilistischer Indizien hält die Forschung einen Aufenthalt in Rom für möglich, ohne dass dies als gesichert gelten kann.
Cornelis van der Meulen ist seit 1678/79 in Schweden nachweisbar. Nach schwedischen Quellen traf er vermutlich in der ersten Hälfte des Jahres 1678 in Stockholm ein und ist im Folgejahr im Register des Stockholmer Malerhandwerks (Maleramt) verzeichnet. In einzelnen Quellen wird der schwedische Stilllebenmaler Christian von Thum als sein Lehrer in Schweden genannt, was jedoch nicht durchgehend bestätigt ist. 1683/84 wirkte er an der Ausstattung des Schlosses Drottningholm mit und malte die Fensternischen im Audienzsaal der Königin nach Entwürfen des Architekten Nicodemus Tessin. Diese Ausstattung ist nicht erhalten. Cornelis van der Meulen starb in Stockholm und wurde am 5. Januar 1692 dort begraben.
Werk mini|Cornelis van der Meulen – Ansicht von Stockholm. Stockholms stadsmuseum Das bekannte Œuvre van der Meulens ist begrenzt und besteht überwiegend aus Werken seiner schwedischen Schaffensphase, die sich heute in schwedischen Museen und Sammlungen befinden. Ein Schwerpunkt liegt auf Vanitas-Stillleben, die mit typischen Bildmotiven wie Totenschädeln, erlöschenden Kerzen, Seifenblasen, Uhren, Spiegeln, Büchern und verwelkenden Blumen die Vergänglichkeit irdischen Strebens thematisieren. Zu den bezeichneten und datierten Werken zählen ein Vanitas-Stillleben (datiert 166[8?], vormals Sammlung H. Schultz, Stockholm), ein Vanitas-Stillleben von 1681 sowie ein Stillleben mit einer Statuette der Venus Medici, ebenfalls von 1681 (beide Sammlung Bonde, Schloss Ericsberg) und ein großes Stillleben mit einer Radschlossbüchse aus derselben Sammlung.
Zur Gattung der Quodlibet-Stillleben – illusionistisch gemalte Brettwände mit angehefteten Gegenständen wie Briefen, Miniaturen und Schreibutensilien – schuf van der Meulen mehrere Werke. Ein solches Quodlibet im Königlichen Schloss Stockholm trägt auf einem gemalten Brief die Aufschrift Cornelis van der Meulen Schilder tot Dordrecht. Ein weiteres großformatiges Stillleben in der Sammlung Ericsberg zeigt neben einer Radschlossbüchse einen Brief mit der Inschrift Cornelis van der Meulen à Stockholm. mini|Cornelis van der Meulen – Prinz Gustav von Schweden (1683–1685), 1686, nach der Marmorbüste von Nicolaes Millich. Schwedisches Nationalmuseum, z. Zt. Schloss Gripsholm Im Jahr 1686 entstanden die Bildnisse der Prinzen Gustav und Ulrich von Schweden, Söhne König Karls XI., in Schloss Gripsholm (ursprünglich waren sie für Drottningholm bestimmt). Die Bildnisse zeigen die als Kleinkinder verstorbenen Prinzen in Form gemalter Büstenskulpturen. Sie gehen auf die postumen Marmorbüsten des Bildhauers Nicolas Millich zurück, den die Großmutter der Prinzen, die verwitwete Königin Hedwig Eleonora von Schleswig-Holstein-Gottorf, beauftragt hatte. Als das bedeutendste und in der schwedischen Malerei seiner Zeit einzigartige Werk gilt das große Panorama von Stockholm, vom Kungsholmen aus gesehen (Sammlung O. Taube von Block, Broxvik; heute im Stockholmer Stadtmuseum). Es diente als Vorlage für den sogenannten Wijkman'schen Stich von 1702; bei seiner Erstellung wurde vermutlich eine Camera obscura verwendet.
Ein Gemälde, das eine weidende Viehherde zeigt, befand sich bis 1932 in der Sammlung der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Ein 1893 in Köln versteigertes Bildnis Peters des Großen als Kind (datiert 1678) trug zwar die Signatur van der Meulen, doch die Zuschreibung an Cornelis van der Meulen gilt als unsicher.
Literatur
Arnold Houbraken: De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. 2. Auflage, Band 3, Amsterdam 1753, S. 310. Oscar Granberg: „Meulen, Cornelis van der“. In: Nordisk familjebok. 2. Auflage, Band 18, Stockholm 1913. Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Band 2. Halm & Goldmann, Wien/Leipzig 1910, S. 154. Abraham Bredius: Künstler-Inventare. Urkunden zur Geschichte der holländischen Kunst des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Band 5 (= Quellenstudien zur holländischen Kunstgeschichte, Band 11). Martinus Nijhoff, Den Haag 1918, S. 1761, Anm. 1. Museum Christian Hammer in Stockholm. Die schwedische Porträt-Sammlung. Versteigerungskatalog. J. M. Heberle (H. Lempertz' Söhne), Köln, 16.–18. Oktober 1893, Nr. 332. John Böttiger: Hedvig Eleonoras Drottningholm. Stockholm 1897. Oscar Granberg: Trésors d'art en Suède. Band 1–3. Stockholm 1911–1913, Band 1, Nr. 74–76; Band 3, Nr. 71–75. Georg Göthe: Porträttsamlingen på Gripsholm. Stockholm 1925. Ball & Graupe. Versteigerungskatalog XIX. Berlin, 10. Dezember 1932. H. Bukowskis Auktioner. Versteigerungskatalog. Stockholm, April 1934, Nr. 295. Kjell Erik Steneberg: Beitrag in: Svenska folket genom tiderna. Band 5. Malmö 1939, S. 332. Görel Cavalli-Björkman: Dutch and Flemish Paintings. Dutch Paintings c. 1600–c. 1800. Nationalmuseum, Stockholm 1986, S. 295–296. Kjell Boström: „Jan Vermeer and Cornelis van der Meulen“. In: Oud Holland. Band 66, 1951, S. 17–22. Lars Ljungström: „Contoirsstycket“. In: Konsthistorisk tidskrift / Journal of Art History. Band 57, Heft 1, 1988, S. 30–45. Görel Cavalli-Björkman, Bo Nilsson: Stilleben. Ausstellungskatalog. Nationalmuseum, Stockholm, 16. Februar–1. Mai 1995. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Weblinks
Cornelis van der Meulen im RKD – Netherlands Institute for Art History Artvee
Einzelnachweise
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