mini|alternativtext=Schwarz-Weiß-Foto: Lesung mit Publikum vor Glasfront|Lesung im Theater im Palast (1979)
Das Theater im Palast (TiP) war von 1976 bis 1990 eine Studiobühne im Palast der Republik in Berlin (Ost) und wurde von Vera Oelschlegel als Intendantin geleitet.
Geschichte Das Theater im Palast (TiP) wurde offiziell eröffnet am 24. April 1976 mit der szenischen Collage Salut an alle – Marx, gespielt von Vera Oelschlegel, Ekkehard Schall und Hans-Peter Minetti. Das TiP hatte zwar einen jährlichen Etat von 1,5 Millionen, aber zunächst kein festes Ensemble.
Nachdem das TiP anfangs dem Direktionsbereich Kultur des Palast der Republik zugeordnet war, wurde es 1980 dem Direktor als eigenständiger Bereich direkt unterstellt. Ende 1989 wählte das Ensemble Siegfried Wein als neuen Intendanten. Als 1990 aufgrund von Asbestbelastung die Schließung des Palast der Republik beschlossen wurde, musste das TiP seinen dortigen Spielbetrieb einstellen. Ein Teil des Ensembles zog in das Palais am Festungsgraben und gründete dort 1991 das Theater im Palais.
Raum Das TiP befand sich zwischen dem vierten und dem fünften Stock im Palast der Republik. Der symmetrisch von Treppenläufen umschlossene Spielraum war bewusst offen konzipiert und sollte der „Erprobung neuer Spielformen“ dienen. Tribüne und Bestuhlung waren flexibel, sodass die maximale Auslastung zwischen 150 und 450 Personen variierte. Die räumliche Ausrichtung der Bühne wurde häufig geändert und der Ausblick durch die Glasfassade auf den Marx-Engels-Platz (heute: Schloßplatz (Berlin)) in die Inszenierungen einbezogen.
Programm Zum Programm des TiP gehörten neben klassischem und zeitgenössischem Sprechtheater auch Kabarett, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen (TiP-Galerie). In der Reihe Komponistenporträts waren internationale Vertreter der Avantgarde wie Luigi Nono, Krzysztof Penderecki, Isang Yun und György Ligeti zu Gast. Autoren wie Erich Fried, Günter Grass, Christoph Hein, Erwin Strittmatter, Christa Wolf und Ernst Jandl waren für Lesungen und Diskussionen im TiP.
Insgesamt wurden am TiP bis zur Schließung rund 4.000 Vorstellungen gespielt und mehr als 70 Stücke inszeniert, darunter zahlreiche Uraufführungen und DDR-Erstaufführungen wie beispielsweise das erste Beckett-Stück auf einer DDR-Bühne. In der DDR-Erstaufführung von Heiner Müllers Zwei-Personen-Stück Quartett, die am 1. April 1989 im TiP Premiere gefeiert hatte, übernahm der Autor bei der letzten Vorstellung am 2. Oktober 1989 selbst die Rolle des Valmont, da der Hauptdarsteller Manfred Ernst wie auch Regisseur Bernd Peschke die DDR über Ungarn verlassen hatten. Seinen Auftritt kommentierte Müller gegenüber dem Publikum mit den Worten: „Sie müssen nicht befürchten, dass ich Schauspieler werden will. Es handelt sich um einen einmaligen humanitären Akt.“
Inszenierungen (Auswahl) 1977: Heines letzte Liebe von Günter Kaltofen und Hans Pfeiffer, Regie: Ruth Berghaus, Bühnenbild: Wolf-Rüdiger Eisentraut, Kostüme: Horst Sagert, Dramaturgie: Karl Mickel 1980: Stella von Johann Wolfgang von Goethe, Bearbeitung: Karl Mickel, Epilog: Peter Konwitschny, Regie: Ruth Berghaus 1981: Romeo und Julia von William Shakespeare, Übersetzung: B. K. Tragelehn, Regie: Peter Schroth und Peter Kleinert 1981: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung von Christian Dietrich Grabbe, Regie: Helmut Straßburger (Koproduktion mit der Staatlichen Schauspielschule Berlin) 1982: Verschwörung der Heuchler von Michail Bulgakow, Übersetzung: Thomas Reschke, Regie: Thomas Langhoff, Musik: Jürgen Ecke; Choreografie: Ladislav Fialka (Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin) 1982: Der Meteor von Friedrich Dürrenmatt, Regie: Vera Oelschlegel, Musik: Johannes Wallmann (DDR-Erstaufführung) 1985: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht von Swetlana Alexijewitsch, Lieder- und Gedichttexte: Steffen Mensching und Hans-Eckhardt Wenzel, Regie: Kurth Veth 1985: Die Binsen von Peter Hacks, Regie: Eberhard Esche (Uraufführung) 1985: Der Totentanz von August Strindberg, Regie: David Leveaux, Bühnenbild: Matthias Stein, Kostüme: Christine Stromberg 1986: Das letzte Band von Samuel Beckett, Regie: David Leveaux (DDR-Erstaufführung) 1988: Freiheitsberaubung von Ulrich Plenzdorf nach einer gleichnamigen Erzählung von Günter de Bruyn, Regie: Vera Oelschlegel (Uraufführung) 1989: Quartett von Heiner Müller, Regie: Bernd Peschke (DDR-Erstaufführung) 1990: Männerbiographien in der DDR: Ich bin schwul von Jürgen Lemke, Regie: Vera Oelschlegel, Bühnenbild und Kostüme: Gino Hahnemann (Uraufführung)
Meisterklasse Als 1981 die ehemalige Staatliche Schauspielschule Berlin (heute: Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“) unter Hans-Peter Minetti den Hochschulstatus erhielt, wurde am TiP eine Meisterklasse eingerichtet, die wenige ausgewählte Schauspiel-Absolventen besuchten. Zu den Schülerinnen und Schülern gehörten unter anderem:
Dietmar Burkhard Corinna Harfouch Marlies Ludwig Detlef Nier Sybille Ruge Dirk Wäger
Ausstellungen (Auswahl)
1976: Grafik von Arno Mohr 1983: Ronald Paris: Handzeichnungen aus 30 Jahren 1986: Alles Theater - Szenografie Theater im Palast 1987: LORIOT 1987/88: Fotografien von Martine Franck
Weblinks
TiP in der Berliner Theater-Chronik des Landesarchivs Berlin TiP auf museum-digital TiP im Archivportal-D Fotos und Filmmitschnitte von Inszenierungen im TiP auf vera-oelschlegel.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Theater (DDR) Kategorie:Ehemaliges Theater (Berlin) Kategorie:Berlin-Mitte